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Breslauer Lerge – Zurück in der Heimat

28. März 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Alles ganz simpel Leseproben, Blog

Foto: Sportverlag

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Im Jahr 1953 hatte ich zum ersten Mal das Glück, die Internationale Friedensfahrt als Berichterstatter des Sportechos vom Start bis ins Ziel mitzuverfolgen. Erst zum zweiten Mal war die DDR in das größte Etappenrennen der Welt für Radamateure mit einbezogen worden und diesmal hieß der Streckenverlauf: Prag – Berlin – Warschau. Vom ersten Tag an war es ein einzigartiges Erlebnis gewesen, diesen Tross zu begleiten, doch mit besonderer Spannung sah ich jenem Tag entgegen, an dem wir die Grenze zu Polen überschreiten sollten. Nach nunmehr acht Jahren konnte ich mir endlich ein eigenes Bild von den Verhältnissen in unserem Nachbarland machen und die Stadt besuchen, in der ich einstmals groß geworden war. Natürlich lasen auch wir in den westlichen Gazetten von den schrecklichen Zuständen in den ehemaligen deutschen Ostgebieten und ehrlich gesagt, einigen „Originalberichten“ schenkte sogar ich Glauben.

Sportverlag Berlin

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Am Morgen des 11. Mai überschritt ich also die Neißebrücke, die Görlitz mit dem polnischen Zgorzelec verbindet, und begleitete den Tross in Richtung Wroclaw – meiner ehemaligen Heimatstadt Breslau. Natürlich sah ich einige Ruinen am Straßenrand, beobachtete Menschen, die noch immer damit beschäftigt waren, ihre zerstörten Dörfer und Städte wiederaufzubauen, doch von „Verwahrlosung und unbestellten Äckern in Westpolen“ konnte nun wirklich keine Rede sein. Der erste Eindruck war eher der, dass die polnischen Menschen mit der gleichen Beharrlichkeit wie wir und oftmals in Eigeninitiative versuchten, ein neues Land zu errichten. Bis zum Horizont erstreckten sich goldgelbe Felder und plötzlich tauchte sie auf: die schönste Stadt der Welt.

Privatsammlung Höcker

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Ich habe damals alle Berichte über meine Heimatstadt gelesen. Noch im April 1945 – der Krieg war fast überall schon vorbei – wurde hier geschossen. In der „Festung Breslau“ wurde um jedes Haus und jede Straße ein aussichtsloser Kampf geführt – so hatte es die Partei und SS beschlossen. Gauleiter Hanke ließ hunderte Menschen an die Wand stellen und erschießen, nur weil sie sich gegen die sinnlose Zerstörung wandten und womöglich das Wort „Kapitulation“ in den Mund genommen hatten. General Niehoff, der sein Hauptquartier auf der Sandinsel der Unibibliothek aufgeschlagen hatte, ließ all die wertvollen alten Handschriften, Bücher, Stiche und Landkarten in die unweit gelegene Annenkirche verbringen. Wenige Tage später brannte das von einer Granate getroffene Gebäude lichterloh und über 400000 Bücher und Schriften gingen in Flammen auf. Der vor den Toren der Stadt gelegene Flughafen war da schon von den Sowjets eingenommen worden und Gauleiter Hanke ließ das Gebiet zwischen Kaiserbrücke, dem Scheitnitzer Stern und der Passbrücke in die Luft sprengen und platt walzen, um dort eine neue Landebahn zu errichten. Unzählige historische Gebäude wurden in diesem Wahn vernichtet und von diesem Flugplatz startete eine einzige Maschine: die des braunen „Festungskommandanten“ Hanke, der so aus Breslau floh.

Privatsammlung Tix

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Fast alle Fabriken waren durch die Durchhaltetaktik bis auf die Grundmauern zerstört worden und der Teil der Südstadt, in der sich die Belagerungsfront befand, wurde während der Kämpfe in eine Wüste verwandelt. Die Stadt stand noch immer in Flammen, als die Sowjets die Verwaltung an polnische Behörden übertrugen. Die Zerstörung der Stadt, in der vor dem Krieg noch 630000 Menschen wohnten, betrug 68 Prozent.

Einen ganzen Nachmittag und Abend lief ich wie parallelisiert durch die Straßen und war kaum ansprechbar. Oftmals standen mir Tränen in den Augen, wenn ich nach Gebäuden oder Straßen suchte, die nun einfach nicht mehr existierten.

Doch überall waren auch deutliche Zeichen des Wiederaufbaus zu sehen. Die PAFAWAG-Werke interessierten mich, die ich noch aus der Zeit vor dem Krieg als „Linke & Hoffmann“ kannte. Das Werk für Güterwagons stand mehrere Wochen unter starkem Beschuss und man konnte 1945 sicherlich nicht mehr von einer Fabrik sprechen. Die erste Belegschaft bestand im Juli 1945 aus den historischen „Sieben von der PAFAWAG“. Bei meiner Besichtigung arbeiteten hier schon wieder über Tausend Menschen. Das fast neu errichtete Werk galt als eines der modernsten in Polen, gehörte zu den größten Waggonfabriken Europas und exportierte seine Produkte in die ganze Welt.

Auch für eine Stippvisite meiner alten Wohngegend und der ehemaligen Hydrometer AG, in der ich meine ersten Schritte ins Berufsleben machte, reichte die Zeit.

Privatsammlung Tix

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Auch dieses Werk war bei den Kriegskämpfen fast völlig zerstört worden und die Nazis hatten den Wasserturm, das Kesselhaus und das Gerätewerk gesprengt. Inzwischen war hier eine Wassermesserfabrik praktisch neu entstanden, die wesentlich moderner und zweckmäßiger anmutete. Auch sie war mit ihrem Produktionsvolumen die größte ihrer Art in Europa. Der Aufbau war in Wroclaw im vollen Gange, denn überall gab es neu errichtete Wohnviertel mit Kinos, Kulturstätten und Krankenhäusern. Mit eigenen Augen konnte ich sehen, wie an der Wiederherstellung der alten Kulturdenkmäler, wie dem weltbekannten Rathaus und dem Dom gearbeitet wurde und dass in der Universität des Landes wieder viel Leben herrschte.

Privatsammlung Tix

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Natürlich würde die Stadt nicht wie Phönix aus der Asche steigen, doch die Zahl von 400000 Einwohnern, die hier mittlerweile wieder lebten, bewies nachdrücklich, dass es keine „tote Stadt Breslau“ gab. Reinste Propaganda.
Und da waren ja auch noch die Menschen. Das Kriegsende lag gerade einmal acht Jahre zurück, jeder kannte nun die schrecklichen Geschichten über das Warschauer Ghetto oder Auschwitz, doch mit welcher Herzlichkeit wir hier empfangen wurden, haute mich schlichtweg um. Überall wimmelte es von begeisterten Jungs und Mädchen, die uns umringten und sogar mich – den Journalistenneuling – nach Autogrammen fragten. Ältere ehrwürdige Herren nahmen uns freundschaftlich in die Arme, sprachen immer wieder von den „guten Nachbarn“ und bildschöne Frauen in schicken Kleidern blinzelten uns zu. Das hatte ich nicht erwartet!
Erstmals begriff ich, dass diese Friedensfahrt nicht nur ein überragendes sportliches Ereignis war, sondern dass sie auch zur Verständigung zwischen den beiden Ländern diente und den Blick für das Neue öffnete.

Sportverlag Berlin

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Heute – in einem geeinten Europa – ist es für mich als „Breslauer Lerge“ nur noch ein Katzensprung in die Stadt an der Oder und wenn ich den Ring entlanglaufe, bin ich kein Heimwehtourist. Ich bin sogar regelrecht Stolz, dass dieses wunderschöne Wroclaw mit seinen zahlreichen Brücken nun Venedig Polens genannt wird. Die dortigen Bewohner kann man nur beglückwünschen, denn sie haben eine richtig gute Entscheidung bei der Wahl ihrer Heimat getroffen.

Hier gehts zum zweiten Teil von Breslauer Lerge und hier kann man den ersten Teil lesen.

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Breslauer Lerge. Kurz vor der Hölle – Teil 2

1. März 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Alles ganz simpel Leseproben, Blog
Historische Postkarte

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Mein Sohn Klaus war etwa 13 Jahre, als mich einmal mein alter Kumpel Heinz Sachse in Berlin besuchte. Wir redeten in der Küche stundenlang über unsere Jugend und den Krieg – und haben uns kaputtgelacht! Klaus sagte am nächsten Tag bestürzt: „Also wenn man euch so reden hört, wünscht man sich ja fast, dass wieder Krieg ist.“ Ich verstand was er meinte, doch wenn man so eine schlimme Zeit überlebt hatte, will man das Erlebte verdrängen und redet nur noch über die schönen Dinge.

Bei Hitlers Machtantritt 1933 war ich noch keine acht Jahre alt. Zur damaligen Zeit war ich in den Augen der neuen Machthaber ein so genannter „Vierteljude“, da ein jeder Deutsche dazu verpflichtet wurde, seinen Stammbaum drei Generationen zurück nachzuweisen. Mein Großvater mütterlicherseits, der die Nazi-Zeit glücklicherweise nicht mehr erleben musste, war Jude und trug zudem mit „Kohn“ einen typisch jüdischen Namen. Zunächst bekamen wir keine Probleme. Dennoch erinnere ich mich an jenen Novembertag ’38, als man sich überall erzählte, dass die Synagoge in Brand gesteckt wurde und die eintreffende Feuerwehr nur das daneben liegende Polizeipräsidium vor den Flammen geschützt hatte. Ich weiß noch, dass es nach dieser Nacht unzählige jüdische Läden am Ring nicht mehr gab. Auch waren plötzlich einige Nachbarn „umgezogen“ und meine Eltern tuschelten nun öfter in der Küche.

Privatsammlung Höcker

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Tante Agnes klebte sich sogar „arisch“ unter „Kohn“ auf das Klingelschild, damit man sie in Ruhe ließ. Ich verstand das alles nicht, auch nicht, dass sie mir immer, wenn ich in HJ-Uniform bei ihr erschien, mit dem Nudelholz hinterher rannte. Ich dachte, sie mache Spaß, denn ich war ja ein glühender Anhänger und marschierte mit meiner Gefolgschaft immer singend durch die Straßen. Meine Jugend war also eher eine Mischung aus Schule, Schwimmverein und dieser neuen Gemeinschaft der Hitlerjugend.
Ich sah darin nichts Verwerfliches, denn viele Lehrer, Radiosendungen und Zeitungsberichte ließen mich glauben, dass es nichts Ehrenwerteres gäbe.

Zu Hitlers Geburtstag bekamen wir immer eine Bockwurst mit Brötchen und als er 1934 einmal zu Besuch nach Breslau kam, war das ein gigantisches Volksfest. Überall hingen Transparente, unzählige Buden waren aufgebaut und fast alle schwenkten Hakenkreuzfähnchen hinter den Absperrungen der SA-Truppen. Unzählige BdM-Mädels mit geflochtenen Zöpfen versammelten sich vor dem Rathaus und Kreischten: „Lieber Führer sei so nett, komm zu uns ans Fensterbrett. Heil, Heil, Heil.“ Unvorstellbar? Nein! Auch ich reckte den rechten Arm zum „Deutschen Gruß“, als er dann endlich erschien.

Historische Postkarte

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Natürlich wunderte ich mich, dass meine Eltern diese Euphorie nie teilten und erst Jahre später ahnte ich, dass sie mit einem stolzen Hitlerjungen als Sohn nicht über politische Einstellungen haben sprechen können – es wäre für uns durchaus gefährlich gewesen, wenn ich mich in der Schule verplappert hätte.
Meinem Vater, dem langjährigen SPD-Mann und Gewerkschafter war das Hitlerbild, welches ich in der Stube anbringen lassen wollte, gleich zweimal heruntergefallen. Er war eigentlich ein Handwerker mit „goldenen Händen“ und ich begriff nicht, dass es pure Absicht gewesen war. Der „Führer“ hatte bei uns nichts zu suchen und auch in der Nachbarschaft grüßte man sich weiterhin mit „Guten Tag“ statt mit „Heil Hitler“.

Um zu beschreiben, wie schwierig es für mich war, diese Welt zu verstehen, ein Beispiel aus späteren Zeiten: Auf einer Messe traf ich jemanden, der Goldmann hieß. Schnell stellte sich heraus, dass auch er eine „Breslauer Lerge“ war. Mit dem Wissen über Verfolgung und KZs fragte ich etwas genauer nach, da der jüdische Name Goldmann in der damaligen Zeit praktisch nicht mehr existierte. Bis er erwähnte, dass er damals noch Quiel hieß. Ich schaute ihn an und rief: „Mensch du bist das! HJ-Gefolgschaft 27.“

Historische Postkarte

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Obwohl die Kriegsvorbereitungen überall in vollem Gange waren, lebten wir auch zu dieser Zeit – gefühlt – in einer normalen Welt. Im September 1939 spielte mein Vater mit einem Kollegen und Rudi, dem Freund von Tante Agnes, bei uns zu Hause Skat, als wir im Hof militärisches Stiefeltrampeln hörten. „Jetzt hol´n se mich“, rief Vater und tatsächlich hievte er noch an diesem Abend den Pappkarton vom Schrank in dem seine Wehrmachts-Uniform lag und zog wenige Tage später in seinen zweiten Krieg. In den folgenden Monaten stimmten die Erfolgsmeldungen aus unserem Volksempfänger noch mit den Berichten meines Vaters überein. Wir bekamen unzählige Briefe, in denen er uns schrieb, dass es ihm gut ginge und der Krieg bald gewonnen sei. Als er das erste Mal auf Heimaturlaub am Breslauer Hauptbahnhof ankam, sah er aus wie ein „Paket auf zwei Beinen“, so viele Geschenke brachte er mit. Sogar eine geschlachtete Ziege, die wir in einem großen Fest mit den Nachbarn verspeisten, schleppte er in einem Zinkeimer an. Auch für Familien von Freunden, die mit ihm an der Front waren, hatte er stets etwas dabei. Als ich nach dem Krieg einmal bei Heinz Schreckenbach in Westdeutschland klingelte und „einen schönen Gruß von Bruno Schubert“ bestellte, rief seine Frau aus der Küche: „Ach der Horst – das ist ja schön!“ Sie kannte mich nur, weil ich als Jugendlicher zweimal die Präsente meines Vaters vorbeigebracht hatte.

Privatsammlung Höcker

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Ich wurde zunächst von der Hydrometer AG nach der Ausbildung übernommen und 1942 zum Reichsarbeitsdienst in den Sudetengau nach Wichstadl einbestellt. Auch wenn wir dort Bäume fällten und Gräben aushuben, war der „Ehrendienst am deutschen Volke“ militärisch organisiert. In erdbrauner Uniform und mit einer Mütze, die wir aufgrund ihrer Form „Arsch mit Griff“ nannten, sollten wir Achtung vor körperlicher Arbeit bekommen. Ich machte mich wohl ganz gut, denn man wollte mich als Ausbilder da behalten. Eines Tages rief mich der Oberfeldmeister zu sich und sagte mir ab, da ich ja wohl ein „Nichtarier“ sei. Ich akzeptierte es, ohne zu hinterfragen, warum nur Leute mit „Ariernachweis“ andere Menschen ausbilden dürfen. Wahrscheinlich war es mir sogar recht, denn ich wollte ja sowieso lieber als Technischer Zeichner arbeiten.

Doch Ende 1942 kam der Einberufungsbefehl zur Wehrmacht.
Am ersten Tag mussten wir uns um 10 Uhr im Wehrbezirkskommando melden und da ich meinen Kumpel Edmund Schuster unterwegs traf, verquatschten wir uns, sodass wir zu spät erschienen. Der Buchstabe „S“ war schon durch und so saßen bald nur noch wir auf den Bänken im Gang. Ein Offizier kam heraus und rief: „Ist hier noch jemand, der nicht aufgerufen wurde?“ „Ja, wir!“, nuschelten wir kleinlaut. Wir hatten mitbekommen, dass bisher alle nach Brieg, unweit von Breslau, einberufen wurden.

Historische Postkarte

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„Na das passt ja“, rief er, „ich brauche noch zwei Leute für die Kaserne in Breslau am Schwimmstadion.“ Wir schmunzelten und freuten uns, dass Zuspätkommen beim Militär sogar noch belohnt wurde. Gut gelaunt fuhren wir los, doch der Posten am Eingangstor sagte verwundert: „Die Ausbildungskompanie ist nicht mehr hier.“ „Wo ist die denn jetzt?“, fragte ich entsetzt. „Na in der Kürassierkaserne.“ Volltreffer! Das war in unmittelbarer Nähe von meinem Zuhause – besser hätte es nicht laufen können. Als wir die Anlage erreichten, war es bereits später Nachmittag. Wir meldeten uns beim Hauptfeldwebel, der uns mit den Worten begrüßte: „Unsere Rekruten beginnen doch erst nächste Woche.“ Edmund reagierte trocken: „Das ist ja nicht so schlimm, dann kommen wir eben erst nächste Woche wieder.“ „Nee, nee Jungs, wer hier einmal hineingekommen ist, kommt so schnell nicht wieder raus“, antwortete der neue Vorgesetzte grinsend.

In der Kleiderkammer händigten sie uns die Uniform und alle anderen Utensilien aus, doch als wir unsere Stube betraten, beobachteten wir, dass nach und nach die Leute die Kaserne wieder verließen. Ungläubig fragte ich einen Kerl: „Habt ihr denn Ausgang?“ Er antwortete beiläufig: „Bei uns gibt es keinen Ausgang. Wir haben um 18 Uhr Dienstschluss.“ Wir schlussfolgerten also: da hier viele Bedienstete in der Verwaltung arbeiteten, die einfach nach Hause gingen, fielen sicher auch Rekruten gar nicht auf, wenn sie abends durchs Tor marschierten. „Ihr müsst bloß Glück haben, dass nicht gerade Alarm ist und vor 24 Uhr zurück sein.“ Ich hatte an jenem Tag um 9 Uhr die elterliche Wohnung verlassen und stand also abends um 19 Uhr bei meiner Mutter vor der Tür und fragte, was es zu Essen gäbe. Nachdem sie den Schreck überwunden hatte und ich ihr klarmachte, dass ich nicht desertiert wäre, stellte sie mir glücklich lächelnd einen Teller Bohnensuppe vor die Nase.
Das war also die Wehrmacht. Eine Art Cowboy- und Indianerspiel, bei dem es einfach nur darum ging, Glück zu haben und möglichst clever zu sein. Im Prinzip alles ganz simpel!

Historische Postkarte

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Im Februar 1943 brüllte Goebbels im Berliner Sportpalast, seine berühmt berüchtigten Worte: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ und Anfang März, ich war noch keine 18 Jahre, saß ich in einem Zug gen Russland auf dem Weg an die Ostfront. Beim Abschied hatte ich meine Mutter sehr lange umarmt und ihr ins Ohr geflüstert: „Jetzt ist der Vater bald zu Hause, denn nun kommen wir ja und machen Schluss!“ Ich ahnte nicht, dass mich nun die Hölle auf Erden erwarten würde, dass ich meine Eltern und die geliebte Heimatstadt sehr lange nicht mehr sehen würde. An diesem Tag wurde mir ein Stück meiner Identität, ein Teil meiner Vergangenheit und für lange Zeit auch das Gefühl der Geborgenheit genommen.

…lest auch im dritten und letzten Teil dieser Leseprobe wie Schubert 1953 die Rückkehr in seine Heimatstadt erlebte.

Hier gehts zurück zum ersten Teil und zum Weiterlesen: Alles ganz simpel
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Breslauer Lerge – Alles ganz simpel

12. Januar 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Alles ganz simpel Leseproben, Blog, Leseproben

Historische Postkarte

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“Heimat ist für mich kein Ort sondern eher ein Gefühl. Sie ist oftmals dort, wo meine Familie, meine Freunde und die meisten meiner Bekannten leben. Mein Zuhause lässt sich eher mit einer Empfindung umschreiben: Geborgenheit.
Von 1925 bis 1943 gab es dieses Gefühl nur in einer Stadt an der Oder. Immer wenn ich später Formulare ausfüllen sollte, ermahnten mich gestrenge DDR-Beamte, dass mein Geburtsort Wroclaw hieße. Noch heute muss ich darüber schmunzeln, denn es gibt sicherlich Tausende Menschen, die in Karl-Marx-Stadt und eben nicht Chemnitz zur Welt gekommen sind. „Nein meine Herren. Der Ort meiner Geburt, meiner Kindheitstage und Jugend heißt Breslau!“

Privatsammlung Tix

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Ich wurde 1925 in den Zeiten der Weimarer Republik im Stadtteil Gräbschen im Westen der Stadt geboren. Unser Haus in der Hochstraße gehörte Bäckermeister Hartmann, dessen Backstube sich im Hof befand. Sein Sohn Heinz war in meinem Alter und immer wenn wir uns unten keilten, schaute meine Mutter auf der einen und die Mutter von Heinz auf der anderen Seite zum Fenster hinaus, quasselten und tranken dabei Lorke. „Guck mal, die Jungs hauen sich.“ „Ach, die vertragen sich auch wieder“, riefen sie sich lachend zu.
Bald zogen wir in die Rehdiger Straße ins Hinterhaus. Wir nannten es Gartenhaus, da sich das vornehmer anhörte. Die Menschen in unserer Gegend grüßten sich herzlich und freuten sich darüber, dass sie den Schuster, Schneider und Gastwirt persönlich kannten. Hier wohnten all meine Freunde und die Schule war unweit am Sauerbrunnen.

Breslauische Sammlung Höcker

Breslauische Sammlung Hoecker

Es ging uns gut, denn meine Eltern hatten immer eine Arbeit. Während meine Mutter Gretel nachmittags die Breslauer Neuesten Nachrichten austrug, arbeitete mein Vater Bruno als Packer bei Stiebler, dem größten Versandhaus für Lebensmittel im Osten Deutschlands, am Zwingerplatz. Wir hatten genug zu Essen – sogar Eisbein mit Sauerkraut gab es ab und an und zu Weihnachten den verzauberten Karpfen polnisch. Die Küche war dann vom Duft seiner markanten Schwarzbiersoße mit Brühe, Gemüse und Fischpfefferkuchen erfüllt. Wir schmissen zusätzlich Knacker und Weißwürste in den großen Topf mit der Tunke und bis zum heutigen Tag wird dieses Gericht an Heilig Abend als „Schubert-Essen“ aufgetafelt.
Die Küche war das Zentrum unserer Wohnung. Hier traf man sich zum Reden, hier wurden die Klöße geformt, die Schulbrote geschmiert, der Streuselkuchen gegessen, Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und Skat gespielt; kurz – hier fand das Leben statt. Dass unsere Toilette eine Treppe tiefer war und Vater das Klopapier fein säuberlich aus Zeitungspapier in Streifen schnitt, störte uns nicht. Auch, dass die Wäsche in derselben Blechwanne gekocht wurde, in der ich am Sonntag badete, war völlig normal. Wir wohnten nun sogar regelrecht nobel, denn in der Hochstraße hatten wir nicht einmal Elektrizität und mussten noch die Gasmarken für 19 Pfennig das Stück kaufen.

Privatsammlung Tix

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Breslau war mit über 600000 Einwohnern eine der größten Städte des Deutschen Reiches und so war es für mich als Kind, gefühlt, fast eine Weltreise bis zum Ring. Unsere Verkehrsmittel waren das Fahrrad und die Straßenbahn und als ich das erste Mal in einem Automobil mitfahren durfte, wurde mir regelrecht schlecht.

Meine kleine Welt bestand bald nur noch aus Schule und Schwimmtraining bei „Borussia Silesia“. Der Verein befand sich im Zentrum und besonders an langen Sommertagen schlenderten wir danach noch durch den gigantischen Bahnhof, von wo aus Züge nach Berlin und sogar nach Paris fuhren. Wir klauten am Naschmarkt ein paar Äpfel, machten aus Jux vor dem steinernen alten Kaiser Wilhelm einen militärischen Gruß, rannten um die Wette den Ring entlang und endeten oft am Rathaus, da dort immer so viel Trubel war. An heißen Tagen sprangen wir abends unter der Kaiserbrücke noch einmal in die Oder und bestaunten vom Ufer aus das Farbenspiel der versinkenden Sonne über meiner wunderschönen Heimatstadt.

Historische Postkarte

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Ich war stets ein braver Junge, der in den Kopfnoten – sogar in Betragen – immer eine Eins mit nach Hause brachte. Nur einmal bekam ich richtig Ärger. Ich saß in der Klasse an einer Doppelbank auf der linken Seite und in den Pausen trafen wir uns oft bei mir und setzten uns auf die Fensterbänke. Eines Tages lehnte ich mich dort mit dem Rücken gegen die Scheibe. Von mir unbemerkt löste sie sich aus dem Rahmen, flog auf die Straße und zerschepperte.
Es gab großes Theater, wer den Schaden übernehmen sollte. Zwei Tage später wollte ich Heinz zeigen, wie das geschehen konnte, denn er hatte meine Panne wegen Krankheit versäumt. Ich setzte mich also ans Fenster, drückte meinen Rücken ganz sachte gegen die Scheibe und sie flog tatsächlich ein zweites Mal in die Tiefe. Ich bekam von Lehrer Sanke ein paar Hiebe mit dem Rohrstock und von meiner Mutter gab es zu Hause eine schallende Backpfeife. Sie ließ mich zwei Wochen nicht ins Freibad fahren. Das war die eigentliche Höchststrafe, nicht nur weil man dort die neuesten Bademoden der Mädels bewundern konnte. Vater sagte lediglich: „Na du bist mir vielleicht ‘ne Lerge (Type).“

Pfingsten ’37 fertigte die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft Dänemark in unserem Olympiastadion mit 8:0 ab und begründete damit ihren Ruf als „Breslau-Elf“. Noch Tage später sprachen wir über nichts anderes – auch mit Herrn Sanke. Unser Lehrer war nämlich ansonsten ein feiner Kerl.

Historische Postkarte

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Wir waren nicht nur Fußball-, sondern auch große Karl-May-Fans und gaben uns untereinander Indianer- und Cowboynamen. Bruno Sanke schien das so gut zu gefallen, dass auch er uns bald nur noch mit unseren Fantasienamen anredete: „Old Shatterhand nach vorn an die Tafel.“, oder „Winnetou trägt nun als nächster das Gedicht vor.“ Die Schulzeit verging wie im Fluge. Abitur wollte ich gar nicht machen und meine Eltern hätten sich das auch nicht leisten können. Wenngleich meine Mutter allen erzählte, dass „ihr Schubsele“ (Kleiner) früher immer „Arbeitsloser“ als Berufswunsch angegeben hatte, begann ich eine Ausbildung bei der Hydrometer AG als Technischer Zeichner.

Wir stellten dort Wassermesser in allen Größen und Formen her und in den drei Jahren lernte ich den ganzen Betrieb kennen: die Lehrwerkstatt, die Gießerei, die Automatenwerkstatt und schließlich das Konstruktionsbüro. In der Uhrmacherwerkstatt nebenan ließ ich die Uhren unserer kompletten Familie reparieren. Der Meister, ein großer Kerl mit riesigen Pranken, behob den Fehler meist in Windeseile und packte die Uhr dann in eine Schublade. Er erklärte mir, dass ich sie erst morgen abholen könne, da es ja komisch aussehen würde, wenn sie bereits am selben Tag fertig wäre. Er fragte mich immer lächelnd nach meinen Fortschritten in der Ausbildung und ich erklärte ihm jedes Mal voller Stolz, dass es mir vor allem Spaß mache, Entwurfs- und Montagezeichnungen zu fertigen und diese dann wie ein Gemälde mit „Schb“ – für Schubert – abzuzeichnen. Noch heute ist dies mein Kurzzeichen, nur weil bei der Hydrometer AG das Kürzel „Schu“ schon vergeben war.

Historische Postkarte

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Im Schwimmbad bandelte ich nun mit den ersten Mädels an und in die „Lichtburg“ ging ich provokativ mit kurzer Hose, um meinen Freunden zu zeigen, dass ich auch in diesem Aufzug in die Filme ab 18 hinein käme. Ich hätte mir keinen schöneren Beruf vorstellen können und mein Leben schien, wie auf dem Reißbrett vorgezeichnet zu sein. Eigentlich war alles ganz simpel.”

…lest hier im zweiten Teil wie mein Opa die Nazizeit und den Einzug zur Wehrmacht erlebte.
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Kriegsende vor 70 Jahren – Alles ganz simpel

15. Mai 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Alles ganz simpel Leseproben, Blog

Opa SchlittenAnfang Februar 1945 war ich nach einem fast zweijährigen Marsch gen Westen mit meiner Kompanie in der Nähe von Namslau in Niederschlesien angekommen. Wenn meine Söhne später bei Wanderungen jammerten und fragten wie weit es noch wäre, habe ich immer mit „ein Katzensprung“ geantwortet und ihnen erzählt, dass ich schon einmal von Demjansk in Russland bis an die Oder gelaufen bin. „Und die Russen sind gerannt“, war damals ein geflügeltes Wort in unserer Truppe, „und wir immer vor ihnen her!“
Unsere Erwartungen auf einen Sieg waren nach zwei Jahren selbst erfahrener Schlachten weit unter den Nullpunkt gesunken. Ich erlebte diesen Feldzug fast ausschließlich als Rückzug durch zerstörte Dörfer und Städte. Das EK II, EK I und das Infanterie-Sturmabzeichen bekam ich für besonderen Mut – oder Leichtsinnigkeit – in den ersten fünf Monaten an der Front während der letzten verzweifelten deutschen Offensiven. Doch danach war es vorbei mit meinem Heldentum. Glücklicherweise erinnerte ich mich an den Rat meines Vaters, der da lautete: „Wenn es heißt Freiwillige vor, dann schnell zur Seite treten, damit die Freiwilligen vor können!“.Das hat mir sicherlich oft das Leben gerettet. Wahrscheinlich bewahrte es mich auch davor, an Erschießungskommandos teilzunehmen.

Ich weiß bis heute nicht, ob ich so andere Menschen hätte töten können, denn wenn man in dieser Scheiße drinsteckt, ist klares Denken und menschliches Handeln oftmals nicht mehr möglich. Befehlsverweigerung hätte unter Umständen den eigenen Tod bedeutet. Doch zum Glück bin ich nie in diese Verlegenheit geraten, denn wir hatten immer vernünftige Vorgesetzte ohne „Halsschmerzen“. Um das begehrte Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes zu bekommen, welches als Halsbandorden getragen wurde, verheizten einige ehrgeizige Heroen ihre Einheiten oftmals in besonders riskanten Unternehmungen. Wahrscheinlich wollten viele meiner Befehlshaber irgendwann auch einfach nur noch lebendig zu ihren Familien nach Hause kommen. Sie bekamen also keine „Halsschmerzen“.

Wir waren schon jenseits der Oder, also westlich des Stromes, mit dessen Wasser ich als Breslauer sozusagen getauft worden bin und in dessen Fluten wir uns als Jungen nicht immer vorschriftsmäßig getummelt hatten. Mein Unteroffizier, zwei Kameraden und ich hatten in einem einzeln stehenden Haus am Ortsrand eines kleinen Dorfes Stellung bezogen und russische Panzer T34 rollten auf uns zu. Höchste Zeit also, sich zu verdrücken. Wir vier waren uns da völlig einig. Ich stürmte als Erster hinaus. Warum, weiß ich bis heute nicht. Genau in diesem Moment traf eine Panzergranate das Haus. Ich war schon draußen, als das Geschoß mit einem ohrenbetäubenden Krach detonierte. Meine Kameraden leider nicht.
Eine Außenwand stürzte auf mich herab. Dann wurde alles schwarz über mir. Wie lange meine Ohnmacht, verschüttet unter den Ziegeln, dauerte? Ich habe keine Ahnung. Ein Feldwebel buddelte mich schließlich aus. Er schaute mich mit besorgter Miene an und fragte irgendetwas. Ich griff mir ins Gesicht, schaute gleichzeitig auf meine Hand, meinen Mantel und die große Lache um mich herum. Das viele Blut, der Dreck und der Staub der Ziegelsteine hatten sich zu einem Farbton vermischt, den ich mein Leben lang nicht mehr sehen kann. Orange!

Der Feldwebel war Waffenmeister, wie er unter Hinweis auf zwei, mir riesig erscheinende, Holzkisten sagte, die er mitschleppte. Über die Felder machten wir uns in Richtung Autobahn davon. Ich schrie nach meinen Kameraden, doch er schüttelte nur den Kopf und zerrte mich weiter. Mühsam humpelte ich ihm hinterher. Die Entrüstung des Mannes werde ich nie vergessen, als ich ihn bat, mir ein bisschen unter die Arme zu greifen und doch um Himmelswillen die blöden Kisten stehen zulassen. Ich weiß nicht, ob das „tausendjährige“ Reich dem Deutschpreußen später noch ausreichend gedankt hatte, ob der Rettung der Dinger. Auf den Kriegsausgang hatte die Korrektheit des Feldwebels jedenfalls keinen entscheidenden Einfluss mehr gehabt.
Ein auf der Autobahn vorbeikommender, schon mit Verwundeten voll gestopfter Sanka lud mich ein. Obwohl ich kaum Schmerzen verspürte, muss ich furchtbar ausgesehen haben und auch mein feldgrauer Mantel leuchtete noch immer in dieser schrecklichen Signalfarbe. Als wir endlich hielten, befand ich mich vor dem Eingang des Elisabethinerinnen-Krankenhauses in der Gräbschener Straße in Breslau, einmal um die Ecke – nur fünf Minuten Fußweg – von der Rehdigerstraße 11 in der wir wohnten. Ich atmete tief durch. Endlich wieder zu Hause!
postkarte rathaus
Den Schwestern, die mich zur Untersuchung bringen wollten, entwischte ich erst einmal. Ich fand ein Telefon und rief in der Bäckerei in der Hochstraße an. Im Gegensatz zu uns besaßen Hartmanns ein Telefon. Von ihm erfuhr ich, dass Muttel (Mutter) zu ihrer Schwester nach Gablonz an der Neiße aufgebrochen und mein Vater noch immer an der Front war. Wo genau konnte er nicht sagen.
Im Krankenhaus, das einem katholischen Kloster angeschlossen war, verarztete man mich provisorisch. Granatsplitter, die dabei in meinem Schädel entdeckt wurden, rührte man zunächst nicht an. Die Schwestern in ihren schwarzen Kutten sorgten sich rührend um uns. Ich glaube sie hätten uns auch Händchen gehalten und ein Gute-Nacht-Lied gesungen, wenn das erforderlich gewesen wäre. Immer wenn wir früher mit unserer HJ-Gefolgschaft 27 an der Kirche und dem Kloster vorbeigelaufen waren, hatten wir respektlos ein Lied gebrüllt: „Spieß voran, drauf und dran, setzt aufs Klosterdach den roten Hahn! Spieß voran, drauf und dran, setzt aufs Kirchendach den roten Hahn!“ – zündet es an, bedeutete das. Jetzt schämte ich mich zutiefst dafür.
Bis zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich recht fit. Erst als ich im Bett lag, kamen die Schmerzen. Sie wurden so stark, dass ich öfter für mehrere Stunden in Ohnmacht fiel. So richtig denken konnte ich eigentlich erst wieder, als ich nach einer wohl mehrtägigen Fahrt mit einem Lazarettzug in Ulm an der Donau landete.

Erst viel später erfuhr ich, dass dies einer der letzten Züge gewesen war, der meine Heimatstadt verlassen hatte, bevor die Schlacht um die „Festung Breslau“ begann, bei der nochmals zigtausende Menschen ums Leben kamen.
Im Ulmer Lazarett diagnostizierte man eine Schädelfraktur und eben diverse Granatsplitter im Kopf. Zum Glück bat ich den Arzt rechtzeitig, in mein rechtes Ohr zu schauen. Dort steckten dann tatsächlich noch unzählige orangefarbene Ziegelstücken, die sie ohne Operation entfernen konnten. Sie wollten mir eigentlich schon den halben Schädel aufschneiden.
Offenbar wehrt sich der Körper gegen Beschwerden und Schmerzen solange man noch in Gefahr ist und gibt erst nach, wenn man sich in Sicherheit wähnt. Ich habe mir diese sehr persönliche Erfahrung nie von Medizinern bestätigen lassen, wie ich es ohnehin vermeide, bei jeder kleinen Unpässlichkeit gleich zum Arzt zu rennen. Geholfen haben mir meine Erkenntnisse später dennoch. Beschwerden, die im Augenblick nicht erwünscht waren, habe ich einfach immer weggeredet.
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In Ulm erlebte ich in den letzten Monaten des Krieges etliche Luftangriffe. Uns Verwundete schaffte man in tiefer gelegene Kellerräume – es waren wohl die ehemaligen Katakomben einer Burg. Und plötzlich kam die Angst. An der Front hatten wir immer in behelfsmäßig ausgehobenen, gammligen Löchern gehockt, die gerade mal so tief waren, dass mein eingezogener Kopf nur Zentimeter unter der Erdoberfläche war. Doch hier im scheinbar sicheren Kellergewölbe hatte ich mehr Angst als jemals zuvor als Infanterist. Überall krachte, bebte und spritzte es und mir kam die Einsicht, dass all die Menschen daheim, Frauen, Kinder und Greise bei den Luftangriffen genauso litten wie wir draußen im Graben.
Ich vermisse diese Tatsache leider bei vielen Beschreibungen des Krieges. Genauso wenig kann ich verstehen, wenn in Schlachtfilmen, die ja heute massenhaft über den Bildschirm flimmern, all jene verherrlicht werden, die keine Angst haben. Was müssen das nur für Dummköpfe sein? Keine Angst zu haben, bedeutet doch nichts anderes, als sich der Gefahr, die auf einen zukommt, nicht bewusst zu sein. Und das ist dumm. Diese Angst zu überwinden, um anderen Menschen zu helfen, sie zu retten oder zu beschützen, das nenne ich Mut. Doch den bekommt man erst im Laufe seines Lebens, schneller oder langsamer – oder niemals.

Ich erinnere mich noch meine „Feuertaufe“. Wir standen im Feld hinter einer Kartoffelmiete, die etwa 1,20 Meter hoch und 15 Meter lang war. An ihrem Fuß war der Länge nach ein schmaler Graben von ca. 30 cm Tiefe ausgehoben, offenbar zum Wasserauffangen bei starkem Regen. Plötzlich setzte feindliches Gewehrfeuer ein. Doch ich rannte nicht etwa leicht gebückt ans andere Ende der Miete, denn ihre Höhe hätte mich ohne weiteres vor Treffern geschützt, sondern kroch angstgeschüttelt, rückwärts, eng an den kleinen Graben gepresst, zurück. Einige Kameraden lachten mich später aus und tatsächlich: in den Monaten danach bin auch ich, ohne mich groß um das Pfeifen der Kugeln zu kümmern und teilweise nicht einmal geduckt, von Deckung zu Deckung gelaufen. Man hatte sich an die Gefahr gewöhnt und wusste: nicht jede Kugel würde treffen. Ich war leichtsinnig geworden. An jenem Tag in Russland rauchte ich übrigens zitternd meine allererste Zigarette und habe erst neulich mit 86 Jahren wieder aufgehört.
Opa und icke
Nach relativ kurzem Lazarettaufenthalt wurden viele, die schon wieder halbwegs auf zwei Beinen laufen konnten, zu regulären Wehrmachtseinheiten versetzt. Mit zwei anderen Infanteriefunkern musste auch ich mich auf den Weg nach Bermaringen, einem Dorf in der Nähe von Ulm, machen. Uns kam das kalte Grausen, als wir sahen, dass die ganze Truppe, mit der wir drei den Krieg nun zu Ende spielen sollten, im kleinen Saal des Dorfgasthauses einquartiert war. Dem Kompaniechef, einem Oberleutnant, erzählten wir deshalb, dass uns in wenigen Tagen Funkgeräte und Fernmeldematerial folgen würden und wir uns deshalb nach einem zweckmäßigeren Quartier umschauen müssten. Er fiel auf unseren Schwindel rein und so erhielten wir eine separate Unterkunft bei einem Bauern in der Nähe der Dorfkneipe. Der winzige Raum mit Sofa und einer Strohschütte war zwar keineswegs luxuriös, aber immerhin konnten wir so in der Nacht und nach einiger Zeit auch am Tage, dem Kompanietrott aus dem Wege gehen.
Der Lange, wie wir ihn nannten, kam aus Kornwestheim und hatte zwei prima Ideen. Zum einen liefen wir abends los, klopften mal hier und da und erzählten etwas von einem geplanten Kompaniefest. Die schwäbischen Bauern waren nicht geizig und schnell hatten wir einen großen Vorrat an Eiern, Speck, Wurst, Butter, aber auch eingelegte Leckereien zusammen geschnorrt. Wir aßen von nun an fürstlich und die Dorfkinder freuten sich über unser Kochgeschirressen, das wir uns täglich bei der Kompanie abholten, damit unser kulinarisches Eigenleben nicht auffiel.
Der zweite Trick war schon etwas krimineller. Wir hatten spitz bekommen, wenn wir im Dunkeln auf unseren Verpflegungstouren durchs Dorf bummelten, dass aus manchen – pflichtgemäß verdunkelten – Hauskellern noch tief in der Nacht Licht drang. Die beiden schönen Töchter unseres Bauern vermuteten, dass da sicher aus Äpfeln, Birnen oder Pflaumen Schnaps gebrannt werde. Das sei zwar verboten, aber alle schönen Angewohnheiten wollten die Schwaben dem Krieg ja auch nicht opfern. Also zockten wir nun auch frisch gebrannten Obstschnaps für „die Kompanie-Feierlichkeiten“ ab. Den Genuss mussten wir allerdings stark limitieren, da einen der Fusel mächtig umhaute.
Mark Scheppert Horst Schubert 2
Und diese lasche Moral schien sich auf die gesamte Truppe übertragen zu haben. Die Kompanie bekam eines Tages ganz neu eingeführte Schnellfeuergewehre geliefert, aber keinen einzigen Schuss passender Munition. Als sich während der Einweisung ein Unteroffizier die Frage erlaubte, wie man denn im Ernstfall reagieren solle, wenn man zwar hochmoderne Waffen aber keine Patronen dazu habe, meldete sich der Spieß zu Wort. Der Stabsfeldwebel – die so genannte Mutter der Kompanie – fragte vor der versammelten Mannschaft ganz trocken: „Aber weiße Taschentücher habt ihr doch wohl?“ Keiner muckte auf, nicht einmal der Kompaniechef. Klar war damit, dass mit unseren Jungs nicht mehr groß zu rechnen wäre, wenn die Amerikaner kämen.
Und die kamen früher als gedacht. Wir wurden in Marsch gesetzt und zogen gen Süden. Bei einem der unzähligen Halte hatte der Kompaniechef seinen Gefechtsstand in einem Frisiersalon eingerichtet. Wir drei Funker saßen bei ihm und zehrten von unseren Bermaringer Obstlerreserven, als es dem Chef gelang, am Radiogerät einen Sender zu finden, der uns über den aktuellen Stand der militärischen Lage in unserem Gebiet informierte. Einen „Feindsender“!
Plötzlich klopfte es an der Tür, die vom Laden zur Wohnung der Friseurfamilie führte. Schnell schalteten wir aus und öffneten leichenblass die Tür. Vor uns stand die Friseursfrau und stammelte: „Wir haben oben in der Wohnung auch noch einen zweiten Lautsprecher.“ Langsam kehrte die Farbe in unsere Gesichter zurück. Für das „feindliche Mithören“ hätte uns die Frau auch beim Ortsgruppenleiter der NSDAP verpfeifen können. Zu jener Zeit wurden dafür sogar noch Zivilisten gehängt. Hat sie aber nicht.
Am Tag, als wir die Iller überquert hatten, versammelte der Bataillonskommandeur alle auf einer Lichtung. Er kam, wie zu Kaisers Zeiten, auf einem Pferd angeritten, stieg ab, hinkte gotterbärmlich die gesamte Aufstellung ab und verkündete, dass er das Bataillon am kommenden Tag ordentlich, diszipliniert und in allen Ehren an die Amerikaner übergeben werde. Wer zufällig in unmittelbarer Nähe zu Hause wäre, könne ja versuchen, die Heimat ohne den Umweg einer Kriegsgefangenschaft zu erreichen. Mein Freund Heinz Böder und ich befanden, dass unsere Heimatstädte Berlin und Breslau eigentlich in unmittelbarer Umgebung wären. Wir verkrochen uns in einer Scheune, süffelten den Rest unseres Schnapses und hörten in der Nacht nicht einmal die ersten durchfahrenden Amis. So einfach, ganz simpel, endete für mich der zweite Weltkrieg im April 1945.
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Zum Weiterlesen: “Alles ganz simpel” im Buchhandel
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Nachtrag: 2012 war ich, der Enkel, erstmals mit Freunden zu Besuch in der Heimatstadt meiner Großeltern – und Wroclaw ist eine großartige Stadt mit superfeinen Menschen!
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Rezension “Alles ganz simpel” in joT w.d. 12/11

3. Dezember 2011 | von | Kategorie: Alles ganz simpel Leseproben, Blog

Jot Wd. 12-2011-klein

In der aktuellen Dezember-Ausgabe von joT w.d. – der Bürgerzeitung von Marzahn-Hellersdorf – gibt es eine schöne Rezension von Ralf Nachtmann meines Buches “Alles ganz simpel”.
Übrigens hatte ich das Buch erst ohne Fragen & Antworten geplant und geschrieben (da ich das auch spannender gefunden hätte), aber mein Opa war dagegen, da er sich nicht “selbstbeweihräuchern” wollte (so ist ihm das in der Romanform vorgekommen). So sind es eben ein spannender Dialog mit seinem Enkel…

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Mein Weihnachtsgewinnspiel

1. Dezember 2011 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Schwarz-gold-rot
Ab heute (01.12.2011) verlose ich 10 x mein Buch “Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens”. Doch das Gewinnspiel hat einen kleinen Haken:
In meinem aktuellen Werk “Alles ganz simpel” ergeben die (fett und in Versalien) geschriebenen Anfangsbuchstaben der einzelnen Kapitel einen vollständigen Satz. Die ersten zehn Leser, die mir den Satz an:
verlosung@markscheppert.de senden, erhalten kostenlos das Buch “Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens” gesandt.

Viel Erfolg! M.S.

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ALLES GANZ SIMPEL
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Mark Scheppert / Horst Schubert
ISBN 978-3-8423-8046-2
Oktober 2011, 9,95 €
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Pünktlich vor Weihnachten ist mein neues Buch “Alles ganz simpel” erschienen. Damit ist meine „Schwarz-Rot-Gold-Trilogie“ beendet und ich kann mich neuen Dingen widmen.
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„Alles ganz simpel“ beschreibt den außergewöhnlichen Lebensweg meines Opas vom stolzen Hitlerjungen in Breslau zum linken Alterspräsidenten der Bezirksverordenten-Versammlung in Berlin Marzahn Hellersdorf 2011.
Vielleicht hätte ich mit ein bisschen mehr Zeit und Mut eine ähnlich bewegende Familiensaga wie Uwe Tellkamps „Turm“ oder Eugen Ruges „In den Zeiten des abnehmenden Lichts“ schreiben können, da in meinen drei Büchern nunmehr ja auch mehrere Generationen ganz unterschiedlich auf dieses Land vor, während und nach der DDR zurückblicken.
Allerdings muss ich gestehen, dass mein Opa, der mittlerweile im vierten deutschen Staat lebt, mit Abstand die spannendsten Geschichten zu erzählen hat.

Cover Alles ganz Simpel-klein

Hier der Klappentext:

Mein Opa ist ein „Geschichtsbuch auf zwei Beinen“, denn er hat fast ein komplettes deutsches Jahrhundert hautnah erlebt.
Eine Kindheit und Jugend in Breslau (Schlesien) während der Weimarer Republik und in Hitlers Reich. Einen mörderischen Weltkrieg und die Kriegsgefangenschaft. Die Gründung und den Aufbau der DDR mit Jobs als Telegrafenarbeiter in Lübben, Dachdecker in Osternienburg, Hilfsschlosser und Technischer Zeichner in den Buna-Werken.
Ein Sportstudium an der DHfK in Leipzig und den Berufsstart als Reporter der Friedensfahrt für das Deutsche Sportecho. Den 17. Juni und den Mauerbau. Die Zeit als Verlagsdirektor des Sportverlages in Berlin mit Teilnahmen an Olympischen Spielen und Buchmessen. Den Niedergang der DDR, den Mauerfall und den linken Neubeginn in der Bundesrepublik Deutschland.

Das wollte ich unbedingt aufbewahren und teilen.

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Entstehungsgeschichte “Alles ganz simpel”

9. Oktober 2011 | von | Kategorie: Alles ganz simpel Leseproben, Leseproben

Opa und icke

„Sag mal Junge, hast du denn schon wieder deine Mütze im Auto vergessen?“ Meine Freunde vor der Tür lächelten und auch ich war gerührt. Der „Junge“ war mein 63-jähriger Vater, der zusammen mit dem besorgten Herrn, meinem 85 Jahre alten Opa, soeben das DDR-Museum in Berlin-Mitte verlassen hatte. Vater drehte sich noch einmal um und rief mir etwas zu. „Ja, übernächste Woche!“, brüllte ich zurück.
Soeben war die erste Lesung zu meinem Buch „Mauergewinner“ zu Ende gegangen. Ich inhalierte die kühle Herbstluft und blickte entspannt in den Abendhimmel über dem Alexanderplatz. Es schien ihnen gefallen zu haben. Auch meine Mutter hatte oft und herzhaft gelacht, obwohl ich mir gerade Texte ausgesucht hatte, in denen ich nicht sehr zimperlich mit meinen Eltern umgegangen war. Nachdem sich meine Nervosität ein wenig gelegt hatte, plauderte ich mit dem Publikum, ließ meine Erzeuger zu Wort kommen und erwiderte ihre ironischen Zwischenrufe. Ich schaute in die Reihen der Zuschauer und wusste plötzlich wieder, für wen ich das Buch geschrieben hatte – einzig und allein für meine Familie!
Vater, der sich scheinbar eine fiebrige Erkältung eingefangen hatte, überreichte mir kurz vor Beginn der Lesung hustend einen Schuhkarton und sagte, dass er gerne mal mit mir über den Inhalt reden würde. Er nickte verständnisvoll, als ich ihm klarmachte, dass ich dafür heute mit Sicherheit keine Zeit haben würde. Aber übernächste Woche. Bis dahin hätte ich mir die Sachen auch angeschaut!

Opa Familie

Als ich vier Tage später ins Unfall-Krankenhaus Marzahn kam, war mein Vater auf der Intensivstation gerade wiederbelebt worden. Dort traf ich meinen kreidebleichen Opa. Der zuständige Arzt faselte etwas von 20 % Überlebenschancen, doch in seinen Augen sah ich, dass es Null waren. Im Aufzug spürte ich, dass sich mein Opa kaum noch auf den Beinen halten konnte. Auch mir liefen längst Tränen über die Wangen und zum ersten Mal in meinem Leben nahm ich meinen Großvater in die Arme. Doch erst als wir vor der Tür mit zittrigen Händen eine Zigarette rauchten – er seine filterlosen Caro, ich meine leichten Cabinet – wurde mir bewusst, dass ich in wenigen Augenblicken meinen Vater verlieren werde und er seinen Sohn – seinen Jungen.
Mein Vater war stets ein sehr humorvoller Mensch gewesen und hätte spätestens jetzt gesagt: „Nun drück mal nicht so auf die Tränendrüse.“ Das möchte ich nicht. Damals hatte ich mich einfach noch nie mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinandergesetzt.
Ich konnte wochenlang diesen Karton nicht öffnen und als ich es dennoch tat, wurden meine Befürchtungen bestätigt. Vater hatte viele Erinnerungsstücke seines Lebens zusammengesucht: alte Zeitungsausschnitte, Urkunden, Fotos, Orden und Medaillen. Sogar ein Schriftstück zu einem Parteiverfahren war mit dabei. Ich ahnte was er vorgehabt hatte…

Durch seinen Tod kamen sich zwei Menschen näher, die zuvor bei Familientreffen kaum mehr als drei Worte miteinander gewechselt hatten. Mein Opa und ich. Stundenlang saßen wir in seiner Stammkneipe „Paule“ in Biesdorf zusammen, versuchten gemeinsam, das schreckliche Ereignis zu verarbeiten und wurden dabei Freunde. Er redete viel über meinen Vater, aber auch über eigene Erlebnisse und ich hörte ihm einfach zu. Eines Tages begriff ich etwas, was ich meinem Alten gerne noch zu Lebzeiten zugerufen hätte: „Dein Leben war mit Sicherheit dreimal spannender als meines, aber was dein Vater – mein Opa – erlebt hat, schlägt uns beide um Längen!“

Opa Sport

Genau dieses Leben wollte ich unbedingt festhalten, bevor ich es wieder in einem Schuhkarton überreicht bekam.
Mein nunmehr 86-jähriger Großvater hat ein deutsches Jahrhundert erlebt, das ganz anders klang als das, was ich während meiner Schulzeit immer verabreicht bekommen hatte. Er fand sein Leben ganz simpel. Ich nicht!
Immer wieder hatte er betont: „Ich glaube eigentlich, dass diese Anekdoten nur für meine Kinder und Enkel interessant sind, aber wenn du daraus unbedingt ein Buch machen willst…“ Wollte ich!

Letztendlich entschied ich mich für ein Gespräch als richtige Form für mein Unterfangen, da mich besonders Ereignisse, die mein Opa für bedeutsam hielt, interessierten. Entstanden ist somit keine Biographie und auch keine Aneinanderreihung von Anekdoten, sondern eine Mischung aus beidem. Gelebte deutsche Geschichte, die ich aufbewahren und teilen wollte.

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Über Alles ganz simpel

9. Januar 2011 | von | Kategorie: Infos

Opa Auto

Schubert berichtet in seiner typischen leicht lakonischen Art, und der Leser kann ohne künstlich erzeugte Spannungsbögen ein interessantes Leben nachvollziehen.
JOT W.D., Dezember 2011

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Mein nunmehr 86jähriger Opa hat ein deutsches Jahrhundert erlebt, das ganz anders klang als das, was ich – sein Enkel – während meiner Schulzeit immer verabreicht bekommen hatte.

Eine Kindheit und Jugend in Breslau während der Weimarer Republik und in Hitlers Reich. Einen mörderischen Weltkrieg und die Kriegsgefangenschaft. Die Gründung und den Aufbau der DDR mit Jobs als Telegrafenarbeiter in Lübben, Dachdecker in Osternienburg, Hilfsschlosser und Technischer Zeichner in den Buna-Werken. Ein Sportstudium an der DHfK in Leipzig und den Berufsstart als Reporter der Friedensfahrt für das Deutsche Sportecho. Den 17. Juni und den Mauerbau. Die Zeit als Verlagsdirektor des Sportverlages in Berlin mit Teilnahmen an Olympischen Spielen und Buchmessen. Den Niedergang der DDR, den Mauerfall und den linken Neubeginn in der Bundesrepublik Deutschland.
Opa fand das alles ganz simpel. Ich nicht!

Den spannenden Weg vom Hitlerjungen in Schlesien zum Alterspräsidenten der Linken in Berlin Marzahn-Hellersdorf wollte ich unbedingt aufbewahren und teilen.

Entstanden ist keine Biographie und auch keine Aneinanderreihung von Anekdoten, sondern eine Mischung aus beidem. Gelebte deutsche Geschichte aus erster Hand.

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Alles ganz Simpel-klein

Das Schöne an dem Buch ist, dass der Enkel den Großvater nach Schlüsselereignissen seines Lebens befragt und dieser locker erzählt. Ohne Schmus, Schminke und Selbstbeweihräucherung.
BERLINER WOCHE, November 2011

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