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Rekord für die Ewigkeit – DHfK Leipzig Teil 3

15. Januar 2012 | von | Kategorie: Alles ganz simpel Leseproben, Blog

Foto: Sportverlag Berlin

Foto: Sportverlag Berlin


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(Leseprobe aus: “Alles ganz simpel”)
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…mein Sohn Klaus sollte 1958 zunächst an die KJS (Kinder- und Jugendsportschule) in Halle delegiert werden. Er war ein hoch talentierter Fußballer und Leichtathlet – besonders in den Wurfdisziplinen – doch er wurde dort nicht genommen. Inge rief aufgebracht in der Schule an. Man sagte ihr, dass sie jährlich nur vier Kinder von Nicht-Arbeitern aufnähmen. Er läge an fünfter Stelle und könne daher nicht berücksichtigt werden. Der Rektor dieser Schule war Wolfgang Lohmann, der in meiner Studienzeit noch Rektor an der DHfK gewesen war. Wütend setzte mich ins Auto und fuhr nach Halle. Lohmann strahlte: „Horst, bist du das wirklich?“ Ich schmunzelte, denn auch diesmal war ich es und fragte ihn vorwurfsvoll: „Warum hast du mich damals eigentlich in der Diplomprüfung nicht durchfallen lassen?“ Er schaute mich fragend an: „Wie meinst du denn das?“ „Tja, vor dem Studium war ich all die Jahre Arbeiter gewesen und durch euer Diplom gehöre ich plötzlich zur Intelligenz. Deswegen darf mein Sohn jetzt nicht an eure KJS!“ Mein ehemaliger Rektor schwieg einen Moment und murmelte dann: „Die Vorschriften mit der Arbeiterklasse mache ich doch nicht!“ Im nächsten Jahr wurde Klaus an der Sportschule zugelassen.

Foto: Sportverlag Berlin

Foto: Sportverlag Berlin

Obwohl ich während meiner Studienzeit nie der allerbeste in einem Prüfungsfach gewesen war – sogar im Schwimmen gab es zwei Jungs die schneller kraulten – sorgte Klaus Jahre später dafür, dass ich dort immerhin einen Rekord aufstellte. Er war der erste Nachkömmling eines Absolventen, der ebenfalls an der DHfK studierte. Wie auf meinen Sohn Volker, der im Leipziger Interhotel arbeitete, war ich sehr stolz auf ihn und Dr. Schingnitz hob auf unseren Jubiläumstreffen immer sein großes sportliches Potential hervor. Allerdings bescheinigte mir unser ehemaliger Lehrer Franke auch, dass mein Kind „ja noch viel fauler sei als ich.“

Für eine Sportecho-Reportage schaute ich später einmal selbst beim Training des Übungsverbandes der DHfK zur Vorbereitung auf das Turn- und Sportfest in Leipzig vorbei. Mein damaliger Mitkommilitone Erich Bunzel war dort mittlerweile als Sportlehrer tätig und leitete das Geschehen von einem hohen Gerüst aus. Irgendeinen Reporter hätte Erich wohl nicht auf seinen Kommandoturm gelassen, aber ich durfte. Bei einem Übungsteil mussten zehn bis zwölf Studenten eines von mehreren riesigen Trampolinen auf die Wiese schleppen und oben wurden dann halsbrecherische Salti gesprungen.

Foto: Sportverlag Berlin

Foto: Sportverlag Berlin


Die jeweiligen Träger saßen nun im Schneidersitz zu beiden Seiten der Geräte. Erich reichte mir ein Fernglas und rief mir grinsend zu: „Damit du mal siehst, auf was für verrückte Einfälle dein Junior so kommt.“ In der Mitte unter einem der Trampoline saß tatsächlich mein Sprössling mit zwei anderen Kumpels. Während über ihnen die Turner auf der Gummimatte Kopf und Kragen riskierten, spielten die drei in aller Seelenruhe Skat. Das hätten wir uns früher mit Sicherheit nicht getraut. Natürlich habe ich darüber in meiner Reportage kein Wort verloren und hoffte gleichzeitig, dass sie das bei der offiziellen Aufführung nicht machen würden…

Zum Weiterlesen Buch: “Alles ganz simpel”
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Hier gehts zum ersten Teil der Leseprobe (Theorie an der DHfK) und hier zum zweiten Teil (Praxis an der DHfK).

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Mein Weihnachtsgewinnspiel

1. Dezember 2011 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Schwarz-gold-rot
Ab heute (01.12.2011) verlose ich 10 x mein Buch “Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens”. Doch das Gewinnspiel hat einen kleinen Haken:
In meinem aktuellen Werk “Alles ganz simpel” ergeben die (fett und in Versalien) geschriebenen Anfangsbuchstaben der einzelnen Kapitel einen vollständigen Satz. Die ersten zehn Leser, die mir den Satz an:
verlosung@markscheppert.de senden, erhalten kostenlos das Buch “Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens” gesandt.

Viel Erfolg! M.S.

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ALLES GANZ SIMPEL
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Mark Scheppert / Horst Schubert
ISBN 978-3-8423-8046-2
Oktober 2011, 9,95 €
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Pünktlich vor Weihnachten ist mein neues Buch “Alles ganz simpel” erschienen. Damit ist meine „Schwarz-Rot-Gold-Trilogie“ beendet und ich kann mich neuen Dingen widmen.
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„Alles ganz simpel“ beschreibt den außergewöhnlichen Lebensweg meines Opas vom stolzen Hitlerjungen in Breslau zum linken Alterspräsidenten der Bezirksverordenten-Versammlung in Berlin Marzahn Hellersdorf 2011.
Vielleicht hätte ich mit ein bisschen mehr Zeit und Mut eine ähnlich bewegende Familiensaga wie Uwe Tellkamps „Turm“ oder Eugen Ruges „In den Zeiten des abnehmenden Lichts“ schreiben können, da in meinen drei Büchern nunmehr ja auch mehrere Generationen ganz unterschiedlich auf dieses Land vor, während und nach der DDR zurückblicken.
Allerdings muss ich gestehen, dass mein Opa, der mittlerweile im vierten deutschen Staat lebt, mit Abstand die spannendsten Geschichten zu erzählen hat.

Cover Alles ganz Simpel-klein

Hier der Klappentext:

Mein Opa ist ein „Geschichtsbuch auf zwei Beinen“, denn er hat fast ein komplettes deutsches Jahrhundert hautnah erlebt.
Eine Kindheit und Jugend in Breslau (Schlesien) während der Weimarer Republik und in Hitlers Reich. Einen mörderischen Weltkrieg und die Kriegsgefangenschaft. Die Gründung und den Aufbau der DDR mit Jobs als Telegrafenarbeiter in Lübben, Dachdecker in Osternienburg, Hilfsschlosser und Technischer Zeichner in den Buna-Werken.
Ein Sportstudium an der DHfK in Leipzig und den Berufsstart als Reporter der Friedensfahrt für das Deutsche Sportecho. Den 17. Juni und den Mauerbau. Die Zeit als Verlagsdirektor des Sportverlages in Berlin mit Teilnahmen an Olympischen Spielen und Buchmessen. Den Niedergang der DDR, den Mauerfall und den linken Neubeginn in der Bundesrepublik Deutschland.

Das wollte ich unbedingt aufbewahren und teilen.

Schwarz-gold-rot

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Entstehungsgeschichte “Alles ganz simpel”

9. Oktober 2011 | von | Kategorie: Alles ganz simpel Leseproben, Leseproben

Opa und icke

„Sag mal Junge, hast du denn schon wieder deine Mütze im Auto vergessen?“ Meine Freunde vor der Tür lächelten und auch ich war gerührt. Der „Junge“ war mein 63-jähriger Vater, der zusammen mit dem besorgten Herrn, meinem 85 Jahre alten Opa, soeben das DDR-Museum in Berlin-Mitte verlassen hatte. Vater drehte sich noch einmal um und rief mir etwas zu. „Ja, übernächste Woche!“, brüllte ich zurück.
Soeben war die erste Lesung zu meinem Buch „Mauergewinner“ zu Ende gegangen. Ich inhalierte die kühle Herbstluft und blickte entspannt in den Abendhimmel über dem Alexanderplatz. Es schien ihnen gefallen zu haben. Auch meine Mutter hatte oft und herzhaft gelacht, obwohl ich mir gerade Texte ausgesucht hatte, in denen ich nicht sehr zimperlich mit meinen Eltern umgegangen war. Nachdem sich meine Nervosität ein wenig gelegt hatte, plauderte ich mit dem Publikum, ließ meine Erzeuger zu Wort kommen und erwiderte ihre ironischen Zwischenrufe. Ich schaute in die Reihen der Zuschauer und wusste plötzlich wieder, für wen ich das Buch geschrieben hatte – einzig und allein für meine Familie!
Vater, der sich scheinbar eine fiebrige Erkältung eingefangen hatte, überreichte mir kurz vor Beginn der Lesung hustend einen Schuhkarton und sagte, dass er gerne mal mit mir über den Inhalt reden würde. Er nickte verständnisvoll, als ich ihm klarmachte, dass ich dafür heute mit Sicherheit keine Zeit haben würde. Aber übernächste Woche. Bis dahin hätte ich mir die Sachen auch angeschaut!

Opa Familie

Als ich vier Tage später ins Unfall-Krankenhaus Marzahn kam, war mein Vater auf der Intensivstation gerade wiederbelebt worden. Dort traf ich meinen kreidebleichen Opa. Der zuständige Arzt faselte etwas von 20 % Überlebenschancen, doch in seinen Augen sah ich, dass es Null waren. Im Aufzug spürte ich, dass sich mein Opa kaum noch auf den Beinen halten konnte. Auch mir liefen längst Tränen über die Wangen und zum ersten Mal in meinem Leben nahm ich meinen Großvater in die Arme. Doch erst als wir vor der Tür mit zittrigen Händen eine Zigarette rauchten – er seine filterlosen Caro, ich meine leichten Cabinet – wurde mir bewusst, dass ich in wenigen Augenblicken meinen Vater verlieren werde und er seinen Sohn – seinen Jungen.
Mein Vater war stets ein sehr humorvoller Mensch gewesen und hätte spätestens jetzt gesagt: „Nun drück mal nicht so auf die Tränendrüse.“ Das möchte ich nicht. Damals hatte ich mich einfach noch nie mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinandergesetzt.
Ich konnte wochenlang diesen Karton nicht öffnen und als ich es dennoch tat, wurden meine Befürchtungen bestätigt. Vater hatte viele Erinnerungsstücke seines Lebens zusammengesucht: alte Zeitungsausschnitte, Urkunden, Fotos, Orden und Medaillen. Sogar ein Schriftstück zu einem Parteiverfahren war mit dabei. Ich ahnte was er vorgehabt hatte…

Durch seinen Tod kamen sich zwei Menschen näher, die zuvor bei Familientreffen kaum mehr als drei Worte miteinander gewechselt hatten. Mein Opa und ich. Stundenlang saßen wir in seiner Stammkneipe „Paule“ in Biesdorf zusammen, versuchten gemeinsam, das schreckliche Ereignis zu verarbeiten und wurden dabei Freunde. Er redete viel über meinen Vater, aber auch über eigene Erlebnisse und ich hörte ihm einfach zu. Eines Tages begriff ich etwas, was ich meinem Alten gerne noch zu Lebzeiten zugerufen hätte: „Dein Leben war mit Sicherheit dreimal spannender als meines, aber was dein Vater – mein Opa – erlebt hat, schlägt uns beide um Längen!“

Opa Sport

Genau dieses Leben wollte ich unbedingt festhalten, bevor ich es wieder in einem Schuhkarton überreicht bekam.
Mein nunmehr 86-jähriger Großvater hat ein deutsches Jahrhundert erlebt, das ganz anders klang als das, was ich während meiner Schulzeit immer verabreicht bekommen hatte. Er fand sein Leben ganz simpel. Ich nicht!
Immer wieder hatte er betont: „Ich glaube eigentlich, dass diese Anekdoten nur für meine Kinder und Enkel interessant sind, aber wenn du daraus unbedingt ein Buch machen willst…“ Wollte ich!

Letztendlich entschied ich mich für ein Gespräch als richtige Form für mein Unterfangen, da mich besonders Ereignisse, die mein Opa für bedeutsam hielt, interessierten. Entstanden ist somit keine Biographie und auch keine Aneinanderreihung von Anekdoten, sondern eine Mischung aus beidem. Gelebte deutsche Geschichte, die ich aufbewahren und teilen wollte.

“Alles ganz simpel” bei amazon.de

Alles ganz Simpel-klein

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Über Alles ganz simpel

9. Januar 2011 | von | Kategorie: Infos

Opa Auto

Schubert berichtet in seiner typischen leicht lakonischen Art, und der Leser kann ohne künstlich erzeugte Spannungsbögen ein interessantes Leben nachvollziehen.
JOT W.D., Dezember 2011

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Mein nunmehr 86jähriger Opa hat ein deutsches Jahrhundert erlebt, das ganz anders klang als das, was ich – sein Enkel – während meiner Schulzeit immer verabreicht bekommen hatte.

Eine Kindheit und Jugend in Breslau während der Weimarer Republik und in Hitlers Reich. Einen mörderischen Weltkrieg und die Kriegsgefangenschaft. Die Gründung und den Aufbau der DDR mit Jobs als Telegrafenarbeiter in Lübben, Dachdecker in Osternienburg, Hilfsschlosser und Technischer Zeichner in den Buna-Werken. Ein Sportstudium an der DHfK in Leipzig und den Berufsstart als Reporter der Friedensfahrt für das Deutsche Sportecho. Den 17. Juni und den Mauerbau. Die Zeit als Verlagsdirektor des Sportverlages in Berlin mit Teilnahmen an Olympischen Spielen und Buchmessen. Den Niedergang der DDR, den Mauerfall und den linken Neubeginn in der Bundesrepublik Deutschland.
Opa fand das alles ganz simpel. Ich nicht!

Den spannenden Weg vom Hitlerjungen in Schlesien zum Alterspräsidenten der Linken in Berlin Marzahn-Hellersdorf wollte ich unbedingt aufbewahren und teilen.

Entstanden ist keine Biographie und auch keine Aneinanderreihung von Anekdoten, sondern eine Mischung aus beidem. Gelebte deutsche Geschichte aus erster Hand.

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Alles ganz Simpel-klein

Das Schöne an dem Buch ist, dass der Enkel den Großvater nach Schlüsselereignissen seines Lebens befragt und dieser locker erzählt. Ohne Schmus, Schminke und Selbstbeweihräucherung.
BERLINER WOCHE, November 2011

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