Posts Tagged ‘ Sex ’

Genosse Gehorsam – Berlin Leninplatz – Jugend in der DDR

1. Dezember 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Mauergewinner Leseproben

JW4Ich habe keinen homogenen Freundeskreis. Unsere Truppe ist nicht kongruent, wie Mathelehrer Blase vielleicht sagen würde – nicht gleichförmig. Gegen Bommel, dessen Kopf nur knapp über die Tischkante reicht, bin ich ein Riese, gegen Leuchtturm-Andi ein Zwerg, der fette Tessi lässt mich als Fadennudel erscheinen und Bergis Oberarme können es mit dem Umfang meiner Schenkel aufnehmen. Dünn, klein, fett, groß und kräftig, aber lustig sind sie alle.
Tessi ist der Spaßvogel unserer Truppe, wobei seine Witze erst richtig einfetzen, wenn Bommel über seine Streiche so herzhaft und mit hoher Stimme lacht, dass auch bei uns bald die Tränen kullern. Bergi ist unser Mann mit dem tiefsinnigen Gespür für eine Pointe und Andis Humor ist mir manchmal zu hohl.
Alle Väter machen was anderes. Meiner ist Trainer, Bommels, der kleinste Busfahrer Berlins, der von Tessie arbeitet in einer Eckkneipe hinterm Tresen, während Bergis Alter Möbelpacker ist. Nur Andi lebt ohne Papi allein mit seiner überforderten Mutter. Sie arbeitet an in der Pablo-Neruda-Bibliothek, verleiht mir Bücher und ist (das darf ich Andi niemals sagen – niemals!) sauhübsch für ihr hohes Alter von Mitte dreißig.
Eigentlich hatte die Truppe erst nach der Jugendweiheparty so richtig zueinander gefunden. Bommel, Bergi, Tessi, Andi und ich bildeten lange den harten Kern der Leninplatz-Clique und sind seit Eröffnung des Alfclubs eigentlich unzertrennlich.
leninplatz
Einer fehlt in dieser Aufzählung: Torsten. Wir waren gemeinsam in den Kindergarten gegangen, in der Schule sitzt er schräg vor mir und gegenüber wohnt er auch. Warum die anderen ihn nicht akzeptieren? Torsten ist unauffällig-brav und deshalb in ihren Augen stinklangweilig. Er hat sogar einen fiesen Spitznamen. Ein Wort, welches unsere Stabi-Lehrerin Frisch ständig benutzt, ist das antiquierte „gehorsam“. Kaum eine Stunde vergeht, wo wir nicht angehalten werden, endlich – verdammt nochmal – gehorsam zu sein. Torsten nennen sie „Genosse Gehorsam“. Das trifft es allerdings nicht, finde ich. Okay, er ist artig oder eben aus Lehrersicht vorbildlich fügsam – weder falsch noch hinterfotzig (wie Lars und Dirk) oder oberstrebsam (wie Susanne). Oft beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie er auf dem Schulhof schüchtern in unsere Reihen schaut und sich augenscheinlich wünscht, derjenige zu sein, welcher den nächsten Brüller raushaut.
Was die Jungs nicht wissen: bei ihm zu Hause herrscht Zucht und Ordnung. Im Prinzip hat der Kerl lebenslangen Stubenarrest.
Seit seinem siebenten Kindergeburtstag war ich ihn nicht mehr besuchen und nie darf er abends noch runter. Stets wird er durch einen grellen Pfiff seines Arschloch-Vaters, dieser buckligen Brotspinne, nach oben zitiert. Selbst sein Schatten ist dann innerhalb von Sekunden im Hauseingang verschwunden. Doch alles änderte sich an einem bestimmten Tag.

Der Schultag war nicht sonderlich spektakulär gewesen – bis auf die letzte Stunde. Tessie hatte im Schlafzimmer seines Erzeugers in einem Geheimversteck etwas Ungeheuerliches entdeckt und in Physik in den hinteren Bänken herumgereicht. Beim Blick auf (und in) das erste weibliche Geschlechtsorgan meines Lebens in Farbe und Nahaufnahme hätte ich beinahe gekotzt. Bommel ließ die Sache fast auffliegen, da er beim Betrachten des Porno-Heftes zunächst dunkelrot anlief, dann aber laut und mit Piepsstimme brüllte: „Was für ’ne riesige Muschi“, bevor ihm wie immer die Freudentränen über die Wangen kullerten.

Dem westlichen Druckerzeugnis will ich mich nach Unterrichtsschluss noch etwas genauer widmen. Viele Bilder, wenig Text – das kannte ich bisher nur aus den „Abrafaxe“-Heften und eine Frau darin sah aus wie Andis Mutti, wobei ich nur das Gesicht beurteilen kann. Tessi ist verschwunden, doch über Lars, der immer weiß wo sich gerade jemand aufhält, habe ich schnell sein Versteck ausgehorcht. Er liegt mit Bergi und Bommel in einer der Betonröhren auf dem Spielplatz und blättert durch Seiten voller Ekelkram. Pfui! – ich krieche erfreut dazu. Mit gedrücktem Knopf der weinroten Narva-Stabtaschenlampe starren wir auf das versaute Bilderrätsel.
Torsten tritt ins Licht der kreisrunden Öffnung. „Was will denn Genosse Gehorsam hier?“, ruft Bommel während Tessi hektisch das Westheft im Aktenkoffer verstaut und aus der Röhre robbt. Auch wir kriechen ins Freie. „Kommt, lasst uns was einklauen“, murmelt Bergi konsterniert. „Darf ich mitkommen?“ Alle Blicke sind plötzlich auf Torsten gerichtet. „Aber wenn du petzt, Spasti, kriegst du tierisch eins aufs Maul“, keift Klein-Bommel, da Torsten noch nie bei einem dieser Raubzüge in der Koofi dabei gewesen war. Gemeinsam laufen wir zum Selbstbedienungsladen an der Büschingstraße und treffen Assi – also Astrid – davor, die sich uns anschießt.
Gekonnt sackt Bommel eine Flasche Kirsch-Whisky im Turnbeutel ein, Assi lässt eine Pulle Pfeffi unter ihrem weiten Pullover verschwinden und mein Aktenkoffer wird mit Kali (Kaffeelikör) gefüllt, bevor wir zu dritt, unschuldig schauend, eine Stange Zitronen-Bonbons von Zitro an der Kasse kaufen. Bergi und Tessi stehen Schmiere.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Nur Torsten ist weg. Bis wir ihn schließlich mit einem vollbeladenen Einkaufswagen rechts neben den Kassen vorbeimarschieren sehen. Wie selbstverständlich holt er zwei Dederon-Beutel aus seinem Ranzen, packt eiskalt etliche Schnaps-, Likör- und sogar Bierflaschen hinein und marschiert damit seelenruhig zum Ausgang. Wir bekommen den Mund fast nicht zu. „Na du bist ja ein krasser Kunde!“, ruft ihm Bommel auf dem Heimweg durchaus anerkennend zu: „Und jetzt mit Club-Cola die Birne wegschießen?“ Allen ist klar, dass wir die Wahnsinns-Tat (er hat sogar eine schwer zu klauende Curaçao-Pulle und Falkner-Whisky eingesackt) im Alfclub begießen müssen. Bei Torstens Premiere gibt‘s Grüne Wiese. Tessi verabschiedet sich recht bald (inklusive Pornoheftes), Assi folgt kurze Zeit später und so brechen auch wir nach nur einem Glas auf. Bergi fragt: „Noch schnell ein Telefonstreich bei Dir?“ „Och ja, bitte Scheppi“, stimmt Bommel aufgeregt zu, nicht nur, weil seine Alten gar kein Telefon besitzen. Ich habe nichts dagegen und auch Torsten folgt uns wortlos in den Aufzug. Oben liegt Benny auf der Couch und schaut die Schlüpfe in der ARD. Andi klingelt unten an der Tür. Mit ihm sind wir nun fast wieder vollzählig.

Alles begann vor einigen Monaten ganz harmlos. Ich hatte mir aus Langeweile das Telefonbuch geschnappt und ein bisschen darin geblättert. Beim Buchstaben „W“ war mir ein Witz meines Vaters eingefallen. Ich rief bei einer Frau Werk an und sagte: „Kann ich mal bitte ihre Tochter Claire sprechen?“. „Wen?“, brüllte mich eine Frau an. „Na ihre Tochter Klärwerk!“. So richtig zündete das noch nicht und erst als ich bei Frau Grube nochmals die Nummer brachte, kugelte sich Bommel vor Lachen mit meinem Bruder auf der Couch. „Klärgrube, ich dreh durch!“ Plötzlich hatten alle Feuer gefangen. Billy aus der A schnappte sich den Schinken, ließ die Wählscheibe sieben Mal rotieren und sagte mit tiefer Stimme: „Hier ist Karl Schäffner. Wollen Sie nächste Saison bei uns spielen?“ Wir verstanden die Antwort nicht. „Das ist mein Rainer Ernst!“, brüllte er in den Hörer, schmiss ihn auf die Gabel und klopfte sich auf die Schenkel. Doch so machte das keinen Spaß.
IMG_1462
Er hatte sich als Union-Trainer ausgegeben und bei einem Rainer Ernst (Namensgeber des BFC-Spielers) angerufen, was an sich lustig war. Aber nur für Fußballfans und vielleicht, wenn er uns vorher aufgeklärt hätte. Die Regeln wurden geändert. Den Nachnamen musste man nun vorher sagen. So kamen immerhin noch ein Mark Stück, eine Martha Pahl und ein Carsten Bier zustande, was ausreichte, um auch die nicht anwesenden Jungs der Clique eine Woche lang zu belustigen. Danach gingen meine Freunde, denen unser Musik- und Zeichenlehrer, Herr Elster, jegliche Kreativität abgesprochen hatte, derart in sich, dass die fantastischsten Telefonstreiche geboren wurden. Bergi fragte eine Frau Stäbe nach Gitta, Tessi suchte seine Cousine Anna Nass, Billy wollte Onkel Bill Iger sprechen und Andi einer Frau Gurgel „anne Gurgel“ gehen. Das alles fetzte erst richtig ein, wenn Bommel und mein Bruderherz dabei waren, denn die lachten mit einer kindlichen Naivität oftmals minutenlang, wodurch sie uns alle ansteckten. Bei Bommels Anruf auf der Suche nach Hack Fresse quietschte jedoch nur Benny vor Vergnügen, da Hack ja kein Vorname war und er zudem bei einem Herrn Fräse angerufen hatte. Doch als Bergi dann noch einen Herrn Smaul im Buch entdeckte und fragte: „Bin ich da richtig bei Christoph Smaul“ musste ich alle einbremsen, bevor noch Nachbar Bohne Voss erschien.
Marko 4
Auch am heutigen Tag ist es witzig. Als ob uns noch allen das Pornoheft im Hirn herumschwirrt, verlangt Bommel nach einer Frau Rosa Schlüpfer, Andi nach Rose Tee (wobei er Rosette danach erklären muss) und Bergi murmelt sautrocken in den Hörer: „Spreche ich mit Herrn Harten? Ich bin ein Klassenkamerad von ihrem Sohn Christian“. „Von wem?“ „Kriegst ja n Harten!“ Der zieht bei allen und auch mein Christian bei Frau Steifen ist noch ein Brüller. Nur Torsten verzieht keine Miene. Okay, er ist nicht eingeweiht und so schnell fällt einem auch nichts Neues ein. Doch plötzlich ruft er: „Hat jemand mal die Nummer von Assi?“ Ich bin ein wenig perplex, reiche ihm aber mein kleines Notizbuch. ‚Welcher Vorname soll denn auf Homberg passen‘, frage ich mich. Er schnappt sich unser graues Telefon und bedient elegant die Wählscheibe. 4373250 – die „0“ dreht sich dabei besonders lang auf dem Nummernschalter, bevor das erste Freizeichen ertönt. Alle sind mucksmäuschenstill. „Ja bitte?“ „Spreche ich mit Astrid Homberg?“, sagt er mit der tiefsten Stimme, die ich jemals bei einem Jungen meines Alters gehört habe. „Ja, wieso?“ „Hier spricht Klaus Meier aus der Konsum-Kaufhalle an der Büschingsstraße. Sie wurden angezeigt, heute um 15 Uhr einen Ladendiebstahl begannen zu haben. Kommen Sie umgehend mit ihrem Personalausweis und einem Besen vorbei! Ich erwarte sie vor dem Eingang.“ Wir hören die Antwort nicht. „Umgehend, oder es erwarten sie Konsequenzen!“ Torsten legt auf. Wir sind baff, doch Bergi bricht das Schweigen: „Hut ab, Genosse Gehorsam!“ Plötzlich beginnen alle zu lachen und rennen zum Kinderzimmerfenster. Wir lehnen uns aufs Fensterbrett, um zu schauen, ob Assi tatsächlich aus dem Nachbareingang marschiert. „Was ist denn mit dir heute los?“, frage ich Torsten. Langsam wird es mir unheimlich, was aus dem sonst so braven Muttersöhnchen innerhalb eines Tages geworden ist. Nach kurzer Pause brummt er: „Ach weißte Scheppi, ich habe eine Woche sturmfrei, weil meine Oma gestorben ist und wollte auch mal ein bisschen Spaß haben.“ Noch bevor ich darüber nachdenken kann, schreit Bommel, der mit dem Kopf gerade so über den Fensterrahmen reicht: „Das gibt’s doch gar nicht!“ Unsere Klassenkameradin Astrid verlässt tatsächlich mit einem Besen in der Hand das Haus – und wer hechelt hinterher? Richtig, Tessi. „Die Schweine haben sich das Pornoheft angeschaut!“, brüllt Andi. „Was für ein Heft?“, piepst mein Bruder. „Ach so ein Pittiplatsch-und-Schnatterinchen-Heft.“ Wir grinsen über Bergis kuhlen Witz und rennen zur Tür. Torsten fragt mich nach unserem Besen und spurtet mit diesem sofort die Treppen hinunter.
Blick Häuser früher 2
Er ist vor dem Fahrstuhl unten und draußen sehen wir, wie er die Abkürzung durch den Rosengarten in Richtung Kaufhalle nimmt. Jetzt müssen auch wir uns sputen, wenn wir sehen wollen, was dort geschieht. Doch wir kommen zu spät. Vor dem Eingang fegt Assi bereits. „Was machst du denn hier?“, quietscht Bommel und sieht dabei aus, als ob er sich gleich in die abgeschnittene Boxerjeans pisst. „Na irgend so ein Schwein hat uns verpfiffen und jetzt müssen wir die Scheiße hier machen. Der da“, sie deutet auf Torsten, der ebenfalls fegt „war schon vor mir da und hat gesagt, dass ich mitmachen soll?“ Astrid läuft rot an. Wir auch, aber nicht aus Scham, sondern aus purer Freude über den besten Streich des Schuljahres. Bommel liegt längst auf dem Boden, kugelt sich und brüllt immer wieder: „Ich kann nicht mehr!“ Er steckt uns alle damit an und sogar Astrid muss irgendwann grinsen. Der Kaufhallenleiter kommt raus und brüllt: „Verpisst euch, ihr Penner.“ Auf dem Rückweg entschuldigt sich Torsten bei Assi und sagt dann: „Ey, du hast ja Sperma aufm Pulli.“ Sie blickt an sich hinunter. Er schnippt ihr mit dem mit dem Finger unter die Nase. „Reingefallen!“
Am nächsten Tag wurde er in unsere Clique aufgenommen. Um 18 Uhr schloss ich den Alfclub auf und wenig später verlagerten wir die Veranstaltung – inklusive etlicher Mädchen – in Torstens Wohnung. Es entwickelte sich eine legendäre Party von der wir noch lange schwärmten. Leider darf ich davon nichts berichten, da wir uns das mit Indianer- und Pionierehrenwort geschworen haben. Was ich jedoch verraten kann: An jenem Abend, der in Chaos und diversen Sex-Experimenten endete, verlor Torsten seinen Spitznamen. Genosse Gehorsam wurde unser Freund Torte.
.
Zum Weiterlesen: Berlin Leninplatz
.
.
.

[Weiter...]


Minigolf – ein schamvolles DDR-Sommermärchen – Kindheit in der DDR

6. August 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Krocket beideAusgerechnet Matthias! Seit Wochen prahlte er damit in jeder Hofpause und selbst abends an den Tischtennisplatten gab es kein anderes Thema mehr. So viel war klar: Er war der erste Junge aus meiner Klasse, der mit einem Mädchen gepennt hatte. „Eingelocht“, nannte er das stolz. Doch die Sommerferien standen vor der Tür – das war meine große Chance endlich aufzuschließen.

Ich freute mich auf mein erstes Lager für Arbeit und Erholung, als ich am Bahnhof Lichtenberg in die vielen unbekannten Gesichter schaute. Etwa 30 Mädchen im Alter zwischen 14 und 17 waren mit dabei und wie im Ferienlager loteten die Jungs schon auf der Hinfahrt aus, bei wem sie wohl landen würden.
Der kleine Zeltplatz lag mitten im Wald an einem See in der Nähe von Waren/Müritz und das Ambiente versprach deutlich mehr als die abgelegenen Ecken des Schulhofes, in denen man sich scheu berührte oder höchstens einmal einem Mädchen die Hand unter den Pulli schob. Natürlich waren meine Aussichten auf Sex nicht sonderlich gut. Ich war hier einer der Jüngsten – noch ganz „grün hinter den Ohren“. Sexuell aufgeladene Schimpfwörter waren mir fremd. Bis dato schrieb ich süße Gedichte in rosafarbene Poesie-Alben und den ersten Geschlechtsverkehr mit einer Frau würde ich mit Sicherheit nicht „einlochen“ nennen.

Während die älteren Jungs für vier Stunden zum Arbeiten in den Wald geschickt wurden, mussten die Neulinge mit den Mädels zur Erdbeerernte. Mein erstes „Date“, wie sie in den West-Filmen immer sagten, war jetzt sicherlich nur noch eine Frage der Zeit. Karsten und ich schlugen uns im Erdbeerfeld die Mägen voll und bewarfen uns gegenseitig mit den Früchten. Nach dem Mittag ging ich rot verklebt zu den zwei Duschen hinter den Holzverschlägen in den Wald. Dort stand bereits Jacqueline. Sie war nackt.

Zu Hause zeigten sich unsere Familienmitglieder nur sehr ungern nackt vor den anderen. Seit ich meine Eltern trotzdem einmal zusammen in der Badewanne erwischt hatte, begrüßte ich das auch. Viel Wasser hatten die beiden nicht für ein randgefülltes Wannenbad gebraucht. Ich stand lange Zeit unter Schock und hatte seitdem keine Frau mehr oben ohne gesehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Verschämt schaute ich zur Seite, entkleidete mich hastig und stellte mich mit meiner blauen Badehose in die Dusche nebenan. „Hey Kleiner, hier duscht man aber nackig!“, hörte ich sie rufen. Mein Kopf wurde so rot wie die Erdbeerflecken auf meinen Wangen. Umständlich ließ ich die Hose auf die Füße hinunterrutschen. Noch immer wagte ich keinen Blick auf das neben mir lachende Mädchen. Ausgerechnet die dunkle Jaqueline, dachte ich geschockt. Sie war schon 16 und schien hier im Lager die Frau mit der größten Fresse zu sein.

Als ob ich es geahnt hätte, redete sie weiter von der Seite auf mich ein: „Hey du. Haste schon mal gefickt?“ – „Wie `n jetzt?“, antwortete ich irritiert. „Hast mich schon richtig verstanden!“ Schüchtern schaute ich hinüber auf ihre schneeweißen Brüste und das kleine schwarze Dreieck zwischen ihren Beinen. „Nein“, sagte ich. „Und haste Bock?“ Mein Herz begann zu rasen und mein Gehirn verarbeitete ihre Frage nur ganz langsam. „Wir kennen uns doch gar nicht“, stotterte ich. Sie strahlte: „Na du bist ja ´n Süßer. Ich kann dir auch erstmal einen runterholen, wenn du willst.“
Ich hatte den Begriff noch nie gehört und wusste nicht, was sie damit meinte. „Lieber nicht“, flüsterte ich kaum hörbar. Mit dem Handtuch um die Hüften lief ich hinüber zu meinem Zelt. Mein Schädel glühte noch immer als ich mich aufs Bett warf. ‚Das scheint hier ja wirklich ganz einfach zu sein’, dachte ich. Eine bisher unbekannte Ader meines Körpers pochte bei dem Gedanken.

Mädels

Dennoch war ich heilfroh, dass sich Jaqueline bei der ersten Lagerdisco an Mario heranschmiss und bei ihm womöglich etwas runterholte. Als die Musik zu spielen begann, hatte ich schon drei Bier getrunken und etliche Zigaretten geraucht, um möglichst cool zu wirken.
Auch mit Alkohol waren meine Erfahrungen begrenzt und so spürte ich ihn recht schnell. Bei der langsamen Runde nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und forderte Sandra zum Tanzen auf. Das niedliche Mädchen mit den schulterlangen blonden Haaren war mir gleich im Zug aufgefallen.
„Willste tanzen?“, fragte ich und schaute dabei schüchtern in ihre grünen Augen.
„Nee, will se nicht!“, zischte es von nebenan. Die brünette Andrea stand plötzlich vor mir. „Aber icke hätte Böcke.“ Sandra zuckte mit den Schultern, während mich Andrea auf die Tanzfläche zog. Langsam drehten wir uns um die eigene Achse. Sie schmiegte sich immer enger an mich und plötzlich spürte ich ihre kalten Finger in meiner Hose.
‚Okay, heute würde ich das durchziehen’, machte ich mir Mut. „Willst du ficken?“, hauchte ich ihr ins Ohr. „Wie’n jetzt?“, brüllte sie zurück. „Hast mich schon verstanden!“ Sie grinste mir ins Gesicht: „Haste denn schon mal?“ Ich schüttelte verlegen den Kopf. „Na dann soll ick dir wohl entjungfan oda wat?“ Auch das verstand ich nicht ganz, da man ja eigentlich nur Frauen entjungfern konnte. „Na gut, meinetwegen. In zehn Minuten in deinem Zelt“, sagte sie forsch und ließ mich perplex inmitten der Tanzenden stehen.

Nackt 3

Andrea erschien pünktlich. Blitzschnell zog sie ihre Klamotten aus und lag nun vollkommen nackt vor mir. „Na los – wat iss?“, fragte sie und spreizte ihre Beine dabei so, dass die kleine Taschenlampe ihr poesiebuchfarbenes Inneres beleuchtete.
Ich wusste nicht was los ist. Auch ich war bereits entkleidet, doch obwohl ich sie lange anstarrte und die leicht aufgerichteten dunklen Warzen ihrer Brüste betrachtete, richtete sich bei mir gar nichts auf. Mir war plötzlich fürchterlich kalt, mich irritierte der ungewohnte Geruch und ich hatte keinerlei Ahnung, wie es jetzt weitergehen sollte. „Kriegste keinen hoch oda wat?“ Sie lachte mir ins Gesicht. Diesmal verstand ich was sie meinte und nickte. Es gab offenbar ein gewisses Zusammenspiel von Hoch und Runter. Eilig zog sie sich an, fauchte: „Na du bist mir ja vielleicht ’ne Pfeife“, und verschwand. Enttäuscht ließ ich mich zurück auf die Matratze fallen.

Andrea hatte leider einen gewissen Status im Lager, nicht zuletzt wegen ihrer großen Klappe. Zwei Tage später hatte sie zudem mit dem größten Rowdy angebandelt. Bald wusste jeder über meinen Patzer Bescheid. Einige Mädchen tuschelten, wenn sie mich sahen, und die älteren Jungs riefen mir „kleine Schwuchtel“ hinterher.
Nach einer Freitagsdisco lauerten mir drei Kerle am See auf. An das Ufer war ich nur gegangen, um mit der kleinen Sandra zu reden. Ich wollte sie davon überzeugen, dass alle Unrecht hatten und ich auf sie – also auf Frauen – stehe.
Sofort merkte ich, dass es die Jungs nicht auf Geplauder angelegt hatten. „Jetzt kriegst du mal so richtig schön eins auf die Fresse, du schwule Sau!“, rief einer und schritt auf mich zu.

Genau in diesem Moment kam die Dorfjugend an den See geschlendert. Beim gestrigen Fußballmatch hatte ich durch Zufall erfahren, dass deren Boss exakt auf denselben Vor- und Nachnamen wie ich hörte und hatte ihn daraufhin angesprochen. Nach der Partie schworen wir uns abseits des Rasens bei Cola-Wodka ewige Treue bevor ich zurück ins Zeltlager getorkelt war. Genau dieser neue „beste Freund“ stand jetzt mit fünf baumstarken Dorfschlägern vor mir und fragte mit mecklenburgischem Akzent: „Was ist denn los, Mark? Gibt’s Ärger?“

Das Blatt hatte sich gewendet. Ich schaute in die ängstlichen Gesichter meiner Peiniger, sagte aber nichts. Auf dem Weg zurück ins Lager entschuldigten sich alle bei mir und luden mich auf ein Getränk meiner Wahl ein.
Noch an diesem Abend knutschte ich stundenlang mit Sandra, nicht nur um allen zu zeigen, dass ich kein Homo wäre. Ich hoffte das zumindest, denn noch immer hatte ich ja nicht „eingelocht“.
Sabine

Sandra schien mir dafür genau die Richtige zu sein. Sie war in meinem Alter, hatte selbst noch nie mit einem Typen geschlafen und wir hatten uns in den letzten Tagen am See richtig ineinander verknallt. Sie war sauhübsch und hatte vor allem viel Humor, was die Sache zu erleichtern schien.
Zurück in Berlin ergab sich die perfekte Möglichkeit. Meine Eltern waren zusammen mit Brüderchen Benny und Oma Halle in den Urlaub gefahren. Ich hatte durchgeboxt, dass ich nur die zweite Woche nachkommen bräuchte. Das hieß: eine Woche „sturmfrei“! Sofort lud ich Sandra ein, bei mir zu übernachten.
Wir alberten herum, sagten uns oft, dass wir super aussähen und auch, dass dies unsere Nacht werden würde. Alles lief wie am Schnürchen. Während wir, auf der Wohnzimmercouch liegend, Musik hörten und dabei lauwarm-süßen Rotkäppchen-Sekt tranken, zogen wir uns langsam aus. „Ich finde es schön, wenn du mit deiner Hand meine Brust berührst“, hauchte sie mir ins Ohr. Ich lächelte verlegen und dachte: ‚Am liebsten würde ich heute nichts anderes machen’ – einfach nur, um mir die Peinlichkeit eines weiteren Versagens beim Minigolf zu ersparen.
Dennoch schaute ich ab und an nervös an mir herab. Sandra schien das zu bemerken. Zärtlich streichelte sie meinen Oberschenkel und küsste mich dabei sanft. Das tat gut. Gemeinsam beobachteten wir meine beginnende Erektion. Erleichtert schaute ich in ihre leuchtend grünen Augen und flüsterte: „Wollen wir?“

Plötzlich ging das Türschloss und nur Sekunden später standen Mutter, Vater, Benny und Oma Halle mitten im Wohnzimmer. Unsere Klamotten lagen im ganzen Zimmer verstreut. Eine Ewigkeit später hatte mein Vater Erbarmen und warf endlich unsere Sachen zu uns herüber.

Silvester früher

Meine Eltern schwärmten noch lange von diesem Ereignis. An vielen heimeligen Weihnachtsabenden war es ein Schwank aus alten DDR-Tagen, um die jeweils zukünftige Schwiegertochter in unserer Familie willkommen zu heißen. Ich konnte ihre Euphorie leider nie teilen. Sie hatten mir damals, nur weil sie nach 50 Kilometern umgekehrt waren, um „nach dem Rechten“ zu schauen, schon wieder alles komplett versaut.

Am zweiten Schultag nach den Sommerferien holte mich Sandra nach dem Unterricht von der Schule ab. Schon von weitem winkte sie mir zu. Matthias trat neben mich. „Na, das ist ja mal ’ne geile Braut! Und haste schon eingelocht?“
Ich ließ ihn stehen und nahm mein Mädchen glücklich in die Arme.
.
Zum Weiterlesen: Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens oder Freund werden bei Facebook.
.

[Weiter...]