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Australien gegen Deutschland beim Confed-Cup 2017 in Russland

16. Juni 2017 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Zum Conved-Cup 2017 in Russland haben wir eine Tipprunde gegründet, damit wir das (mit Sicherheit ziemlich langweilige Turnier) nicht ganz so öde finden. Es geht also wieder um einen Jackpot – und dazu fällt mir eine Geschichte ein, die zum ersten Spiel der Deutschen gegen Australien passt, oder auch nicht – egal …

“Als Kinder träumten Benny und ich in unserem Neubaublock in Ostberlin oft von Australien. Wir hängten uns sogar eine große Fahne über das Bett und wünschten uns, einmal im Leben so weit reisen zu dürfen. 2006 – viele Jahre nach Benny – erfüllte ich mir mit Sylvie endlich diesen Traum. Wozu eine Weltreise doch alles gut sein kann! Nur wegen meiner „Erfahrungen“ hatte ich danach einen Job bekommen, der jährlich eine dreiwöchige Dienstreise nach Down Under beinhaltete. Anfang des Jahres übermittelte mir mein Boss den nächsten Termin: Juni 2008.

Am Tag des Viertelfinales Deutschland gegen Portugal, fährt mich Sylvie um 19 Uhr zum Flughafen. Mit hinein kommt sie nicht – schließlich will sie noch einen guten Platz im „Rockz“ bekommen. Heute trifft sich die komplette Tipperrunde in unserer Stammkneipe. Im Gegensatz zu den, in Vorfreude auf das Match, gefüllten Straßen gleicht der Flughafen Tegel einer Geisterstadt. Noch nie habe ich den Parkplatz so verlassen gesehen. Nur ein einziger Inlandsflug ist an der Abflugtafel für die Zeit des Spiels aufgelistet. Meiner. Im Wartebereich steht ein Fernseher, doch der zeigt Nachrichten auf n-tv. Wütende Reisende kriechen unter den Apparat und versuchen, auf einen anderen Kanal umzuschalten. Kurz nach Anpfiff haben wir endlich den Typen mit der Fernbedienung gefunden und sehen unsere Jungs über den Platz flitzen. Genau in diesem Moment wird zum Boarding aufgerufen. Ich reihe mich ein und denke daran, dass ich über Göte bei jedem Spiel an Karten heran gekommen wäre. In Wien sogar mit Hotel. Betröpfelt drücke ich einer Frau meinen Boardingpass mit falschem Flugziel in die Hand.

Am Eingang zum Flieger frage ich die Stewardess, ob denn der Kapitän die Zwischenergebnisse durchsagen würde. Sie ruft ins Cockpit: „Sagst du die Ergebnisse durch?“ Eine leicht tuntige Stimme fragt zurück: „Welche Ergebnisse?“ Verstört lasse ich mich auf meinen Platz fallen. Als eine der letzten Passagiere kommt eine aufgeregte ältere Dame ins Flugzeug gerannt. „1:0 für Deutschland durch den Schweinsberger!“, brüllt sie. Ich könnte heulen vor Wut. „Schweinsteiger!“, schreie ich überraschend laut zurück. Als wir in Frankfurt landen und ich den Ankunftsbereich betrete, höre ich nur noch den Schlusspfiff. Das Spiel war 3:2 ausgegangen und ich hatte kein einziges Tor gesehen.

Nach meiner Ankunft in Australien finde ich im Internet heraus, dass es den irischen Bezahlfernsehsender „Setanta“ gibt, der in einigen Städten auch in bestimmten Kneipen zu empfangen sei. Meine letzte Hoffnung das gigantische Halbfinale gegen unsere türkischen Freunde doch noch live zu verfolgen.
Der Taxifahrer in Brisbane empfiehlt mir, es in einem englischen Pub zu versuchen, da dort zuletzt ziemlich viel los gewesen sei. Am nächsten Morgen laufe ich frierend durch die Straßenschluchten der schlafenden Metropole zum „Pigs N Whistle“. Nach und nach tauchen aus den Seitenstraßen weitere müde Zombies auf. Zu meiner Erleichterung tragen die meisten, wie ich, ein Deutschland-Trikot. Rechtzeitig vor Anpfiff um 4:45 Uhr Ortszeit bekomme ich einen guten Platz. Auch dutzende Türkei-Anhänger sind hier, doch die Stimmung ist friedlich. Um diese Uhrzeit wird auch im „Traditional British Pub“ kein Bier mehr ausgeschenkt.

Bis zur Mitte der zweiten Halbzeit bleibt es, obwohl die Bar jetzt brechend voll ist, relativ ruhig. Doch dann geschieht das Unglaubliche. Beim Stand von 1:1 fällt plötzlich das Bild aus. Einige Leute rufen entsetzt zu Hause an und erfahren, dass auch dort nur Schnee auf dem Bildschirm zu sehen wäre. Doch in Australien gibt es keinen Bela Rethy, der das Spiel in Radiomanier weiter kommentiert. Endlich taucht das Spielfeld wieder auf, aber ein Zwischenstand wird nicht eingeblendet. So sehen ich und die gut hundert anderen Leute erst nach einem ins Aus geschlagenen Ball die Wiederholung von Kloses 2:1. Wir können es gar nicht glauben. Erst als der Reporter das aktuelle Ergebnis bestätigt, liegen wir uns in den Armen. Frenetischer jubeln nur die australischen Türken beim Ausgleich fünf Minuten vor Schluss – doch das 3:2 von Lahm entflammt uns erneut für Deutschland. Schlusspfiff – Brisbane brennt! Ab 7 Uhr wird wieder Bier ausgeschenkt. Ein tobender, schwarz-rot-goldener, Mob verstört nach Spielende die Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit. Die meisten haben ein wenig Angst vor uns.
Fußball ist natürlich mein Thema im Taxi, als ich am nächsten Tag zum Flughafen fahre. Auch der koreanische Fahrer ist von unserem Team schwer begeistert. Fast im Sekundentakt drückt er seine Begeisterung aus, indem er wiederholt ruft: „Ballack. Oh my god!”, „Podolski. Oh my god!“, „Sneileger. (vermutlich Schweinsteiger) Oh my god!“ Erst als ich aussteige, fällt ihm scheinbar wieder ein, wer unser Finalgegner sein wird, und er brüllt mir hinterher: „Spain. Oh my god!“

Seit der WM 1994 tippe ich immer auf Spanien als Titelträger. So auch dieses Mal. Doch bisher hatten sie immer kläglich versagt. Um unsere Tipprunde sicher zu gewinnen, müsste ich nun auch im Finalspiel auf sie setzen. Gegen Deutschland! Zum ersten Mal verstehe ich die Leute, die grundsätzlich patriotisch tippen. Was soll ich machen: Herz oder Verstand?

Ich komme zu spät in den tropischen Norden nach Cairns. Der örtliche Irish-Pub zeigt das Spiel nicht live und es bleibt nun auch keine Zeit mehr für Recherchen. Doch ich habe „Setanta“ auf dem Zimmer. Halb fünf klingelt der Wecker. Unsere Mannschaft spielt schlecht und Torres schießt das einzige Tor. Spanien ist Europameister 2008.
Eine halbe Stunde nach Abpfiff steige ich, noch immer ein wenig bedrückt, aus dem monströsen Pool und gehe zu meiner Liege. Unter dem Deutschland-Trikot, das ich auch allein im Zimmer getragen hatte, liegt mein Handy. „Eine neue Nachricht.“ Jenna, der das Spiel, zusammen mit unserer Tipprunde, 20000 Kilometer entfernt geschaut hatte, schreibt: „Du hast den Jackpot gewonnen. Verräter!“
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Zum Nachlesen bei Spiegel Online
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Zum Weiterlesen: “90 Minuten” von Mark Scheppert
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Anstoß am Ende der Welt – bei Spiegel Online

11. Juni 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

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Kein Mitleid! Ich hatte meine WM im eigenen Land bereits. Leider auf der falschen Seite der Mauer und im Alter von drei Jahren. Die Anekdote vom Endspiel 1974 geht etwa so: Mein Vater und mein Onkel haben sich im “Schubert-Eck”, Mollstraße, Ecke Hans-Beimler-Straße beim Frühschoppen so dermaßen einen eingeholfen, dass sie beim Finale BRD geben Holland schnarchend bei uns auf dem Wohnzimmerteppich lagen und ich mit Mutter das Spiel allein anschaute. So wurde ich zum Fußballfan.

Ich ging zu Oberligaspielen meines Team, sammelte Fußballwimpel (ich hatte sogar einen von Wismut Aue) und gehe auch heute noch mindestens zwei Mal im Jahr zu verschiedenen Berliner Mannschaften oder zu Länderspielen.

Natürlich kicke ich auch selbst – ein bisschen und mit wechselndem Erfolg. Das Schlimmste allerdings ist, dass ich völlig unnützes Fußball-Fachwissen besitze, das einem im Leben kein bisschen weiterhilft.

Zur WM 2006 in Deutschland hätte ich mit meinem Fußballwissen wohl anerkennendes Nicken oder ungläubiges Kopfschütteln hervorgerufen – aber ich war gar nicht zu Hause. Ich saß schlauerweise in einem arschkalten Anden-Staat, in dem ausgebuddelte Dinosaurier eine größere Bedeutung haben, als runde Leder, die ins Eckige müssen.

In dem bolivianischen Hochgebirgskaff, wo wir das Eröffnungsspiel sahen, hätte ich die vier bolivianischen Kids, die den WM-Auftakt mit uns anschauten am liebsten mit dem Kopf auf den Tisch schlagen. Die saßen vor dem Fernseher in der einzigen Kneipe, in der Fußball lief und sahen aus als würden sie “Sandmännchen” gucken. Ich meine: Für Millionen Deutsche, Europäer aber auch Südamerikaner war es das Spiel der Spiele, einfach nur deshalb, weil das monate-, nein jahrelange Warten vom Endspiel der letzten WM bis zum Wiederanpfiff endlich vorbei war.

Der Jubel der Massen im Münchner Stadion, die unter die Haut gehende Stimmung bei den Nationalhymnen, das wunderbare Tor von Phillip Lahm – all das war für die hiesigen bolivianischen Zuschauer scheinbar ausgesprochen langweilig und am liebsten hätten sie zu dem japanischen Actionfilm auf Kanal 2 zurückgeschaltet. Dabei bestätigten mir nur Tage später sogar einige Engländer, dass das 4:2 gegen Costa Rica fantastisches Entertainment war. Aber den vier Bolivianern bedeutete das alles gar nichts. So war meine absolut Fußball uninteressierte Freundin Sylvie diejenige, die an meiner Seite am zweitlautesten jubelte.

Zum Weiterlesen bei Spiegel Online
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Zum Buch 90 Minuten Südamerika
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Der feine Unterschied

28. August 2011 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

90_minuten_cover_klIch muss ja zugeben, dass sich mein neues Buch “90 Minuten Südamerika” nicht annähernd so gut verkauft, wie mein Erstling “Mauergewinner”. Wahrscheinlich würden das andere BoD-Autoren als “Klagen auf hohem Niveau” bezeichnen, da 500 Stück in den ersten fünf Monaten gar nicht so schlecht sind, aber ich hatte eigentlich gedacht, dass die Zielgruppe “Reisen und Fußball” wesentlich größer ist, als diejenige, die sich mit der ollen “DDR” auseinandersetzt.

Wie auch immer. Es gab und gibt dennoch ein paar Highlights im Zuge der neuen Buchveröffentlichung: eine äußerst positive Rezension bei „11freunde“, weitere coole Besprechungen bei etlichen bekannten Fußball- und Literaturblogs und in Stadionzeitschriften. Außerdem wurde sogar eine Geschichte bei „Spiegel Online“ publiziert. Hier mehr

Da ich dafür natürlich auch einiges getan habe (z.B. in Form von Besprechungsexemplaren), freue ich mich umso mehr über kleine, unerwartete Reaktionen auf mein Buch. So habe ich gestern beispielsweise eine neue, sehr emotionale Rezension von „90 Minuten Südamerika“ bei Amazon.de gefunden.

Da schreib ein Leser folgendes:

Lahm, Völler, Ballack und Co.

Ich habe das neue Buch von Philipp Lahm noch nicht gelesen, aber die “90 Minuten Südamerika” habe ich gerade von eine Woche beendet.
Mir ist dabei aufgefallen, dass es überhaupt nicht wichtig ist, ob sich die Spieler untereinander verstanden haben oder ob es interne Streitigkeiten bei gewissen Partien gab. Auch, ob die Trainer kompetent genug waren, ist mir eigentlich völlig egal.

Lahm

Für uns Fans (und Mark Scheppert) bleiben einzig und allein die tollen Erfolge von Rudi “Tante Käthe” Völler hängen, die wichtigen Tore von Michael “Ballacki” Ballack bei der Fußball-WM 2002 und der EM 2008 und das fantastische Tor von Philipp “Laaam” Lahm beim Eröffnungsspiel der WM 2006 im eigenen Land. Natürlich spielen Sympathie und Erfolg auch eine Rolle, aber das war die Nationalmannschaft ja gerade in den letzten Jahren: sympathisch und erfolgreich. Zumindest für die Zuschauer!

Wenn sich jemand auf eine lange (sehr witzige und spannende) Reise von 1990 bis zum finalen Erfolg 2014 begeben und all die schönen Momente noch einmal nachempfinden möchte, sollte er dieses Buch unbedingt lesen. Vom mir wärmstens empfohlen.

Hier geht’s zu allen Amazon-Rezensionen

Außerdem, und das war besonders rührend, hat mir eine Frau namens Tina eine Geschichte per E-mail geschickt, die sie als Reaktion auf die „90 Minuten“ geschrieben hat. Wirklich süß und da ich mir die Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt habe, möchte ich sie Euch auch nicht vorenthalten…

Eine Fußballgeschichte von einer Frau, die nichts von Fußball versteht

Ich weiß, dass das Runde ins Eckige muss, dass es elf Freunde sein müssen und habe ungefähr verstanden, was Abseits ist. Aber eigentlich ist mir Fußball scheißegal. Ich hatte ja auch nicht viel damit zu tun. Meine erste Liebe war zwar Torwart bei irgendeinem Hobby-Verein, aber alle Männer, die danach kamen, hatten mit Fußball nichts am Hut. Bei einem wichtigen Endspiel einer WM oder EM gucke ich schon mal hin. Aber mehr auch nicht,

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Dann kam der Sommer 2006. Fußball-WM in Deutschland.
Ich war schon bedient, noch bevor es überhaupt begonnen hatte. Denn sie hatten meinen Arbeitsweg gesperrt. Wegen der Fan-Meile am Brandenburger Tor war der Tiergarten komplett eingezäunt. Normalerweise fahre ich auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad quer durch. Nun musste ich morgens einen Umweg machen, auch noch an einer stark befahrenen Straße ohne Radweg.
Mist.
Nachmittags war das Gelände geöffnet. Allerdings kam man nur nach einer Taschenkontrolle durch. Keine Flüssigkeiten, keine spitzen Gegenstände. Als Grundschullehrerin hat man natürlich immer eine Schere in der Tasche.
Mist.
Und dann diese Bekloppten, die hupend mit wehenden Fahnen durch die Straße fuhren. Die Mathearbeit am nächsten morgen konnte ich vergessen.
Mist.
Aber irgendwann steckte die Stimmung in der Stadt an.
Wenn ich nachmittags über die Fanmeile fuhr, sah ich fröhliche Menschen verschiedenster Nationalitäten, bunt gemischt. Bei Deutschlandspielen waren die Verkleidungskreationen preisverdächtig. Zum Beispiel der, mit dem kompletten Fußballfeld als Hut!

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Mit meinen Schülern machte ich Wettlisten, wer richtig getippt hatte, bekam am nächsten Tag einen Bonbon.
Wenn Deutschland ein Spiel gewonnen hatte, stürmte ich auf den Balkon, feuerte ein paar Schüsse aus der halblegalen Halbautomatik in den Himmel. (Eine Packung Patronen war von Silvester noch übrig!)
und beobachtete fasziniert, wie unsere türkischen Mitbürger mit der ganzen Familie in ihre Autos sprangen und sich hupend dem Autokorso auf der Müllerstraße anschlossen.
Ja, ich schaute mir diese Spiele sogar an! Das Elfmeterschießen gegen Argentinien fand ich super spannend!
Und dann kam das Halbfinale. Deutschland gegen Italien. Wir saßen im Garten, mein Mann und ich allein. Laptop und DVB-T machen´s möglich.
Es war spät. Mein Mann schlief schon am Tisch, als die ersten 90 Minuten um waren. Ich war auch müde. Und es war schon dunkel.
Verlängerung.
Kein Tor.
Mann, ich kann nicht mehr sitzen!
Ich will ins Bett!
Noch mal Elfmeterschießen dauert ja wieder ewig!
Bitte nicht!
Also schieß´ doch mal jetzt irgendeiner endlich ein Tor!
Nunja, das haben dann die Italiener getan.
Mist.
Und ich bin Schuld.
Bei dem Spiel Frankreich gegen Portugal traf ich Frank mit seinem portugiesischen Kumpel Miguel am Hackeschen Markt. Wir saßen zusammen im Irish Pub. Portugal hat verloren und Miguel war am Boden zerstört. Wir mussten die halbe Nacht um die Häuser ziehen, um ihn zu trösten.
Das Endspiel erlebte ich in Österreich. Witzig, wie die Österreicher im Radio die WM kommentierten. Sie waren ganz begeistert von der Stimmung in Deutschland.
Italien wurde Weltmeister.

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Aber jetzt weiß ich, dass ich doch nicht Schuld daran bin, dass Deutschland es nicht geworden ist. Ich habe dein Buch „90 Minuten Südamerika“ gelesen.
Nun bin ich beruhigt, denn jetzt weiß ich, dass das Schicksal es erst für 2014 vorgesehen hat, dass Deutschland Fußballweltmeister wird.

Tina

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…wie gesagt, gerade die kleinen Dinge machen den „feinen Unterschied“!
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