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Ziemlich anzüglich – Jugend in der DDR

18. August 2017 | von | Kategorie: Aktuelles, Berlin Leninplatz, Blog

Nach dem Abschluss der 10. Klasse will ich an die Ostsee fahren. Didi hat dort mit seinen Eltern einen Dauercampingplatz in Prerow und seine Alten sind gerade nicht da. Mittlerweile gehört es zu den Gepflogenheiten, überallhin zu trampen und so stehe ich am Freitagabend – es dämmert bereits – in Pankow-Heinersdorf an der Autobahn-Auffahrt und halte den Daumen in die Höhe.

Beim Trampen trifft man gelegentlich auf zwielichtige Gestalten, aber diesmal habe ich Glück, denn es hält ein weißer Trabi mit zwei jungen Frauen. „Wo willst du denn hin Jungchen?“, fragt mich die eine gut gelaunt und als ich mein Ziel nenne, ruft die Beifahrerin vergnügt: „Bis Rostock nehmen wir dich mit!“ Sie steigt aus, klappt den Sitz nach vorn und drückt mich mit den Händen am Po auf die Rückbank, wo ich mich zwischen unzähligen Weiberklamotten wiederfinde. Über die ruckelige Fahrt kann ich nichts Spannendes berichten, da sich die Mädchen zwar köstlich amüsieren, mich dabei aber gänzlich ignorieren. Egal, ich komme der Ostsee immer näher und mit den Worten: „Na dann viel Glück, Lütter“, lassen sie mich in Bentwisch, an der Landstraße heraus.

Nun heißt es bangen, denn es ist mittlerweile stockdunkel und wird immer frischer. Genervt mache ich mir ein Rucksack-Bier auf und warte. Und warte. Und laufe auf und ab und mache Kniebeugen, Liegestütze und ziehe meine lange Hose und meinen Pulli an – und warte. Gegen Mitternacht, niemand will mich bei stark abnehmendem Verkehr mitnehmen, entdecke an der Straße eine Bushaltestelle. Auf der Bank kann ich mich zumindest ein wenig lang machen und zur Not auch bis zum nächsten Morgen in der Tiefenschwärze der Nacht ausharren. Wie eine Fata Morgana taucht plötzlich ein papyrusweißer Trabi mit zwei albernden Frauen in der Fahrgastzelle auf – und hält!

„Mensch, Jungchen, bist ja immer noch da. Willst du nicht bei uns pennen?“, ruft mir die eine aus der heruntergekurbelten Scheibe zu. Die Szene hat Bums. „Wie’n jetzt?“, frage ich irritiert und finde mich fünf Minuten später im Wohnzimmer eines wohlig-warmen Hauses wieder. Antje und Jasmin studieren in Berlin. Soeben sind sie von einer Party in Rostock ins sturmfreie Haus von Jasmins Eltern zurückgekehrt. Beide sind schon etwas hinüber, mixen sich aber sogleich eine Grüne Wiese mit Curacao und kubanischen Apfelsinen Marke „Berlin Import“. Ich bleibe bei Deutschem Pilsner und entspanne mich allmählich, denn weder Antje noch Jasmin sind so anmutig, wie die noch immer in meinen Träumen vorkommenden Schatzkästchen-Mädchen Annika und Jaqueline, deren vollkommenen Brüste und Spreewald-feuchte Scham ich in so manchem Traum schon gestreichelt habe.
Es sind ganz gewöhnliche Mädels, mit denen man nicht groß angeben kann und vor denen man keine Angst haben braucht, auch wenn sie drei, vier Jahre älter sind.
Ich unterschätze sie und genau das macht sie so gefährlich! Lüstern schlecken sie an den grünen Schalen der Orangen und bewerfen sich gegenseitig damit. Ein Hauch von Erotik wabert durchs Wohnzimmer. Dann holen sie Kaffee-Likör aus der elterlichen Bar und gießen auch mir eine tiefe Tasse ein.

Jasmin geht aufs Klo. Sogleich schmiegt sich Antje an mich und plötzlich spüre ich ihre Bereitschaft zur Hingabe – und eine Hand am Reißverschluss meiner Hose. Von Ost-Südfrüchten verklebte Finger berühren mein immer größer werdendes unschuldiges Glied. ‚Heute werde ich das durchziehen’, denke ich tapfer.

Als Jasmin zurückkehrt, verschwindet Antje hektisch im Bad. Sie ist weniger kuschelig und starrt auf meine ausgebeulte Jeans. „Biste eigentlich noch Jungfrau, Jungchen?“, fragt sie kühl. „Wieso, willste ficken?“, pariere ich. Mein Kopf nimmt die Farbe von Kirchen und Erdbeeren an, wenngleich hier nur Apfelsinen herumliegen. Aber Begierde macht wahrscheinlich auch meine Birne orange. „Na du bist ja vielleicht ‘ne versauter Type?“, murmelt sie und verlässt den Raum. Wenig später wirft sie mir eine Decke auf die Couch und verschwindet dann wortlos.
Bei Jasmin war ich wohl etwas zu unanständig gewesen, aber dass sie Antje gleich davon erzählen musste, während meine Erektion fast schon schmerzte, schmerzt. Mit glühendem Schädel werfe ich mich aufs Bett und möchte in aller Ruhe weinen.

Es brennt noch eine Kerze und plötzlich erscheint die Silhouette einer Frau mit vollen Brüsten auf der gegenüberliegenden Wand. Zu viel Bier, zu viel KaLi, zu viel Stress, denn ich spürt zwei warme Hände auf meinem Rücken. Als ich mich umdrehte, steht ein äußerst begehrenswertes Mädchen splitterfasernackt vor mir. Jasmin legt mir einen Finger auf die Lippen, nimmt meine Hand und führt mich auf leisen Sohlen ins Ehebett ihrer Eltern.

Ich verzichte nach dieser Nacht darauf, nach Prerow weiter zu reisen. Denn als mich Jasmin am nächsten Morgen „Markiboy“ nennt und mich ins Bad unter die heiße Dusche zieht, wo ich nicht mehr die blaue Badehose aus alten Tagen tragen muss, weiß ich: ich bin gekommen, um zu bleiben.

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Zum Weiterlesen: Berlin Leninplatz
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Deutschland vs. Algerien mit Hausmeister Krause – WM 2014

18. April 2016 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Aktuelles, Blog

WP_20140702_046Im Vorfeld der WM 2014 gab es in Brasilien in vielen Orten massive und zum Teil gewalttätige Proteste gegen die allgegenwärtige Korruption, gegen Kinderarmut, Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft und soziale Ungerechtigkeiten. Mit Anpfiff der Spiele hatten sich die Demonstranten eine Pause verordnet – das große Volksfest mit Menschen aus aller Welt war ihnen dann doch wichtiger. Kurzzeitig.
In Belem werde ich jedoch sofort daran erinnert, worum es den gastfreundlichen Menschen eigentlich ging, denn die Stadt im Nordosten des Landes ist ein abgeranztes, muffiges Rattenloch und wirkt wie eine überdimensionale Favela. Von der lieblichen „Stadt der Mangobäume“ mit fantastischen Prachtbauten – wie es im Reiseführer heißt – keine Spur. Die größtenteils dunkelhäutigen Bewohner wirken seltsam traurig und vom Leben ernüchtert. Belem war leider das einzig bezahlbare Flugziel gewesen, um das Amazonasgebiet zu verlassen. Eine dreitägige Bootstour wäre eine Alternative gewesen, wobei wir dann auch hier gestrandet wären.
„Bitte nicht zu ‘nem Franzosen“, bettelt Jenna am Flughafen. „Doch!“, rufe ich, da das „Hotel le Massilia“ unsere Unterkunft im Zentrum sein wird. Und es ist die richtige Entscheidung, denn das zweistöckige Haus ist Oase und Festung zugleich. Im Innenhof befinden sich ein verwunschener Garten mit seidigem Pool und ein Bistro mit französischer Küche. Am liebsten würde ich das Kleinod nie wieder verlassen. Doch kurz nach der Ankunft rennen wir schon wieder los. In wenigen Augenblicken spielt Deutschland sein letztes Gruppenspiel gegen die USA. Es ist kurz vor 13 Uhr.
Am Estação das Docas haben das dortige Brauhaus und zwei Cafés zwar geöffnet, aber die TV-Geräte nicht angeworfen. So sitzen wir in einer Art Shoppingmall mit den Ausmaßen des Leipziger Hauptbahnhofs zu fünft mit zwei Einheimischen vor einem Bildschirm, auf dem man aufgrund der Sonneneinstrahlung fast gar nichts erkennen kann.
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Der Ton ist ein Witz und von allen Seiten erschallt brasilianische Mallorca-Musik. „Das ist ja wohl die allergrößte Scheiße. So möchte ich nie mehr ein Spiel der Deutschen sehen“, wüte ich. Obwohl unsere Fußball-Leidenschaft ganz unterschiedlich ausgeprägt ist: hier haben wir alle die Arschkarte gezogen.
„Wasserschlacht! Chaos! Ich bin drin! Wie geil ist das denn!“, schreibt Trueman in einer SMS. In Recife muss es gerade so stark regnen, dass die Straßen der Stadt hüfthoch geflutet und einige Fans noch immer nicht im Stadion sind, ermittelt unser Telefonfräulein Erni via Live-Ticker. So gesehen, kann ich Truemans Euphorie zwar verstehen, bin aber froh, mir das extrem langweilige Spiel – Deutschland „müllert“ sich irgendwie zum 1:0 – nicht vor Ort bei Starkregen angeschaut zu haben. Wobei: wenn ich mich hier so umschaue, wäre das durchaus klüger gewesen. Jenna und ich sitzen wie zwei Doofs in National-Trikots herum während der dritte im Bunde (Erni) gerade mal wieder versucht, Kohle aus einem Geldautomaten zu ziehen. Als die deutschen Fans in Recife und Daheim den Einzug als Gruppensieger ins Achtelfinale feiern, trödeln wir auf zugemüllten Straßen an offenen Abwasserkanälen entlang. In den Shops gibt es ausschließlich Plaste- und Elektroschrott zu kaufen aber auch Fußballtrikots für unter 5 €, die man sicherlich nur einmal tragen kann, bevor sie verrotten. Willkommen in der dritten Welt Brasiliens.
Lediglich rings um das Eisenkonstrukt des „Ver-o-Peso-Marktes“ kommt Amazonas-Feeling auf, da es viele der angebotenen Fisch-, Kräuter-, Gemüse- und Obstsorten nur in dieser Region gibt. Im Gegensatz zu den hunderten tiefschwarzen Aasgeiern am Hafen sind wenigstens die Menschen Belems friedlich und lassen uns an vielen Ständen Dinge kosten. Doch nur Sylvie und ich trauen dem Frieden (für den Magen) und essen Fisch mit Reis zu erschwinglichen Preisen. Der Rest futtert Burger im einzigen globalen Ketten-Restaurant weit und breit.
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Zeit für den Zauberpool beim Franzosen, den ich nach dem dornenreichen Tag bis zur Nachtruhe nicht mehr verlassen will. Auch das Spiel Algerien gegen Russland schaue ich dort, um unseren „Freilos-Gegner“ im Achtelfinale (Algerien wird es) wenigstens einmal zu begutachten. Meine Freunde versuchen ihr Glück in der verruchten Gegend rund um das Hotel und kehren nach einer Stunde konsterniert zurück, wenngleich sie das Bündel kleiner Geldnoten, welches bei einem Überfall auszuhändigen ist, noch bei sich tragen.

Okay, ich möchte nicht überall und jederzeit erreichbar und online sein. Das Internet ist auf solchen Reisen jedoch ein Segen. Man muss keine kiloschweren Reiseführer mehr herumschleppen oder stundenlang in zwielichtigen Reisebüros darauf warten, überteuerte Angebote unter die Nase gerieben zu bekommen. Nach eingehender Recherche im hiesigen W-LAN buchen wir einen Flug von Paranaiba nach Recife – dem Endziel für den Heimflug. Dorthin werden wir in einer 14stündigen Busfahrt gelangen. Auch diesen Ritt können wir bei Zigaretten und Bier im Netz reservieren. Nach getaner Arbeit ruft Jenna: „Wisst ihr eigentlich was über Parnaiba bei Wikipedia steht? Ein einziger Satz: Parnaíba ist eine Stadt des Bundesstaates Piauí im Nordosten Brasiliens und hatte im Jahr 2010 etwa 146.000 Einwohner.“ „Na das klingt doch spannend“, antworte ich und meine es auch so, denn was gibt es Schöneres, als irgendwo in der Fremde mit einem dreckigen Rucksack zu landen. Danny sieht das anders und recherchiert sofort hektisch, was man dort überhaupt machen kann und ob es Hotels gibt. „Wird schon was geben“, antworte ich, da Ungewissheit noch immer ein berauschender Zustand für mich ist. „Es gibt was!“, ruft sie todesglücklich. So unterschiedlich sind die Vorstellungen Abenteuerreisen!
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Danny hatte folgendes herausgefunden: Das eher unscheinbare Parnaiba am Ufer des gleichnamigen Flusses ist umgeben von vielen Stränden und vor allem das Einfallstor zum drittgrößten Delta der Welt, welches mit spektakulären Ansichten zu überraschen weiß. Was sie jedoch nicht gegoogelt hatte, dass Brasilien nach der (dann doch) 16stündigen Reise gerade sein Achtelfinale gegen Chile spielt. Am Busbahnhof stehen Taxis und Stadtbusse bereit, aber kein einziger Fahrer sitzt in seinem Gefährt. Was soll’s – für mich beginnt die WM nun sowieso erst richtig. Bei angenehmen 28 Grad und salziger Luft darf ich bereits um 13 Uhr das erste Bier in der Mitropa mit den Jungs ordern. Inmitten der versammelten Bahnhofstruppe schauen wir an einem Ort mit angenehmer Atmosphäre eine rasante erste Halbzeit, die 1:1 endet.
Sylvie kommt auf die wahnwitzige Idee, in der 15minütige Pause eine Unterkunft zu suchen und überredet einen Mann, auf komplett autofreien Straßen an einen der Strände zu rasen. Der Atlantik ist dann doch ein Stück entfernt und als uns weder das erste (zu teuer) noch das zweite Hotel (zu einsam) zusagt, wird der Fahrer allmählich unruhig. Ich auch, weil die Partie längst wieder läuft. Da dann auch die nächste Unterkunft (zu dreckig) am nunmehr dritten Beach nichts taugt, bettelt er regelrecht darum, dass wir zahlen, damit er endlich verduften kann. Nix da: nach einer extrem teuren Irrfahrt (nach 90 Minuten steht es weiterhin 1:1) landen wir in der „Vila Parnaiba“ in der Nähe der Altstadt, in genau jener Pousada, in die wir Jungs von Anbeginn eigentlich wollten.
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Die Frauen suchen in der Verlängerung (!) tatsächlich noch weiter, obwohl wir unsere Traumhütten in einem liebevoll gestalteten Garten vor blauem Pool mit großer Bar und Flachbildschirm längst gefunden haben. „Soll’n se mal alle machen“, äffe ich den Spruch eines verschollenen Freundes nach, ordere drei Brahma und setze mich mit Jenna und Erni vor die Kiste. Riesige Leguane sind außer und die einzigen Gäste.
In der letzten Minute der Verlängerung – ein Chilene ballert gerade einen Schuss an die Querlatte der Brasilianer und sorgt für Entsetzensschreie – kommen unsere Damen zurück und murmeln: „Wir bleiben.“ „Die Suche hat ja auch nur ein WM-Spiel lang gedauert“, lästert Jenna mit Augenzwinkern in meine Richtung. ‚Und was für eins‘, denke ich beim Blick auf den Bildschirm.
Der Elferkrimi beginnt und der Hotelfachwirt stellt ungefragt Schnäpse auf den Tisch. Das nun folgende Schauspiel verursacht Ohrenchaos. Wir sitzen in einer ruhigen Runde beisammen, aber aus der Ferne sind Detonationen zu hören, als befänden wir uns in der Nähe eines Kriegsschauplatzes – so als würden hunderte polnische Knalltöpfe gleichzeitig explodieren. Die Zeit ist zu knapp, um zu schauen, was da eigentlich los ist. David Luiz schnappt sich das Leder. Bomben und Granaten verstummen, während im Stadion, aber auch in unmittelbarer Hörweite, „Eu sou Brasilero“ erklingt. Gänsehaut überzieht meine Arme und Beine großflächig. Als der Spieler den Elfmeter-Punkt erreicht, wird es wüstenstill. Luiz läuft an – und versenkt. Knall, Bumm, Peng – Raketenstart in Cape Canaveral und Baikonur gleichzeitig!
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Brasilien gewinnt das Herzinfarkt-Drama – nach etlichen Fehlschüssen auf beiden Seiten – mit 3:2 und zieht ins Viertelfinale ein. Die zwei Angestellten schreien ihre Freude heraus, doch ganz in der Nähe breitet sich eine Druckwelle aus, die mich in einer noch nie zuvor erlebten Intensität überrollt.
Ich war beim allerersten WM-Erfolg der Spanier 2010 in Madrid und auch den Titel von Chelsea in München 2012 habe ich live im Stadion erlebt, aber hier – in Parnaiba – werden die Vulkanausbrüche der Fans allesamt getoppt; und das bei einem piefigen WM-Achtelfinale! Wir gehen jetzt doch mal nachschauen. Letztendlich stellt sich heraus, dass die hiesige Fanmeile nur vier Straßen entfernt – mit Leinwand, Musikbühne, Boxentürmen, Fress- und Getränkeständen – aufgebaut ist. Sicher 10.000 Leute tanzen sich dort bei lauter Musik in einen Siegesrausch.
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Das ist uns nach der langen Fahrt zu anstrengend, wobei sich nach zwei Stunden Mittagsschlaf nicht viel verändert hat – außer, dass die hin und her flutenden Fans nun noch aufgedrehter und betrunkener sind. Jenna und ich tragen alte Deutschland-Trikots und werden alle zwei Minuten angequatscht: „Final? Brasil – Alemanha?“ Beim ersten schüttele ich noch den Kopf, da das die Auslosung gar nicht hergibt und rufe „Semifinal“. Den nächsten zwanzig antworten wir einfach „Claro, amigo“, und müssen alsbald vor dem spendiertem Bier flüchten, um nicht granatenbesoffen unterzugehen. Das momentan laufende Spiel von Kolumbien gegen Uruguay (2:0) interessiert dann wieder einmal niemanden.
Wir finden ein Restaurant in welchem die Fisch- und Garnelengerichte fantastisch schmecken. Allerdings hatte sich der neugierige Erni „Caranguejo toc-toc“ bestellt, was sich als Eimer gekochter Schalentiere entpuppt hatte und mit „Klopf-Klopf-Krebsen“ zu übersetzten wäre. Über zwei Stunden müssen wir warten bis er mittels Holzkolbens alle Panzer aufgeklopft und aus jedem noch so dünnen Ärmchen – mit den Bewegungsabläufen eines Faultiers – die Fleischanteile herausgezutscht hat. Ein Spaß, während um uns herum noch immer alle freidrehen. Irgendwann ruft er: „Könnmageen“, was ich mit „Wir können jetzt gehen“ übersetzen würde.
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Was für ein Land! Was für eine Zeit! Am von rauen Felsen umgebenen Leuchtturm-Strand „Pedra do Sal“ schauen wir Holland gegen Mexiko (2:1). In einer rustikalen Strandhütte bei einer Caipi das Elferschießen von Costa Rica gegen Griechenland (5:3), während Surfer dem roten Sonnenuntergang davonreiten und am kommenden Tag Frankreich gegen Nigeria (2:0) am wohlklingenden „Praia do Coquero“ (Strand der Kokospalmen) mit Crepés am Stil in der Hand. Überall spielen die Menschen Fußball: Kinder, Jugendliche, alte Männer, Frauen und später auch wir. Ich bin im schönsten Land der Erde und es laufen die Achtelfinals einer Fußball-WM. Kann das nicht immer so bleiben? Nein. Schon um 15 Uhr dränge ich zur Rückfahrt, denn das Deutschland-Spiel müssen wir schon anders zelebrieren.
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Jetzt putzen sich sogar die Mädchen heraus – vermutlich wollen sie den Brasilianern zeigen, dass auch Europäerinnen in voller Montur abgehen können. Froh gelaunt schlendern wir zur Fanmeile. Doch was ist im Kneipenviertel „Beira Rio“ los? Nichts, gar nichts – null nüscht! Keine einzige Bar hat um 16.30 Uhr geöffnet und die Bühne ist sowieso verwaist. Okay, das ist nicht dramatisch; in der Pousada läuft ja auch die Übertragung, aber irgendwie bin ich traurig. Ein bisschen mehr Euphorie, wenigstens während der Ausscheidungs-Spiele, hätte ich in Brasilen (bei ihrer Heim-WM) dann doch erwartet.
Letztendlich finden wir dann doch noch die Frittenbude „Lanchonete Crespo – Route 66“. Der Besitzer sieht aus wie Tom Gerhardt aus der Serie „Hausmeister Krause“ und schleppt den klobigen Röhren-TV auf einen der Plastiktische, während Erni etwas lustlos die Deutschland-Fahne davor aufhängt. Hammer-Atmosphäre! In der Halbzeit – es steht lediglich 0:0 gegen die Typen aus Nordafrika – wollen uns zumindest ein paar Dorfkids als WM-Touristen fotografieren.
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Obwohl Krause total verschnupft ist und ständig durch die Gegend rotzt, bestellt Jenna einen Hamburger und alle schließen sich an. Danach brauchen wir Schnaps, da der Wirt in der Küche ununterbrochen und lautstark auf unser Essen genießt hatte. Das dramatische Spiel in Porto Alegre – Neuer fängt halsbrecherisch etliche Konter der Algerier schon im Mittelfeld ab – nötigt uns dazu, die Cachaça-Flasche gleich am Tisch anzuketten. Eigentlich alle Deutschen spielen unterirdisch während der Gegner sein Bestniveau abruft. Tausende Kinder in der Heimat wollen nach dem Spiel sicherlich Torwart werden. Aber auch wir staunen über das leere Tor und die Heldentaten von Manu dem Libero. Mittlerweile schreien sich alle die Seele aus dem Leib, sodass sich ein kleiner Trupp neugieriger Einheimischer hinter uns aufreiht. Einen richtig peinlichen Moment liefert unser Team in der 87. Minute. Wahrscheinlich will Müller über den Ball springen, um den Gegner zu verwirren und Kroos dann schießen lassen, aber er rutscht unelegant weg und sorgt für eine unfreiwillige Slapstick-Einlage, da auch Toni danach nur zu einem sinnlosen Lupferchen ansetzt. Ach du Scheiße – Verlängerung!
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„Noch so ein Spiel halte ich definitiv nicht aus und wo ist eigentlich Sschhgodraan?“, nuschelt Danny, wobei mir der Satz noch aus dem Ghana-Spiel in den Ohren klingt und Mustafi längst ausgewechselt ist „Und das gegen diese Luschen aus Algerien, Meiner“, gibt auch noch Erni seinen Senf dazu. „Wat willste? Glaubste etwa, unter den letzten 16 iss noch ‘ne Karnevalstruppe? Tooor!“, antworte ich kreischend und springe wie ein Rumpelstilzchen auf. Schürrle trifft zu Beginn der Nachspielzeit. Mit der Hacke. Aus vollem Lauf. Als Aufsetzer. Geiles Tor! „Mann, hätte der das nicht drei Minuten vorher machen können?“, ruft Jenna gewohnt nüchtern. Ich atme durch und warte bis mein Puls wieder auf Normalfrequenz runtergefahren ist. Noch fast eine halbe Stunde zittern. Özil trifft in der 119. Minute zum 2:0, wobei kurz darauf das 2:1 (und Danny) fast in Ohnmacht fällt. Dann ist das Spiel endlich aus. Ich liege Silvie glücklich und schweißgebadet in den Armen.
Dieter Krause aus Parnaiba-Kalk spendiert eine Runde vollgehustetes Feuerwasser und sorgt somit endgültig dafür, dass wir uns blau trinken – und vermutlich Dengue-Fieber bekommen. „Para Alemanha“, röchelt er und prostet uns alkoholblöd zu. Deutschland steht im Viertelfinale gegen Frankreich. „Kasalla!“ – würde der echte Kölner Hausmeister Krause wohl sagen. Prüfung bestanden!
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Zum Weiterlesen: 90 Minuten – Neue Fußballgeschichten
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Annikas Brüste – FKK-Kindheit in der DDR

22. August 2014 | von | Kategorie: Blog, Mauergewinner Leseproben

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Wie soll ich meine Familie realistisch beschreiben? Unsere Lieblingsschallplatte in der Kindheit, die “Geschichtenlieder” von Reinhard Lakomy mit ihren wunderlichen Figuren unter dem “Traumzauberbaum”, bildete uns perfekt ab. Mein Vater wog, solange ich denken kann, über 100 Kilo bei einer Größe von nur 1.69 Metern – wir nannten ihn selten „Vati“, sondern „Kürbis Kugelbauch“ oder einfach nur „Kugel“. Die Mutter hatte proportional gesehen die gleichen Maße – nur eben 20 Kilo und 12 Zentimeter weniger. Sie wurde im Kinderzimmer der Mollstraße „Teresa Rundlich“ genannt. Wollten wir wirklich etwas von ihr, dann natürlich auch „Mutti“.
Neben der Fettleibigkeit einiger Familienmitglieder waren wir auch eine sehr prüde Sippe. Das Bad wurde immer von innen verschlossen; Familie Scheppert zeigte sich nicht gerne nackt. Seit ich meine Eltern trotzdem einmal zusammen in der Badewanne erwischt hatte, begrüßte ich dies auch. Viel Wasser hatten die beiden für ein randgefülltes Wannenbad nicht gebraucht. Ich stand unter Schock und es war für lange Zeit das letzte Mal, dass ich eine Frau oben ohne sah. Es gab in meiner Jugend keine Pornofilme, keine Sexshops und Rotlichtviertel, keine sexuell aufgeladenen Schimpfwörter. Aufgeklärt wurde ich zumindest in meinem Kinderzimmer nicht.

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Brüderchen Benny hatte einen Hang in Richtung Hängebauchschwein. Zeit meines Lebens möchte ich im Tierpark Berlin eine Patenschaft für eines dieser Tiere übernehmen und es Benny nennen. Als kleinste und jüngste Sau der Familie wurde er „Paule Platsch“, der Regentropfen, gerufen. Mich, den aus der Art geschlagenen, langen Lulatsch, der für meine Eltern und Benny geradezu ausgezehrt wirken musste, rief vor allem Benny ganz aufgeregt bald nur noch „Springginkel“ – so hieß die dürre, mürrische Fadennudel in den Geschichtenliedern. Ich konnte damit leben.

In einem FDGB-Urlaub mit meinen Eltern und Benny, ich war gerade zwölf, traf ich die zwei Jahre ältere Annika. Mit ihren langen, schlanken Beinen war sie ein bisschen größer als ich, hatte schulterlange braune Haare und kastanienfarbene, leuchtende Augen. Nicht nur wenn sie lächelte, war sie das hübscheste Mädchen, das mir bisher begegnet war. Wir spielten zusammen Tischtennis, Karten, rannten um die Wette und saßen am Abend auf der Wiese des Sportplatzes und redeten.
An einem der Urlaubstage meldeten wir uns beide freiwillig zur Kirschernte im Ort, während unsere Eltern gemeinsam auf einen Ausflug fuhren. Obwohl es Geld dafür gab, aßen wir lieber die saftigen Früchte und bewarfen uns lachend damit, während wir auf den Bäumen saßen. Als wir am Nachmittag völlig verschwitzt und rot verklebt in unserer Ferienanlage ankamen, fragte mich Annika, ob wir zusammen duschen wollten. Einfach so platzte sie damit heraus. Ich bekam einen Kopf, so rot wie die Kirschflecken auf meinem T-Shirt und suchte eilig das Weite.
Im Zimmer sank ich auf mein Bett. Ich war furchtbar von mir enttäuscht. Natürlich hätte ich dieses wunderschöne Mädchen gerne nackt gesehen. Von nun an schaute ich ständig neugierig auf ihre gewölbte Bluse und träumte von ihrem sonnengebräunten Körper. Doch in ihrer Nähe war ich nervös, schämte mich und wusste nicht wofür. Annika neckte mich nun ununterbrochen. Sie blinzelte mich übermütig an und flüsterte mir nach jedem gemeinsamen Abendbrot in der Hotelhalle ins Ohr, wie erfrischend doch die Dusche in ihrem geheimnisvollen Zimmer wäre. Doch die Tage vergingen, ohne dass ich es auch nur einmal wagte, auf Annikas unmoralisches Angebot einzugehen.
Im Meer

Freie Körper Kultur (FKK) in der DDR ist seit jeher ein Mysterium für mich. Ich kann nicht vernünftig erklären, warum meine Landsleute darauf so sehr abfuhren und sich kein bisschen für ihre Blöße schämten. Meinen Mitmenschen im Westen geht das genauso, denn dort herrscht einerseits ein riesiges Interesse an dem Thema, gleichzeitig wird verständnislos mit dem Kopf geschüttelt, wenn wieder einmal ein Bericht über die ausgelassenen Ossis ohne Badesachen im Fernsehen läuft.

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs kamen Annikas und meine Familie auf die Idee, dass wir auch einmal gemeinsam an die nicht weit entfernte Ostsee fahren könnten. Was mir allerdings nicht klar war: mit getrennten Autos und an verschiedene Strände. Wir fuhren tatsächlich in einer Kolonne bis zu einem Parkplatz im Wald, stiegen aus und verabschiedeten uns in unterschiedliche Richtungen. Annika rief mir hinterher, dass ich gerne einmal auf ihre Seite kommen könnte. Sie würde sich freuen.
Annikas Eltern bevorzugten den FKK-Bereich, während wir natürlich mit extrem breiten Badehosen im Textilsektor lagen. Dennoch, ich war aufgewühlt und neugierig. Ich wollte unbedingt wissen, wie ein junges Mädchen ohne Bikini aussah. Unsere Strände waren nur 300 Meter voneinander entfernt.
Mutig beschloss ich, auf der Luftmatratze liegend in Richtung FKK-Strand zu paddeln.
Vom Wasser aus erkannte ich nach einiger Zeit die großen Schilder, die auf das Ende des Textilbereiches hinwiesen. Ich rollte mich von der Luftmatratze ins tiefe Wasser und zog mir umständlich die blaue Badehose herunter. Die Matratze vor mir herschiebend, schwamm ich zum ersten Mal vollkommen nackt an ein Ostseeufer. Unsicher richtete ich mich auf, die Matratze unter dem Arm und in der anderen Hand die geknüllte Badehose. Beides gab mir ein bisschen Schutz vor den Blicken der anderen Badegäste.
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Doch niemand interessierte sich für mich, und schon ein bisschen selbstbewusster suchte ich den Liegeplatz von Annikas Familie. Schon von Weitem sah ich, dass Annika, als sie mich kommen sah, zu lachen begann. Unsicher grinsend legte ich mich bäuchlings neben sie in den Sand und blinzelte sie an. Auch ihre Eltern schmunzelten. Dann gingen sie ins Wasser. Annika lag auf dem Rücken, den Kopf auf ihren Arm gestützt und redete nun ganz cool mit mir. Bei jedem ihrer Atemzüge bewegten sich die braun gebrannten Brüste ein wenig auf und ab. Mir wurde ganz schummrig und so starrte ich abwärts zwischen ihre Beine auf die volle, dunkelblonde Schambehaarung. Ich konnte mich schon lange nicht mehr umdrehen. Ich hatte eine Erektion, die sich anfühlte, als hätte sie sich tief in den heißen Ostseesand gebohrt.
Noch Monate später beulte sich meine Hose bei dem geringsten Gedanken an diesen Strandbesuch aus. Mit dem Maßband aus Mutters Nähkasten überprüfte ich nun ständig meinen Entwicklungsstand. Eines Nachts träumte ich von einer engen dampfenden Dusche in einem sommerlichen FDGB-Heim. Ein neckisch blinzelndes Mädchen mit wunderschönen Brüsten drückte sich eng an mich und griff mir behutsam zwischen die Beine. Ich hatte meinen ersten Orgasmus.

Einer der schönsten Ostseestrände der DDR lag in Prerow. Ich wusste das nicht, bis Otmar mich in der 11. Klasse fragte, ob ich nicht mal dorthin mitkommen wollte. Seine Familie besaß dort einen Dauercampingplatz. Prerow liegt am äußersten Rand der Darßer Halbinsel, und der Zeltplatz befindet sich an einem kilometerlangen weißen Sandstrand direkt in den Dünen, Meeresrauschen und Lagerfeuer am Abend inklusive.
Neben Otmars Familie campten ringsherum allerlei Bekannte und Freunde, sodass sich dort über Jahre eine richtige Kommune gebildet hatte. Sämtliche Sommerwochenenden von Mai bis September und der komplette Urlaub wurden in Prerow verbracht – bei den Reisemöglichkeiten in der DDR und der dort herrschenden ausgelassenen Stimmung konnte ich das später sogar gut nachvollziehen. Seit Neuestem sprach man hier oben besonders offen und kritisch über die Verhältnisse in unserer Republik.

Zu meinem Einstand musste ich allein mit dem Zug anreisen. Um meine Freunde zu überraschen, bestand der Inhalt meines Rucksacks zu 85 Prozent aus Berliner Pilsner; das “Rostocker” hier oben war ja nicht genießbar, hatte man mir vorher erzählt. Bereits im Zug lernte ich ein lustiges Pärchen kennen und mit Hilfe ihrer und meiner Getränke wurde bei brütender Hitze schnell eine angenehme Ferienstimmung erreicht. In Barth setzte ich mich völlig geplättet in einen vollbesetzten Bus nach Prerow. Bei nunmehr 35 Grad im Schatten begann ich meine Suche nach Block H.
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Ich musste eine Pause einlegen, setzte mich abseits des Weges in den Schatten der Kiefern und machte mir aus Mangel an Alternativen ein lauwarmes Bier auf. Ich dachte an Annika. Sie müsste jetzt 19 sein und war sicherlich eine wahre Strandschönheit mit hunderten Verehrern zu ihren Füßen, die ihre braungebrannten Brüste anstarrten. Seit unserer damaligen Begegnung hatte ich sie nicht mehr gesehen und war nie wieder an einem FKK-Strand gewesen.
Jemand riss mich aus meinen Gedanken und warf mich von hinten um. Mit riesigem Gelächter fielen Otmar und David über mich her. Natürlich fanden sie es lustig, dass sie mich hier, mit knallrotem Kopf, allein beim Biertrinken trafen. Ich hob entschuldigend die Arme und gab den Jungs ein “Berliner” aus dem Rucksack. Wir saßen glücklich im heißen Sand und genossen das tosende Meer. Bei hohem Seegang folgte ich den beiden zum Zelt, verlor zwischendurch das Gleichgewicht und fiel, ohne mich abzustützen, genau aufs Gesicht. Ich hatte einen Sonnenstich und meine Bewegungsabläufe nicht mehr im Griff.
Als ich die Augen wieder öffnete, glotzten mich jede Menge nackte Menschen an – junge wie alte, fette und dürre. Schlagartig wurde mir klar: Mist, FKK! Doch meine Scham hatte sich offenbar im Alkoholrausch verflüchtigt. Ich strampelte meine Klamotten aus und rannte laut brüllend in die kühlenden Ostseewellen.
Splitternackt schlief ich genau in der Mitte des Strandes ein und wachte gegen 19 Uhr völlig steif gefroren wieder auf. Obwohl ich am ganzen Körper zitterte, spürte ich gleichzeitig ein fürchterliches Brennen auf meiner Haut. Ich hatte mich von oben bis unten, aber besonders am einst weißen Hintern verbrannt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht befühlte ich die rohen Stellen und ertastete auch die große blutverkrustete Schramme meiner Wange. Ich wollte nur noch ins Zelt und niemanden sehen.
Am nächsten Tag sah ich zwar immer noch aus wie ein kriegsbemalter Ostindianer aus einem DEFA-Film, aber es ging mir schon besser. Otmar erzählte, dass fast alle befreundeten Dauerzelter rings herum gefragt hätten, was das denn für ein komischer Kauz wäre, den er da angeschleppt hatte. Ich konnte kaum sitzen, so sehr brannte mein Gesäß, und dachte genervt: FKK und ich, das passt irgendwie nicht zusammen.
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Vor einigen Jahren wollte ich Sylvie unbedingt einmal auf den Zeltplatz nach Prerow entführen.
Obwohl wir recht früh dort ankamen, waren bereits fast alle Plätze belegt, die Rezeption war voller Urlauber, und wir zogen auch noch eine hohe Wartenummer. Um die Zeit zu überbrücken, tranken wir ein frisch gezapftes, köstliches Rostocker Pils und als wir endlich unseren Standplatz genannt bekamen, musste ich lächeln. Ich hatte bereits geahnt, dass der Textilbereich ausgebucht sein würde. Diese Wessis!
Lächelnd blinzelte ich meine FKK-unerprobte Freundin aus Westdeutschland an und sagte: “Glück gehabt. Wir sind im wunderschönen Block H, direkt in den Dünen.“ Meine Sylvie tat mir ein bisschen leid, so mitten drin in der großen Gemeinschaft der Nackedeis. Am dritten Tag aber schaute sie zum ersten Mal überrascht auf ihre durchgehend gebräunten Brüste und meinen knackigen, streifenfreien Hintern. Völlig losgelöst sprangen wir nackt in die tosenden Wellen.
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Hier geht es zum Mauergewinner-Buch inklusive dieser Geschichte & anbei noch ein Erinnerungsbild aus Prerow aus dem Jahr 2014.
Prerow 2014
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Sommergeschichte – Kindheit in der DDR

9. September 2012 | von | Kategorie: Blog

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Da ja nachweislich noch immer Sommer ist, könnt Ihr hier die passende Geschichte dazu lesen. Sie wurde bereits auf “Spiegel Online” veröffentlicht und ist Bestandteil meines DDR-Romans “Mauergewinner”.

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ANNIKAS BRÜSTE
Wie könnte ich meine Familie realistisch beschreiben? Unsere Lieblingsschallplatte in der Kindheit, die “Geschichtenlieder” von Reinhard Lakomy mit ihren wunderlichen Figuren unter dem “Traumzauberbaum”, bildete uns perfekt ab. Mein Vater wog, solange ich denken kann, mehr als 100 Kilo bei einer Größe von nur 1,69 Metern – wir nannten ihn selten “Vati”, sondern “Kürbis Kugelbauch!” oder einfach nur “Kugel”. Die Mutter hatte proportional gesehen die gleichen Maße – nur eben 20 Kilo und 12 Zentimeter weniger. Im Kinderzimmer wurde sie “Teresa Rundlich” genannt. Wenn wir aber etwas von ihr wollten, dann natürlich auch “Mutti”.

Neben der Fettleibigkeit einiger Familienmitglieder waren wir auch eine sehr prüde Sippe. Das Bad wurde immer von innen verschlossen; Familie Schubert zeigte sich nicht gerne nackt. Seit ich meine Eltern trotzdem einmal zusammen in der Badewanne erwischt hatte, begrüßte ich dies auch. Viel Wasser hatten die beiden für ein randgefülltes Wannenbad nicht gebraucht. Ich stand unter Schock, und es war für lange Zeit das letzte Mal, dass ich eine Frau oben ohne sah. Es gab in meiner Jugend keine Pornofilme, keine Sexshops und Rotlichtviertel, keine sexuell aufgeladenen Schimpfwörter. Aufgeklärt wurde ich zumindest in meinem Kinderzimmer nicht.

Wismar

Brüderchen Benny hatte eine Tendenz zum Hängebauchschwein. Zeit meines Lebens möchte ich im Tierpark Berlin eine Patenschaft für eines dieser Tiere übernehmen und es Benny nennen. Als Kleinster und Jüngster der Familie wurde er “Paule Platsch”, der Regentropfen, gerufen. Mich, den aus der Art geschlagenen langen Lulatsch, der für die Eltern und Benny geradezu ausgezehrt wirken musste, rief vor allem Benny ganz aufgeregt bald nur noch “Springginkel” – so hieß die dürre, mürrische Fadennudel in den Geschichtenliedern. Ich konnte damit leben.

Kirschenpflücken mit Annika

In einem FDGB-Urlaub 1983 mit meinen Eltern und Benny, ich war gerade zwölf, traf ich die zwei Jahre ältere Annika. Mit ihren langen, schlanken Beinen war sie ein bisschen größer als ich, hatte schulterlange braune Haare und kastanienfarbene, leuchtende Augen. Nicht nur wenn sie lächelte, war sie das hübscheste Mädchen, das mir bis dahin begegnet war. Wir spielten zusammen Tischtennis, Karten, rannten um die Wette und saßen am Abend auf der Wiese des Sportplatzes und redeten.

An einem der Urlaubstage meldeten wir uns beide freiwillig zur Kirschernte im Ort, während unsere Eltern gemeinsam auf einen Ausflug fuhren. Obwohl es Geld dafür gab, aßen wir die saftigen Früchte lieber selbst und bewarfen uns lachend damit, während wir auf den Bäumen saßen. Als wir am Nachmittag völlig verschwitzt und rot verklebt in unserer Ferienanlage ankamen, fragte mich Annika, ob wir zusammen duschen wollten. Einfach so platzte sie damit heraus. Ich bekam einen Kopf so rot wie die Kirschflecken auf meinem T-Shirt und suchte eilig das Weite.

Nackt 2

Im Zimmer sank ich auf mein Bett. Ich war furchtbar von mir enttäuscht. Natürlich hätte ich dieses wunderschöne Mädchen gerne nackt gesehen. Von nun an schaute ich ständig neugierig auf ihre gewölbte Bluse und träumte von ihrem sonnengebräunten Körper. Doch in ihrer Nähe war ich nervös, schämte mich und wusste nicht wofür. Annika neckte mich nun ununterbrochen. Sie blinzelte mich übermütig an und flüsterte mir nach jedem gemeinsamen Abendbrot in der Hotelhalle ins Ohr, wie erfrischend doch die Dusche in ihrem geheimnisvollen Zimmer wäre. Doch die Tage vergingen, ohne dass ich es auch nur einmal wagte, auf Annikas unmoralisches Angebot einzugehen.

Ausflug an die Ostsee

Freikörperkultur (FKK) in der DDR ist seit jeher ein Mysterium für mich. Ich kann nicht vernünftig erklären, warum meine Landsleute darauf so sehr abfuhren und sich kein bisschen für ihre Blöße schämten. Meinen Mitmenschen im Westen geht es ähnlich wie mir, denn dort herrscht einerseits ein riesiges Interesse an dem Thema, andererseits schüttelt man verständnislos den Kopf, wenn wieder einmal ein Bericht über die ausgelassenen Ossis ohne Badesachen im Fernsehen läuft.

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs kamen Annikas und meine Familie auf die Idee, dass wir einmal gemeinsam an die nicht weit entfernte Ostsee fahren könnten. Was mir allerdings nicht klar war: mit getrennten Autos und an verschiedene Strände. Wir fuhren tatsächlich in einer Kolonne bis zu einem Parkplatz im Wald, stiegen aus und verabschiedeten uns in unterschiedliche Richtungen. Annika rief mir hinterher, dass ich gerne einmal auf ihre Seite kommen könnte. Sie würde sich freuen.

Annikas Eltern bevorzugten den FKK-Bereich, während wir natürlich mit extrem breiten Badehosen im Textilsektor lagen. Dennoch, ich war aufgewühlt und neugierig. Ich wollte unbedingt wissen, wie ein junges Mädchen ohne Bikini aussah. Unsere Strände waren nur 300 Meter voneinander entfernt.

Nackt 4

Mutig beschloss ich, auf der Luftmatratze liegend in Richtung FKK-Strand zu paddeln.

Die Badehose – in der Hand

Vom Wasser aus erkannte ich nach einiger Zeit die großen Schilder, die auf das Ende des Textilbereiches hinwiesen. Ich rollte mich von der Luftmatratze ins tiefe Wasser und zog mir umständlich die blaue Badehose herunter. Die Matratze vor mir herschiebend, schwamm ich zum ersten Mal vollkommen nackt an ein Ostseeufer. Unsicher richtete ich mich auf, die Matratze unter dem Arm und in der anderen Hand die geknüllte Badehose. Beides gab mir ein bisschen Schutz vor den Blicken der anderen Badegäste.

Doch niemand interessierte sich für mich, und schon ein bisschen selbstbewusster suchte ich den Liegeplatz von Annikas Familie. Schon von weitem sah ich, dass Annika, als sie mich kommen sah, zu lachen begann. Unsicher grinsend legte ich mich bäuchlings neben sie in den Sand und blinzelte sie an. Auch ihre Eltern schmunzelten. Dann gingen sie ins Wasser. Annika lag auf dem Rücken, den Kopf auf ihren Arm gestützt und redete nun ganz cool mit mir. Bei jedem ihrer Atemzüge bewegten sich die braungebrannten Brüste ein wenig auf und ab. Mir wurde ganz schwummrig und so starrte ich abwärts zwischen ihre Beine auf die volle, dunkelblonde Schambehaarung. Ich konnte mich schon lange nicht mehr umdrehen. Ich hatte eine Erektion, die sich anfühlte, als hätte sie sich tief in den heißen Ostseesand gebohrt.

Nackt 1

Noch Monate später beulte sich meine Hose bei dem geringsten Gedanken an diesen Strandbesuch aus. Mit dem Maßband aus Mutters Nähkasten überprüfte ich nun ständig meinen Entwicklungsstand. Eines Nachts träumte ich von einer engen dampfenden Dusche in einem sommerlichen FDGB-Heim. Ein neckisch blinzelndes Mädchen mit wunderschönen Brüsten drückte sich eng an mich und griff mir behutsam zwischen die Beine. Ich hatte meinen ersten Orgasmus.

Jahre später

Vor nunmehr zehn Jahren wollte ich meine Freundin Sylvie unbedingt einmal auf den Zeltplatz nach Prerow entführen, dem vielleicht schönsten Ostseestrand auf der Darßer Halbinsel. Kilometerlanger, weißer Sandstrand direkt in den Dünen, Meeresrauschen und heimliches Lagerfeuer am Abend inklusive. Obwohl wir recht früh dort ankamen, waren bereits fast alle Plätze belegt, die Rezeption war voller Urlauber, und wir zogen auch noch eine hohe Wartenummer. Um die Zeit zu überbrücken, tranken wir ein frisch gezapftes, köstliches Rostocker Pils.

Ich dachte an Annika. Sie müsste jetzt 29 sein und war sicherlich eine wahre Strandschönheit mit hunderten Verehrern zu ihren Füßen, die ihre braungebrannten Brüste anstarrten. Seit unserer damaligen Begegnung hatte ich sie nicht mehr gesehen und war nie wieder an einem FKK-Strand gewesen.

Als wir endlich unseren Standplatz genannt bekamen, musste ich lächeln. Ich hatte bereits geahnt, dass der Textilbereich ausgebucht sein würde. Diese Wessis!

Lächelnd blinzelte ich meine FKK-unerprobte Freundin aus Westdeutschland an und sagte: “Glück gehabt. Wir sind im wunderschönen Block H, direkt in den Dünen.” Meine Sylvie tat mir ein bisschen leid, so mitten drin in der großen Gemeinschaft der Nackedeis. Am dritten Tag aber schaute sie zum ersten Mal überrascht auf ihre durchgehende Bräune und meinen fast streifenfreien Hintern. Völlig losgelöst sprangen wir nackt in die tosenden Ostseewellen.

Nackt 3

– Annikas Brüste bei Spiegel Online

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