Kubanische Apfelsinen – aus dem Buch „Leninplatz“

Am 14. November 1986 türmen sich morgens 15 Zentimeter Schnee auf dem Fensterbrett und in der Schule liefern wir uns eine heroische Schneeballschlacht mit den Spastis aus der Rosa Luxemburg. Schon auf dem Heimweg wissen wir, dass uns ein 1A-Wochenende bevorsteht. Mit Benny wuchte ich den Schlitten vom obersten Regal der Kammer herunter und auch die verrosteten Gleiter finden wir irgendwann. Am nächsten Tag sind wir startklar für den winterlichen Friedrichshain. Ich trage meinen beige-gelben Anorak, die grün-blaue Bommelmütze, welche Opa mir aus Sarajewo mitgebracht hat, schwarz-rot gestreifte Hosen und braune Stiefel. Wie all meine Freunde bin ich ein Farbtupfer, der sich holprig die schneebedeckten, weißen Hügel hinunterstürzt. In der 6. Klasse hatten wir einmal zeichnen müssen, wie wir uns…

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Hier kommt Herr Alex (!) Schalck-Golodkowski – Kindheit in der DDR

Ich liebe meine Mutti. Bis ich mir mit 19 meine erste eigene Wohnung suchte, zog sie die Fäden in meinem Leben. Nach einer 42-Stunden-Woche wusch sie die komplette Wäsche, bügelte, kochte, reinigte die Wohnung, schmierte uns die Stullen und reihte sich freitags in die Schlange beim Fleischer ein. Sie kaufte unsere Lebensmittel, kümmerte sich um die Finanzen, beantragte den Telefonanschluss, organisierte die Anmeldung für den ersten Trabi und die Urlaube in FDGB-Ferienheimen. Sie ging zu Elternabenden und ließ uns abends ein Wannenbad ein, begleitete uns zur FDJ-Aufnahme und zum Frisör. Meine Mutter war das mit Abstand wichtigste aller Familienmitglieder; das wollte ich an ihrem 70. Geburtstag würdigen. Doch reichten diese Informationen für eine vernünftige Rede aus? In unserem alten Kinderzimmer…

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