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Mit Ferkel und Babyspeck am Hellsee

6. August 2018 | von | Kategorie: Blog


Am 2. August sind mal wieder meine Nichte und mein Neffe zu Gast, um mit Sylvie und mir auf die alljährlichen Wochenendtour zu gehen.
Während ich am 01.08. – meinem Geburtstag – nur zwei Biere getrunken habe, schaffe ich am Tag danach gerade mal ein einziges. Mit einer schweren Mandelentzündung (mitten im Hochsommer) kann ich weder schlucken noch sprechen. Somit fällt auch das alljährliche Ritual: Spaghetti Bolonaise ohne Besteck zu essen, ins Wasser und auch auf unseren Kultfilm „The big Lebowski“ habe ich in diesem Jahr wenig Lust und verschwinde vollgepumpt mit Heilmitteln zeitig ins Bett.
Meine Mutter (Zitat: „Bei dir gibt’s wohl gar nichts zu essen“ oder „Hätten wir mal wenigstens Kuchen beim dem Bäcker gekauft, wo es nicht schmeckt“) wird dennoch satt, da Benny auf meinem Balkon das Grillen übernimmt und drei verschiedene Kartoffelsalate zur Auswahl stehen. Wie auch immer: für mich ist es ein schweigsamer Urlaubstag mit Aua!
Am nächsten Tag muss ich sogar zum Arzt, um mir Antibiotika und Schmerzmittel zu holen. Die Tour will ich auf keinen Fall aufgeben, denn es geht zu diversen Kindheitserinnerungen (meinerseits) und das sollen die Kids wegen mir keineswegs versäumen.
Biesenthal, etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin, ist der Ort, in den wir, mangels Alternativen, oder weil unsere Eltern keine Lust auf größere Strecken hatten, sehr oft in den FDGB-Urlaub gefahren sind. Einerseits habe ich ihn positiv in Erinnerung (Baden, Angeln, Pilze sammeln, Fußball- und Volleyballspielen) andererseits war es dort, besonders ab 15 immer kotzlangweilig, da die Alten sich abends betranken und ich (Jungs in meinem Alter oder gar süße Mädels waren hier nie am Start) schmollend am See lag und meine Kassetten rauf und runter hörte.
Meine Nichte und der Neffe wissen nicht viel davon – auch nicht, dass Sylvie und ich mittlerweile selbst in das Alter kommen, wo wir im Hochsommer für einen Kurztrip keine langen, staureichen Strecken mehr fahren wollen. Also Biesenthal reloaded.

Am Eingang zum Strandbad Wukensee spreche ich an diesem Tag meine ersten Worte: „Zwei Erwachsene und zwei Kinder.“ „Wie alt sind die Kinder?“ „Beide 14!“ Die Kids amüsieren sich köstlich, da sie älter, saugroß und vor allem keine Zwillinge sind. Im Bad selbst finden wir sogar noch eine ruhige, schattige Ecke, wo ich chillen kann, während die Kids, Bennys im Kinderalter aufgestellten Rekord: „150 mal hintereinander vom Dreimeter-Brett springen“ nicht versuchen zu toppen, sondern lediglich zusammen mit Sylvie im Wasser toben.
Laura spendiert dem kranken Onkel sogar noch ein großes Softeis, sodass auch meine Mandeln etwas Urlaubsfeeling bekommen. Danach kaufen wir bei Edeka in Biesenthal für den ersten Abend ein. Zwei jugendlichen „Fressmaschinen“ zu sagen: „Packt einfach ein, was ihr gerne esst“, ist vielleicht nicht so der Bringer, denn am Ende stehen schmale 129,- € auf der Rechnung.
Dann fahren wir zu unserer Hütte am Hellsee. Der vollkommen naturbelassene See hat eine mythische Ausstrahlung, liegt ganz versteckt in einem Mischwald, wohin sich nur wenige Touristen verirren. Er ist ein Geheimtipp, den Sylvie und ich dann aber doch im letzten Jahr unseren Freunden verraten hatten, da wir eine Fahrradtour anlässlich Dannys Geburtstag in die dortige kleine Ferienanlage, auf dem Hügel über dem Gewässer, gemacht hatten. In jenem Jahr war der Sommer äußerst kühl gewesen und abends am Lagerfeuer war es so dermaßen gruselig (wir waren die einzigen Gäste), dass besonders Danny noch heute ein kalter Schauer über den Rücken läuft, wenn sie an die Tage am „Höllensee“ denkt.

Diesmal sind alle Bungalows und sogar das Haupthaus mit den Apartments ausgebucht, womit der Gruselfaktor (Hunde- und Wolfsgejaule, lautes Knacken im Wald, Menschen ohne Schatten, Hugo der Waldschrat, etc.) diesmal geringer ausfallen wird. Schön finde ich, dass die Hütte den Kids (die gerade aus einem 5-Sterne-Urlaub mit ihren Eltern in Thailand kommen) gefällt, der Kühlschrank (fast) groß genug für unsere Einkäufe ist und ich mich nach dem Bettenbeziehen kurz hinlegen darf, während die Kinder mit Sylvie allein durch den kompletten Hellsee schwimmen.
Das Grillen am Abend wird uns mit Vorbehalt erlaubt (die Waldbrandgefahr ist bei der Hitze und langanhaltender Trockenheit schon ziemlich groß). Zum Feuermachen werden Michel und ich eingeteilt. Nun gut: erst nachdem wir die komplette Flasche „Bio-Grillanzünder“ über die Kohlen ausgeschüttet haben, fangen diese leicht an zu brennen, bzw. zu glühen (obwohl es zunächst eine riesige Stichflamme gibt). Mein Problem ist, dass ich immer noch schlecht schlucken kann, wodurch mir selbst die feinen Rippchen mit leichter Bierspülung fast im Halse steckenbleiben. Aber alle anderen werden satt.
Am Abend beobachten wir folgendes: im Haupthaus wohnt eine Gruppe junger Frauen, die lustige Dinge (sie ahnen nicht, dass wir alles hören) über ihre BHs und Schlüpfer zum Besten geben. Michel nennt die beiden Top-Bräute „Ferkel“ und „Babyspeck“, vielleicht um davon abzulenken, dass er sie kuhl findet. „Gebt dem Baby Speck“, singen irgendwann alle im Chor. Ich kann leider nur die Lippen dazu bewegen und grinsen. Währenddessen entwickelt sich einer der Beteiligten zur „Furzmaschine“ und Silvie zum „Eichelmagneten“, da ihr ständig so ein Ding auf den Kopf oder die Schulter knallt und sie mit ihren Schreckenslauten alle wach hält. Gut, außer mich, da ich heute nur eine Runde Scrabble mitspiele (das Wort „Fetzt“ fetzte urst ein) und dann schon wieder ins Bettchen verschwinde.

Am Samstag geht es mir ein wenig besser, wobei ich Sylvie in der Nacht mit meinem Geröchel wohl ziemlich auf Trab gehalten habe. Somit esse ich mit den Kids alleine Frühstück, gehe mit Laura dann auch mal in den erfrischend kühlen Hellsee und lasse meine Freundin ausschlafen. So ist sie dann wieder eine halbwegs gut gelaunte Fahrerin, die uns zum Liepnitzsee kutschiert. Entlang des Ufers haben sich zwar ziemlich viele Leute breitgemacht, aber der türkisfarbene See inmitten des Waldes ist ja nicht nur für uns ein wahres Naturparadies. Beim Schwimmen und Baden vergessen die drei zwar die Zeit, sodass ich zwei Stunden auf der Decke liegend auf unsere Sachen aufpasse, aber ich gönne es ihnen, sich auf dem umgestürzten Baum mitten im Wasser zu sonnen und allerlei Mist zu machen, zu dem ich ja sonst auch gerne bereit bin. Danach darf ich dann auch kurz hinein und später den Strafzettel an der Windschutzscheibe grummelnd entfernen.
Fressmaschine 1 und 2 essen noch ein Eis. Danach haben sie Hunger und Durst, weshalb wir tatsächlich Nachschub im Penny holen müssen. Nach kurzem Nachmittagsschlaf fahren wir nach Lanke in den Landgasthof „Bellevue“. Die haben eine schöne, begrünte Terrasse, die Speisekarte ist okay und das Wetter zeigt sich von der besten Seite. Allerdings kann da noch niemand ahnen, dass die (wahrscheinlich polnische) Bedienung heute ihren allerersten Tag hat. Um es kurz zu machen: sie kommt äußerst selten an den Tisch, versteht kein einziges Wort und bringt dann natürlich auch die Bestellung komplett durcheinander. Vielleicht ist es für sie so, als wäre ich meinen ersten Tag Kellner in Finnland, ohne die Landessprache zu beherrschen. Michel sucht sich (like a Benny) natürlich das teuerste Gericht aus (Steak au four) und wir können ihn gerade noch davon abhalten, von Pommes auf Kroketten zu wechseln, da man hier, für so einen unverschämten Sonderwunsch schlappe 3,- € bezahlt. Wie dem auch sei: das Essen kommt schon nach einer Stunde und es schmeckt! Am Nachbartisch regt sich eine Frau, die ungefähr sechsmal gesagt hatte: „Drei Kugeln Eis ohne alles!“ darüber auf, dass sie einen Eisbecher mit Sahne, Eierlikör und Schokostreuseln bekommen hatte. Wir verzichten auf einen Nachtisch.

Zurück am Höllensee (während in dem geheimnisvollen Zimmer im Haupthaus wieder einmal der Babyspeck geschüttelt wird und Ferkel herumferkelt) gehen wir noch einmal in der Abenddämmerung an den mit warmen Licht überzogenen See. Die Kids hatten zuvor bereits mit Sylvie einen riesigen umgefallenen Baum entdeckt, dessen dicker Stamm gut 20 Meter ins Wasser hineinreicht. Ein Hochzeitspaar war hier am Tage abgelichtet worden. Laura und Michel stellen das nicht nach, aber die Fotos von den beiden auf dem Baum sehen schon ziemlich spektakulär aus. Kurze Zeit später kommt ein älterer Mann, zieht sich einfach nackig aus, ruft: „Ick bin Schwede“ und schwimmt gemütlich eine Runde neben dem Stamm. Später taucht sein Kumpel mit Gitarre auf und auch ein spazierendes Paar (von denen der Typ irgendein berühmter Musiker sein soll) gesellt sich dazu. Wir lauschen russischen und bulgarischen Volksliedern, aber auch einen Hannes-Wader-Song gibt der Alte zum Besten. Eine unwirkliche, aber durchaus berührende Stimmung entsteht am Ufer des Sees, der heute (und auch schon die Tage davor) überhaupt nichts mit einer Hölle zu tun hat.
Bei einem lustigen Spieleabend (Scrabble, Knack und Rommee), wo ich erstmals wieder richtig reden und eingreifen kann, schwören wir uns alle, dass wir eines Tages sicherlich noch einmal „Back to Hell“ fahren werden – zurück zum Hellsee. Nächstes Jahr geht es aber erst einmal wieder etwas weiter weg. Ohne Ferkel und ohne Babyspeck, dafür mit Laura und Michel. Versprochen. Indianerehrenwort!
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Der Bockwurst-Mann vom Leppinsee un sin Fru

31. Juli 2017 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Meine diesjährige Kids-Tour fand am letzten Juli-Wochenende 2017 statt. Wenn ich schon nicht mehr dazu komme, eigene Reiseberichte zu schreiben, möchte ich wenigstens diesen Trip, welchen wir M. anlässlich seiner Jugendweihe geschenkt hatten, kurz zusammenfassen.

Natürlich erwarteten meine Nichte und mein Neffe am Donnerstag bei mir Daheim das traditionelle Spaghetti-Bolognese-Essen ohne Besteck, wobei sie dafür langsam ein wenig zu alt werden. Ich weiß nicht, ob sie sich noch lange das T-Shirt vor mir und N. einfach so ausziehen, um danach kopfüber im Fleischsoßen-Berg zu versinken. Allerdings entdeckten sie danach 48 Elefanten auf unserem Flicken-Wandteppich aus Senegal (wo ich bisher, ohne die Einnahme von Hackfleisch-Drogen, lediglich 36 entdeckt hatte).
Noch interessanter war das neuerliche Schauen von „Big Lebwoski“, da sie den Dude, Walter, Donny und sogar die fiktive Band „Autobahn“ dieses Mal viel lustiger fanden – oder einige Witze und Anspielungen (wie ich) erst jetzt verstanden. Um es vorweg zu nehmen: viele Dinge – auch die richtig guten – waren danach an diesem Wochenende eindeutig „bekackt“, um es in der Sprache von Big Lebowski und seinem Freund Walter zu sagen.

Am nächsten Tag ging es auf der echten Autobahn in Richtung Mecklenburg-Vorpommern in die Nähe von Mirow in einen Ferienpark. Dieser ist eigentlich ganz gut für Kinder geeignet, wobei mir die dort anwesenden, oftmals leicht gestörten Quälgeister, eher auf den Keks gingen und von unseren im Schwimmbad sogleich weggeboxt oder untergetaucht wurden.

Das Sommerwetter ließ in diesem Jahr zu wünschen übrig, sodass der Regen am Nachmittag in unsere Eisbecher (einer war sogar aus Schweden) im Schlosscafé von Mirow schüttete. Beim Wechsel ins Innere waren wir plötzlich umgeben von einer extrem hässlichen Fettfisch-Familie, die alsbald die „Nemos“ getauft wurden. „Ist das tschechisch?“, fragte ich die anderen, da man deren (wohl doch deutschen) Dialekt überhaupt nicht verstehen konnte. Der Ferienpark entpuppte sich später übrigens als Paradies für wohlgenährte Menschen aus dem Südosten der Republik, die den dort angebotenen sportlichen Aktivitäten (außer Bierkasten-Schleppen) eher wenig Beachtung schenkten.

Wir hingegen besorgten uns Minigolf-Schläger, um zu einem „bekackten Ligaspiel“ gegeneinander anzutreten. Nun ist es so, dass N. und ich leider keine fürsorglichen Eltern sind, die ihre Kinder immer knapp gewinnen lassen. Somit belegten sie nur den 3. und den 4. Platz, wobei M. beim „echten Golf“ wenigstens einmal gewinnen und L. einmal Zweite wurde, da sie ihre „Mädchen-Bier“-Flasche getroffen hatte. “Schreib ihr ne Null auf!”, wurde dennoch zu geflügelten Worten.
Mein Bruder Benny und ich fanden Krocket-Spielen im Garten früher irgendwann kotzlangweilig und benutzen die Schläger und Bälle dann eher, um weit entfernt eingegrabene Löcher zu erreichen. So auch wir in dieser Anlage, nur dass die Löcher schon vorgegeben waren – der Abschlag aber auf einem grünen Hügel von einer Bank aus stattfand. Das wir keines der Fischfamilien-Kinder am Kopf trafen, war das eigentliche Wunder im Wunderland.

Zum Sonnenuntergang machte selbige dann noch einmal den Vorgucker, sodass wir am Steg – gemütlich auf einem roten Tretboot sitzend (dort, wo es natürlich bekackte Verbotsschilder gab) ein Feierabendbier mit Blick auf den sich spiegelnden See namens „Granzower Möschen“ genießen konnten. Passend zu diesem Namen sprang in jenem Moment ein nackter Piepel – mit kleinem Schniepel – von einer hölzernen Plattform und sagte zu seinen Kumpels etwas extrem Versautes, was ich hier nicht wiedergeben möchte. Hut ab, was die Kids heute schon für Worte nutzen.

Abends (nach ein paar klassischen Mettenden) spielten wir die Kartenspiele „Lügen“ (langweilig) und „Knack“ (ich war zu überlegen), bevor wir dann doch das zuvor abgewählte Brettspiel „Scrabble“ hervorkramten. L. & M. stellten sich gar nicht so blöd an, wurden jedoch von N. deutlich in die Schranken verwiesen. Und nochmals: „AEROKUNDAQ“ ist kein Wort! Kurz nach Mitternacht entließ ich die beiden mit den Worten: „Jetzt geht bitte auf euer Zimmer und schaut Fernsehen!“ Wir Alten waren nämlich müde und wollten langsam ins Bett.

Meine Nichte L. und Neffe M., die mit ihren Eltern sonst in AI-Urlaube fahren, werden ein Apartment mit Küchenzeile irgendwann zu schätzen wissen, da man dort erst um 11 Uhr und nicht bis (!) 10 Uhr Frühstücken kann, was man sich am Vortag im Edeka selbst ausgewählt hat. Egal, der Himmel war noch immer bedeckt bei kühlen 18 Grad, sodass wir eigentlich ein Motorboot mieten wollten, uns dann aber doch fürs Kajak-Fahren entschieden. Wir sind ja keine bekackten Weicheier!

Die Mädchen und Jungs bildeten jeweils ein Team und ohne großartige Einweisung paddelten wir wie Profis hinaus auf das besagte „Granzower Möschen“, bevor es, über einen malerischen Kanal, in den „Kleinen Kotzower See“ hinausging. Gesäumt von Schilf, erblühten rechts und links tausende Seerosen und auf kleinen Röhricht-Inseln brüteten riesige weiße Schwäne gerade ihre Jungen aus.
Die Kids sabbelten ein bisschen viel, um die Natur mit innerer Ruhe genießen zu können – dafür war es mit ihnen rund um die Uhr lustig. Besonders wenn man „aus Versehen“ in einem abgelegenen Arm des Sees in eine riesige Modderpampe aus Entengrütze gerät und sich das Boot danach weder vor noch zurück bewegen lässt. Wir bewegten uns in einer Welt des Schmerzes und mussten uns freischaufeln.

Über den „Großen Kotzower See“ und einen namens „Mössel“ erreichten wir mit viel Rückenwind (eines der wenigen uns begleitenden Boote nutzte sogar einen Schirm als Segel) recht bald das Ziel unserer Reise: den Campingplatz am „Leppinsee“.
Nun kenne ich das als Kind auch noch so, dass ein Ausflug ein Ziel mit Belohnung haben sollte. Hier war auf der Karte ein Restaurant verzeichnet gewesen und ich hatte den armen, halb verhungerten Kids Champignonsuppe, Soljanka, Würzfleisch und sonst was versprochen.

Ein verwitterter Camper aus DDR-Zeiten mit einem offenen Fenster am Waldesrand stellte sich schließlich als das „Restaurant“ heraus. Davor saß ein dicker, älterer Mann mit Shorts und vollgesabberten (ehemals) weißem Träger-T-Shirt. Neben ihm hockte eine abwesend wirkende Frau, die einen leichten Bier-Anzug (Jogging-Sachen von KiK) trug. Auf meine Frage, was es zu Essen gäbe, öffnete sich sein Mund (in dem es nur noch zwei Zähne gab): „Bockwurst“ L. und M. schüttelten den Kopf „Und was noch?“, fragte ich daher. „Mit Brötchen!“
Wir bestellten vier, während ich grübelte, ob es als Getränk womöglich Bockwurst-Wasser aus der Dose gäbe. „Und vier Cola“, rief ich dennoch. „Hamm wa nüsch!“, zischte der Typ berlinerisch. „Nur Limmo!“. Die gestörte Frau nickte dümmlich grinsend.

Genau in diesem Moment trat ein Riese an den versiffen Wohnwagen heran. Seine Schuhgröße war mit Sicherheit 52, wobei die aufgequollenen Quanten auch 20 Zentimeter breit waren. „Bigfoot“ rief dem „Bockwurst-Mann“ mit hoher Stimme zu: „Ich nehm dann noch so ein Bierchen“. Bei dem Zwei-Meter-Typen wirkte die 0,5 Literflasche Herforder tatsächlich wie ein „Mini-Bierchen“, wobei es vermutlich schon sein sechstes war. Gegen 14 Uhr aßen wir also vier Bockwürste mit Schrippe und tranken genüsslich Orangen-Limo. Ein lohnenswertes Ziel muss so ein Trip schon haben …

Bei der Rücktour durften die Kinder zusammen in einem Kajak fahren. Wären N. und ich ihre Eltern, hätten wir womöglich auf den einsetzenden Sturm mit starkem Gegenwind geachtet, ein Gewitter mit Blitzen vorhergesehen, oder daran gedacht, dass man beim Kentern (natürlich hatten wir auf bekackte Schwimmwesten verzichtet) nirgends im morastigen Schilf zum Wiedereinstieg anlegen kann.
Kurz (bei einsetzendem Wellengang in der Mitte des Sees) mache ich mir tatsächlich Sorgen, genoss dann aber mit meiner Freundin die herrliche Stille in der wunderschönen Naturlandschaft. Weit hinter uns hörte man L. und M. singen, lachen und manchmal sogar ihre Paddel ins Wasser schlagen. Eigentlich stellten sie sich auch allein ziemlich gut an – muss man ja fairerweise sagen. Außer, dass sie vielleicht den wasserdichten Sack richtig zu machen hätten sollen. Aber es war ja nicht mein bekacktes Handy. Nach über vier Stunden endete der Paddelausflug zum Bockwurst-Mann am Leppinsee in der Kanustation von Granzow.

Am Abend wollten wir unser Essen-Versprechen für die Zeugnisse (obwohl ich bei L. von ihrem Notenschnitt von 1,58 etwas enttäuscht gewesen war) dann doch noch einlösen. Dies erwies sich zunächst als schwierig, da die ersten beiden Gasthäuser (wir wollten nicht unbedingt in der Ferienanlage essen) geschlossen waren.
Somit landeten wir dann doch im so genannten „Pfannenkuchenhaus-deluxe“, wo sie auch das – ebenso versprochene – Schnitzel auf der Karte hatten. Die Sonne kam raus, das Essen schmeckte überraschenderweise gut und die Bedienung war nett.
Lediglich beim Nachtisch verstand sie mich bei meiner Bestellung eines „White Russian“ (den Dude-Drink wollten alle unbedingt mal kosten) überhaupt nicht und brachte einen „Lillet Wild Berry“. Da fragt man sich allerdings, was ich für eine beschissene Aussprache habe. Das eiswürfel-gekühlte, spritzige Getränk mit den Him-, Brom-und Preiselbeeren zogen sich unseren Jugendlichen letztlich genussvoll per Strohhalm hinein und taufen es Prinzessin „Lillifee“.

Den Abend verbrachten wir wieder mit einem Absacker am Sonnenuntergangs-Ufer des Sees bevor sich alle auf die Revanche-Partie im Scrabble freuten. Mittlerweile war auch dies ein „bekacktes Liga-Spiel“ geworden und dieses Mal ging es viel enger zu, besonders, da L. als allerletzten Buchstaben noch ihr „C“ bei „HITCH“ (der Date Doktor) loswurde. Wir ließen es gelten, da sie auch mit diesen Punkten nur den zweiten Platz erreichte. Zum Gewinnen dieses, oder anderer Spiele und Wettkämpfe müssen sie wohl noch ein bisschen üben und öfter mit uns verreisen.
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Ich freue mich schon auf das kommende Jahr 2018!
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