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Mädchen aus Westberlin – Kindheit in der BRD

21. November 2014 | von | Kategorie: Berlin Leninplatz, Blog

Mädchen aus WestberlinNeulich fragte ich mich einmal ernsthaft, was eigentlich geschehen wäre, wenn ich nur wenige Kilometer entfernt im Westteil meiner Stadt zur Welt gekommen wäre?

Ich fackelte nicht lange. In knapp 50 Minuten brachte meine Mutter die Entbindung im Virchow-Krankenhaus über die Bühne. Wenn ich mich erst einmal für etwas entschieden hatte, machte ich kurzen Prozess. Ruck zuck ging das! „Is det schön uffe Welt zu sein“, wären mit Sicherheit meine ersten Worte gewesen, denn obwohl ich keine „Waschechte“ bin, berlinere ich bis heute extrem. Meine Eltern kamen beide aus Chemnitz und ich war ihnen ein Leben lang dafür dankbar, dass sie sich noch vor 1961 dazu entschieden, im freien Teil Berlins zu leben. Erzeugt wurde ich in der Urbanstraße im 2. Hinterhof und zusammen mit meiner Schwester zogen wir alsbald in die Erfurter Straße nach Schöneberg. Knapp zehn Jahre vor meiner Geburt wurde die Mauer errichtet. Nicht auszudenken, wenn ich im damaligen Karl-Marx-Stadt aufgewachsen wäre, obwohl mein Name Marla neben „die Strahlende“ auch „die Verbitterte“ bedeuten kann.
So konnten Bananen in den Babybrei zerdrückt und West-Frotteestrampler gekauft werden. Das erste Wickeln übernahm mein Vater, da er durch Betty noch etwas in Übung war. Nach nur fünf Tagen Lebenszeit, ich war wiedermal ordentlich in den Stoffwindeln eingematscht, legte er mich über den Arm und duschte mich! Es hält sich seitdem das Gerücht, dass mein legendärer Duschzwang – der zum Leidwesen der Familie besonders in der Pubertät zu Tage trat – daher rührt.
Neugierig zog ich mich an den Gitterstäben des Kinderbettes hoch und schaffte es bereits mit knapp einem Jahr, Kartoffel-Möhrchen-Allerlei von Alete über die Brüstung zu kotzen, da ich nun schon stehen und laufen konnte. Unsere Mutter behauptete neulich, dass zu meinen herausragenden Eigenschaften schon immer die Freiheitsliebe zählte und relativierte das dann in Starrköpfigkeit (ein Erbstück des Papas), denn bereits im Kindergarten verweigerte ich bei Schwester Babette die Essensaufnahme, unabhängig von drohenden Konsequenzen, wie in der Ecke sitzen, während alle anderen futterten. Ich kommentierte dies immer entspannt mit: „Na jut dann warte ick eben auf meine Mama“, die mich regelmäßig bereits mittags abholen musste, da ich mich auch weigerte, Mittagsschlaf zu halten. Die „kleine Raupe Nimmersatt“ – obwohl lange mein Lieblingsbuch – war ich somit nie und statt zu pennen, blätterte ich lieber in Fix und Foxi Comics.
Zeitgleich entwickelte ich das Talent, zügig Geld und Dinge unter die Leute zu bringen (kein Erbstück, aber O-Ton meiner Mutter). Bereits im zarten Alter von Sechs kommentierte ich den Taschengeldentzug – bis zur Neubeschaffung des zum x-ten Mal „verlegten“ Turnbeutels oder einer Puppe – mit der trockenen Rechnung, wie lange es nun dauern würde, bis die Zahlungen wieder einsetzten. Ich zählte dann an den Fingern ab und rief: „ Fünf Wochen, na jut!“
Der wichtigste Mensch in meiner Kindheit war meine Schwester Bettina, die drei Jahre vor mir geboren wurde. Damals wurde ich von ihr noch nicht Marla sondern einfach nur „Dicke“ gerufen, weil ich so dünn war und sogar „McDonalds“ boykottierte. Als die Große achtete sie stets wie eine Löwenmutter auf das neue Familienmitglied und verteidigte mich mit in die Hüften gestemmten Armen gegen die bösen Jungs. „Is wat?“ rief sie ihnen dann immer mit der Faust drohend zu und bewarf sie mit Ü-Ei- und Playmobil-Figuren. „Das war spitze“, riefen die anderen Mädchen, wie bei „Dalli Klick“ mit Hans Rosenthal und teilten Tattoos aus ihren Bazooka-Kaugummis mit uns.
Nach einem Unfall auf dem Spielplatz schleppte sie mich heldenhaft unter das Fliegenpilz-Häuschen und dann bis in den 3. Stock der Altbauwohnung. Dort angekommen, waren wir blutüberströmt, da ich (trotz all ihrer Warnungen) mit dem Kopf zuerst die Rutsche herunter gesaust war und nun ein riesiges Loch im Kopf klaffte. Vater fuhr bei dieser Gelegenheit erstmals und einmalig in Hauslatschen mit dem graublauen Ford ins Krankenhaus. Betty blieb derweil zu Hause und wurde ans Telefon gesetzt, da Mutter Bereitschaftsdienst als Röntgenassistentin hatte.
Wir Mädchen verstanden uns prächtig und spielten abends im Bett oft „Pippi Langstrumpf“ mit verteilten Rollen. Viele Texte der Schallplatten und Kassetten konnten wir auswendig. Allerdings beschwere ich mich bis heute bei Betty, dass ich niemals „Pippi“ sein durfte. Aber das Leben als kleinere Schwester war eben manchmal kein Ponyhof. Zudem war ihrer Meinung immer klar, wem ich bei „Dick & Doof“ nicht (!) ähnelte. Auch das guckten wir neben „Biene Maja“, „Sesam-Straße“ und „Fünf Freunde“ (mir George, Julian, Dick, Anne und Timmy dem Hund) super gern bis wir endlich im „Dallas & Denver“-Alter waren.
Angst hatte ich als Kind eigentlich nie und turnte sogar eine Zeit lang halsbrecherisch an Schwebebalken und Stufenbarren im Verein. Als ich auf der Tempelherren-Grundschule den Freischwimmer machen sollte, stand ich jedoch sehr lange zögerlich auf dem Brett und traute mich nicht zu springen. Mein Vater, der mit anderen Eltern im Becken war, schrie von unten: „Wenn du springst, kriegst du ein Bonanza-Rad – und ein Eis.“ Schwuppdiwupp, war ick drinne! Das rote Kultfahrrad ersetzte endlich das Kettcar und die Liebe zum Wasser (oftmals in nostalgischer Erinnerungsverbindung mit Langnese-Eis und Caprisonne) sollte mich ein Leben lang nie wieder loslassen.
Und die richtige Liebe? Auf der Luise-Henriette-Oberschule – ich war so irre intelligent, dass ich sogar aufs Gymnasium musste – stellte meine Freundin Carola den ersten Kontakt zu Stefan Nr. 2 her. Nummer 1 war bereits wegen ständiger Nörgelei (seinerseits) abgeschafft worden. Mutter fiel allerdings schon damals auf, dass die geliebte Tochter immer drei Schritte hinter dem Macho her laufen musste. Auf Rollerdiscos, wo sie ja nicht mit dabei war, sogar fünf. Trotzdem gab es dort den ersten umständlichen Zungenkuss.
Zeitgleich mit der Kündigung des Bravo-Abos, der Entsorgung des Monchichis, des rosa Scout-Schulranzens und vor allem des Pupskissens änderte sich meine Kleiderordnung. Waren zunächst noch dicke Schminke, die von Mami abgelegten Miniröcke, Hotpans und beinbrecherische Schuhe angesagt, folgten darauf olle Jeans, schwarze Cowboy-, später Doc-Martens-Stiefel und die „coolen“ Klamotten des Vaters. Besonders seine Hemden und die legendäre braune Cordjacke hatten es mir angetan. Alle weiblichen Familienmitglieder erinnern sich noch an das empörte Gesicht, als er mit seinem, auf dem Rücken mit Beulen versehenen, V-Ausschnitt Pullover vor dem Spiegel stand. Frau von Welt trug dieses Kleidungsstück nämlich vorzugsweise falschherum. Eine „Tussi“ war ich eigentlich nie, aber ich konnte mich auch richtig „aufbretzeln“. Als es einige Jahre später im Familienurlaub an der Côte d’Azur mal ins Casino gehen sollte, wurde Mutter zu Hause gelassen und ich schnappte mir ihren Ausweis. Ohne weiteres wurde ich als galant-mondäne Begleitung hineingelassen. In dieser Zeit gehörten auch noch „Vom Winde verweht“, „Pretty Woman“, „Dirty Dancing“ und „James-Bond“ zu meinen Lieblingsstreifen.
1984 wurde unsere Familie vornehmer, denn wir zogen in ein eigenes Haus in Mariendorf. Bevor es soweit war, musste „Kolonne Scheppert“ jedoch wochenlang uff´n Bau. Das bedeutete, dass Mutter und Betty Steine schleppten, Vater im Acker (dem späteren Garten) buddelte und ich stundenlang fegte. Nach getaner Arbeit trank Vater einen Whiskey, Mutter einen Wodka und für Betty und mich gab es ein Gläschen Eierlikör von Verpoorten.
Mein Zimmer hatte ich liebevoll in pink gestrichen – inklusive des Heizkörpers – und Bildchen aus der „Freundin“ klebten rund um den Türrahmen. Zunächst hatte noch ein lebensgroßer „George Michael“ aus Bravo-Posterteilen die Wand geziert, bevor die süßen Jungs von „Duran“, „Depeche Mode“ und „Tears for Fears“ endgültig das Kommando übernahmen. Die rosa Wände mussten nun natürlich schwarz-weiß gefärbt werden – auch die Heizstäbe! Aus dem Doppel-Kassettenrekorder erklang jetzt tagelang „The Wild Boys“. Ich hatte den Song fünfmal hintereinander auf Kassette aufgenommen, bevor dreimal „People Are People“ lief, womit ich meine Familie fast in den Wahnsinn trieb. Vater nannte uns bald nur noch „Wild Girls“ oder “Tochter A und Tochter B”, da auch für ihn diese Lieder schon Ohrwürmer waren.
leninplatz
Richtig hassenswert fand er nur Schlagermusik und verschwand beim Erklingen von Roland Kaiser, den Mutter so gerne hörte, schleunigst in den Garten. Wenn sie die Karel Gott Platte abspielte, ergriff er sogar Hals über Kopf die Flucht und nannte ihn abschätzend „Karel Pott, den brustkranken Neandertaler“. Aber auch Nicoles „Ein bisschen Frieden“ fand er scheiße, wobei er wiederum „Schlager der Woche“ mit Lord Knut im RIAS ganz okay fand, weil dort nämlich keine gespielt wurden, sondern eher Rock- und Popmusik.
Apropos Vater und Tochter: Obwohl ich meine Eltern immer gleichermaßen liebte, bin ich eindeutig „Vaters Tochter“, denn nicht nur den Zynismus und die Dickköpfigkeit habe ich von ihm. Auch die Gelassenheit, mit Dingen umzugehen, die eh nicht zu ändern sind, erbte ich augenscheinlich. Auf vielen alten Fotos ist sogar zu erkennen, dass wir oftmals die gleiche Mimik und Gestik haben. Außerdem konnte nur ich die so genannten „Scheppert-Nudeln“, eine Kreation aus Makkaroni, Tomatensoße, klein geschnippelter harter Wurst, geriebenem Edamer und einem Schuss zerlassener Butter so perfekt kochen, wie es uns Vater einst beigebracht hatte. Wir waren „ein Herz und eine Seele“ (seine Lieblings-Serie aus den 70igern).
Nur seine Sportbegeisterung konnten wir Mädchen nie teilen und gaben ihm nach je einem Spiel der Hertha im Olympiastadion und der Preussen in der Eissporthalle eine lebenslange Absage für solche Veranstaltungen. Nicht einmal Boris Beckers Sieg in Wimbledon und die prollige Trabrennbahn bei uns in Mariendorf wussten wir gebührend zu würdigen. Dafür ließen wir unseren ehrgeizigen Beamten-Vater im „Mensch-ärgere-Dich-nicht“, beim „Mau-Mau“, im „Monopoly“ oder auf der Minigolfanlage öfter mal gewinnen.
Während des Abis, welches ich später mit maximalem Erfolg bei minimalem Aufwand abschloss, fuhr ich mit meiner besten Freundin Conny nach London, um dort gackernd nach neuen Modetrends Ausschau zu halten, die perfekt zu unserem Musikgeschmack passten. Als ich dann auch noch den Führerschein in der Tasche hatte, war sowieso alles schick. Allerdings wäre mein Fahrlehrer dabei fast an einem Kreislaufkollaps gestorben – und das nicht nur bei der Autobahnfahrt auf der AVUS. Meine allererste Amtshandlung beim Selbstfahren war es dann, den Schaltknüppel an Mutters Renault R4 abzubrechen. Vater musste uns, die wir ganz betröpfelt in Kreuzberg 36 in der Nähe des Schlesischen Tors standen, abschleppen. Der R4 wurde entsorgt und ich wurde in die Generation Golf aufgenommen.
Einen Teil der Kosten für den Führerschein hatten die Eltern spendiert, aber in den Ferien erarbeitete ich mir stets mein eigenes Geld als Bedienung im Eiscafé im Schwimmbad am Insulaner. Vom ersten Gehalt beschenkte ich alle großzügig. Betty denkt noch heute gern an die bordeauxfarbenen Ballerinas, die sie von mir überreicht bekam und dann jahrelang überglücklich trug. Ich gab allerdings immer komplett aus, was ich besaß – vorzugsweise im KaDeWe, bei Wertheim, bei Renner, in der Pizzeria oder auf dem Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni.
Im Sommer 1988 stand ich lange unter Schock, da Betty zu ihrem Freund ins Münsterland gezogen war und dort zu studieren begann. Aber am Ostersonntag 1989 stand sie plötzlich wieder mit Sack und Pack vor der Tür in Mariendorf und sagte, als sei nichts gewesen: „Ich bin weg von dem Spinner und wohne jetzt wieder hier.“ Alle freuten sich. Vater genehmigte sich einen Whiskey, Mutter trank ein Gläschen Wodka und ich köpfte mit meiner Schwester eine Flasche Sekt und hörte dabei grinsend „Come back and stay“ von Paul Young.
Etwa zu jener Zeit traf ich einen alten Bekannten wieder, mit dem ich fortan durch das nächtliche Berlin – diesmal ohne Kinderscheckheft – tingelte. Stefan 2 war wieder aufgetaucht. Wir gingen nun jedes Wochenende zusammen in Discos wie das Rock It, Far Out oder den Dschungel und manchmal auch zu Live-Konzerten ins Tempodrom-Zelt oder die Deutschlandhalle. Schnell entflammte „the Power of Love“, bzw. die Jugendliebe neu und diesmal wahrlich nicht im Sparmodus. An meinem 18. Geburtstag erklärte ich vor versammelter Mannschaft gewohnt beiläufig: „Wir wollen heiraten und nach dem Abi ziehe ich nach Hamburg.“ Whiskey, Wodka, Sekt und keine Vorwürfe von meinem Vater, obwohl meine Eltern erst mit über 30 den Bund der Ehe eingegangen waren. Nur die von Mr. Macho noch immer nicht sonderlich begeisterte Mutter fragte besorgt: „Ist das dein Ernst? Ohne Grund ist das aber nicht üblich! Und dein Studium?“ Ich antworte: „Das Leben ist viel zu kurz, um nicht auch mal was zu riskieren“, ahnte aber, dass ich mein Berlin mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen würde.
Vorher gab es allerdings noch zwei große Ereignisse. Betty hatte sich in der Zwischenzeit in einen Popper mit Mittelscheitel aus Zehlendorf verknallt und war schwanger geworden. Als sich die kleine Lara dann endlich mühsam herausquetschte – im Kreissaal sah es aus wie nach der Völkerschlacht – drückte mir Oliver (der Vater) fix und fertig das Baby in die Hand und sagte: „Ich muss erstmal eine rauchen.“ Als frischgebackene Tante nahm ich das kleine Ding mit dem hilflos wirkenden Blick liebevoll in die Arme. Auch wenn ich Mico (meinen zwei Jahre später geborenen Neffen) gleichermaßen liebe, stellen unsere Familienmitglieder bis heute des Öfteren fest, dass Lara und ich recht artverwandt sind.
Die Mauer spielte in meinem Leben – bis auf drei schockierende Besuche bei sächselnden Verwandten in Karl-Marx-Stadt und einem verstörenden Klassenausflug nach Ostberlin mit 25 Mark Zwangsumtausch – nie eine große Rolle. Okay, als Kinder schauten wir lieber das Ostsandmännchen und manchmal fuhren wir auch mit dem Auto durch die „Zone“ zum Skilaufen nach Österreich, um dort den „Johannes-Hofer Einkehrschwung“ von Vater zu erlernen. Doch als Ronald Reagan im Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor rief: „Mr. Gorbatschev, tear down this wall!“, war mir das vollkommen Schnuppe.
Die „ostige“ Nachbarstadt war mir total egal und genauso weit weg wie Peking oder Moskau, selbst wenn ich mit der U6, U8 oder der S2 unter ihr hindurchfuhr. Auf „this wall“ prallte man nur durch Zufall. Sie war meist bunt besprüht und im Leben kaum wahrnehmbar. Die Insel Berlin war in meiner Kindheit riesengroß, extrem grün und vor allem friedlich. Man konnte sich locker verlaufen und es wurde nie langweilig. Spätestens ab 15 war ich im Urlaub immer regelrecht stolz darauf, hier zu leben, denn dort gab es die größte Konzentration an Punks, Alternativen, Poppern, Skins, Wavern, Teds, Autonomen, Rastafaris, Heavys, Hools, Ökos, Pennern, Gruftis, Breakdancern, Freaks, Säufer, Straßenkinder und nur wenige Normalos. Wobei ich mich nie zu einer dieser Gruppen voll und ganz dazugehörig fühlte.
Den Mauerfall habe ich schlichtweg verpennt, doch am 10. November, nachdem die Straßen plötzlich von mit Stonewashed-Jeans und Blousons bekleideten Menschen mit Vokuhilas, Dauerwellen und Oberlippenbärten in ihren Trabis überfüllt waren, fuhr ich mit Conny dann doch mal zum Lehrter Stadtbahnhof, um mir am Übergang Invalidenstraße das Spektakel anzuschauen. Wir kamen mit zwei freudestrahlenden Jungs aus Ostberlin ins Gespräch, die gerade von einem Mann ihren ersten West-Zehner in die Hand gedrückt bekommen hatten. Später trafen wir sie durch Zufall Sekt trinkend vor dem Wasserklops am Breitscheidplatz wieder und begleiteten sie durch eine denkwürdige Nacht. Erst 20 Jahre stieß ich in einem Buch namens „Mauergewinner“ auf einen der Typen wieder, da er die Szene in seiner letzten Geschichte beschrieben hatte. Sein Werk – und für ihn die DDR – endete also genau mit dieser Begebenheit. Und komisch: auch für mich starb an jenem Tag mein Berlin, wie ich es gekannt und immer über alles geliebt hatte.

So wäre es also gewesen, wenn ich im Westteil der Stadt das Licht der Welt erblickt hätte. Ganz bestimmt. Ich schwöre – Pionierehrenwort!

Zum Weiterlesen: Berlin Leninplatz – Neues vom Mauergewinner
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