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Auf der Suche nach dem Grottenolm – Gibt es ihn wirklich?

28. Juli 2019 | von | Kategorie: Blog

GO22Im Sommer 2014 musste ich zum Babysitten ins Haus meines Bruders, da er zu seinem 40igsten mit meiner Schwägerin Sandra nach London geflogen war.

Obwohl man mir oftmals jegliche Kreativität abspricht, wollte ich mit meiner Nichte Laura (13) und meinem Neffen Michel (11) an jenem Wochenende Tonfiguren aus brennbarer Modelliermasse basteln. Um es kurz zu machen: die Bude sah danach aus wie Sau, aber sie stand noch und war nicht vollständig abgefackelt.

Außerdem waren ein paar wirklich bemerkenswerte Dinge, wie ein „Big Ben“ oder das „Magische-Ei“ entstanden, wobei deren Kern – also die Kümmerling-Pulle und ein rohes Ei – mittlerweile sicherlich ungenießbar geworden sind.

Nach getaner Arbeit gönnte sich der Onkel ein Bier und schaute mit den Kindern im TV eine Sendung, in der es um vom Aussterben bedrohten Tiere ging. Ein ziemlich ungewöhnliches Wesen schlossen wir dabei alle sofort in unsere Herzen. Am Abend beim Film „Kindsköpfe“ mit Kevin James und Adam Sandler schlief ich völlig geplättet auf der Couch ein und überlies Nichte und Neffe ihrem Schicksal.

Das Geschenk von den Kids zu meinem Geburtstag im darauffolgenden Jahr war ein sich schlängelndes, rosa-fleischfarbenes Vieh mit spitzen roten Ohren und blauen Augen aus Muschelhälften. Etwas abweichend vom Original, aber selbst modelliert und herrlich anzusehen. Laura und Michel hatten also Spaß am Töpfern gefunden und wollten mich mit dem Präsent daran erinnern, dass ich ihnen während der Sendung vor einem Jahr versprochen hatte, in den Ferien auf die Suche nach dem Schwanzlurch aus der Urzeit zu gehen. Auf die Suche nach dem Grottenolm!

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Mitte August 2015 war es dann soweit: wir fuhren mit Benny und Sandra in den Harz. In der Hermannshöhle bei Rübeland sollte es die einzigen und letzten 13 Grottenolme in Deutschland geben. Hieß es bei Wikipedia. Wie große Entdecker fühlten wir uns nicht, als uns eine etwa 50jährige Emma zusammen mit 20 weiteren Menschen am Eingang der Schauhöhle empfing. Sie hatte den Charme eines Berliner Busfahrers und brüllte ständig in militärischem Ton: „Nicht anfassen“, „Kein Blitzlicht!“, „Keine Taschenlampe!“, „Nicht zurückbleiben!“

Mit gezückten Handy-Taschenlampen, weit hinter der Gruppe zurück, blieben wir natürlich am sogenannten Olmensee hängen. Doch nirgends konnten wir eines der lichtscheuen Wesen entdecken. „Weiterlaufen und die Lampen aus!“, rief Emma aus den Tiefen der Tropfsteinhöhle. Dann kam sie zurück: „Die Grottenolme sind heute nicht da. Pech gehabt. Aber die gibt es ja auch woanders!“

„Und wo ist woanders?“, fragte ich. „Na dort, von wo wir die Viecher ursprünglich herhaben!“ „Und wo ist das?“, maulte Michel. Die Führerin schien mittlerweile völlig genervt von uns zu sein: „Mann, in Slowenien!“, fauchte sie, als würde sie eine Gruppe geistig Behinderter begleiten. „Und jetzt weiter!“  

Das Wochenende war lustig, doch ich merkte schnell: wir hatten ein Problem.

Auf Schloss Wernigerode wurde die Grottenolm-Religion „Trompf“, mit den Präsidenten Kevin James und Adam Sandler, gegründet und an der Rappbode-Talsperre erstmals der geheime Grottenolm-Gruß zelebriert.

Mein Bruder war danach so neben der Spur, dass er den Parkschein (ungelöst) in den Müll zu tausenden anderen warf und „Ach du Olm-Scheiße!“ murmelte. Dafür flirtete ich mit ihm später die hübsche Kellnerin in Elbingerode an, bis ihr riesiger Freund mit einem American Football Trikot aus der Küche kam. Die Kids amüsierten sich köstlich und tauften ihn „Mücken-Olm“. Auf dem Weg zum Hexentanzplatz, auf den die „Trompfs“ nur mit lilafarbenen Gondeln fahren durften, zeigte eine Frau im Wald ihren nackten Hintern (der „Torpedo-Olm“) und ein kleiner Junge flog wenig später aus der Sommerrodelbahn. Ein „Flug-Olm“ – na logisch, und so weiter. Als wir auf der Heimreise nochmals an der Hermannshöhle vorbeifuhren, schrien alle im Chor: Grottenolm! Grottenolm! Grottenolm!

Seit jenem Jahr fuhr ich einmal im Jahr mit den Kindern und Sylvie über ein Sommer-Wochenende an einen schönen Ort in Deutschland. Doch trotz aller Abenteuer wusste ich stets: die eine Geschichte ist noch nicht ausgestanden.

Anlässlich des 18. Geburtstags meiner Nichte sollte die Reise dann woanders hingehen …

Sie ahnten nicht wohin wir fuhren. Laura riet: „nach Polen mit dem Zug zum Kippen kaufen“ und selbst vor der riesigen Anzeigetafel in Schönefeld tippten sie auf alle anderen Flugziele. Michel meinte irgendwann: „Wir fliegen doch nicht nach Libulina?“ Auch im Flugzeugsitz konnte er Ljubljana noch nicht richtig aussprechen und dem Land Slowenien zuordnen.

Doch wir hatten Zeit, denn 10.30 Uhr (zum geplanten Abflug) kam der Kapitän aus dem Cockpit und machte eine Durchsage: „Leider können wir nicht starten, weil Copilot fehlt. Aber ich habe gerade mit einem Ersatz telefoniert. Raik ist der Beste und wird spätestens in 50 Minuten hier sein“. Zwei Stunden später hoben wir ab.

Jubel kam auf, als wir die Hauptstadt erreichten, doch wir wollten mit dem Mietwagen weiter an die schmale Küste Sloweniens. Auf der Höhe von Postojna begann es plötzlich wolkenbruchartig zu hageln. Sämtliche Autos fuhren auf den Standstreifen. Auch Sylvie wollte sich die Windschutzscheibe nicht von den Götterboten der Grottenolme zertrümmern lassen – bei Postojna befand sich nämlich ihre Grotte, die wir in zwei Tagen besuchen wollten.

In Piran am Adriatischen Meer klarte es auf und nach einer chaotischen Parkplatz-Suche fanden wir schließlich unser höhlenartiges Apartment in einer schmalen Gasse der historischen Altstadt. Es war ein zauberhafter Ort, mit tausend Häusern im venezianischen Stil, einer Strandpromenade und einem kleinen Hafen, gesäumt von schönen Restaurants und Bars – solange es hell war!

Am Abend verdunkelte sich der Himmel so sehr, dass die grellen Blitze über dem Meer das einzige zu sein schienen, was überhaupt noch leuchtete. Dann öffnete sich der Himmel und Sturzfluten brachen über uns hernieder.

Mein Gerücht, dass die Olme für das Wetter verantwortlich waren, hatte mittlerweile die Runde gemacht. Alle glaubten den Mist – aber zumindest hatten wir schon 4,9-Sterne-Muscheln gegessen und noch eisernes Union-Bier (eine Marke von dort) auf der Bude.  

 

Auch für den Sonntag war schlechtes Wetter angesagt. Also fuhren ziellos durch die Gegend, befanden einen Salinen-Park mit Flamingos als zu teuer, Kroatien als zu nervig (da es Stau vor der Grenze gab) und Venedig war dann doch zu weit weg. Bei einsetzendem Regen entschieden wir, schon heute zu den Grottenolmen zu fahren.

Das Höhlensystem von Postojna beherbergt nicht nur die zweitgrößte begehbare Tropfsteinhöhle der Welt. Es ist auch die größte Touristenattraktion Sloweniens.

Vor allem ist sie das an einem regnerischen Sonntag im Hochsommer – stellten wir an der 500 Meter langen Schlange vor den Kassen fest. Die Menschen hatten Schirme oder trugen Regencapes, während wir schon nach 10 Minuten klitschnass und total durchgefroren waren. Es war nun schon 15 Uhr, die letzte Führung startete um 17 Uhr und in der Höhle sollte es 9 Grad kalt sein. 

Ich gab den Kids je einen Zehner damit sie sich Cola und Eis holen konnten. Nach zehn Minuten – die Schlange hatte sich zehn Zentimeter bewegt – kamen sie mit zwei 30 Zentimeter langen, schneeweißen Grottenolm-Plüsch-Lurchen wieder. Und Laura im Müllsack.

In der nächsten halben Stunde rutschten nacheinander drei Kinder auf dem glitschigen Asphalt beim Herumtollen aus und fielen spektakulär auf den Hinterkopf. Laura bekam jedes Mal einen Lachanfall und Michel rief: „Gleich schreit es!“ Nur Sekunden später hörten wir lautes Gequäke, was sich anhörte wie „Oooolllmm“ 

Irgendwann sagte Sylvie: „Hey, die Olme gibt’s ja auch woanders“ „Wo denn?“, fragte Laura. „In der verfickten Hermannshöhle“. Keiner lachte, aber wir gaben auf.

Am nächsten Morgen verließen wir um 9.30 Uhr das bezaubernde Piran und standen 10.30 Uhr an der Schlange für die Onlinetickets, die wir gestern gebucht hatten. Sie war länger als die „normale Kasse“, denn dort stand heute kein einziger Mensch!

Bei strahlendem Sonnenschein sahen wir überall Grottenolme: auf den Gehwegen als Richtungspfeile, auf Gardinen im Restaurant, als Eis-Sorte im Café, aber vor allem auf T-Shirts, auf Kapuzenpullis, auf Tassen, Tellern, Magneten, Schirmen und Feuerzeugen.

Bis zur Führung hatten wir noch Zeit und so huldigten die „Trompfs“ ihren Lieblingen, indem sie tonnenweise Merchandise kauften, um sie gnädig zu stimmen.

An den Gesichtern der anderen konnte ich erkennen, alle grübelten: ‚Würden wir sie nun endlich sehen? Gab es sie wirklich?‘

Ja, es gab sie. Die Grottenolme, welche wir in der beeindruckenden Höhle sahen – den ersten ganz kurz in einem See, weitere im Aquarium am Ausgang der Grotte und etliche im Vivarium – waren so ungefähr die unspektakulärsten Tiere, die ich jemals gesehen hatte. Es waren weiße, blinde – fast durchsichtige – aalförmige Lurche von 20 cm Länge. Jeder an der Wand klebende Gecko, aber auch jeder Aal ist interessanter. Außerdem verharrten sie mit ihren drei Vorderbein-Fingern und den je zwei Zehen stoisch auf der Stelle, als wären sie eingeschlafen, oder weit über 80 Jahre alt.

Aber (!) die lange Suche nach ihnen hatte mich meiner Familie nähergebracht. Wir sind die harmonische Gemeinschaft der „Tromps“, mit einem wachen Blick für das Ungewöhnliche, das Unscheinbare und das Kleine geworden.

Eine neugierige Gruppe, die unsere fantastische Welt erkundet und sich dabei auch ihre Vergänglichkeit vor Augen führt. Und deshalb wollen wir noch ganz oft woanders hin!   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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28.07.2019, Postojna/Slowenien

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Rock ‘n’ Roll-Tauchen in Feldberg 2016

8. August 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

1 Rock n RollNachdem ich ja neulich von meiner eigenen Jugendweihe-Reise berichtet habe, schreibe ich heute mal ein paar Zeilen über die Fahrt, welche ich meiner Nichte zu diesem Anlass geschenkt hatte (Mist! Da liegen ja nun schon 30 Jahre dazwischen) – einfach damit ich es nicht nachträglich rekonstruieren muss.
Zunächst beehrten mich die 14jährige L. zusammen mit meinem 12jährigen Neffen M. (der Doof durfte sogar mitkommen) schon am Donnerstag, den 5.08. gegen 16 Uhr. Da die beiden sonst nur Baby-Comics im TV glotzen, mussten sie zunächst „Big Lebowski“ schauen, um endlich in die Geheimnisse des Bowlingspiels eingeweiht zu werden. Den „Dude“ fanden sie neben „Walter“ dann auch ganz witzig. Nur mit deren Klamottenwahl (und einigen Szenen) konnten sie nicht viel anfangen. Zitat von L.: „Na der Film ist ja auch schon ganz schön alt“.
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Zum traditionellen Spagetti-Essen ohne Besteck (und ohne Hände) war dann auch meine Freundin N. endlich zu Hause. Mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt, dass die beiden bei mir einiges dürfen, was ich früher auch gerne ohne Schimpfe gemacht hätte. Andererseits ist es ganz gut, dass sie bei diesen Events dabei ist, sonst würden die Kids wohl ziemlich über die Stränge schlagen oder komplett durchdrehen. So sind sie eigentlich recht folgsam und gehen auch mal Zähneputzen, Duschen oder sogar ins Bett. Am Wochenende waren sie dann sogar eigenständig Brötchen holen, haben dieses dann auch vorbereitet und L. hat danach abgewaschen. Was ist nur mit den Kindern im 21. Jahrhundert los? Goil!
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Der Freitag endete mit einer Runde Monopoly (welches eingepackt bei mir herumstand, da ich seit 10 Jahren niemanden finde, der es endlich mal wieder mit mir spielt). Wusstet Ihr eigentlich, dass ich ein schrecklicher Verlierer bin und ein noch viel grässlicher Gewinner? Meinen glorreichen Sieg, der durch fehlerhafte Tauschaktionen der Kinder mit wertlosen Straßen, recht bald ersichtlich war, zögerte ich auf Maximallänge hinaus und goss ordentlich Salz in die vielen offenen Wunden meiner Miete zahlenden jüngeren Gegner. Zitat: „Du lachst ja wie Papa, wenn Du gewinnst …“
Am nächsten Tag ging es mit Applaus und einer nun auf der Konsole klebenden, Hula-Hula tanzenden Hawaiianerin (ein Geschenk der Kids) nach Feldberg an die „Feldberger Seenplatte“, wo wir eigentlich ein tolles Ferienhaus gemietet hatten, welches sich dann aber als zwei einzelne Ferienwohnungen in einem Haus herausstellte. Außerdem mussten wir am Abend aus unerfindlichen Gründen noch einmal ein Zimmer wechseln. Sei´s drum – wir hatten einen herrlichen Blick auf den Haussee, Kühlschränke, große Betten und für die Jugendbande gab es sogar Kabel-TV. Nur ein W-LAN-Passwort rückte die Vermieterin (eine als „Gesichts-Fünf“ bezeichnete Frau) zu deren Entsetzen nicht heraus. Zitat: „Ham wa nüsch! Und ihr seid ja hier, um euch zu erholen“. Kuhl – das waren wir auch.
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Rückblickend kann ich nicht genau sagen, ob ich als Kind ein „Daddel-Heini“ oder „Smartphone-Junkie“ geworden wäre, da mich die Sprüche meiner Eltern, wie: „ihr müsst auch mal an die frische Luft“ immer geärgert haben. Es gab das Zeug einfach nicht und so war ich gezwungenermaßen oft draußen.
Wir schleppten die Kinder zum Anleger und starteten bei durchwachsenen Temperaturen einen Ausflug per Boot. Bis dato wusste ich gar nicht, dass die großen Tretboote super relaxte Gefährte sind (wenn man hinten sitzt oder liegt und nichts machen muss). An einem bewachten Badestrand wurden wir von einer weiblichen „Gesichts-Zwei“ verjagt, weil man dort nicht einfach halten darf – aber erst, nachdem wir dort ordentlich geplantscht und gesprungen waren (das Wasser war wärmer als die Außentemperaturen).
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Als an es am nächsten Anlegepunkt namens „Ruhepuls“ das erste „Störtebecker“ gab und sogar die Sonne heraus kam, hatte der Kurzurlaub sowieso endgültig begonnen. Dass meine Nichte und mein Neffe seit Jahren zu neunköpfigen Raupen mutiert sind, stört mich auch dann nicht, wenn eine Miniatur-Wurstplatte 6,50 € und ein Spezi oder eine heiße Schokolade über 3,- € kostet. Es sind ja nicht meine „teuren Kinder“ und zweimal im Jahr können sie mich ruhig schröpfen. So auch im „Deutschen Haus“ wo die Hausmannskost-Teller komplett (mit Ablecken) leergegessen wurden. Zitat der Kellnerin: „Na dann habt ihr ja morgen definitiv fantastisches Wetter“.
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Am Abend fing es nach einer Runde „Räuberrommé“ – romantisch am See sitzend – leider an zu nieseln. Vorher wurde N. noch in den elitären Kreis der „Trompfreligion“ aufgenommen. Da dies eher ein Insider ist, verzichte ich darauf, die Prüfungsfragen zu wiederholen. Es gibt ja zurzeit eh nur sechs Menschen, die der Glaubensgemeinschaft der „Grottenolme“ angehören. Ein Bier und zwei TV-Folgen zu spät, ging es ins Bett. Zitat M.: „Two and a half man ist ja auch richtig geil“.
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Am nächsten Morgen stand nach dem „Olympia-TV Frühstück“ mit vielen Leckerlis und einer ausfahrbaren Gabel (auch ein Präsent) dann die eigentliche Geschenkeinlösung an. Ein richtiger Tauchgang (nicht nur Schnupper-Gedöhns) mit der örtlichen Tauchschule. Schnell stellte sich heraus, dass Harry und Andrea – die erfahrenen Tauchlehrer – auch ein ganz gutes Händchen mit Jugendlichen haben. Humorvoll aber durchaus sachlich wurde der Theorieteil über die Bühne gebracht. Nur mich (und N.) mit den Tauschscheinen, die wir in Malaysia gemacht hatten, wurden in der Annahme, dass wir ja alles können, nicht sonderlich hart getestet. Ein Fehler, da das Zertifikat über 10 Jahre alt ist und wir seither nur zwei verheerende Tauschgänge (extreme Strömung in Indonesien und „mich unter Wasser verloren“ in Brasilien) gemacht hatten. L. & M. waren jedoch aufmerksam und ernsthaft – was ich so gar nicht erwartet hatte – und uns dann bei den ersten Übungen im knietiefen Wasser meilenweit überlegen, wie schon beim In-den-Anzug-zwängen und sonstigen anstrengenden Aufgaben (die mir das Tauchen echt vermiesen).
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Bei den verschiedenen Handzeichen, z.B. für „Okay“ oder „Auftauchen“ wurde von unserer Truppe noch vor dem Tauchgang sogleich ein neues erfunden. Wenn man den kleinen und den Zeigefinger nach oben streckt, bedeutet dies „Rock ‘n’ Roll“ – und zeigt man diese Hand waagerecht, nach vorn und hinten schwenkend, heißt es „Rock ‘n’ Olm“.
Um es kurz zu machen: M. war mit mir und dem lustigen Harry in der Jungs-Gruppe und die Mädels L. und N. verschwanden mit der hingebungsvollen Andrea in den Tiefen des Carwitzer Sees, den wir zuvor angesteuert hatten. Die Sicht war für einen See fantastisch (für Malaysia-Taucher: naja). Es gab jedenfalls Fische in vielerlei Größen und Farben zu entdecken, sogar ein riesiger Karpfen (Jungs) und ein Hecht (Mädchen) wurden gesichtet. Zugleich schwebten wir über tiefgrüne Unterwasserwiesen, durch langstielige Schilfrohre hindurch und auf eine untergegangene Plattform. Und trotz kleinerer Pannen, wie Flosse oder Brille verlieren und versehentlich auf 6,5 Meter Tiefe absinken (hier schreibe ich nicht, in welcher Gruppe das geschah), klappte alles hervorragend. Vor allem die Kids stellten sich extrem routiniert an. Eigentlich war ich zuletzt sogar der Looser, da ich meine Flasche ziemlich schnell leergesaugt hatte und bei Harry angestöpselt werden musste. Zitat: „Na du bist ja vielleicht eine Luft-Sau“.
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Genau als wir alle Tauchutensilien eingepackt hatten, fing es körnig zu regnen an. Gutes Timing und Zeit für eine Monsterportion Gulasch (für Harry & Andrea) und Schrippen, Knacker und Mettenden (wir). Zuvor wurde uns von den Tauchlehrern noch erklärt, dass man beim Tauchen etwa 1.000 Kalorien pro Stunde verbrennt. Fetzt. Urst. Ein.
Nach einem Mittagschlaf bis 17 Uhr ging es auf der Halbinsel „Amtswerder“ zunächst zu einem ziemlich coolen Spielplatz (jedenfalls hätte ich den 1986 zum Besten der Welt erklärt) dann ein Bierchen/Spezi an einer Seeterrasse trinken, wieder auf die Spielwiese und schließlich Essen in eine so überfüllte Fischerstube, dass wir bei einem älteren Paar „Gesichts-Vieren“ am Tisch platziert werden mussten. Die beiden sprachen seitdem kein Wort mehr miteinander (wobei wir nicht wissen, ob sie es zuvor getan hatten) wohingegen wir uns noch immer viel über die Tauchabenteuer zu berichten hatten.
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Ein richtig schöner Familienurlaub mit meiner Nichte und meinem Neffen – diesen Fischplattenfressmaschinen – hatte sich entwickelt. Am Abend war der See vor unserem kleinen Plätzchen (wieder bei Räuber-Rommé mit verschärften Regeln) in krasses Licht getaucht. Die Wolken, Bäume, Boote und die Wasseroberfläche ergaben eine fantastische Szenerie – ein Bild voller Stille, Einsamkeit und Urlaubserholung. Bis einer pupste und alle laut loslachten.
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Am Sonntag zeigte sich die Sonne den ganzen Tag – wahrscheinlich weil die Kids immer alles (also wirklich alles!) aufgegessen hatten. Daher verstehe ich bis heute nicht, warum ich ohne Basecap und vor allem ohne mich mit Sonnencreme einzuschmieren für etwa drei Stunden auf ein Boot gestiegen bin. Selbst Kinder sind da schlauer! Egal, wir erkundeten diesmal über einen Kanal den „Breiten Luzin“ sprangen vom Beetle-Boot oder von einer geenterten Plattform ins erfrischende Nass. Dort fragte uns ein idiotischer Junge, ob wir hier aussteigen würden. „So ein Doof“ – war die berechtigte Antwort meiner Nichte. Mit M. drehte ich auf der Rückfahrt etwas durch und sang dabei mit ihm den „Rocky-Song“. Diesmal traf – trotz des Sonnenstichs – alles zu: Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön. Wie auch die abschließende Speiseeis-Orgie in Boitzenburg.
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Und obwohl die süße Beschenkte L. etliche Dinge aufzählte, die ihr anscheinend gefallen haben, antwortete sie auf die Frage, was sie am allerschönsten fand: „Eigentlich das gemeinsame Frühstück“. Okay, wenn das so ist, weiß ich ja bereits jetzt, was ich meinem Neffen M., der nächstes Jahr an der Jugendweihe-Reihe ist, zu schenken habe. Nur deshalb habe ich das heute mal aufgeschrieben – damit ich es nicht vergesse …
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P.S.: ein paar Bilder von der Tauchschule werden folgen.
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