Posts Tagged ‘ Leninplatz ’

Der “Leninplatz” in der “Berliner Woche”

14. Juli 2019 | von | Kategorie: Blog, Leninplatz

Mein neuestes Buch “Leninplatz” findet sich nun auch als Buchtipp für den Sommer in der aktuellen “Berliner Woche” wieder.

 

“…anekdotische Erinnerungen an die eigene Jugendzeit in den 1980er-Jahren. Also in der Spätphase der DDR, wobei damals kaum jemand ahnte, dass sich ein Epochenwechsel anbahnte. Der Leninplatz, heute Platz der Vereinten Nationen, war der Wohnort des Autors. Aber auch andere Orte spielen eine Rolle. DDR-typisches von Staatsbürgerkunde bis FDJ bilden einerseits die Kulisse, die auch den Alltag der Pubertierenden bestimmt. Gleichzeitig agieren die nicht viel anders als Gleichaltrige in vielen Teilen der Welt. Es geht um Musik, Partys oder erste erotische Lektionen. Um exzessiven Alkoholkonsum und andere Grenzerfahrungen. Und fast nebenbei wird eine Zustandsbeschreibung nicht zuletzt der Verhältnisse in Friedrichshain vor Beginn der friedlichen Revolution transportiert …” (Thomas Frey, Berliner Woche 13.07.2019).

Hier gehts zum vollständigen Artikel in der Berliner Woche

 

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Mein neues Buch “Leninplatz”!

15. Mai 2019 | von | Kategorie: Aktuelles

Mein neues Buch “Leninplatz” ist soeben erschienen.

Hier der Klappentext:
Benny, Mark und ihre Freunde wohnen rund um den Leninplatz in Ostberlin. Obwohl ihr Alltag Ende der 80iger Jahre in der DDR eigentlich trist und vorbestimmt ist, erleben sie in der Schule und den Stunden danach die aufregendsten Dinge. Sie feiern gemeinsam das Leben, die Mädchen und vor allem sich selbst, auch wenn ihre Freundschaft manchmal auf harte Proben gestellt wird.

„Was war eigentlich los am Leninplatz, bevor der Osten der neue Westen wurde, vor dem Mauerfall und „Goodbye Lenin“? Mark Scheppert erzählt auf unvergleichliche Art vom Aufwachsen im Ostteil Berlins, von Freund- und Feindschaften, erster Liebe und einer kleinen Gang Jugendlicher, die nach der Schule am Sockel des Lenindenkmals herumlungert und Pläne schmiedet – mal fürs Leben, mal nur für den sozialistischen Nachmittag. Seine Geschichten sind ebenso komisch wie anrührend, authentisch erzählt und ein unverzichtbarer Teil Alltagsgeschichte aus der untergegangenen DDR.“ Hannes Klug, Journalist und Autor

„Scheppert entkleidet alles und jeden: Ina aus der A-Klasse, die Frau des Musiklehrers, die DDR und nicht zuletzt: seine Seele. Fetzt voll ein, dit Buch.“ Sebastian T. Vogel, Lesebühnenautor
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„Ein FDJ-Aufmarsch zum 35. Jahrestag der Republik – nie wäre Mark Scheppert auf die Idee gekommen, daran freiwillig teilzunehmen. Aber dann winkte ein Treffen mit dem schönsten Mädchen der Schule. Also doch!“
Spiegel Online, einestages
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„Erfrischend, verdammt ehrlich, voller Komik und Humor, lebensecht!“
Binea, Literatwo
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Natürlich würde ich mich sehr darüber freuen, wenn es Euch gefällt. Rückmeldungen/Rezensionen von Menschen, die noch gerne lesen, sind ausdrücklich erwünscht.
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Hier könnt Ihr u.a. “Leninplatz” von Mark Scheppert für 9,90 € käuflich erwerben:
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– bei Amazon.de
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– bei Thalia.de
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– bei BoD.de
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Viel Freude beim Lesen wünscht
Mark Scheppert

Kontakt:
Email: mail@markscheppert.de
FB: www.facebook.com/mauergewinner
INSTA: @Mauergewinner

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Neue Rezi zum “Leninplatz” bei “Sarahs bunter Welt”

14. Mai 2019 | von | Kategorie: Blog

Seit heute gibt es eine schöne neue Rezension zu meinem Buch Leninplatz bei “Sarahs bunter Welt” (www.sarahhatsgetestet.de)

Der Anfang geht so:
“Wer von euch hat eigentlich den Mauerfall erlebt? Ich war noch ganz klein und erinnere mich daran, dass wir früher oft in Gewinnspielen gewonnen haben. Danach hat meine Mutter fast nie gewonnen. Außerdem erinnere ich mich daran, dass mein Vater danach häufiger mit mir in den Osten gefahren ist, und ich dachte: bin ich froh, dass ich auf der anderen Seite aufgewachsen bin. Klingt hart, aber …”

Ré­su­mé: “Ich bin sicher, so wie der Autor es umgesetzt hat, wird er damit wieder viele Menschen bewegen können. Bewegen im Sinne, dass er Menschen ein Stück längst vergangener Tage zurückbringt oder eine Zeit vermittelt, die gänzlich unbekannt ist.”

Die vollständige Rezi findet ihr hier: “Leninplatz” bei www.sarahhatsgetestet.de

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Lesung: Mach ma’ Licht im Mauerschatten

11. April 2019 | von | Kategorie: Aktuelles, Termine

Am 06.06.2019 gibt es auf die Ohren!

Mikis Wesenbitter und icke (Mark Scheppert) lesen Geschichten aus Ostberlin. Torsten Höhle untermalt die Lesung mit Videoprojektionen.

Eine Reise in die Vergangenheit: In den Kindergarten, zum Pioniernachmittag, zu Undergroundkonzerten im Jugendklub und natürlich der ersten Liebe!

Wann: 06.06.2019 ab 20 Uhr

Wo: Culture Pop Studio, Potsdamer Platz Arkaden, 10785 Berlin (Eingang Brüder-Grimm-Gasse). U- und S-Bahnhof Potsdamer Platz.

Wer: Mikis Wesensbitter (Autor u. a. von: “Wir hatten ja nüscht im Osten” und Mark Scheppert (Autor u. a. von “Leninplatz”)

Eintritt: frei!

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(Hinweis: Das Culture Pop Studio ist nicht sonderlich groß, also kommt rechtzeitig und bringt Gute Laune mit).

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Schöne Rezension zum “Leninplatz” bei LesePartie

5. April 2019 | von | Kategorie: Blog, Leninplatz, Leninplatz Leseproben

Auf der Seite von LesePartie gibt es ein neue Rezension zu meinem Buch “Leninplatz”:

Erzählungen aus dem Leben eines ganz normalen Ostberliner Teenagers in den 1980iger Jahren.

“…Mark ist ein Teenager in Ost Berlin und lebt mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Benny in einem Neubau in Friedrichshain nahe des Leninplatzes.

Sein Teenager Alltag ist bestimmt von Schultagen, die nur durch Freunde erträglich sind, gute und schlechte Lehrer, erster Alkoholrausch, erste Liebeleien, Ferienlager, ein Kurzurlaub im westlich wirkenden Budapest und vor allem durch seine feste Clique.

Charmant und authentisch erzählt Mark Scheppert Geschichten über…”

Zum Weiterlesen: https://lesepartie.de/leninplatz/

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Interview zum Thema Heimat in der “Laviva”

15. November 2018 | von | Kategorie: Blog

In der aktuellen Dezember-Ausgabe der Frauenzeitschrift “Laviva” findet Ihr auch ein Interview mit mir zum Thema: “Vom Gefühl, zu Hause zu sein”.

Wie Ihr Euch sicherlich vorstellen könnt, waren meine Antworten auf sämtliche Fragen natürlich ausfühllicher, aber was die (sehr angenehme) Redakteurin Katrin Rave daraus gemacht hat, ist ziemlich gut zusammengefasst. Auch die visuelle Gestaltung der Beiträge, mit Fotos in Bilderrahmen und sonstigen Devotionalien finde ich gelungen. Besonders hat es mich gefreut, dass auch mein Buch “Leninplatz” am Ende des Artikels empfohlen wird, denn Frauen lesen einfach öfter und mehr …

Hier findet Ihr den: Heimat-Artikel in der “Laviva”. Die Zeitschrift selbst ist noch bis Mitte Dezember 2018 im Zeitschriftenhandel erhältlich!
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“Leninplatz” Rezension bei Bumsbutzener Gumpfen

11. November 2018 | von | Kategorie: Blog


Wie sicherlich viele von Euch, habe auch ich einige Lesezeichen für Webseiten, auf denen ich gelegentlich verweile. Bereits seit 2009 gehört der lustige und informative Blogspot Bumsbutzener Gumpfen dazu – sicherlich auch, weil sie in jenem Jahr mal eine kuhle Rezi zum “Mauergewinner” gepostet haben.
Umso mehr freue ich mich darüber, dass sich Ede und Michel nun auch dem “Leninplatz” gewidmet haben. Hätten sie sich mal früher gemeldet, wäre sicherlich auch ein Plätzchen für die großbusige Blondine namens Karin (samt Strumpfhose für den Keilriemen-Ersatz) im Buch möglich gewesen. So bleibt es eine Idee für das nächste Mal.

Hier die charmante Zusammenfassung von “Leninplatz” auf: Bumsbutzener Gumpfen

Ach so, Ede und Unku (ihr Personen der DDR-Zeitgeschichte): ich bin auch auf Facebook und Instagram unter @Mauergewinner oder #Mauergewinner – na jedenfalls irgendwie – zu finden …
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Lesung am 13.09.2018 im Café Tasso in Berlin-Friedrichshain

25. Juli 2018 | von | Kategorie: Termine

Am 13. September lese ich wieder zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der Lesebühne “Die Unerhörten” im Café Tasso in Berlin-Friedrichshain (Frankfurter Allee 11, U-Bhf. Frankfurter Tor). Beginn ist um 20 Uhr und das Thema lautet diesmal: “Überraschung”.
Ganz überraschend lese ich erstmals eine Geschichte aus meinem Buch “Leninplatz”.
Weitere Infos folgen!

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Eine lange Geschichte – Jugend in der DDR

14. April 2018 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

In meinen ersten Schuljahren liebte ich die ersten Stunden nach den Sommerferien. Die alten Lehrer fragten, was wir in unseren Urlauben erlebt hatten, und die neuen interessierten sich für die Berufe unserer Eltern. Voller Stolz konnte ich immer allen erzählen, dass mein Vater Trainer im Radsport und meine Mutter Sekretärin im Außenhandel war. Dass fast 30 Prozent meiner Mitschüler einfach nur antworteten: „Mein Papa arbeitet bei MfS“, verstand ich nicht, auch nicht nachdem die Lehrerin es in ein „beim MfS“ verbessert hatte. Scheinbar wussten die Kinder selber nicht, was ihre Eltern dort so trieben und vor allem, was dieses MfS eigentlich war. Die erste Stunde verging trotzdem wie im Flug.

Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir zu den privilegierten Familien gehörten, die in den ersten zehnstöckigen Neubaublöcken mit fließend warmem Wasser, Zentralheizung und Badewanne wohnten, zwischen Lenin- und Alexanderplatz. Ich hatte noch keine Erklärung, warum die Hälfte meiner Mitschüler sich in den Pausen über DEFA-Indianerfilme und “Ein Kessel Buntes” aus dem DDR-Fernsehen unterhielten statt wie wir über „Ein Colt für alle Fälle“ und “Wetten dass?”. Es gab für mich keine andere Welt da draußen, keine alten Häuser mit drei Hinterhöfen und Ofenheizung, keine verqualmten Eckkneipen, keine Klassenkameraden, deren Eltern kein Auto hatten, und keine schwer erziehbaren Kinder in der Klasse. Sie hatten uns eine eigene Welt geschaffen – eine heile.

Als ich meine erste Freundin kennen lernte, wusste ich natürlich längst, dass dieses ominöse MfS das Ministerium für Staatssicherheit war und leider auch, dass mein Vater obwohl er dem MDI (Ministerium des Innern) als Dynamo-Mitarbeiter unterstellt war, denselben Chef wie die MfS-Mitarbeiter hatte: Erich Mielke. Der Oberboss meiner Mutter hieß Herr Schalck-Golodkowski. Auch ahnte ich mittlerweile, dass einige Jungs aus meiner Nachbarschaft wirklich nicht wussten, was ihre Eltern so trieben. Über die Stasi wurde auch zu Hause nichts erzählt. Westfernsehen war dort sowieso verboten.
Sarah lernte ich mit 16 im Lager für Arbeit und Erholung kennen. In den drei Wochen arbeiteten wir am Vormittag und nachmittags erinnerte das Ganze an ein Ferienlager aus unserer Kinderzeit. In dem Zeltlager mitten im Wald gab es keine Regeln und Gesetze. Mir gefiel das. Sarah war anders als alle, die ich bisher getroffen hatte. Sie war rebellisch, aufmüpfig, unberechenbar – sie lebte in keiner heilen Welt und mit keinen MfS- oder MDI-Eltern. Genau genommen hatte Sarah überhaupt keine. Ich, das sozialistisch erzogene Bonzen-Kind aus dem „Regierungsviertel“, suchte mir das Mädchen, das in einem Kinderheim wohnte.

Nach der Lagerromanze trafen wir uns häufig auf halbem Weg von unseren jeweiligen “Heimen” – in meinem Fall die Wohnung im 9. Stock an der Mollstraße, in ihrem das Kinderheim „Fritz Plön“ in Treptow. Die Eckkneipe an der Stralauer Allee, kurz vor der Brücke in ihren Stadtteil, war unser Treffpunkt. Sie kannte im Elseneck alle Typen und widerwärtig besoffene Kerle spendierten uns Cola mit Korn. An einem dieser Abende ging ich mit Sarah – wie gewohnt nicht an der Ampel, sondern unmittelbar vor der Kneipentür – über die vierspurige Straße. Sie bevorzugte direkte Wege auf ihrem Nachhauseweg – und im Leben. Zwei Volkspolizisten stoppten uns. Wahrscheinlich hätte eine Entschuldigung vollkommen ausgereicht, doch Sarah brüllte die beiden sofort an: „Ihr könnt mich mal am Arsch lecken Ihr Scheißbullen!“ – „Was haben Sie gesagt?“ Ich zog sie am Ärmel, doch sie schrie schon: „Schnauze, Drecksbulle!“
Plötzlich ging alles ganz schnell. Wir standen breitbeinig an der Wand – dahinter lagen die Spree und die Mauer nach Westberlin, Handschellen rasselten und innerhalb von fünf Minuten saßen wir im Einsatzwagen. Mit auf den Rücken verdrehten Armen wurden wir in verschiedene Einzelzellen gebracht. In den Gängen hallte das Brüllen anderer Gefangener, ich konnte aber nicht sagen, wo es eigentlich genau herkam. Langsam bekam ich ein wenig Angst!
Beim Verhör gab ich mich, wie ich wirklich war: opportunistisch und brav. Unterwürfig und weinerlich entschuldigte ich mich für unser unentschuldbares Fehlverhalten. Ich musste die Adresse meiner Eltern angeben und nach einer Stunde stand ich wieder in meiner Friedrichshainer Freiheit. Am nächsten Tag rief ich bei Sarah im Heim an und fragte sie, wie es ihr denn ergangen wäre. Sie sagte nur: „Ach, das ist eine lange Geschichte.“

Jahre später – im Herbst 1989 hatte sich einiges geändert. Tausende Menschen verließen unser Land über Polen und Ungarn und Sarah war Schnee von gestern. In diesen Tagen hatte fast jeder mit sich selbst zu tun und so war es auch recht einfach, als ich zusammen mit Otmar, Bernd und Matze für eine Woche die Schule schwänzte. Es sollte nach Frankfurt an der Oder ins dortige Jugendhotel gehen.
Gleich am zweiten Tag entdeckten wir nicht weit von uns entfernt einen Rummel. Die Hauptattraktion war wie überall der Autoskooter, wo wir auch recht schnell ein paar Leute kennen lernten. Leider landeten Otmar und Bernd bei den Mädels und schwirrten bald mit zwei Dorfschönheiten in Richtung unseres Hotels ab. Sie ließen Matze und mich zurück mit den eingeborenen Kampftrinkern. Der Abend zog sich in die Länge und nachdem Matze und ich um 3 Uhr eine Privatparty verlassen hatten, schwankten wir durch die tiefschwarze Nacht. Obwohl unser turmhohes Haus in Frankfurt eigentlich kaum zu verfehlen war, hatten wir uns schnell verlaufen. Mit einem letzten Bier in der Hand standen wir plötzlich an der friedlich dahinfließenden Oder, setzten uns davor auf den Boden und genossen die Stille. In solchen Momenten fingen wir in dieser Zeit immer öfter an zu reden, über die Flüchtlingsströme, über die sich verändernde DDR und über uns. Was aus unserem Leben hier eigentlich einmal werden würde. Mich machten diese Gespräche ruhiger, ich genoss es, mit anderen über diese Dinge zu sprechen. Matze reagierte anders – er steigerte sich in eine grenzenlose Wut über seine verschenkte und vergeudete Jugend und ein Leben ohne Perspektive hinein. Er sprang plötzlich auf und warf seine Bierpulle mit voller Kraft an die gegenüber liegende Häuserwand.

Es dauerte keine Minute bis zwei Fahrzeuge in Höchstgeschwindigkeit angerast kamen. Die Scheinwerfer blendeten mich so, dass ich nicht sah, wie zwei Gestalten auf mich zurannten, die mich kurz darauf auf den Boden drückten. Ich sah Matzes Gesicht auf dem Kopfsteinpflaster neben mir liegen – auch auf ihm knieten zwei Leute. Ohne auch nur ein Wort zu sprechen, fesselten sie uns mit Handschellen und zerrten uns zu einem der Autos, schmissen uns auf die Rückbank und fuhren mit Höllentempo durch die plötzlich eisige Frankfurter Nacht: Die Kälte spürte ich besonders an meinem Rücken und am Hintern – die Rückbank des Ladas war vollkommen nass. Aber es roch nicht nach Urin, es war so, als hätte hier vor uns jemand mit klitschnassen Sachen gesessen. Wir schauten uns schweigend an und schienen beide gleichzeitig zu verstehen. Die Freunde des MfS – die Stasi – hatten uns verhaftet; sie dachten, wir wollten über die Oder nach Polen schwimmen. Wir waren in ihren Augen zweifelsfrei Republikflüchtige. MfS – Scheiße!
Noch immer hatte niemand ein Wort mit uns geredet. Das sollte sich ändern. Doch diesmal reichte es nicht einfach aus, dass ich mich entschuldigte und meine Personalien angab. Wir wurden einzeln zu mehreren Verhören mit verschiedenen Menschen gebracht. Der eine ganz ruhig und verständnisvoll, der nächste wild aufbrausend und bedrohlich. Und immer strahlte mir eine grelle Lampe in die Augen, sodass ich eigentlich nur die Umrisse der Personen erkennen konnte, die mich verhörten. Langsam bekam ich etwas mehr als ein wenig Angst! Mit vernebeltem Kopf und klopfendem Herzen fragte ich mich, wie das wohl ausgehen würde. Sie stießen mich, immer noch in engen Handschellen, durch einen Gang, in dem im Gegensatz zum Verhörzimmer Hektik herrschte und brachten mich in einen modrig riechenden Keller. In einer kleinen, schäbigen und vor allem hundekalten Zelle ohne Fenster wartete ich ganz allein und verängstigt auf meine Verurteilung wegen angeblicher Flucht aus dem Territorium der DDR.
Aus irgendeinem Grund ließen sie uns aber um 7 Uhr morgens gemeinsam wieder laufen. Matze fragte am Ausgang einen Volkspolizisten aus Jux, wo man hier ein “Neues Deutschland” kaufen könnte. Er wollte mit Sicherheit jetzt nichts lesen; ich zog ihn genervt am Ärmel weiter zu unserem Hotel. Bernd und Otmar wurden kurz wach, als wir ins Zimmer schlichen und fragten: „Wo kommt denn ihr jetzt her?“ Wir grinsten uns an und sagten: „Ach, das ist eine lange Geschichte.“

Aber sie ist noch nicht ganz zu Ende. Im Sommer 2002 wollten wir zum Force Attack Festival in die Nähe von Rostock fahren, ein mehrtägiges Punk Rock Open Air, und eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich für sie, da sie erst am zweiten Tag käme, etwas mitnehmen könnte. Dieses „Etwas“ waren etwa zwei Gramm Haschisch, welches sie mir in einer schwarzen Filmdose in die Hand drückte.

Auf der Fahrt an die Ostsee erzählte ich meinem Beifahrer Jenna von unserer heißen Ware an Bord und als wir kurz vor der Einfahrt zum Konzertgelände von einer Polizeieinheit gestoppt wurden, sah ich in seinen Augen, dass er zumindest ein genauso großer Schisser war wie ich. Augenblicklich begann er zu schwitzen und quasselte mich mit wirrem Zeug zu.
Ich versuchte locker zu bleiben, aber als ich sah, wie sie unser Nachbarauto auseinander nahmen und sogar Schäferhunde darin schnüffelten, befiel mich ein ungutes Gefühl. Sie suchten nach Drogen und waren dabei nicht gerade zimperlich. Wir hatten uns sehr auf das Konzertwochenende gefreut und nun sah ich mich bereits in einer kleinen, schäbigen, hundekalten Zelle ohne Fenster sitzen und auf meine Verurteilung wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln warten.

Ein Typ vom Bundesgrenzschutz kam schließlich zu unserem Auto, doch eine Kollegin mit Hund rief ihm hinterher: „Die übernehme ich!“ Um Unauffälligkeit bemüht, stiegen wir aus meinem Wagen und stellten uns daneben. Die junge Frau machte ihren Köter an einem Außenspiegel fest, kroch ins Auto und untersuchte den Innenraum. Als sie wieder herauskam und sich aufrichtete, schaute die Dame direkt in mein Gesicht. Ich brauchte fünf Sekunden, um sie zu erkennen und konnte es dennoch nicht glauben: Die militärisch gekleidete Frau kannte ich aus meiner Jugend – es war tatsächlich die gleiche Sarah, für die noch vor 16 Jahren alle Menschen in Uniform einfach nur „Scheiß-“ oder „Drecksbullen“ gewesen waren.
Wir sagten kein Wort, doch ich spürte, dass auch sie mich erkannte. Ihr Hund begann ganz aufgeregt an der Leine zu ziehen und bellte in Richtung meines Kofferraums. Auch wenn es nur zu erahnen war, sah ich ein kleines Lächeln auf Ihren Lippen. Sie drehte sich um und brüllte zu ihren BGS-Kollegen: „Die hier sind sauber!“
Ich startete das Auto. Jenna, der die seltsame Szene hautnah miterlebt hatte, drehte sich zu mir herüber und fragte erstaunt: „Was war das denn, kanntest du die etwa?“ Ich schaute in den Spiegel, Sarah verfolgte unsere Abfahrt, und ich sagte: „Ach, dass ist eine lange Geschichte.“
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Zum Weiterlesen: Mauergewinner
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Rechtswidrig – aus dem Buch “Leninplatz”

19. November 2017 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Leninplatz, Leseproben


Am 21.05.1988 lungern wir seit Ewigkeiten mal wieder am Leninplatz herum. Gerüchte hatten die Runde gemacht, dass wir dort, am heutigen Samstag, in den Besitz eines wahren Schatzes gelangen können. Doch zwei Stunden lang flanieren nur ältere Ehepaare, die von einem Ringel aus dem maigrünen Friedrichshain kommen, oder Familien mit kreischenden Gören am Sockel vorbei. Als wir gegen 19 Uhr enttäuscht aufbrechen wollen, tauchen plötzlich zwei langhaarige Kunden in unserem Alter auf. Beide tragen Skateboards unter dem Arm, echte, aus dem Westen wohlgemerkt.

Benny hatte sich im Winter zusammen mit Henry ein ostdeutsches Modell gebastelt, das aus einem zurechtgesägten Holzbrett auf vier gelben Rollschuhrädern besteht. Richtig scheiße sieht das Stullenbrett aus, obwohl er es weinrot lackiert und mit einem Garfield-Aufkleber verschönert hatte. Man kann damit zwar eine asphaltierte Straße herunterrollen, aber weder bremsen noch lenken.

Tessi erhebt sich übertrieben kuhl und schlendert den Jungs entgegen. Wir trotten, um Unauffälligkeit bemüht, hinterher und sehen, wie er ihnen eine seiner Pseudo-Camel-Zigaretten anbietet und gleichzeitig flüstert: „Habt ihr die Aufgaben?“ „Was für’n Ding?“, antwortet der Größere. „Na für die Abschlussprüfung in Mathe“, kreischt Bommel aufgeregt aus dem Hintergrund. „Soll es die heute hier geben?“, antwortet der Typ plötzlich mit deutlichem Interesse. „Ja, oder am Alex, wurde uns gefunkt“, klärt Tessi sie auf. „Ist doch rechtswidrig!“, murmelt der Heavy-Typ mit ernster Miene, bis er lauthals und mit tiefer Stimme zu lachen beginnt. „Wenn ihr sie habt, sagt Bescheid. Die koofen wir euch ab!“
Letztendlich stellt sich heraus, dass David und Ottmar aus der Lenin-Oberschule sind, in die 10. Klasse gehen und – wie wir – in knapp drei Wochen die schriftlichen Prüfungen vor sich haben. Sie scheinen okay zu sein und diesen Ottmar werde ich, wenn ich kurz vor Schluss nicht noch völlig verkacke, in der EOS Friedrich Engels sogar als Mitschüler wiedersehen.
Wir paffen noch eine Cabi zusammen, bevor wir uns verabschieden. Die Lenin-Jungs nehmen den polierten Granitsockel unterhalb des Denkmals in Beschlag und stellen sich gar nicht mal so doof an – sogar einen Sprung steht David beim ersten Versuch. Wir hingegen stapfen durch Neubauschluchten in Richtung Alexanderplatz.


Die Sache ist nämlich so, dass Tessi und Andi in Mathe zwischen 4 und 5 stehen und sich eine 5 in der Abschlussprüfung nicht leisten können; obwohl sie die Mündliche noch retten könnte, was aber unwahrscheinlich ist. Meine eigene Vornote ist eine glatte 3, weshalb ich eigentlich recht entspannt sein könnte. Bommel, Torte und Bergi stehen auf der Kippe zwischen 3 und 4. Doch anstatt eine sozialistische Lerngruppe zu gründen, am besten mit Mathe-Olympionike Dirk, grübeln wir seit Wochen im Alfclub, ob es vielleicht eine einfachere Lösung gibt.

Zunächst hieß es, Andis Bruder Billy würde einen kennen, der einen kennt, der in der ND-Druckerei arbeitet. Wir hatten das Gebäude am Franz-Mehring-Platz sogar schon ausgekundschaftet, da ein nächtlicher Einbruch durchaus im Rahmen des Denkbaren lag. Doch dann erfuhr ich über meinen Onkel Paul, dass die Zentrag den Druckauftrag für die Abschlussprüfungsfragen immer ganz kurzfristig vergibt, manchmal sogar nach Leipzig oder Magdeburg.

Nach dieser Information nahmen wir eine neue Fährte auf. Grossi, der die Käte im Vorjahr verließ, hatte Bergi nach deren Abschlussparty der 10. Klasse gesteckt, dass die Prüfungsaufgaben immer Wochen vorher an verschiedenen Orten der Republik unter der Hand verkauft werden. Wir müssten nur die Ohren spitzen. Sie selbst hätten sie für 300 Mark am Lenin- und einige andere am Alexanderplatz erstanden. Alle Pfeifen, sogar der Kossart, hatten so bestanden.

Leider gehört der Alex nicht gerade zu den kleinsten Plätzen unserer Stadt. Obwohl das riesige Betonareal oft als zentraler, gut überschaubarer Kundgebungsort genutzt wird, gibt es dort hunderte Ecken für geheime Übergaben wichtiger Dokumente. Am sinnvollsten erscheint es uns, zunächst an der Weltzeituhr zu schnüffeln.
Die runde, gut zehn Meter hohe Uhr, auf der die Namen von 148 Städten verzeichnet sind – von denen wir wahrscheinlich 143 nie im Leben zu Gesicht bekommen –, gilt als Touristenattraktion. Dort muss man sich immer mit Urlaubs- oder Ferienlagerbekanntschaften aus der DDR verabreden, weil die Idioten sich sonst in Berlin verlaufen. „Wir treffen uns am Alex um 20 Uhr an der Weltzeituhr“, scheinen leider auch heute hunderte Dörfler vorher ausgemacht zu haben.


„Das wird hart“, murmelt Tessi. Wir teilen uns in zwei Gruppen und versuchen am Gesichtsausdruck der Bürger festzustellen, ob sie etwas verbergen oder heimlich zu verkloppen haben. Ein bisschen kommen wir uns dabei wie „Mielkes Nachwuchstruppe“ vor und die meisten, die wir diskret von der Seite anquatschen, geben uns das auch in etwa zu verstehen.
Irgendwann hat Bommel die Schnauze voll und fragt einen Typen mit Oberlippenbart und Marmorjeans gerade heraus: „Verkaufst du vielleicht die Matheaufgaben?“ „Nuklear! Dreihunnerd Morg“ (Na klar! 300 Mark), nuschelt er im tiefsten Sächsisch. Eiligst pfeifen wir alle zusammen und verschwinden mit ihm in eine dunkle Ecke des S-Bahnhofs. Tessi zieht sechs Rotfedern (Fünfziger) aus der Tasche und nur mir ist es zu verdanken, dass er nicht den Fehler seines Lebens begeht.
„Das hatten wir doch gar nicht“, murmele ich beim Überfliegen der auf Maschine getippten Fragen. Doch Sachsen-Jens gibt mir zu verstehen, dass dies sehr wohl die Mathe-Abschlussprüfungs-Fragen 1988 sind – für die 12. Klasse! „Scheiße, weißt du, ob hier auch einer die für die 10te verkauft?“, zische ich. „Nuklear, dä Wännsdor am Delesporgel oder anne Nuddenbrosche“. Man braucht für den Typen echt einen Übersetzer – er meint wohl irgendwelche Kinder am Fernsehturm, den ein Berliner niemals „Telespargel“ nennt! Auch der Brunnen der Völkerfreundschaft wird nur von geifernden älteren Herren als „Nuttenbrosche“ bezeichnet. Fehlt nur noch „Erichs Lampenladen“, wie der Palast der Republik von Dorfis oftmals genannt wird.

Unterhalb der pfeilförmig verlaufenden Betonfaltdächer des Eingangspavillons des höchsten Turms der Stadt tummeln sich etliche Skater und noch mehr angesoffene Punks. Bei den Jungs mit den bunten Frisuren fällt es uns dennoch leichter, nach den Prüfungsaufgaben zu fragen. Doch niemand hat etwas davon gehört und nicht wenige wundern sich, warum wir uns überhaupt „so ‘ne Platte“ machen. Ein Typ mit knallgelbem Irokesenschnitt wechselt sogar die Kassette und spult bis zum Song „Hurra, hurra die Schule brennt“ vor. Schon klar: Für ihn spielt ein Mathe-Abschluss der 10. Klasse eine eher untergeordnete Rolle.

Auch am Brunnen gibt es keine Verkäufer. Dafür stolzieren hier etliche aufgetakelte Plattenbaunutten in ultrakurzen Miniröcken und Weststrumpfhosen herum, für die wir nur Ostberliner Luft sind.
Noch eine Woche lungern wir stundenlang am Alex herum, bevor wir es endgültig aufgeben und eine völlig neue Strategie austüfteln.

Als Herr Blase am 15. Juni die Prüfungsfragen und die Bögen, auf die wir unsere Namen und Antworten schreiben sollen, auf die Tische wirft, sind wir bestens vorbereitet. Die karierten, doppelseitigen Blätter sind oben rechts, damit niemand bescheißen kann, mit dem Schulstempel versehen – und das ist auch gut so.

Grossi hatte uns im Vorfeld exakt diese Bögen besorgt und über Dirk waren wir an den Stempel gelangt. Keine Ahnung, was Bergi ihm angedroht hat; mit Sicherheit haben sie nicht darüber diskutiert, ob dies rechtswidrig sei. Jedenfalls entwendete er ihn inklusive Kissen aus dem Lehrerzimmer (wir mussten Dirk schicken, weil man uns dort niemals aus den Augen gelassen hätte) und legte ihn nach einer halben Stunde unauffällig wieder zurück an seinen Platz. Die im Akkord gestempelten Blätter waren für mich schon die halbe Miete, denn so konnte ich Formeln, Definitionen und Rechenwege auf die fälschungssicheren Papiere kritzeln und diese heute – nach zwanzig Minuten – einfach auf die Schulbank legen. Es ist ein Luxus-Spickzettel, da wir ja während der Prüfungsvorbereitungen erklärt bekommen hatten, was alles abgefragt wird. Lediglich Andi und Tessi verfolgen eine andere Taktik.

Eigentlich müsste Blase sich wundern, weshalb ausgerechnet seine Spezis, ab der ersten Sekunde der Prüfung, wie die Bekloppten losschreiben und nicht einmal den Taschenrechner benutzen. Doch unser Lehrer steht gelangweilt vorne herum, schaut aus dem Fenster und ärgert sich wahrscheinlich, dass er Aufsicht hat.
15 Minuten später hebt Tessi seinen schwabbeligen Arm: „Herr Blase, ich muss mal aufs Klo.“ „Warum warst du denn vorher nicht? In Ordnung, zisch ab und beeil dich.“, antwortet er ungewohnt verständnisvoll. Tessi ist tatschlich nach drei Minuten zurück und sofort ruft Andi: „Ich muss auch mal schnell für kleine Mädchen.“ Mit einer müden Handbewegung schickt er ihn zur Tür.

Was er nicht weiß: Die beiden haben soeben lediglich die Fragen abgeschrieben – Tessi die ersten sechs und Andi die letzten fünf. In der mittleren Kabine des Klos sitzt Kosbi. Den feinen Kerl aus dem Jahr über uns hatten Bergi und ich ebenso im Chorlager kennengelernt. Doch im Gegensatz zum Startenor Grossi ist er ein wahres Mathe-Ass, der auch im ersten Jahr auf der EOS eine glatte 1,0 hingelegt hat.
Ohne übertriebene Hektik verlässt er mit den Prüfungsfragen das Gebäude und beantwortet sie dann in Rekordzeit bei sich zu Hause, bevor er wieder in das Kabuff am Ende des Ganges zurückkehrt.

Bergi und Bommel wurden dazu auserkoren, die vollständigen Antworten wieder abzuholen. Ich hätte es auch getan, doch mich hat der Blase zu sehr auf dem Kieker. Die Bögen müssen ja wieder unauffällig bei Tessi und Andi auf den Bänken landen.
Es gelingt gerade so, da sich unser Freund ziemlich ungeschickt anstellt.
Wenig später ertönt seine berühmte kindliche Lache.

„Ist was, Uwe?“, fragt der Lehrer. „Nee, alles gut Herr Blase. Habe gerade die Lösung gefunden!“ Alle schmunzeln und Didi ruft: „Na dann erzähl doch mal!“ Blase ermahnt ihn, das Reden augenblicklich einzustellen.
Zwei Jungs schauen währenddessen nicht einmal auf, denn sie übertragen gehetzt Kosbis Lösungen auf ihre Blätter. Dann quäkt Herr Blase: „Stifte sofort auf den Tisch legen, wer jetzt noch schreibt, bekommt eine Fünf. Und nun einzeln nach vorne kommen und die Bögen in diese Kiste werfen.“ Er freut sich darauf, endlich in seinem Lehrerkabinett eine zu paffen. Wir uns auch – draußen an der frischen Luft mit den Jungs aus der A, die den ganzen Stress gar nicht hatten, weil sie von Vornherein wussten, dass der alte Herr Kopftisch bei ihnen Aufsicht hat.

Die Prüfungen werden – so hören wir zumindest – von Lehrern aus anderen Schulen benotet. In einigen Tagen wird Herr Blase somit erfahren, dass die größten Luschen, Versager und Verweigerer der 10 B die schriftlichen Mathematikprüfungen mit einer hervorragenden Note abgeschlossen haben.
Wird er versuchen, uns zu unterstellen oder gar zu beweisen, dass wir beschissen haben? Wird er uns in den Mündlichen ordentlich vorführen? Ich denke nicht.


Er wird rasch einsehen, dass die Bewertungen nunmehr rechtskräftig sind und die guten Zensuren im Kolloquium als Erfolg eines begabten Pädagogen verkaufen; als einer, bei dem sogar die größten Rüpel und Rowdies bestehen. Und den guten Ruf will er sich bei den mündlichen Prüfungen sicher nicht versauen lassen. Dort wird er wohl eher die Streber vorladen.
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Zum Weiterlesen: “Leninplatz” von Mark Scheppert, 9,90
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