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Europameister Dänemark? Fussball-EM 1992

20. Januar 2016 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

Icke Schwertfisch
„Wart ihr denn schon im Aztekenstadion?“, brüllt mein Vater in den Hörer. Obwohl ich sofort verneine, plappert er einfach drauflos und erzählt vom EM-Halbfinale, das vor zwei Tagen stattgefunden hatte. Endlich hätten die mal vernünftig gespielt und wären durch das 3:2 ins Finale gegen Dänemark eingezogen. „Häßler und zweimal Riedle“, berichtet er, als ob das für mich eine Rolle spielt. „Danke Alter, aber eigentlich wollte ich euch nur sagen, dass ich gut angekommen bin!“ Erstmals wird mir bewusst, wie gerne mein Vater zur Fußball-WM 1986 nach Mexiko gefahren wäre. Doch den göttlichen Maradona einmal live im Aztekenstadion zu sehen, war ihm nicht vergönnt gewesen. Der Mauerfall kam für ihn ein paar Jahre zu spät.
Mit einem grün-weißen Käfer-Taxi geht es zum Busbahnhof. Auch die Jungs wollten sofort den Pazifik sehen. ‚Gegen Dänemark?’, sinniere ich. ‚Dann werden die jetzt auch noch Europameister. Sollte Beckenbauer also recht behalten, dass die BRD nun auf Jahre hin unbezwingbar wäre.’ Ich entdecke einen Obststand. Viele der exotischen Früchte habe ich noch nie zuvor gesehen. „Ist mir doch scheißegal“, murmele ich vor mich hin. „Was?“, fragt Matze. „Nichts Wichtiges!“
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Ein paar Tage später…
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Es ist 6.20 Uhr als wir die Wohnung verlassen. Wir haben verpennt. „Sag mal, hast du gestern eigentlich alle Touris gefragt, wie Deutschland gespielt hat?“, will Göte im Wagen neben mir wissen. „Mmmh?“, überlege ich mit schwerem Kopf. „Und du hast jeder zweiten Tante ‚Te quiero’ ins Ohr gebrüllt“, antworte ich. Matze freut sich, dass wir uns freuen. „Ich liebe dich“ (Te quiero), „Herz“ (Corazón) und „Aschenbecher“ (Cenicero) können wir neben „drei Bier“ und „Danke“ (Gracias) nun auch schon sagen. Das Finalergebnis der Fußball-EM weiß ich noch immer nicht.

Hunde

An der Marina sehen wir einer Yacht hinterher. Gabriela rennt zum Hafenmeister und über Funk informiert, kehrt das Boot wieder um. Jimmy grinst etwas säuerlich, während Göte und ich sofort unter Deck verschwinden. Verschwitzt wache ich wieder auf und schwanke nach oben. Am Heck herrscht hektisches Treiben. Matze sitzt neben Jimmy auf einem Campingstuhl und umfasst die, im Boden stabilisierte, Angel mit beiden Händen. „Attention! It´s a blue marlin. It´s a big trophy“, brüllt eines der Crewmitglieder aufgeregt. Mit angespanntem Bizeps spult mein Freund die Sehne immer weiter auf, bevor er sich und dem riesigen Fisch eine kleine Atempause gönnt. Jimmy wirkt angepisst. Es ist der erste Biss am heutigen Tag – ausgerechnet an der Angel, die er meinem Kumpel zuvor großzügig angeboten hatte. Matze hat ihn jetzt bis kurz vors Boot herangezogen. Mit dem Speer voraus springt er im Todeskampf immer wieder aus dem Wasser. Sein Oberkörper glänzt kobaltblau, während die Unterseite silbern-weiß schimmert. Ich gehe zu Jimmy hinüber. „This must be the most beautiful fish in the ocean“, flüstere ich begeistert.
Der Speerfisch hat nun das Heck erreicht. Der Typ, der das mit der Trophäe gesagt hatte, springt auf und hämmert ihm mit einer Baseballkeule auf den Schädel. Zu zweit wuchten sie ihn schließlich an Bord. Innerhalb weniger Sekunden verliert das Tier sämtliche Farbpigmente und den Glanz seiner Schuppen. Ein über zwei Meter großer, grauer Fisch liegt vor uns auf den Planken. Ernüchtert setze ich mich zu Abby und Emily, die ihre Leiber mit den Bikini-Titten lasziv auf dem Bug bräunen und beschreibe ihnen meine Gefühle. Doch sie scheinen mich nicht zu verstehen.
An Land verabschieden sich Jimmy, Liz und die Mädels emotionslos von uns und schenken den Marlin der Fischfabrik. Ich weiß, dass wir sie nie wieder sehen werden.
Schwertfisch

Göte und ich wollen noch ein bisschen am Hafen bleiben und lassen die Beine über die Kaimauer baumeln. Auf einer Yacht nebenan läuft „Summer of 69“ von Bryan Adams, als zwei Typen quatschend an uns vorbei laufen. Ich drehe mich um. ‚Das war doch Deutsch!’, denke ich und rufe die beiden zurück: „Wisst ihr zufällig wie das Finale ausgegangen ist?“ Sie scheinen zu verstehen. „2:0“, sagt der eine und fügt hinzu: „Aber Achtung! Für Dänemark.“ Ich schaue an meinen Füßen herab. Das Meer funkelt in der Sonne, wo es gegen die Steine der Mauer schlägt. Exotische Muscheln kleben an den Wänden und bunte Fische sind zu sehen. Was werde ich vom Sommer 1992 aufbewahren? Dass in jener Zeit eine Fußball-EM stattgefunden hatte? Aus dem Radio nebenan erklingt der Refrain „Those were the best days of my life“, doch ich ahne, dass die besten Tage meines Lebens noch vor mir liegen.
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Wieder ein paar Tage später…

Oh Mann, hab ich einen Schädel! Ich lege mir das Handtuch über die Schultern und laufe hinunter zum Strand. Matze kommt mir entgegen und ruft kopfschüttelnd: „Geh lieber nicht weiter, wir haben da gerade eine Leiche herausgezogen.“ Seine Augen sind vor Entsetzen geweitet. Ich schaue mich um. Dulce sitzt schluchzend neben den Hängematten. Christoph hat einen Arm um sie gelegt und versucht sie zu trösten. Auch Xochil läuft barfuss durch das kleine Restaurant und weint. Ich schaue gebannt auf ihre Füße. Am rechten fehlen zwei Zehen. Reste-Knut starrt irritiert auf die vielen stehen gelassenen Teller der Gäste und auf einem Hügel hockt Veronica in sich zusammengekauert. Mit leerem Blick schaut sie an mir vorbei. Wie in Trance laufe ich weiter. Fünf Meter vor mir steht Robert, der mit einem Polizist spricht. Vor ihm liegt etwas im Sand. Doch die Plane ist viel zu kurz, sodass man die Füße und den Kopf mit den vollen schwarzen Haaren erkennen kann. ‚Ist das Göte? Bitte nicht! Scheiße!’ Geschockt bleibe ich stehen. Sein dümmliches „Live fast, die young“-Gequatsche kommt mir in den Sinn. Doch nun erkenne ich das aufgeschwemmte Gesicht. Es ist einer der Einheimischen, mit denen wir gestern gefeiert hatten. Mir wird kotzübel. Wir befinden uns seit acht Tagen in Zipolite. Was war geschehen?

Als wir von Veronica mit „café americano“ geweckt werden, strahlt die Sonne. Sie erklärt uns, dass wir die Nacht in der „Piña Palmera“ verbracht hatten – einer Fürsorgeeinrichtung für wahrnehmungsgestörte Kinder. In unserer Hütte schlafen eigentlich die Studentinnen der Uni von Mexiko City, die hier ihren sozialen Dienst leisten. Heute werden alle nach den Ferien wieder eintreffen. Veronica ist eine von ihnen und auch das überaus erotische Mädchen vom Vortag arbeitet hier. Ein Traum wird Wirklichkeit, denn sie kommt zusammen mit einer Freundin, die einen weißen Bikini und schwarze Gummistiefel trägt, zu uns herüber gelaufen. Veronica stellt sie uns als Dulce und Xochil vor. Die Brüste und der Hintern der Gummistiefelfrau sind fast schon zu gewaltig, um ästhetisch zu sein.
Palmen

Dennoch geht von ihrem prallen Körper und dem zynischen Lächeln, eine gewisse Versautheit aus. Dulce ist sowieso zuckersüß. Schüchtern bedanken wir uns für das rettende Nachtasyl und verlassen die Anlage. Die drei winken uns kichernd hinterher.
Wir durchqueren einen verwüsteten Palmenhain und erreichen Zipolite. Der Ort scheint nur aus hellem Sandstrand, blauem Pazifik, sattgrünen Pflanzen und ein paar Holzverschlägen zu bestehen. Wir laufen zu einer kleinen Ansammlung dieser Bretterbuden, mieten uns ein Zimmer und drei Hängematten am Strand.
Respektvoll beobachten wir die gigantischen Wellen, während unser „Filete de Atun“ zubereitet wird. Zwei langhaarige Kiffer-Typen setzen sich an den Nachbartisch. „Warum ist denn hier keiner im Wasser?“, fragt Matze. Es sind Deutsche und der Kerl mit der Brille erklärt, dass Zipolite in der Sprache der Zapoteken „Strand der Toten“ bedeutet. Besonders dieser Abschnitt ist für gefährliche Rückströmungen und extreme Sogs bekannt. Jedes Jahr ertrinken hier Menschen. „Lauft runter zum Playa del Amor“, endet er freundlich. Am Strand der Liebe könne man nicht ersaufen.
Christoph und Robert kommen aus dem Wedding in Berlin und scheinen in Ordnung zu sein. Obwohl der Mauerfall nun schon über zwei Jahre zurück liegt, hatten wir noch keinen einzigen Menschen aus dem anderen Teil der Stadt richtig kennen gelernt. Ost- und Westberliner waren unter sich geblieben.
Bei einer zweiten Scheibe des fleischartigen Fischs am Abend nähern wir uns langsam an. „Hey Knut, komm mal her!“, ruft Christoph einem völlig verpeilt wirkendem Typen zu, der aus der Ferne auf unsere Teller gestarrt hatte. Obwohl nur ein paar Pommes übrig geblieben waren, stürzt er sich gierig auf die labbrigen Teile und verschlingt sie schmatzend am Nachbartisch. „Jetzt habt ihr auch gleich mal Reste-Knut kennen gelernt“, sagt Robert schmunzelnd. „Der kriegt gar nichts mehr mit. Völlig durch den Wind!“ Der arme Kerl mit dem Rauschebart wäre wohl auf einer Droge hängen geblieben – Meskalin vermutlich – und habe dabei, die Fähigkeit zu Sprechen verloren. Er ist der erste Däne, den wir auf unserer Reise treffen und lebt hier von Speiseresten. Ich rufe hinüber: „Hey Knut, du alte Rinde. Dänemark ist gerade Europameister geworden!“ Er starrt mich mit ängstlichen Augen an, steht auf und verschwindet im Hain der Palmen. Christoph kullert sich eine Tüte und lacht.

Cabo San Lucas

Mein erstes westeuropäisches Reiseziel war Dänemark gewesen. Elli, Göte, Matze und ich hatten im Dezember 1989 am Bahnhof an der alten Anzeigetafel das Reiseziel „Kopenhagen“ entdeckt und spontan entschieden, in den Zug zu steigen. Die Dänen hatten uns mit einer unerwarteten Herzlichkeit und Wärme empfangen und – da wir nur wenig Westgeld mit uns führten – auch mit unzähligen Kronen aus der Patsche geholfen. Allein wegen dieser zwei Tage werde ich ihnen ein Leben lang dankbar sein. Manchmal hätte ich mir sogar gewünscht, dass dieses kleine Land unser Partner bei einer Wiedervereinigung gewesen wäre.

Wir sitzen im Sand unter den Hängematten und mischen Cola mit Bacardi. Robert ist auf das Thema Fußball angesprungen. Er hatte das EM-Finale auf dem Darß an der ostdeutschen Ostsee gesehen und beschwert sich bitterlich bei mir, dass die meisten Leute in der Bar bei den Toren der Dänen gejubelt hätten. „Seid ihr Ossis eigentlich alle bescheuert oder was?“, fragt er mit höhnischem Grinsen. Ich versuche es zu erklären. Viele meiner Landsleute hatten in den letzten zwei Jahren den Bezug zu ihren lokalen Teams verloren. Bekannte ostdeutsche Mannschaften kicken nun in tieferen Ligen und Fankurven wurden von Hooligans übernommen. Die Menschen hatten, wie ich, ihre Identifikation verloren. Millionen Ostdeutsche waren Fans von Dynamo Dresden und Hansa Rostock geworden, nur weil sie die Einzigen waren, die in der Bundesliga spielten. Warum sollten wir also nicht auch für die Dänen jubeln?
In diesem Moment sehe ich etwas Schwarzes mit zwei Scherenbeinen über den Sand krabbeln. Am Ende der panzerartigen Ringe seines Hinterleibes ragt ein sichelförmiger Stachel nach oben. Robert ruft: „Okay, ihr seid bescheuert.“ Ich springe auf, deute nervös auf das unbekannte Krebsding und brülle: „Ja!“
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yeah

Sieben Tage später: Wir hatten unsere Abreise immer wieder verschoben, doch jetzt hängen wir regelrecht fest. Göte, der bereits zweimal durch den Fluss geschwommen war, berichtete, dass die Straßen noch immer unpassierbar wären. Kein Bus, kein Taxi, kein Telefon. Wir versacken im Paradies. Ich liege in der Hängematte, schaue aufs rauschende Meer und denke an die zurückliegenden Tage. Wir hatten viele angenehme Leute getroffen und Christoph und Robert waren zu richtigen Freunden geworden. Mit Veronica, Dulce und Gummistiefel – wie sie nun alle nannten – da sie die Dinger immer trug, waren wir gleich auf die hübschesten Studentinnen der Pina Palmera gestoßen. Fast jeden Abend sitzen wir zusammen am Lagerfeuer, philosophieren über Gott und die Welt und kommen uns immer näher.
Am Ende des Strandes sehe ich Veronica winken und erwache aus meinem Tagtraum. Ich bin am Playa del Amor mit ihr und einigen, der zum Teil auch körperlich behinderten Kindern verabredet. Waren sie mir gegenüber anfangs noch ängstlich und zurückhaltend gewesen, rennen wir nun schon seit Tagen gemeinsam über den Strand und schaufeln kleine Wannen in den Sand, in denen wir stundenlang plantschen. Die kleinen Wesen, mit den schwarzen Knopfaugen, strahlen, sobald sie Vertrauen gefasst haben, eine so ansteckende Lebensfreude aus, dass ich immer ganz traurig bin, wenn wir uns verabschieden müssen. Veronica genießt meine Anwesenheit sichtlich und empfindet scheinbar auch mehr für mich. Sie hatte mir viele Wörter erklärt, indem sie Sachen mit dem Finger in den Sand malte. „Te quiero“ umschrieb sie mit einem Herz, in welchem ein Pfeil in der Mitte steckte. An die Enden zeichnete sie ein „V“ und ein „M“. Doch ich kann ihre Gefühle nicht erwidern. Eine unverbindliche, heiße Nacht, das könnte ich mir vielleicht sogar vorstellen, aber eben nicht mit Veronica. Sie ist ein naives, katholisches Mädchen, viel zu gut und zerbrechlich, um verletzt zu werden.

Veronica
Nach unserem Treffen laufe ich am Strand zurück und entdecke zwei Körper eng umschlungen im Sand liegen. Es sind Dulce und Christoph. Die Traumfrau, die so unerreichbar erschien, gibt sich vor meinen Augen, dem verpeilten, tätowierten, Kiffer-Taxifahrer aus Westberlin hin. Mann, bin ich naiv! Ich laufe zum Restaurant, bestelle Thunfisch und beschließe, mich heute abzuschießen. Reste-Knut grinst, als er sieht, dass ich die Hälfte des Essens liegen lasse und zum Lagerfeuer laufe.
Davor hockt Göte mit ein paar Einheimischen. Sie trinken Mezcal – da bin ich dabei. Auch Robert und Gummistiefel stoßen dazu. ‚Bitte nicht die beiden auch noch’, denke ich kurz, doch die Rubensfrau mit den Riesentitten setzt sich neben mich. Aus den Lautsprechern der Bar ertönt Reggae-Musik und nachdem die ersten zwei Pullen im Sand liegen, kreisen die Joints. Obwohl ich damit sonst immer sehr vorsichtig bin, ziehe ich in kräftigen Zügen, wenn ich an der Reihe bin. Das Zeug ist heftig. Die Gesichter vor mir verschwimmen und die Gespräche werden zu zusammenhangslosen Fetzen. Andererseits sehe ich bestimmte Dinge in überraschender Klarheit. Reste-Knut läuft im Schatten der lodernden Flammen vorbei. Seine Lippen bewegen sich. Er scheint: „Mark, du alte Rinde. Dänemark ist gerade Europameister geworden!“, zu sagen. Das Zeug ist zu heftig!
Mexikobilder-232
Ich lasse mich nach hinten in den Sand fallen, schaue zu den Sternen und spüre eine warme Hand auf meinem Bauch. Ein Schuh aus Gummi berührt meine Wade. Doch jemand ruft: „Hey Scheppi, lass uns baden gehen!“ Göte zieht mich nach oben. Er hatte soeben mal wieder den Mezcal-Wurm verspeist und scheint, wie ich, dicht zu sein. Eine Abkühlung könnte uns nicht schaden. Als ich meine Short ausziehe, beobachte ich, wie Gummistiefel lächelnd meinen Schwanz betrachtet.
Nackt stürzen wir uns in den tiefschwarzen Ozean. Wir sind bereits hüfttief im Wasser und ich bilde mir ein, dass die nächtliche Brandung nun noch viel gewaltiger gegen den Strand donnert. Eine Welle trifft mich mit voller Wucht. Sie wirbelt mich herum und drückt mich zu Boden. Mein Körper wird von einem kräftigen Sog erfasst und als ich den Kopf endlich wieder über die Wasseroberfläche bekomme, habe ich die Orientierung verloren. Ich kann nicht mehr erkennen, wo Horizont und Ufer sind, und rufe in panischer Angst nach Göte. Der nächste Brecher haut mich um. Es fehlt mir die Kraft, mich aufzurichten und ich ahne, dass ich jetzt sterben werde. Die nächste Mörderwelle rollt über mich hinweg. Plötzlich umfasst jemand von hinten meinen Arm. Ich schreie, spüre aber zugleich, dass mir die bärenstarke Hand zu helfen versucht. Meine Füße berühren wieder den Meeresboden und an Land ist ein kleines Licht zu sehen. Zusammen mit Matze falle ich entkräftet in den Sand.
Copper Canon 2

Nach fünf Minuten steht er auf und geht wortlos zurück zu unserer Hütte. Ich bin kurz davor laut loszuheulen, als sich Göte neben mich setzt. Matze, der seit Tagen fiebrig erkältet ist, hatte ihn noch vor mir an Land gezogen. Auch Göte geht schlafen, doch ich brauche noch etwas Zeit für mich. Mit pochenden Schläfen schraube ich den Verschluss der Flasche auf und trinke in kräftigen Zügen. Meine, um den Schnaps geschlungenen, Fingerknöchel werden immer weißer…

– Die hier nun folgende krasse Sexszene gibt es nur im Buch –

…gegen 12 Uhr wache ich auf. Oh Mann, hab ich einen Schädel! Ich lege mir das Handtuch über die Schultern und laufe zum Strand. Matze kommt mir entgegen…

Zum Weiterlesen…


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Fußballweltmeister 2014 in Brasilien

16. Juli 2014 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

FortalezaOkay, ich habe in meinen “90 Minuten Südamerika” recht behalten: Deutschland ist 2014 Fußballweltmeister geworden. Das wird in diesem Buch für immer – wie in Stein gemeißelt – stehen.
Doch viel wichtiger: Wir haben unsere Träume nicht nur angeträumt, sondern waren tatsächlich live in Brasilien dabei. Es war fantastisch!

Die Widmung im Buch lautete: Du lebst nur einmal im Jetzt und Hier. Genieße den Augenblick …

Ach so. Wer mein Buch “90 Mintuten Südamerika” bisher noch nicht kennt, kann hier einen Einkauf tätigen.

Und für alle, die das noch immer nicht kapiert haben: “Say NO to rasism! Viva Brasil
90 Minuten Rio
Morro

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Machu-Pichu

„90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentauf-nahmen einer riesigen Weltkarte.”
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11 Freunde – Magazin für Fußballkultur, Juli 2011

Südamerika und Fußball. Natürlich war dies mein erster Ansatzpunkt für ein neues Buchprojekt. Ich hatte so viele Geschichten in meinem Hirn gespeichert und könnte sicherlich mit großer Hingabe davon berichten. Nur wie?

Cover 90 mittel

“Fernweh und Fußballfieber garantiert.”
AMERICALATINA – Magazin für Lateinamerika, März 2012

Keinen neuen Reiseführer oder öde Erlebnisberichte in Tagebuchform wollte ich schreiben. Auch ein Werk über die südamerikanische Begeisterungsfähigkeit kam für mich nicht in Frage. Nichts über den besonderen Stellenwert, der diesem Spiel im Lande Pelés und Maradonas beigemessen wird. Etwas Neues, Originelles und Ungewöhnliches sollte entstehen und dennoch ein Buch, das zwei große Leidenschaften meines Lebens vereint: Südamerika und Fußball.

“Ich habe rumgestöhnt, weil ich das Buch verdammt schnell fertig gelesen habe, weil ich es geil fand, und weil ich – dafür verfluche ich dich Mark Scheppert – jetzt unbedingt nach Südamerika will.”
Fritten, Fussball & Bier, Aug. 2011

Klappentext:
„Schon wieder Südamerika? Ich hielt das zunächst für ein typisches Ossi-Ding, bis ich begriff, dass 23-mal hintereinander nach Mallorca zu fliegen durchaus ein gesamtdeutsches Phänomen ist.“

Mark Scheppert nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise durch Lateinamerika und lässt uns an einer ganz besonderen Suche teilhaben. Auf seinen abenteuerlichen Trips durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela verändert sich in zwanzig Jahren nicht die Welt um ihn herum, sondern auch sein Heimatland. Parallel dazu entwickelt sich eine Beziehung zum Fußball, die 1990 ablehnend beginnt, in jugendliche Schwärmerei umschlägt und in euphorischer Begeisterung mündet.

“Heiss auf die Fussball WM 2014? „90 Minuten Südamerika“ heizt ein.”
Reisemagazin Lateinamerika, Jan. 2012

Die facettenreichen, mal lustigen, mal berührenden Anekdoten lassen Erinnerungen an große Lieben, Freundschaften, Enttäuschungen und Sehnsüchte lebendig werden. Mit einer Sprache, die nicht nach Reiseführer und Merian-Heft schmeckt, versucht Scheppert, den Leser mit dem Südamerika-Virus zu infizieren und ihn auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien einzustimmen.

“Blond, deutsch und Fußball-Fan: So zieht man in Paraguay schnell die Blicke auf sich. Besonders dann, wenn man beim 1:0 für die Heimat vor Glück einen ganzen Häuserblock zusammenbrüllt – und dem Gastgeber später bei einer WM im Armdrücken doch noch zum Sieg verhilft.”
Spiegel Online

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90_minuten_cover_kl90 Minuten Südamerika” bei amazon.de


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“Suff, Sex & Nationalmannschaft”
Der Tödliche Pass, Okt. 2011

Rezensionen “90 Minuten Südamerika”:

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Confed Cup 2013 Brasilien

11. Juni 2013 | von | Kategorie: Blog

90 Minuten Südamerika

Rechtzeitig vor dem Confed-Cup 2013 und der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist mein Buch “90 Minuten Südamerika” erschienen. Es ist ein Reise- und Fußballroman und ein Buch über große Freundschaften, Liebe und die Suche nach dem Glück.

Es war gar nicht so einfach gewesen, nach dem „Mauergewinner“ ein zweites Werk zu verfassen, da man plötzlich viel höhere Ansprüche an sich stellt. Irgendwann habe ich jedoch gefühlt, dass ich meinem Stil und vor allem meiner Sprache treu bleiben muss: Schnoddrig, direkt und offen – gewürzt mit Herzblut und Gefühl. Ob mir das gelungen ist?

Hier könnt Ihr das Buch bestellen und ggf. rezensieren:
90 Minuten Südamerika bei Amazon

Klappentext:

“Schon wieder Südamerika? Ich hielt das zunächst für ein typisches Ossi-Ding, bis ich begriff, dass 23-mal hintereinander nach Mallorca zu fliegen durchaus ein gesamtdeutsches Phänomen ist.”

Mark Scheppert nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise durch Lateinamerika und lässt uns an einer ganz besonderen Suche teilhaben. Auf seinen abenteuerlichen Trips durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela verändert sich in zwanzig Jahren nicht nur die Welt um ihn herum, sondern auch sein Heimatland. Parallel dazu entwickelt sich eine Beziehung zum Fußball, die 1990 ablehnend beginnt, in jugendliche Schwärmerei umschlägt und in euphorischer Begeisterung mündet.

Die facettenreichen, mal lustigen, mal berührenden Anekdoten lassen Erinnerungen an große Lieben, Freundschaften, Enttäuschungen und Sehnsüchte lebendig werden. Mit einer Sprache, die nicht nach Reiseführer und Merian-Heft schmeckt, versucht Scheppert, den Leser mit dem Südamerika-Virus zu infizieren und ihn auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien einzustimmen.

„Blond, deutsch und Fußball-Fan: So zieht man in Paraguay schnell die Blicke auf sich. Besonders dann, wenn man beim 1:0 für die Heimat vor Glück einen ganzen Häuserblock zusammenbrüllt – und dem Gastgeber später bei einer WM im Armdrücken doch noch zum Sieg verhilft.“
Spiegel Online

Und hier noch der Trailer zu “90 Minuten Südamerika”:

Rezensionen:

„90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentaufnahmen einer riesigen Weltkarte. —11 Freunde 116, Juli 2011

„90 Minuten Südamerika“ macht Laune und Lust alles Stehen und Liegen zu lassen, um in den nächsten Flieger nach Übersee zu steigen. —Ingo Braun (Autor „Von Haifa bis Havanna“), Juni 2011

Wie das bei Männern so ist, gibt es jede Menge Abenteuer, der Alkohol steht neben dem Fußball ganz vorn, aber auch die Frauen stehen nicht im Abseits, sondern eher im Mittelfeld oder im Sturm. —Literatwo, Juni 2011

Das Werk ist weder ein Fußballbuch noch ein Reiseführer. Vielmehr ist es eine Liebeserklärung an einen Kontinent, in dem 2014 die Weltmeisterschaft stattfinden wird. —Fussball-Kurve, Juni 2011

11freunde Rezi Scanner

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Rezension und Interview zu “90 Minuten” auf “Spielfeldrand”-Magazin

19. Juli 2011 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog
Andre Gierke

Andre Gierke

Eine schöne Rezension plus Interview gibt es seit heute auf Spielfeldrand – Das Magazin . Das ist eine sehr gut gestaltete und informative Seite von Andre Gierke rund um den “EffZeh”. Ich find´s ganz cool, dass sich jetzt auch mal ein “Vereinsblog” meines Buches angenommen hat. Na gut, Poldi kommt ja im Buch auch vor…

Rezension:

Mal was abseits des Alltagsgeschäfts. Wäre direkt nach Saisonschluss vielleicht noch passender gewesen, um den werten Lesern einen Buchtipp für die fußballlose Zeit an die Hand zu geben. Aber wenn ich die 150 Seiten in acht Tagen bewältigt habe, dann schafft ihr das bis zum Bundesligastart locker.

Ich bin kein besonders schneller Leser, es ist ziemlich mühselig, wenn ich mich durch die Seiten quäle. Da vergeht schon mal eine Saison, um in den Fußballjargon einzusteigen, ehe ein Buch zur Seite gelegt werden kann. Vielleicht liegt es an den Themen, ich weiß es nicht, aber das Fußballbuch (der Autor selbst bezeichnet es nicht so!) von Mark Scheppert war innerhalb einiger Tage bewältigt.

Worum geht es bei “90 Minuten Südamerika”? Es ist eine Mischung aus Tagebuch, Reiseführer und Fußballgeschichte. Scheppert hat seine Urlaube in Südamerika niedergeschrieben und dabei Verbindungen zum Sport mit dem runden Leder geknüpft. Hatte ihn die WM 1990 noch gar nicht interessiert (milde ausgedrückt), so sind seine Reisen in den kommenden Jahren immer stärker vom Fußball geprägt. Es ist Gesprächsthema, ein Grund den Wecker mitten in der Nacht zu stellen und allein mit der Freundin in einem Strandcafé zu sitzen. Hauptsache, man fiebert auch tausende Kilometer entfernt mit.

Begleitet wird er oft und gern von seinen besten Freunden, Alkohol und etlicher Frauengeschichten. Es ist ein Einblick in seine Jugend und in die Menschen des Kontinents. Immer direkt, immer ehrlich. Und hoffentlich mit den richtigen Visionen. Denn ein Priester, eine Vogelspinne und ein Riesenkrebs sagten schon vor Jahren voraus, dass Deutschland erst 2014 wieder Weltmeister werden wird!

Ein wenig mehr zum Buch verrät der Autor am besten selbst…

… und hier gehts zum Interview

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Meine Frauenfußball-WM bei Fritten, Fussball und Bier

16. Juli 2011 | von | Kategorie: Blog

Sylvie JubelBei “Fritten, Fussball und Bier”, dem alternativen Fußballblog wurde bereits am 11. Juli mein Artikel “Marta” zur Frauenfußball-WM 2011 veröffentlicht.
Ich bin selbst überrascht, dass ich mit meinen Prognosen zum Ausgang dieser WM voll ins Schwarze getroffen habe. Na gut, noch steht ja das Finale am Sonntag an, aber das wird wohl schon alles so eintreffen…

Hier geht es zur Story auf Fritten, Fußball und Bier

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Rezi zu “90 Minuten Südamerika” bei Ostfussball.com

15. Juli 2011 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

WeltzeitEine sehr positve Rezension gibt es seit heute auf Ostfussball.com. Die informative Seite beschäftigt sich ausführlich und sehr detailreich mit fast allen Fußballvereinen aus der ehemaligen DDR und ist in der Szene eine bekannte Größe im Web.

Rezension:

Der Titel des Buches gibt bereits vorab zu verstehen, dass es irgendwie um Fußball und um diesen fernen Kontinent gehen soll, von denen wir alle schon einmal irgendwann geträumt haben. Fußball und Südamerika – da war doch was? Achja, die nächste Fußballweltmeisterschaft steigt 2014 in Brasilien! Und was könnte einen Besuch am Zuckerhut besser vorbereiten, als ein gut geführter Reiseführer.

Und so lernt man schnell in Mark Scheppert`s Lektüre “90 Minuten Südamerika”…

Wenn ihr hier klickt, könnt ihr die Rezi weiterlesen.

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Rezi von “90 Minuten” bei Fritten, Fussball & Bier

4. Juli 2011 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

Fritten-Bild
Seit heute (4. Juli 2011) gibt es eine sensationell gute und ausführliche Rezension meines Buches “90 Minuten Südamerika” bei “Fritten, Fussball & und Bier” – dem alternativen Fußball-Blog. Deren Seite heißt übrigens www.soccer-warriors.de und ist in der Szene nicht ganz unbekannt.

Ich finde die Seite hervorragend gestaltet und äußerst informativ. Sämtliche Artikel sind gut recherchiert und leicht & locker geschrieben – eben lesenswert. Dass sich der “Frittenmeister” so intensiv mit meinem Buch auseinander gesetzt hat, finde ich durchaus beachtenswert und freut mich natürlich sehr.

Rezension

Puh…ich habe fertig! Mit was? Ja mit dem Buch „90 Minuten Südamerika“ von Mark Scheppert und verdammt, ja, ich fand das Ding geil. Da kommt einer und erzählt mit auf 156 Seiten was von Südamerika, von Freundschaft, von verdammt viel Bier und von seiner Suche nach seiner Heimat! Wie, versteht ihr nicht? Der ist doch aus Deutschland und wieso sucht er jetzt dann? Und was hat das mit Fussball zu tun? Und überhaupt, wieso stöhne ich am Anfang meiner Buchkritik gleich rum? Fragen über Fragen, die ich nur zu kleinen Teilen beantworten kann. Rumgestöhnt habe ich, weil ich das Buch verdammt schnell fertig gelesen habe, weil ich es geil fand, und weil ich – dafür verfluche ich dich Mark Scheppert – jetzt unbedingt nach Südamerika will…

Hier könnt ihr die Rezi bei Fritten, Fussball und Bier weiterlesen

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Frauenfußball-WM 2011

1. Juli 2011 | von | Kategorie: Blog

Mädchen Strand

Warum hörte ich eigentlich gerade von den Mädels aus meinem Freundeskreis vor dem bedeutenden Ereignis im eigenen Land immer wieder: „Ihr wollt nicht wirklich diese WM tippen?“
Natürlich schauten wir auch die Frauenfußball-WM, wetteten auf die Ergebnisse und fieberten mit! Letztendlich waren wir 24 Leute geworden, die täglich gebannt verfolgten, ob ihre Tipps mit den tatsächlichen Resultaten übereinstimmten. Meine Prognosen standen allerdings schon längst vor der WM 2011 fest. Ein Rückblick…

‚Die USA vor Japan, Frankreich und Deutschland. Das macht ja überhaupt keinen Sinn’, dachte ich verwirrt. Wir saßen im Oktober 2010 an einem Fluss im Brasilanischen Pantanal und genossen den Sonnenuntergang. Soeben hatte unser Tourguide Alex ein Piranha-Wettangeln veranstaltet. Das Ergebnis werde uns prophezeien, wer die nächste Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt, hatte er lächelnd verkündet. Und nun das: USA vor Japan und Frankreich?

Pascal, der 1,90 Meter-Hüne nahm nicht teil. Er ist der gütigste Mensch den ich kenne und tötet keine Tiere. Ich jedoch zog sogar mein Deutschland-Trikot an, um später Beweisfotos zu haben, die, bei einem grandiosen Sieg, meine Theorien zum WM-Ausgang 2014 untermauern sollten. Sylvie wollte komischerweise für die USA ins Rennen gehen und als sich Jenna für Frankreich entschied, war mir klar: die Schweine hatten vor mich zu verarschen. Das waren ja nicht gerade meine „Lieblingsländer“. Doch Jenna war, wie die kleine Japanerin – die für hier Heimatland startete – zu vernachlässigen. Der Typ hatte noch nie zuvor gefischt und ich war in meiner Jugend sogar im Angelverein gewesen.

Angeln

Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass die Fische in den hiesigen stillen Gewässern, im Gegensatz zum Amazonas, wo Sylvie und ich, Familie Reintsch aus Österreich vor Jahren gemeinsam mit 3:0 geschlagen hatten, bei jedem einzelnen Auswerfen sofort anbissen („I werd narrisch“, hatte Vater Reintsch damals unentwegt gebrüllt). Während Sylvie – unter Anleitung von Alex – einen Piranha nach dem anderen an Land zog, bekam ich das rohe Fleisch mit meinen Wurstfingern nicht schnell genug auf den Haken oder kriegte die Fische mit den messerscharfen Beißern dann nicht mehr ab. Gleichzeitig stand ich ganz außen, dort, wo ständig ein zwei Meter großer Kaiman mit gierigem Maul, bedenklich nah an mich heran gekrochen kam. Als Alex „time is over“ rief, hingen dennoch drei Zahnfische an meinem Stöckchen. Doch Sylvie hatte acht aufgefädelt und auch Jenna schlug mich mit vier. Die Japanerin hatte sogar sechs Piranhas gefangen. Was für ein Mist!

Ich Angeln

Jenna, Pascal und ich saßen in Liegestühlen auf einem Hügel und lauschten dem vielstimmigen Kreischen der Vögel, das den nahenden Sonnenuntergang verkündete. Einige Kaimane lümmelten träge am Flussufer herum und schauten uninspiriert auf, wenn wir eine Brahma-Dose aufzischen ließen. Das mit dem Wettangeln hatte also nicht funktioniert, doch es war mir egal. Mutter Natur zeigte sich gerade von seiner Honigseite. Jenna drehte sich zur Seite und prostete mir zu. „War doch nur die Weiber-WM 2011, Scheppi.“ Ich lächelte dankbar zurück. Richtig! Sylvie hatte gewonnen. Erster USA, Zweiter Japan und Dritter Frankreich. Das machte ja sogar halbwegs Sinn!

Jenna

Als wir zum Camp zurückliefen, kamen mir die Schwedinnen aufgeregt entgegen gerannt. Schlechte Nachrichten: Sylvie ging es überhaupt nicht gut. Geschockt begleitete ich sie ins Zimmer der Frauen und betrachtete mein süßes Mädchen. Sie war von Kopf bis Fuß mit dicken, roten Beulen übersät, so als wäre sie von hunderten Hornissen gestochen worden. Stolz, wie eine Indianerin, hatte sie vorhin nicht groß über den Stich des wespenartigen Viehs gejammert und lediglich gesagt, dass sie schon vorginge. Doch scheinbar hatte sie allergisch darauf reagiert.
Sich selber nicht so wichtig nehmen, ist ihre Lebensdevise. Mir gefällt das eigentlich, doch augenblicklich spürte auch ich einen Stich – in der Herzgegend. Das Reisen in Südamerika kitzelte seit jeher große Gefühle aus mir heraus. Ich liebte dieses kleine Wesen dort unten im Bett abgöttisch und wusste plötzlich wieder, dass ich nie mehr im Leben ohne sie sein kann.
Pascal beruhigte mich und zusammen mit Diane besuchten wir Sylvie jede Stunde. Antiallergikum und Wasser schienen zu helfen und bevor sie einschlief, beglückwünschte ich sie nochmals zum Angelsieg und zum Gewinn der Frauen-WM. Sie fragte: „Kennst du denn auch eine Fußballspielerin?“ „Ja, Marta!“, antwortete ich überraschend spontan und gab ihr einen Gute-Nacht-Kuss. Die weltbeste Fußballerin kannte sogar ich. „Die spielt aber leider für Brasilien und nicht für ‚deine’ USA!“, flüsterte ich ihr ins Ohr. Sie lächelte. Am nächsten Morgen ging es ihr besser, doch sie fühlte sich noch zu schwach, um auf die Bootstour mitzukommen.

Caiman

Ich hatte es schon in den ersten Tagen festgestellt: für Normaltouristen, wie uns, schlug das Pantanal, das Amazonasgebiet um Längen. Sicherlich gab es im Dschungel am großen Fluss mehr Tier- und Pflanzenarten, doch man sah sie dort einfach nicht. Das unkontrollierte Wuchern von Bäumen und Sträuchern verhinderte oft einen Blick in diese einzigartige Welt. Im Pantanal, dem größten Binnenland-Feuchtgebiet der Erde, liefen wir durch lichtdurchflutete Wälder, ritten über steppenartige Ebenen und beobachteten an großen Wasserlöchern, wie sich Brehms-Tierleben versammelte. Der „Scheiß-Sumpf“, wie ihn Jenna vorher noch bezeichnet hatte, war das schönste und artenreichste Naturparadies, das ich jemals in Südamerika gesehen hatte. Die sportbegeisterten Schwedinnen riefen einen regelrechten Wettkampf aus, wer die spektakulärsten Tiere fotografierte. Doch obwohl wir in unterschiedlichen Tourgruppen unterwegs waren, sahen wir letztendlich die gleichen Sumpfhirsche, Ameisenbären, hyazinthfarbene Aras, Tukane, Raubvögel, Riesenstörche, Brüllaffen, Riesenotter, Leguane, Kaimane usw.

Aras

Als wir mit dem Boot starteten, waren wir ihnen lediglich zwei Gürteltiere voraus, während sie schon ein Wasserschwein gesehen hatten. Diane und Susan warfen die Angeln aus und brüllten uns hinterher: „More than eight.“ ‚Niemals würden sie mehr als acht Piranhas fangen’, dachte ich und schrie zurück: „And we will see a jaguar!“
Das Wasserschwein war schnell abgehakt, doch einen Jaguar sahen wir natürlich nicht. Er ist die größte Katze und das Tier der Tiere auf diesem Kontinent. In fast allen alten Kulturen, wurde er gottgleich verehrt, doch in unserem Zeitalter sieht man ihn nur noch sehr selten. Den letzten hatte hier jemand vor sechs Wochen gesichtet und Alex sogar noch nie einen. Er hatte allerdings auch kein besonders gutes „Tierauge“. Oftmals erblickten wir eine Spezies zuerst und fragten unseren erstaunten Guide, was das eigentlich war.
Die Fahrt auf dem spiegelglatten Fluss glich einer Biologiestunde. Lediglich die Flummiball-Ähnlichen Augen von Caimanen trieben ab und an bedrohlich auf der Wasseroberfläche. Alex hatte uns erklärt, dass diese südamerikanische Krokodilart hier reichlich zu fressen fände, da unter uns Abermillionen Piranhas schwämmen. Die lieben stille Gewässer, denn sobald es etwas Strömung gebe, könne man sogar halbwegs gefahrlos baden. Hier jedoch bewegte sich – wie auf einem ollen Ententeich bei Windstille – nichts. Tausende verschiedenfarbige Vögel standen am Ufer oder saßen hoch oben auf den Bäumen und achteten darauf, dass sie den gefährlichen Fleischfressern bloß nicht zu Nahe zu kamen.
Begeistert tuckerten wir den Fluss in umgekehrter Richtung wieder zurück.
Wahrscheinlich waren wir zu schwer, denn wir strandeten auf einer Sandbank und Alex forderte uns lächelnd auf, mal kurz auszusteigen. Wie dumm, gerade noch gehört und schon wieder verdrängt: Mein Gehirn verarbeitete erst, als wir wieder an Bord waren, dass wir soeben in einem fast regungslosen, extrem Piranha-verseuchtem Gewässer gestanden hatten. Horror!
In diesem Moment raschelte es neben uns im Dickicht. Bis auf Alex sahen wir ihn alle gleichzeitig. Mit funkelnden Augen schaute uns ein ausgewachsener Jaguar an. Es war der magische Augenblick, das Non-Plus-Ultra, das unbeschreibliche Highlight und das intensivste Gefühl meiner bisherigen Reisen. Das muskulöse Raubtier hätte mit einem Satz jederzeit auf unseren Bug springen können, doch es schaute uns nur fragend an und schlug seine Pfoten elegant übereinander. Als die Großkatze fast geräuschlos wieder im Urwald verschwand, schwiegen wir minutenlang andachtsvoll. Alex standen Tränen der Rührung in den Augen und ehrlich gesagt: mir auch.

Marta groß

Diane und Susan, die jeweils fünf Piranhas gefangen hatten, konnten es nicht fassen, als wir ihnen freudestrahlend die Bilder zeigten. Ich dachte kurz darüber nach, dass „uns“ jetzt auch noch Schweden im Wettangeln geschlagen hatte und Deutschland bei der Frauen-WM somit nicht einmal ins Halbfinale käme. Aber so weit würde es schon nicht kommen. War ja eh alles nur Quatsch!
Auch die anderen Leute im Camp waren neidvoll begeistert. Obwohl ich gleich zu Sylvie rennen wollte, sollte ich die Fotos zunächst noch Carlos zeigen. Er unterhielt eine Datenbank, in der alle Jaguare geführt waren, die in dieser Region bisher gesichtet wurden. Anhand der markanten schwarzen Ringflecken könne er uns sofort den Namen nennen. Doch unser Weibchen wurde noch nie zuvor gesehen. Er bat Alex, Jenna, Pascal und mich, das Tier zu taufen und alle hatten scheinbar dieselbe Idee. „Wartet!“, rief ich.
Natürlich war Sylvie todtraurig, dass sie soeben nicht dabei gewesen war und zugleich gerührt, dass sie die Namensgeberin eines so bedeutenden Tieres werden sollte. Sie zog mich nach unten ins Bett, nahm mich in die Arme und flüsterte: „Das ist ja süß, aber ich möchte nicht, dass euer Jaguar Sylvie heißt.“ „Warum denn nicht?“, antwortete ich enttäuscht. „Hast du eine bessere Idee?“ Sie lächelte mich an. „Wir sind ja schließlich in Brasilien. Nennt ihn bitte Marta!“
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Ach so: obwohl ich bei unserer Tipprunde die Einzelergebnisse nicht sonderlich gut getippt habe, stehe ich momentan übrigens prima da!
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Hier der Endstand:

1. Ullibulli 50
1. larubia (also icke) 50
3. Domino Stein 48
3. Dillinger 45
5. Marco Rockz 47
6. Agent 46
6. Katia 46
6. OLÈ 46
9. Uli Bier-Off 42
9. Eckfahne 42
11. Sexmachine 41
11. Taavi 41
11. Team Durchblick 41
14. Kreiselchen 40
14. Katinka 40
16. Frauenglück 39
17. Dicke 38
17. Sportfreundin 38
17. King Kaulsdorf 38
20. Shaka Ziggi 37
20. Schöne Müllerin 37
20. Didi 37
23. Prinzessin Lulu die Gütige 36
24. Dentöse 33
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Hier noch der Trailer zu 90 Minuten Südamerika

Rezensionen:

„90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentaufnahmen einer riesigen Weltkarte. —11 Freunde 116, Juli 2011

Was macht der Fußball aus Menschen? M. S. war 1990 noch peinlich berührt, als Deutschland den Titel holte. 20 Jahre später bejubelte den legendären Sieg über England – und wurde auf einem Partytrip ins Land des Weltmeisters endgültig zum Patrioten.
Spiegel Online, Juli 2011

„90 Minuten Südamerika“ macht Lust und Laune alles Stehen und Liegen zu lassen, um in den nächsten Flieger nach Übersee zu steigen. —Ingo Braun (Autor „Von Haifa bis Havanna“), Juni 2011

Wie das bei Männern so ist, gibt es jede Menge Abenteuer, der Alkohol steht neben dem Fußball ganz vorn, aber auch die Frauen stehen nicht im Abseits, sondern eher im Mittelfeld oder im Sturm. —Literatwo, Juni 2011

Das Werk ist weder ein Fußballbuch noch ein Reiseführer. Vielmehr ist es eine Liebeserklärung an einen Kontinent, in dem 2014 die Weltmeisterschaft stattfinden wird. —Fussball-Kurve, Juni 2011

Nadja 3 Brasili

Südamerika, Alkohol, Frauen und Fußball. Ach ja, die Freundschaften und die Abenteuer darf man nicht vergessen, aber genau diese Mischung macht das Buch zu einem verdammt guten Buch. Auch weil jeder von uns sich nach solchen Trips und nach solchen Erlebnissen sehnt. Fritten, Fussball & Bier – der alternative Fußballblog, Juli 2011

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Rezi zu “90 Minuten” von Buchautor Ingo Braun

21. Juni 2011 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

MengoSeit ein paar Tagen gibt es eine neue – sehr erfreuliche – Rezension zu meinem Buch “90 Minuten Südamerika”. Besonders freut mich, dass der Autor des Artikels Ingo Braun heißt, der selbst bekannter Buchautor ist.
Sein Buch “Von Haifa bis Havanna” ist das wahrscheinlich beste Buch über “Groundhopping” – zumindest aus Deutschland. Faszinierend, lustig und total verrückt. Wie gesagt, schön, dass ein Mensch, der sich irgendwann einmal vorgenommen hat, in jedem Land dieser Erde einen “Ground” zu machen, auch mit meinem Werk etwas angefangen kann.

Ach so, hier geht es zur entsprechenden Rezi von “90 Minuten Südamerika”
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…und wenn wir schon einmal dabei sind: hier noch eine coole Rezi auf Lovelybooks von BRB-Jörg

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Sommerpause

7. Mai 2010 | von | Kategorie: Blog

Machu-Gut

Da nun “leider” die Fußball-WM stattfindet und im Anschluss die Sommerferien beginnen, findet die nächste Lesebühne erst wieder am 09.09.2010 im Tasso (Berlin-Friedrichshain) statt.
Hier könnt Ihr so lange  meine WM-Erlebnisse 2006 auf Spiegel Online lesen:

Hier der Link zu SPON:

WM 2006 im Ausland auf Spiegel Online

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