Posts Tagged ‘ Fußball-WM 2014 ’

Alle Zweifel beseitigt – Fußball-WM 2014

14. April 2015 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

P1110239„Geheimnisvolle Wahrsagungen, Spinnen, Krebse und eine innere Stimme sagen mir, dass Deutschland 2014 Fußball-Weltmeister wird.“ Mark Scheppert, Juli 2011
——-
„Mein Gott, ja, die deutsche Mannschaft hat den WM-Titel geholt. Das ist auch schon alles. Wenn ich nochmal irgendwo lese, wie deutsch alles ist und wie toll oder doof das ist, lasse ich auf den Schreiber einen deutschen Schäferhund los! Oder eine britische Bulldogge, ist mir ganz schnuppe.“ Agnieszka Debska, Juli 2014
——-
22. Juni 2014. Ein sternenklarer Himmel erstrahlt über der Honiglippen-Bucht von Fortaleza und der Mond übergießt sie mit sanftem Licht. Doch die subtropische brasilianische Stadt schläft noch nicht. Auf der lang gezogenen Strandpromenade spielt sich gerade ein episches Drama ab – und ich bin mittendrin. Vor 30 Minuten hatten wir einen zusammengewürfelten Haufen von Ausländern zusammengestellt, um gegen heimische Jungs in einem spontanen Fußballmatch anzutreten. Sechs gegen sechs mit zwei Wasserflaschen als Pfosten, auf den noch immer warmen Steinplatten der fünftgrößten Stadt des Landes. Es ist ein hart umkämpftes Match mit einem äußerst unerwarteten Zwischenergebnis.
Doch genau in diesem Moment verlieren wir das Leder und die oberkörperfreien Gegner starten einen Angriff. Der Ball läuft plötzlich schnell, gekonnt und über viele Stationen durch ihre Reihen, ohne dass wir eine Chance haben, an ihn zu gelangen. Fast vorhersehbar, gelingt als Abschluss der Stafetten ein sehenswerter Treffer ins lange Eck. Doch kein lauter Jubel oder Freudenschrei ertönt. Ganz im Gegenteil: Der stämmige Anführer des Trupps schnappt sich mit wütendem Gesichtsausdruck den Ball, ruft seiner Clique etwas zu und verschwindet mit ihnen – nachdem sie uns auch noch die Pfosten geklaut hatten – in eine dunkle Seitenstraße.
P1110242

„Hey, lasst doch wenigstens den Ball hier“, ruft Erni auf Deutsch hinterher. Doch sie können oder wollen ihn nicht verstehen. Ein Typ, der mir schon im Spiel auf die Eier ging, dreht sich noch einmal um, macht eine eindeutige Handbewegung und rennt dann den anderen hinterher. Wir schauen uns an – und grinsen. Erni stimmt ein Lied von Queen an und zusammen mit den uns bisher so frenetisch unterstützenden Zuschauerinnen schreien wir es in die laue Nacht von Fortaleza. Soeben wurden all meine Zweifel bezüglich eines möglichen WM-Halbfinales gegen Brasilien beseitigt. Selbst wir Anfänger hatten diese eigensinnigen Kids leicht & locker im Team-Play mit 6:1 geschlagen. Und das nur wenige Stunden nach meinem ersten, live im Stadion erlebten WM-Match von Deutschland gegen Ghana! Kann jetzt mal bitte alles kurz stillstehen? Kann diese Welt mal ganz kurz aufhören, sich weiterzudrehen? Es ist ein Augenblick der wie eine Lichterkette durch mein Herz rast. Nur für diese eine Nacht hat sich diese Reise schon mehr als gelohnt!

2006 hatte mir Sylvie die Pistole auf die Brust gesetzt! Weltreise, jetzt, sofort! Ohne Rücksicht auf eine Fußball-WM im eigenen Land. 2014 konnte ich mich revanchieren und ihr eine Panzerfaust an die Schläfe drücken. Die WM in Brasilen, jetzt, sofort! Ohne Rücksicht auf Verluste.
Die einjährige Tour wird wohl die schönste Reise meines gesamten Lebens bleiben und seither bemitleide ich Menschen, die immer mit aller Härte auf ihre Träume eintreten, die stets Zweifel plagen und eine Ausrede finden, allerlei Vorhaben ins Alter zu verschieben. Kennt ihr jemanden, der auf dem Sterbebett bereute, nicht noch mehr Zeit in einem stickigen Büro verbracht zu haben? Brasilien ich komme!

Nach einer kurzen Nacht fliegen wir zu fünft um 7 Uhr nach Lissabon. Dort haben wir Aufenthalt bis 13 Uhr. Wir tuckern mit der U-Bahn in die Altstadt bevor es zurück zum Terminal geht. Als ich dort auf einen der Bildschirme starre, falle ich fast in Ohnmacht. Unser Flug hatte Lissabon um 10.40 Uhr in Richtung Recife verlassen. Mir wird kotzübel und auch Jenna läuft sofort kreideweiß an. Scheiße, haben wir gerade wirklich unsere Brasilien-Maschine verpasst? Die Mädels grinsen – ich würde ihnen am liebsten eine reinzimmern. Freund Erni versteht nur Bahnhof.
IMG_6732
Am Flugsteig herrscht heilloses Durcheinander. Auch vielen anderen Reisenden steht die Panik ins Gesicht geschrieben. Erst nach zwei quälenden Stunden stellt sich heraus, dass dies der Flieger vom Vortag gewesen war. Wir müssen nun eine Nacht warten. Busse bringen uns in ein Marriott mit Suiten und einem Mega-Pool, doch unser Gepäck ist bereits eingecheckt. Im Schlüpfer hechten wir in hellblaue Fluten während Danny bezahlbares Bier in der Gegend besorgt. Gutes Mädchen!
Um 4 Uhr morgens werden wir wieder zum Flughafen gekarrt. Dort heißt es einmal mehr Warten, doch um 7 Uhr startet unter lautem Jubel endlich der Flieger ins Land von Pelé und Neymar. Um 10 Uhr ist das Bier und um 12 Uhr der Wein an Bord alle!
Anders als geplant, erreichen wir Recife nun gegen Mittag und da der Fahrer nun fast schon einen Tag – mit einem „Mark Scheppert-Schild“ auf uns wartet, lassen wir uns von ihm ins Hotel nach Olinda chauffieren, obwohl wir tagsüber auch mit Bus und Bahn für ein Viertel des Preises hingekommen wären. Die in der Sonne funkelnde Stadt hat sich herausgeputzt. Ein grün-gelbes Girlanden-Meer bis zum Horizont. Brasilien ist im Fußballfieber. Ein Traum wird wahr – mit Zuckerhut!
Da Recife – auch als Austragungsort von WM-Spielen – als gefährliche Metropole gilt, nicht nur weil es in der Stadt, deren Name sich von „Riff“ ableitet, öfter zu tödlichen Haiangriffen kommt, haben wir uns in die historische Altstadt von Olinda, knapp 20 Kilometer entfernt, eingebucht. Doch in dem idyllisch an grünen Hügeln gelegenen Weltkulturerbe-Ort scheint während der Fußball-WM, der Hund begraben zu sein. Alle Kopfsteinpflaster-Straßen entlang pastellfarbener Kolonialhäuser sind zwar reich geschmückt aber fast menschenleer.
In der Pousada “São Francisco” reichen dann allerdings einige elegante Wörter, um sofort die Herzen der Angestellten zu erobern. „Por favor“ (Bitte), „Obrigado“ (Danke), „Muito bom“ (Super) gehören ebenso dazu, wie „Cerveja” (Bier), „Caipirinha“ und „Cinco mais” (noch fünf). „Brasilianisch” ist eben eine melodische Sprache, die einen gewissen Swing hat und Unbekümmertheit ausstrahlt. Eine Sprache zum Verlieben. Im Pool beginnen wir uns augenblicklich so wohlzufühlen, dass es unmöglich ist, sich daran zu erinnern, wie beschwerlich die Anreise eigentlich gewesen war.
P1010361
Später schlendern wir durch die verträumte Kleinstadt mit den kachelverzierten Häusern und treffen am Pazifik an einem Kiosk auf zwei Einheimische, die uns sogleich mit Kaltgetränken und Garnelen versorgen. Sie gehören wohl eher zu den Ärmeren des Landes, dennoch sieht man, wie stolz sie sind, uns während der WM in ihrer Heimat, bewirten zu können. Der Anreisetag endet mit einem Abendmahl am Marktplatz. Nun ist auch Olinda in Partylaune. Auf der einen Seite schauen die Leute gebannt auf zwei Großleinwänden das Spiel des Erzfeindes Argentinien, auf der anderen Seite heizt eine Band mit Forro-Rhythmen ein und in den Palmen dazwischen ertönt Grillen-Gezirpe. Ein irrer Sound. Messi trifft. „O, linda!“ – Wie schön. Die Einheimischen fluchen mit Eisfachvisagen – drei Sterne plus!

Am nächsten Morgen bin ich aufgeregt wie ein Kleinkind vor Heilig Abend. Während wir auf den Bus warten, hole ich eine Runde „Cerveja Skol“ zum Runterkommen am gelben Kiosk. Heute findet – nachdem nun schon fast alle Teams gezeigt haben, was sie so draufhaben – unser erstes Gruppenspiel gegen Portugal statt. Das Warten von einer Fußball-WM bis zur nächsten ist endlich vorbei. Wir wollen das Match auf dem „FIFA-Fan-Fest“ schauen, doch zunächst müssen wir die uns zugelosten WM-Tickets in einem Shoppingcenter abholen. Im Hotel wurde behauptet, Bus Nr. 214 bringt uns dort hin. Der Witz: alle vorbei rauschenden Schrottkarren haben gar keine Nummern, sondern zeigen lediglich ihre Zielorte an. Außerdem muss man sie, falls es der richtige ist, mit lautem Schreien, oder einem gezielten Sprung vor die Frontscheibe, anhalten. Eine ältere Frau erklärt uns, dass wir den „Neves-Bus“ nehmen müssen. Nach nur 50 falschen Wagen rennt sie plötzlich wild gestikulierend los, hechtet auf den Asphalt und schiebt uns dann freudestrahlend durch die enge Fahrgasttür.
P1010357
Erst im Inneren fällt mir auf, wie cool Erni aussieht. Er hatte sich ein weißes Trikot und eine schwarze (extrem kurze) Hose gekauft und die Mädels machen sich darüber lustig, da sie solche Shorts das letzte Mal beim Turnunterricht in der 8. Klasse gesehen haben. Auch seine Adiletten finden sie todeskomisch. Jenna und ich tragen hingegen ganz gediegen die aktuellen schwarz-rot gestreiften Deutschland-Trikots, weswegen uns zwei Kids sogleich „Flamengo!“ zurufen und mit Händen und Füßen erklären, dass dies ihr Lieblingsverein in Brasilien ist. Nur Danny und Sylvie müssen wir echt noch einkleiden!
Wir sind spät dran, doch der Fahrer rast wie ein Henker und lässt das Gefährt in „Colt Seavers-Manier“ über diverse Buckel regelrecht abheben. Besonders in den Kurven und bei der Fahrt über schwindelerregend hohe Brücken kotze ich fast. Kurz vor 11 Uhr erreichen wir endlich das „Shoppi“ in der Nähe des Strandes. Hinter uns erhebt sich nun ein bedrohlich wirkendes Hochhausmeer aus Beton und Glas.
Das Einkaufsparadies ist weitläufig und verkauft Luxusartikel in einer Gegend, die eher ärmlich wirkt. Bis wir uns durchgefragt haben, dauert es, doch dann begleiten uns sogar zwei Uniformierte auf Segways in den heiligen Bereich. Ich schwitze aufgrund der fortgeschrittenen Zeit. Eine Frau mit ultratiefem Ausschnitt erklärt mir minutenlang weit vorgebeugt, wie ich meine VISA-Karte in den Automaten zu schieben habe. Zehn Minuten später halte ich WM-Tickets für das Match gegen Ghana in den Händen, auf denen tatsächlich unsere Namen stehen. Es ist der erste magische Moment dieser Reise.
IMG_5683
Nach zwei Fotos vor einem menschengroßen Gürteltier-Maskottchen rennen Sylvie und Danny plötzlich los, da sie noch shoppen wollen. Ich sprinte hinterher und bin kurz davor, einen Herzkasper zu bekommen. Es sind jetzt nur noch 40 Minuten bis zum Anpfiff. Vier lange Jahre habe ich auf diesen gewartet! Beim ersten Streit der Reise gehe ich als Punktsieger hervor, denn sie folgen mir angekotzt zum Ausgang.
Leider, so warnt das Personal, wäre das hier eine gefährliche Ecke, sodass sie uns raten, mit dem Bus zum Flughafen, um von dort aus mit der Metro ins Altstadtviertel zu fahren. Was für ein Umweg, aber nach der letzten Diskussion möchte ich die sehr sparsam lächelnden Frauen nicht auch noch überfallen und vergewaltigen lassen. Außerdem hat Danny die WM-Tickets in ihrer Tasche!
Als wir die „Estação Central“ erreichen, ist es bereits 12.50 Uhr. Ich sprinte zu einem Taxifahrer, wedele mit Geldscheinen und überzeuge ihn, auch mit fünf Fahrgästen augenblicklich nach „Recife Antigo“ loszurasen. Punkt 13 Uhr laufen wir durch ein geschmücktes Tor und hören die deutsche Nationalhymne, welche gerade vom Team auf der Leinwand mitintoniert wird. Geschafft – die WM beginnt!
WP_20140616_010
In der Altstadt wollen nur etwa 400 Leute das Spiel sehen – zu meinem Erstaunen sind davon 200 Deutsche und nur wenige Portugiesen. Ich hatte gedacht, dass die ehemaligen Kolonialherren mehr Fans motivieren können. Vorteil an der geringen Besucherzahl: leicht unterhopft werden wir augenblicklich mit eiskaltem Cerveja versorgt, was gleichzeitig bedeutet: sie verkaufen alkoholhaltiges Bier! Nachteil: 32 Grad, kein einziges Schattenplätzchen und nach 12 Minuten ist das erste Getränk verschüttet, denn Müller trifft zum 1:0. Auch beim zweiten Brahma landen durch Hummels etliche goldene Tropfen auf dem heißen Asphalt. Das dritte wird kurz vor der Pause wieder wegen Müller in den brasilianischen Himmel gejubelt.
IMG_5705
Was ist denn hier bitteschön los? Wir tanzen, singen und schwingen Fahnen mit unseren Landsleuten. Abkühlen! Im Gebäude neben der Leinwand gibt es ein Eisgeschäft und sogar eine Schlittschuhbahn. Draußen, im Backofen von Recife, erhöht der unglaubliche Thomas Müller in der 78. Minute zum unfassbaren 4:0. Mein Herz brennt und in Leidenschaft bricht um mich herum fast alles zusammen. Ich würde vieles dafür geben, dieses herausgeplatzte Gefühl auf dieser Reise nie wieder zu verlieren. Jegliche Zweifel, dass Deutschland schon in der Vorrunde scheitert, sind innerhalb von nur 90 Minuten verflogen. So werden wir sicherlich ganz weit kommen. Halbfinale gegen Brasilien? Finale? Titel?

Doch leider kann ich jetzt noch nicht berichten, wie diese Reise ausgegangen ist, denn ich habe ein bisschen Angst vor dem Zitat von dieser Frau Debska.
„Wenn ich jetzt nochmal irgendwo lese oder höre, wie deutsch alles ist und wie toll oder doof das ist, lasse ich auf den Schreiber einen deutschen Schäferhund los! Oder eine britische Bulldogge, ist mir ganz schnuppe.“
.
Zum Weiterlesen: 90 Minuten – Neue Fußball- und Brasiliengeschichten

[Weiter...]


“90 Minuten Update” – bis zum 25.01.2015 kostenlos

20. Januar 2015 | von | Kategorie: Aktuelles

90 Update
.
Rechtzeitig vor der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist mein E-Book “90 Minuten Update” als Nachtrag zu meinem Reise- und Fußballroman “90 Minuten Südamerika” erschienen. Bis zum 25.01.2015 kann man es kostenlos herunterladen.
.
Ganz neu mit dabei: Eine spannende Reportage über den Nordosten Brasiliens. Lernen Sie mit Salvador da Bahia, Fortaleza und Recife die Austragungsorte der Gruppenspiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft kennen und entdecken Sie die vielleicht schönste Region des Landes.
.
Begleitet mich also auf hoffentlich ebenso spannenden Reisen nach England, Spanien, Vietnam, Thailand, Paraguay, Argentinien, Brasilien und Deutschland.
Allerdings sollte man das Buch eigentlich erst nach dem Hauptwerk (Hier ein paar Infos) lesen.

  • “90 Minuten Südamerika” bei Amazon.de
  • “90 Minuten Update” bei Amazon.de

    [Weiter...]


  • Highlights der Fußball-WM 2014

    24. Juli 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    P1110529„Mein Gott, ja, die deutsche Mannschaft hat den WM-Titel geholt. Das ist auch schon alles. Wenn ich nochmal irgendwo lese, wie deutsch alles ist und wie toll oder doof das ist, lasse ich auf die Schreiber einen deutschen Schäferhund los! Oder eine britische Bulldogge, ist mir ganz schnuppe.“
    Agnieszka Debska
    .
    Ich habe den Ausgang der WM 2014 in meinem Buch „90 Minuten Südamerika“ vorhergesagt, war live in Brasilien dabei und habe am Ende sogar den Tipper-Pokal in meinem Freundeskreis gewonnen. Anbei einige Erinnerungsbilder. Kann man toll oder doof finden …
    Irgendwann schreibe ich sicherlich mal eine Geschichte, wie es mir so ergangen ist.

    2014-06-20 16.49.07IMG_5680IMG_5684IMG_5688IMG_5698IMG_5757IMG_5800IMG_5785IMG_5795IMG_5822FortalezaIMG_5867IMG_585390 Minuten Rio
    IMG_6697IMG_6714WP_20140704_042WP_20140621_069WP_20140704_011WP_20140621_088WP_20140704_048P1110465P1110226P1110159P1110187P1110180P1110240P1110268P1110547P1110498P1110551
    .
    .

    [Weiter...]


    Fußballweltmeister 2014 in Brasilien

    16. Juli 2014 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

    FortalezaOkay, ich habe in meinen “90 Minuten Südamerika” recht behalten: Deutschland ist 2014 Fußballweltmeister geworden. Das wird in diesem Buch für immer – wie in Stein gemeißelt – stehen.
    Doch viel wichtiger: Wir haben unsere Träume nicht nur angeträumt, sondern waren tatsächlich live in Brasilien dabei. Es war fantastisch!

    Die Widmung im Buch lautete: Du lebst nur einmal im Jetzt und Hier. Genieße den Augenblick …

    Ach so. Wer mein Buch “90 Mintuten Südamerika” bisher noch nicht kennt, kann hier einen Einkauf tätigen.

    Und für alle, die das noch immer nicht kapiert haben: “Say NO to rasism! Viva Brasil
    90 Minuten Rio
    Morro

    .
    .

    Machu-Pichu

    „90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentauf-nahmen einer riesigen Weltkarte.”
    .
    11 Freunde – Magazin für Fußballkultur, Juli 2011

    Südamerika und Fußball. Natürlich war dies mein erster Ansatzpunkt für ein neues Buchprojekt. Ich hatte so viele Geschichten in meinem Hirn gespeichert und könnte sicherlich mit großer Hingabe davon berichten. Nur wie?

    Cover 90 mittel

    “Fernweh und Fußballfieber garantiert.”
    AMERICALATINA – Magazin für Lateinamerika, März 2012

    Keinen neuen Reiseführer oder öde Erlebnisberichte in Tagebuchform wollte ich schreiben. Auch ein Werk über die südamerikanische Begeisterungsfähigkeit kam für mich nicht in Frage. Nichts über den besonderen Stellenwert, der diesem Spiel im Lande Pelés und Maradonas beigemessen wird. Etwas Neues, Originelles und Ungewöhnliches sollte entstehen und dennoch ein Buch, das zwei große Leidenschaften meines Lebens vereint: Südamerika und Fußball.

    “Ich habe rumgestöhnt, weil ich das Buch verdammt schnell fertig gelesen habe, weil ich es geil fand, und weil ich – dafür verfluche ich dich Mark Scheppert – jetzt unbedingt nach Südamerika will.”
    Fritten, Fussball & Bier, Aug. 2011

    Klappentext:
    „Schon wieder Südamerika? Ich hielt das zunächst für ein typisches Ossi-Ding, bis ich begriff, dass 23-mal hintereinander nach Mallorca zu fliegen durchaus ein gesamtdeutsches Phänomen ist.“

    Mark Scheppert nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise durch Lateinamerika und lässt uns an einer ganz besonderen Suche teilhaben. Auf seinen abenteuerlichen Trips durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela verändert sich in zwanzig Jahren nicht die Welt um ihn herum, sondern auch sein Heimatland. Parallel dazu entwickelt sich eine Beziehung zum Fußball, die 1990 ablehnend beginnt, in jugendliche Schwärmerei umschlägt und in euphorischer Begeisterung mündet.

    “Heiss auf die Fussball WM 2014? „90 Minuten Südamerika“ heizt ein.”
    Reisemagazin Lateinamerika, Jan. 2012

    Die facettenreichen, mal lustigen, mal berührenden Anekdoten lassen Erinnerungen an große Lieben, Freundschaften, Enttäuschungen und Sehnsüchte lebendig werden. Mit einer Sprache, die nicht nach Reiseführer und Merian-Heft schmeckt, versucht Scheppert, den Leser mit dem Südamerika-Virus zu infizieren und ihn auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien einzustimmen.

    “Blond, deutsch und Fußball-Fan: So zieht man in Paraguay schnell die Blicke auf sich. Besonders dann, wenn man beim 1:0 für die Heimat vor Glück einen ganzen Häuserblock zusammenbrüllt – und dem Gastgeber später bei einer WM im Armdrücken doch noch zum Sieg verhilft.”
    Spiegel Online

    .
    90_minuten_cover_kl90 Minuten Südamerika” bei amazon.de


    .
    .
    .

    “Suff, Sex & Nationalmannschaft”
    Der Tödliche Pass, Okt. 2011

    Rezensionen “90 Minuten Südamerika”:

    [Weiter...]


    Vamos Alemanhia – von Recife bis Fortaleza bei Fritten, Fussball & Bier

    2. Juni 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    Foraleza 2Zurück am Busbahnhof von Salvador da Bahia mussten wir gar nicht lange warten bis wir uns auf die Plätze fallen lassen und uns sofort die gereichte Decke über den Kopf ziehen konnten. Kein „Bahia-Kerosin“ rauschte nun mehr durch unsere Adern, denn wir hatten das unangenehme Gefühl, der alten Heimat Deutschland immer näher zu kommen, obwohl wir nur innerhalb Brasiliens in Richtung Nordosten fuhren. Die langen Strecken im Bus hatten sowohl Vor- als auch Nachtteile. Zum einen war es arschkalt und sehr eng, andererseits hockten wir nicht in einem stickigen Bürokabuff bei stumpfsinniger Arbeit, hatten viel Zeit zum Nachdenken und immer die Aussicht auf ein neues Wunder. Beim Aufwachen zog der Himmel zur Bestätigung wie ein blauer Ozean über uns hinweg.
    Wir erreichen Recife, die Hauptstadt und Herzkammer Pernambucos. Mit der Metro – als Berliner liebe ich Städte mit U-Bahnnetz – fuhren wir in die Innenstadt bis zur Endstation. Im Tunnelgang gab es ein unterfrequentiertes Schuhgeschäft. Nach einem dreiviertel Jahr des Reisens hatte ich meine schwarzen New Balance zwar sehr lieb gewonnen, konnte sie aber nicht mehr tragen, ohne dabei komisch auszusehen. Die Löcher waren mittlerweile so groß, dass öfter mal ein blanker Zeh herauslugte. Ich kaufte mir dunkelgrüne, zerknautschte No-Name-Turnschuhe bei „El Bundy Brasil“ und sah danach untenherum wieder halbwegs passabel aus. Meine Füße jaulten vor Dankbarkeit.
    .
    Hier gehts zum Weiterlesen bei: Fritten, Fussball & Bier
    .
    Und zum Gesamtpaket findet Ihr hier das Ebook
    .

    [Weiter...]


    Die coolsten Herren des Strandes bei Fritten, Fussball & Bier

    30. Mai 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    Hö

    Es ging also zurück über „Los“, denn Morro de São Paulo lag in entgegengesetzter Richtung zu Recife. Zunächst tuckerten wir mit dem Bus durch die komplette Stadt, um am „Tor des Meeres“ auf die Autofähre zu gelangen. Bereits zum zweiten Mal überquerten wir somit die gigantische Baia de Todos os Santos und bewunderten nochmals die Traumstadt Salvador im Hintergrund. Die Bucht der Allerheiligen ist die größte ihrer Art in Brasilien und wurde bereits 1501 von Amerigo Verspucci entdeckt – immerhin Namensgeber des Kontinents und der Bundestaat Bahia leitet sich auch von diesem Meeresbusen ab, in dem sich das Wasser in sanften Wellen kräuselte und grau-glänzende Delfine fröhlich neben kleinen Segelkuttern der Küstenschiffer sprangen.
    Um 16 Uhr erreichten wir nach wenigen Kilometern den Fähranleger von Valencia und auf einer wiederum faszinierenden Bootsfahrt fuhren wir zwei Stunden auf Kanälen und Flüssen zu unserem Ziel. Rechts und links erblickten wir eine eindrucksvolle tropische Vegetation mit Palmen, Bananen-, Papaya-, und Mangobäumen, Mangroven aber auch Hibiskus und Orchideen. Wir beobachten verschiedene Vogelarten und sahen sogar zwei Papageien und etliche Kolibris, die versuchten unsere Nasen zu küssen …
    .
    Zun Weiterlesen Die obercoolsten Herren des Strandes bei FFB
    .
    .
    .

    [Weiter...]


    Tolles WM-Tagebuch live aus Rio de Janeiro

    12. Mai 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    WM-Tickets
    Während meiner Recherche zur Fußball-WM 2014 bin ich auf die tolle Seite von WM2014-rio.de gestoßen.
    Über ein zwei E-Mails habe ich Kontakt zu Marco und Robert aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt aufgenommen, da man sich ja unter Umständen in Brasilien mal über den Weg laufen könnte. Voller Neid musste ich erfahren, dass die Jungs sogar schon für sechs WM-Spiele Tickets bekommen haben – allerdings alle im wunderschönen Rio de Janeiro, von der Vorrunde bis zu spannenden Entscheidungsspielen. Da werden wir uns wohl leider nicht sehen, da ich mich ja eher in Nordost-Brasilien aufhalten werde, aber wer weiß…
    .
    WM-Tagebuch aus Rio de Janeiro
    .
    Auf WM2014-Rio.de/tagebuch bekommt ihr einen Einblick in die Erlebnisse von Marco & Robert während ihres WM Aufenthalts in Rio de Janeiro. Die beiden Jungs sind mehr als 3 Wochen in Rio und besuchen dort gleich 6 WM Spiele im Maracana Stadion. Im WM Tagebuch erzählen sie nicht nur von der Ticketbestellung und Flug- sowie Unterkunftssuche, sondern werden auch täglich von der Copacabana berichten, inkl. Bild- & Videomaterial. Da werde ich auf meiner Seite sicherlich öfter mal verlinken, zumal sie ja meinen Fußballroman “90 Minuten Südamerika” mehr als ausführlich vorgestellt haben.
    .
    Vom Kurztrip zum Abenteuer
    .
    Eigentlich planten Robert & Marco nur einen Kurztrip zur WM. Robert feiert während der WM einen runden Geburtstag und daraus entstand auch die Idee, Brasilien zu besuchen. Geburtstag an der Copacabana feiern – das kann man schon mal machen, dachten sie. Doch aus dem Kurztrip ist mittlerweile ein mehr als 3-wöchiger Aufenthalt geworden, mit eigener Internetpräsenz auf WM2014-Rio.de & dem besagten Online-Tagebuch. Für die “Mitteldeutsche Zeitung” werden Marco & Robert ihre Erlebnisse in Form eines WM Tagebuchs mit interessanten Leuten aus Rio und deren Geschichten schildern. Dieses Tagebuch wird in der MZ während ihres Aufenthalts täglich abgedruckt. Respekt!
    Zudem haben die beiden eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um ein Kinder- & Jugendwohnheim in ihrer Heimatstadt Weißenfels (Sachsen Anhalt) zu unterstützen. Wer mit den beiden in Kontakt treten will kann dies gern per Email tun: info@wm2014-rio.de
    .
    Auf nach Rio de Janeiro! Entfacht das brasilianische Feuer (und besucht auch mal den gelben Kiosk an der Copacabana)! Hier noch ein “Beweis-Artikel” aus der MZ.

    Artikel-MZ

    [Weiter...]


    Rezi von “90 Minuten” bei “WM 2014-Rio.de”

    9. Mai 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    Fussball-WM-2014Seit ein paar Tagen gibt es eine wunderbare Rezension von Marco & Robert, den coolen Jungs von WM2014-Rio.de aus Weißenfels, zu meinem Buch “90 Minuten Südamerika”. Demnächst stelle ich ihr Projekt noch einmal genauer vor. Vorerst nur das, was sie über mich verzapft haben…
    .
    “…im Buch erzählt Mark Scheppert von seinen abenteuerlichen Reisen durch Lateinamerika. Auf seinen Reisen durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela verändert sich nicht nur die Welt um ihn herum. Auch Mark Schepperts Einstellung zum Fußball, welche zu Beginn (1990) eher ablehnend war, ändert sich im Laufe von 20 Jahren. “90 Minuten Südamerika” erzählt von großen Lieben, Freundschaften, Enttäuschungen, Sehnsüchten und stellt den Leser auf die kommende WM in Brasilien ein…”
    .
    Zum Weiterlesen: einfach hier klicken
    .

    [Weiter...]


    “Ich rocke Paraguay” bei “Fritten, Fußball & Bier”

    2. Mai 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

    OLYMPUS DIGITAL CAMERA“Wo sind wir?”, frage ich den Busfahrer bereits das dritte Mal. Er nimmt den Kugelschreiber aus der Hemdtasche, kritzelt etwas auf einen Zettel und verschwindet dann. “Clorinda.” Angestrengt blättere ich in unserem Reiseführer. “Sind wir bescheuert oder was?” rufe ich zu Sylvie hinüber. “Wir haben uns verfahren. Das Kaff ist an der Grenze zu Paraguay.” Ich kann es noch immer nicht glauben. Wie kann man sich denn mit einem Linienbus verfahren?

    Meine Freundin schaut mich aus müden Augen an und murmelt: “Paraguay?”

    Es besteht eigentlich kein Grund, in dieses Land zu reisen, denn es gibt dort vermeintlich “Nichts”. Keinen tosenden Ozean, keine schneebedeckten Andengipfel, keine restaurierten Altstädte, keine gegrillten Fleischberge, keine Punkrock-Kneipen, keine trinkbaren Weine und kein Bier vom Fass. Dafür bitterarme Menschen, die in Baracken an stinkenden Flüssen mit Mücken, die das Denguefieber übertragen, hausen. Zudem noch unsichere Städte und eine korrupte Militärregierung, die verängstigten Einwohnern den Marsch bläst. Noch einmal schaue ich mir die Karte an. Wenn wir über Asunción reisen würden, wäre das sogar eine Abkürzung in Richtung der Iguazú-Wasserfälle – unserem eigentlichen Ziel. Ich schnappe meinen Rucksack und rufe: “Paraguay!”

    Auf dem Weg zur Grenze, versuche ich Sylvie zu beruhigen. Wir werden ein neues Land erkunden und einen Scheiß darauf geben, was in Reiseführern steht. Bisher hatten wir doch schon oft viele Dinge vollkommen anders empfunden. Es winkt nicht nur ein neuer Stempel im Reisepass, sondern einmalige Abenteuer.

    Zum Weiterlesen: Fritten, Fussball & Bier klicken.

    [Weiter...]


    Brasiliens Norden: Von Matthäus nach Manaus. Teil 1

    27. Dezember 2013 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog, Fußball-WM 2014

    Pool
    Es hieß also von Itaunas, Abschied zu nehmen, von Mauro, Maria, Cassio und so vielen lieben Leuten mehr. Wir verließen gerührt einen Ort, der uns für immer im Leben in fantastischer Erinnerung bleiben wird – nicht nur in Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006.

    Um 13.30 stiegen wir in den Bus und bereits um 16.30 Uhr erreichten wir ein Städtchen namens Sao Matheus. Doch dort gab es ein Problem: der Bus für die Weiterfahrt war bereits ausgebucht und der nächste würde erst weit nach Mitternacht fahren. Das bedeutete, dass wir über acht Stunden in einem Ort ausharren müssten, der den Charme von Merseburg Hauptbahnhof hatte, relativ gefährlich wirkte – und vor allem so hieß, wie der in Brasilien so verehrte „Loddar“ mit Nachnamen. Matthäus hätte womöglich gesagt „Sis’ are different exercises. Not only bumm!“ Okay, das Internetcafé, welches wir nach langem Suchen fanden, war trotz der Kiddies, die sich leidenschaftlich irgendwelchen Ballerspielen hingaben, ein „Zeittotschlager“. In aller Ruhe las ich nach, was meine Freunde und die restliche Welt über die soeben beendete Fußball-WM berichteten. Deutschland feierte scheinbar noch immer den dritten Platz – und sich selbst.
    Porto Seguro 2

    Gegen 20 Uhr kehrten wir in ein räudiges Restaurant ein, um zwei weitere Stunden herumzubekommen, denn gegen 22 Uhr machten sie dicht – mit dem freundlich gemeinten Hinweis, dass es in dieser Gegend viel zu gefährlich wäre, um noch länger geöffnet zu haben. Nun hieß es, drei Stunden auf einem gruseligen Bushahnhof zu sitzen und zu hoffen, dass uns keine Gang anhaut und mit gezücktem Messer freundlich fragt, ob Sie unsere Rucksäcke samt Wertgegenstände mitnehmen dürfen? Wie sagte schon Lothar M.: „I hope, we have a little bit lucky.“ Wir kauften zwei Dosenbier bei einen Mann mit zerknautschtem Gesicht am unbeleuchteten Kiosk – lachten, quatschten und fast pünktlich um 1 Uhr trudelt auch der Bus ein. Wir waren mittlerweile völlig kaputt, sodass uns sogleich die Augen zufielen. „Ein Wort gab das andere – wir hatten uns nichts zu sagen“, flüsterte mir Lothar leise zu.
    .
    Eine Alkoholpassage in Porto Seguro
    .
    Wir befanden uns noch immer in italienischer Hand, denn in Porto Seguro holte uns Mauros Kumpel Rino ab, um uns in seine hübsche Appartementanlage zu fahren. Es war bei ihm zwar etwas teurer, dafür hatten wir ein separates Schlafzimmer, Wohnzimmer und vor allem eine voll ausgestattete eigene Küche. Die riesige Terrasse mit Hängematten gehörte bei italienischen Brasilianern scheinbar sowieso zur Grundausstattung.
    Rios Buranhem

    Nachdem wir etwas Schlaf nachgeholt hatten, schlenderten wir auf Kopfsteinpflastern durch die gemütliche, bunte Stadt, welche unter anderem dafür bekannt ist, dass dies der Ort war, wo Portugiesen erstmals auf ein Land trafen, welches heute Brasilien genannt wird. Auf den ersten Eindruck mochte man meinen Porto Seguro mit seinen farbenfrohen Häusern im Kolonialstil und einer Straße namens „Passarela do Alcool“ sei eine Touristenhochburg, wo es nachts wie in Mallorca zugehen würde – nur eben rhythmischer – brasilianischerer. Um es vorwegzunehmen: So war es nicht. Porto Seguro ist ein ruhiger, entspannter Ort mit ein bisschen Nightlife in dieser Alkohol-Passage. Ein sicherer Hafen.
    Porto Seguro

    Es war nun bereits schon Mittag – und eigentlich Zeit für Alkohol. Nein, wir leisteten uns lediglich extrem gutes Eis in einem kleinen Café am Wegesrand. Das Wetter war ein wenig durchwachsen, sodass wir uns nach dem Supermarktbesuch auf unsere eigenen vier Wände, die selbst gemachten Spagetti, das Schnitzel und den ersten Wein seit Wochen freuten. Endlich hatten wir auch Spielkarten gekauft, und beim Rommé zog ich Sylvie sogleich böse ab. Der „Alcohol Walkway“ musste also bis morgen warten.
    Wir schliefen sehr lange und merkten somit erst spät, dass draußen fantastisches Wetter war. Sofort packten wir die Badesachen und dackelten zum Fähranleger. Porto Seguro hat zwar auch einige fußläufige Strände, doch „die Hammerbuchten“ sollen auf der anderen Seite der Lagune liegen – erklärte und Rino.
    Auf der Autofähre tranken die meisten Passagiere in knalliger Sonne bereits ihre ersten Literflaschen „Cerveca Brahma“ des Tages. Nicht wenige krakelten lauthals irgendwelche Lieder. Ich glaube in Deutschland wäre mir das ziemlich auf den Keks gegangen, doch in Brasilien genoss ich – wie zumeist auf dieser Reise – die ausgelassene Ferienstimmung. Die Bucht mit ihren Fischerbooten und Seglern war außerdem atemberaubend schön.
    Rios Buranhem 3

    Auf der anderen Seite des Rios Buranhem waren wir uns nicht sicher, ob wir hier schon richtig waren. Da es jedoch dort, wo das Boot angelegt hatte, nicht besonders gemütlich aussah, beschloss ich, in den Bus nach Arraial d‘ Ajuda zu steigen. Sylvie zeigte mir zwar einen Vogel und als wir ankamen, gab ich ihr zunächst Recht, da wir auch dort nicht sofort sahen, wo es zum angepriesenen Strand ging. Dennoch klarte die Stimmung bald auf, als wir auf sandigen Straßen den gemütlichen Ortskern mit der niedlichen Kirche und endlich auch die beeindruckende, langgezogene Badebucht entdeckten.
    Arraial d‘ Ajuda

    Von einer Hügelspitze – das Arial des eigentlichen Ortes lag auf einem begrünten Berg – sah das türkisfunkelnde Meer mit den vorgelagerten Riffen absolut fantastisch aus. Nach einem steilen Weg bergab bemerkten wir zum wiederholten Male einen ungewöhnlichen Spleen der Brasilianer. Es gab direkt an der Straße zwei große Bars mit unzähligen Stühlen, Liegen und riesigen Boxen aus denen extrem laute Musik erschallte. Und genau dort lagen, bzw. saßen sie – alle! Rechts und links erstreckten sich einsame, kilometerlange Strände mit Schatten spendenden tropischen Bäumen im Hintergrund, doch die Einheimischen hockten alle auf einem Haufen lachten, tanzen und tranken Bier oder Caipirinhas – dabei meist hüfttief im Wasser stehend.
    Arraial d‘ Ajuda 3

    Nur dreißig Meter weiter sah man dann keine Menschen mehr und der Strand war gut und gerne sieben Kilometer lang. Wir jedenfalls bevorzugten es, abseits der Menschenmassen zu liegen. Allerdings verschwanden auch wir nicht außer Sichtweite, denn vielleicht gab es hier ja irgendein Gefahrenproblem, weshalb die alle zusammen blieben. Somit wurden wir weder überfallen, vergewaltigt, aber auch nicht gestört. Ich fand ein schattiges Plätzchen und das Wasser war, vom Naturriff umgeben, eine übergroße Schnorchel-Badewanne.
    Hätten wir nicht vorher so eine tolle Zeit bei Mauro in Itaunas verbracht – hier wären wir definitiv wieder versackt, denn überall im Ort gab es günstige Hotels und Bungalows, Open-Air-Restaurants, Bars und sogar einen Italiener, der einen übergroßen Weltmeister-Pokal aus Pappmasche stolz vor seiner Pizzeria präsentierte.
    OLYMPUS DIGITAL CAMERA

    Leider mussten wir wegen fehlender Zeit weiter in Richtung Norden düsen. Auf dem Weg zu unserem Apartment kamen wir in Porto Seguro diesmal nicht an der berüchtigten „Passarela do Àlcool“ – ohne ein, zwei Kaltgetränke – vorbei. Ein wunderschöner Tag endete tief in der Nacht auf unserer Terrasse.
    .
    Surfer- und Hippiestadt Itacaré
    .
    Am Bushahnhof sahen wir am nächsten Tag, dass auch Porto Seguro seine Favelas hat. Hier waren es Zelte mit Plastikplanen in denen die arme Bevölkerung hauste. Vor dem umzäunten Areal standen riesige Schilder, die Luxusimmobilien anpriesen. Wie krass!
    Nach einer anstrengenden Busfahrt landeten wir um 16 Uhr in Ilhéus. Nach kurzem Grübeln beschlossen wir, noch weiter nach Itacaré zu fahren. Zum einen sollte dieser Ort nur 18.000 Einwohner – statt 220.000 in Ilhéus – haben, zum anderen schwärmten schon einige unserer bisherigen Wegbegleiter von der (!) Surfer- und Hippiestadt Brasiliens.
    OLYMPUS DIGITAL CAMERA
    In einem vollbesetzen Minibus erreichten wir kurz vor 19 Uhr den angepriesenen Ort und ließen uns, da wir wie immer völlig planlos und ohne Reiseführer unterwegs waren, von einer Schleppertruppe in eine Unterkunft führen. Das Hostel „International“ war furchtbar räudig und die Inhaber besaßen sogar die Frechheit, für ihre verkeimten, dunklen Zimmer, 80 Real pro Person zu verlangen. Zum Vergleich: bei Mauro in Itaunas und Rino in Porto Seguro hatten wir jeweils 40 für die Nacht bezahlt, mit Swimmingpool, Hängematten-Terrasse und kostenlosem Caipirinha-Service.
    OLYMPUS DIGITAL CAMERA

    Wir überließen das Hostel den zahlreichen europäischen Backpackern und fanden ein ähnlich schlechtes Hotel für die Hälfte des Preises. Das Zimmer war eigentlich gar nicht so übel, aber bereits jetzt brüllten etliche Traveller-Kids ununterbrochen auf dem Hof herum. Der ganze Ort war komplett auf diesen Backpacker-Scheiß ausgelegt, von Hippies und coolen Durchgeknallten jedoch keine Spur. Unzählige Bars, Lokale und Reiseagenturen (für die ganz großen Abenteurer, wie Surfen, Reiten, Kanufahren, Mountainbiking und Rafting) warben um Kundschaft. Vielleicht waren wir auch einfach nur zu kaputt und konnten die laut kreischenden Mädels (die alles „amazing“ und „awesome“ fanden), momentan einfach nur nicht ertragen. Wir aßen eine äußerst lasche Moqueca (Brasiliens sonst so vorzüglichen Fischeintopf), tranken lauwarmes Bier mit Cooler und gingen recht früh ins Bett. Dies hätten wir uns durchaus schenken können, da es bis 4 Uhr nachts unerträglich laut auf unserem Hof und der gegenüberliegenden Straße war. Und bereits früh um 7 Uhr trampelten die ersten Spinner auf ihrem Weg zum Adventuretrip durch die Gänge.
    Itacare

    Zwar konnten wir nochmals ein wenig pennen; trotzdem waren wir gerädert und vor allem genervt von dem Ort mit seinen äußerst gut gelaunten, lässigen Backpacker-Touristen. Ich versuchte Sylvie zu überreden, einen dreitägigen Surfkurs zu buchen und das bescheuerte Treiben in den Wellen des Meeres einfach zu ignorieren. Als wir im Foyer unsers Hostels jedoch einen äußerst bedrückten Amerikaner kennenlernten, überzeuge auch mich seine Story, dass wir stattdessen schleunigst abhauen sollten.
    Dem armen Jungen hatten sie nämlich gestern (in unserem Hotel!), sein komplettes Gepäck aus dem Zimmer geklaut als er sich gerade beim Surfen an einem „lovely beach“ befand. Die Diebe waren scheinbar von außen durchs Fenster in seinen Raum geklettert und hatten sich nicht mal die Mühe gemacht, nach Wertsachen zu suchen. Sie hatten einfach alles komplett mitgenommen: seinen großen und den kleinen Rucksack, natürlich inklusive des Geldes, der Kamera und vor allem seines Passes. Er besaß nun buchstäblich nur noch das, was er am Leibe trug. Bei uns hätte dies wahrscheinlich die Heimreise bedeutet. Der Engel mit dem Engelsgesicht (Sylvie) schenkte ihm daraufhin 100 R$ für die Fahrt nach Salvador.
    Danach verrammelten wir unser Zimmer, schlossen die Fenster und gingen für ein paar Stunden an den überfüllten Stadtstrand „Praia da Concha“. So richtig genießen konnten wir die ausgelassene Beachstimmung nun aber nicht mehr. Die Kulisse mit den überdrehten Menschen nervte zusehends. Einen schönen Augenblick gab es dennoch. Als wir auf die Mole gingen, sahen wir eine riesige Meeresschildkröte durchs Wasser gleiten. Die hatte sich wohl leider im Ort geirrt! Der Tag dümpelte vor sich hin und in der Nacht freuten wir uns bereits auf neue, entspanntere Erlebnisse auf unserer Reise durch den Norden Brasiliens.
    Itacare 2
    Ungewöhnlich früh standen wir auf. Sylvie kaufte Frühstück aus dem Minimarkt während ich die Bustickets holte damit wir keine weitere Zeit verschwenden mussten. Während der Fahrt atmeten wir mehrmals tief durch und genossen die beeindruckend schöne Landschaft. Auf Schotter- und Sandpisten fuhren wir durch tropische Regenwälder, entlang an malerischen Flüssen, sahen spektakuläre Wasserfälle und äußerst idyllisch wirkende Käffer. Ein bisschen ärgerten wir uns nun sogar, dass wir noch immer keinen Reiseführer besaßen, denn hier hätte sich sicherlich ein kurzer Zwischenstopp gelohnt.
    .
    Zum Weiterlesen: 90 Minuten Update

    OLYMPUS DIGITAL CAMERA


    .
    .
    .
    .
    .

    [Weiter...]