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Der Bockwurst-Mann vom Leppinsee un sin Fru

31. Juli 2017 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

Meine diesjährige Kids-Tour fand am letzten Juli-Wochenende 2017 statt. Wenn ich schon nicht mehr dazu komme, eigene Reiseberichte zu schreiben, möchte ich wenigstens diesen Trip, welchen wir M. anlässlich seiner Jugendweihe geschenkt hatten, kurz zusammenfassen.

Natürlich erwarteten meine Nichte und mein Neffe am Donnerstag bei mir Daheim das traditionelle Spaghetti-Bolognese-Essen ohne Besteck, wobei sie dafür langsam ein wenig zu alt werden. Ich weiß nicht, ob sie sich noch lange das T-Shirt vor mir und N. einfach so ausziehen, um danach kopfüber im Fleischsoßen-Berg zu versinken. Allerdings entdeckten sie danach 48 Elefanten auf unserem Flicken-Wandteppich aus Senegal (wo ich bisher, ohne die Einnahme von Hackfleisch-Drogen, lediglich 36 entdeckt hatte).
Noch interessanter war das neuerliche Schauen von „Big Lebwoski“, da sie den Dude, Walter, Donny und sogar die fiktive Band „Autobahn“ dieses Mal viel lustiger fanden – oder einige Witze und Anspielungen (wie ich) erst jetzt verstanden. Um es vorweg zu nehmen: viele Dinge – auch die richtig guten – waren danach an diesem Wochenende eindeutig „bekackt“, um es in der Sprache von Big Lebowski und seinem Freund Walter zu sagen.

Am nächsten Tag ging es auf der echten Autobahn in Richtung Mecklenburg-Vorpommern in die Nähe von Mirow in einen Ferienpark. Dieser ist eigentlich ganz gut für Kinder geeignet, wobei mir die dort anwesenden, oftmals leicht gestörten Quälgeister, eher auf den Keks gingen und von unseren im Schwimmbad sogleich weggeboxt oder untergetaucht wurden.

Das Sommerwetter ließ in diesem Jahr zu wünschen übrig, sodass der Regen am Nachmittag in unsere Eisbecher (einer war sogar aus Schweden) im Schlosscafé von Mirow schüttete. Beim Wechsel ins Innere waren wir plötzlich umgeben von einer extrem hässlichen Fettfisch-Familie, die alsbald die „Nemos“ getauft wurden. „Ist das tschechisch?“, fragte ich die anderen, da man deren (wohl doch deutschen) Dialekt überhaupt nicht verstehen konnte. Der Ferienpark entpuppte sich später übrigens als Paradies für wohlgenährte Menschen aus dem Südosten der Republik, die den dort angebotenen sportlichen Aktivitäten (außer Bierkasten-Schleppen) eher wenig Beachtung schenkten.

Wir hingegen besorgten uns Minigolf-Schläger, um zu einem „bekackten Ligaspiel“ gegeneinander anzutreten. Nun ist es so, dass N. und ich leider keine fürsorglichen Eltern sind, die ihre Kinder immer knapp gewinnen lassen. Somit belegten sie nur den 3. und den 4. Platz, wobei M. beim „echten Golf“ wenigstens einmal gewinnen und L. einmal Zweite wurde, da sie ihre „Mädchen-Bier“-Flasche getroffen hatte. “Schreib ihr ne Null auf!”, wurde dennoch zu geflügelten Worten.
Mein Bruder Benny und ich fanden Krocket-Spielen im Garten früher irgendwann kotzlangweilig und benutzen die Schläger und Bälle dann eher, um weit entfernt eingegrabene Löcher zu erreichen. So auch wir in dieser Anlage, nur dass die Löcher schon vorgegeben waren – der Abschlag aber auf einem grünen Hügel von einer Bank aus stattfand. Das wir keines der Fischfamilien-Kinder am Kopf trafen, war das eigentliche Wunder im Wunderland.

Zum Sonnenuntergang machte selbige dann noch einmal den Vorgucker, sodass wir am Steg – gemütlich auf einem roten Tretboot sitzend (dort, wo es natürlich bekackte Verbotsschilder gab) ein Feierabendbier mit Blick auf den sich spiegelnden See namens „Granzower Möschen“ genießen konnten. Passend zu diesem Namen sprang in jenem Moment ein nackter Piepel – mit kleinem Schniepel – von einer hölzernen Plattform und sagte zu seinen Kumpels etwas extrem Versautes, was ich hier nicht wiedergeben möchte. Hut ab, was die Kids heute schon für Worte nutzen.

Abends (nach ein paar klassischen Mettenden) spielten wir die Kartenspiele „Lügen“ (langweilig) und „Knack“ (ich war zu überlegen), bevor wir dann doch das zuvor abgewählte Brettspiel „Scrabble“ hervorkramten. L. & M. stellten sich gar nicht so blöd an, wurden jedoch von N. deutlich in die Schranken verwiesen. Und nochmals: „AEROKUNDAQ“ ist kein Wort! Kurz nach Mitternacht entließ ich die beiden mit den Worten: „Jetzt geht bitte auf euer Zimmer und schaut Fernsehen!“ Wir Alten waren nämlich müde und wollten langsam ins Bett.

Meine Nichte L. und Neffe M., die mit ihren Eltern sonst in AI-Urlaube fahren, werden ein Apartment mit Küchenzeile irgendwann zu schätzen wissen, da man dort erst um 11 Uhr und nicht bis (!) 10 Uhr Frühstücken kann, was man sich am Vortag im Edeka selbst ausgewählt hat. Egal, der Himmel war noch immer bedeckt bei kühlen 18 Grad, sodass wir eigentlich ein Motorboot mieten wollten, uns dann aber doch fürs Kajak-Fahren entschieden. Wir sind ja keine bekackten Weicheier!

Die Mädchen und Jungs bildeten jeweils ein Team und ohne großartige Einweisung paddelten wir wie Profis hinaus auf das besagte „Granzower Möschen“, bevor es, über einen malerischen Kanal, in den „Kleinen Kotzower See“ hinausging. Gesäumt von Schilf, erblühten rechts und links tausende Seerosen und auf kleinen Röhricht-Inseln brüteten riesige weiße Schwäne gerade ihre Jungen aus.
Die Kids sabbelten ein bisschen viel, um die Natur mit innerer Ruhe genießen zu können – dafür war es mit ihnen rund um die Uhr lustig. Besonders wenn man „aus Versehen“ in einem abgelegenen Arm des Sees in eine riesige Modderpampe aus Entengrütze gerät und sich das Boot danach weder vor noch zurück bewegen lässt. Wir bewegten uns in einer Welt des Schmerzes und mussten uns freischaufeln.

Über den „Großen Kotzower See“ und einen namens „Mössel“ erreichten wir mit viel Rückenwind (eines der wenigen uns begleitenden Boote nutzte sogar einen Schirm als Segel) recht bald das Ziel unserer Reise: den Campingplatz am „Leppinsee“.
Nun kenne ich das als Kind auch noch so, dass ein Ausflug ein Ziel mit Belohnung haben sollte. Hier war auf der Karte ein Restaurant verzeichnet gewesen und ich hatte den armen, halb verhungerten Kids Champignonsuppe, Soljanka, Würzfleisch und sonst was versprochen.

Ein verwitterter Camper aus DDR-Zeiten mit einem offenen Fenster am Waldesrand stellte sich schließlich als das „Restaurant“ heraus. Davor saß ein dicker, älterer Mann mit Shorts und vollgesabberten (ehemals) weißem Träger-T-Shirt. Neben ihm hockte eine abwesend wirkende Frau, die einen leichten Bier-Anzug (Jogging-Sachen von KiK) trug. Auf meine Frage, was es zu Essen gäbe, öffnete sich sein Mund (in dem es nur noch zwei Zähne gab): „Bockwurst“ L. und M. schüttelten den Kopf „Und was noch?“, fragte ich daher. „Mit Brötchen!“
Wir bestellten vier, während ich grübelte, ob es als Getränk womöglich Bockwurst-Wasser aus der Dose gäbe. „Und vier Cola“, rief ich dennoch. „Hamm wa nüsch!“, zischte der Typ berlinerisch. „Nur Limmo!“. Die gestörte Frau nickte dümmlich grinsend.

Genau in diesem Moment trat ein Riese an den versiffen Wohnwagen heran. Seine Schuhgröße war mit Sicherheit 52, wobei die aufgequollenen Quanten auch 20 Zentimeter breit waren. „Bigfoot“ rief dem „Bockwurst-Mann“ mit hoher Stimme zu: „Ich nehm dann noch so ein Bierchen“. Bei dem Zwei-Meter-Typen wirkte die 0,5 Literflasche Herforder tatsächlich wie ein „Mini-Bierchen“, wobei es vermutlich schon sein sechstes war. Gegen 14 Uhr aßen wir also vier Bockwürste mit Schrippe und tranken genüsslich Orangen-Limo. Ein lohnenswertes Ziel muss so ein Trip schon haben …

Bei der Rücktour durften die Kinder zusammen in einem Kajak fahren. Wären N. und ich ihre Eltern, hätten wir womöglich auf den einsetzenden Sturm mit starkem Gegenwind geachtet, ein Gewitter mit Blitzen vorhergesehen, oder daran gedacht, dass man beim Kentern (natürlich hatten wir auf bekackte Schwimmwesten verzichtet) nirgends im morastigen Schilf zum Wiedereinstieg anlegen kann.
Kurz (bei einsetzendem Wellengang in der Mitte des Sees) mache ich mir tatsächlich Sorgen, genoss dann aber mit meiner Freundin die herrliche Stille in der wunderschönen Naturlandschaft. Weit hinter uns hörte man L. und M. singen, lachen und manchmal sogar ihre Paddel ins Wasser schlagen. Eigentlich stellten sie sich auch allein ziemlich gut an – muss man ja fairerweise sagen. Außer, dass sie vielleicht den wasserdichten Sack richtig zu machen hätten sollen. Aber es war ja nicht mein bekacktes Handy. Nach über vier Stunden endete der Paddelausflug zum Bockwurst-Mann am Leppinsee in der Kanustation von Granzow.

Am Abend wollten wir unser Essen-Versprechen für die Zeugnisse (obwohl ich bei L. von ihrem Notenschnitt von 1,58 etwas enttäuscht gewesen war) dann doch noch einlösen. Dies erwies sich zunächst als schwierig, da die ersten beiden Gasthäuser (wir wollten nicht unbedingt in der Ferienanlage essen) geschlossen waren.
Somit landeten wir dann doch im so genannten „Pfannenkuchenhaus-deluxe“, wo sie auch das – ebenso versprochene – Schnitzel auf der Karte hatten. Die Sonne kam raus, das Essen schmeckte überraschenderweise gut und die Bedienung war nett.
Lediglich beim Nachtisch verstand sie mich bei meiner Bestellung eines „White Russian“ (den Dude-Drink wollten alle unbedingt mal kosten) überhaupt nicht und brachte einen „Lillet Wild Berry“. Da fragt man sich allerdings, was ich für eine beschissene Aussprache habe. Das eiswürfel-gekühlte, spritzige Getränk mit den Him-, Brom-und Preiselbeeren zogen sich unseren Jugendlichen letztlich genussvoll per Strohhalm hinein und taufen es Prinzessin „Lillifee“.

Den Abend verbrachten wir wieder mit einem Absacker am Sonnenuntergangs-Ufer des Sees bevor sich alle auf die Revanche-Partie im Scrabble freuten. Mittlerweile war auch dies ein „bekacktes Liga-Spiel“ geworden und dieses Mal ging es viel enger zu, besonders, da L. als allerletzten Buchstaben noch ihr „C“ bei „HITCH“ (der Date Doktor) loswurde. Wir ließen es gelten, da sie auch mit diesen Punkten nur den zweiten Platz erreichte. Zum Gewinnen dieses, oder anderer Spiele und Wettkämpfe müssen sie wohl noch ein bisschen üben und öfter mit uns verreisen.
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Ich freue mich schon auf das kommende Jahr 2018!
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Rock ‘n’ Roll-Tauchen in Feldberg 2016

8. August 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog

1 Rock n RollNachdem ich ja neulich von meiner eigenen Jugendweihe-Reise berichtet habe, schreibe ich heute mal ein paar Zeilen über die Fahrt, welche ich meiner Nichte zu diesem Anlass geschenkt hatte (Mist! Da liegen ja nun schon 30 Jahre dazwischen) – einfach damit ich es nicht nachträglich rekonstruieren muss.
Zunächst beehrten mich die 14jährige L. zusammen mit meinem 12jährigen Neffen M. (der Doof durfte sogar mitkommen) schon am Donnerstag, den 5.08. gegen 16 Uhr. Da die beiden sonst nur Baby-Comics im TV glotzen, mussten sie zunächst „Big Lebowski“ schauen, um endlich in die Geheimnisse des Bowlingspiels eingeweiht zu werden. Den „Dude“ fanden sie neben „Walter“ dann auch ganz witzig. Nur mit deren Klamottenwahl (und einigen Szenen) konnten sie nicht viel anfangen. Zitat von L.: „Na der Film ist ja auch schon ganz schön alt“.
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Zum traditionellen Spagetti-Essen ohne Besteck (und ohne Hände) war dann auch meine Freundin N. endlich zu Hause. Mittlerweile hat sie sich daran gewöhnt, dass die beiden bei mir einiges dürfen, was ich früher auch gerne ohne Schimpfe gemacht hätte. Andererseits ist es ganz gut, dass sie bei diesen Events dabei ist, sonst würden die Kids wohl ziemlich über die Stränge schlagen oder komplett durchdrehen. So sind sie eigentlich recht folgsam und gehen auch mal Zähneputzen, Duschen oder sogar ins Bett. Am Wochenende waren sie dann sogar eigenständig Brötchen holen, haben dieses dann auch vorbereitet und L. hat danach abgewaschen. Was ist nur mit den Kindern im 21. Jahrhundert los? Goil!
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Der Freitag endete mit einer Runde Monopoly (welches eingepackt bei mir herumstand, da ich seit 10 Jahren niemanden finde, der es endlich mal wieder mit mir spielt). Wusstet Ihr eigentlich, dass ich ein schrecklicher Verlierer bin und ein noch viel grässlicher Gewinner? Meinen glorreichen Sieg, der durch fehlerhafte Tauschaktionen der Kinder mit wertlosen Straßen, recht bald ersichtlich war, zögerte ich auf Maximallänge hinaus und goss ordentlich Salz in die vielen offenen Wunden meiner Miete zahlenden jüngeren Gegner. Zitat: „Du lachst ja wie Papa, wenn Du gewinnst …“
Am nächsten Tag ging es mit Applaus und einer nun auf der Konsole klebenden, Hula-Hula tanzenden Hawaiianerin (ein Geschenk der Kids) nach Feldberg an die „Feldberger Seenplatte“, wo wir eigentlich ein tolles Ferienhaus gemietet hatten, welches sich dann aber als zwei einzelne Ferienwohnungen in einem Haus herausstellte. Außerdem mussten wir am Abend aus unerfindlichen Gründen noch einmal ein Zimmer wechseln. Sei´s drum – wir hatten einen herrlichen Blick auf den Haussee, Kühlschränke, große Betten und für die Jugendbande gab es sogar Kabel-TV. Nur ein W-LAN-Passwort rückte die Vermieterin (eine als „Gesichts-Fünf“ bezeichnete Frau) zu deren Entsetzen nicht heraus. Zitat: „Ham wa nüsch! Und ihr seid ja hier, um euch zu erholen“. Kuhl – das waren wir auch.
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Rückblickend kann ich nicht genau sagen, ob ich als Kind ein „Daddel-Heini“ oder „Smartphone-Junkie“ geworden wäre, da mich die Sprüche meiner Eltern, wie: „ihr müsst auch mal an die frische Luft“ immer geärgert haben. Es gab das Zeug einfach nicht und so war ich gezwungenermaßen oft draußen.
Wir schleppten die Kinder zum Anleger und starteten bei durchwachsenen Temperaturen einen Ausflug per Boot. Bis dato wusste ich gar nicht, dass die großen Tretboote super relaxte Gefährte sind (wenn man hinten sitzt oder liegt und nichts machen muss). An einem bewachten Badestrand wurden wir von einer weiblichen „Gesichts-Zwei“ verjagt, weil man dort nicht einfach halten darf – aber erst, nachdem wir dort ordentlich geplantscht und gesprungen waren (das Wasser war wärmer als die Außentemperaturen).
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Als an es am nächsten Anlegepunkt namens „Ruhepuls“ das erste „Störtebecker“ gab und sogar die Sonne heraus kam, hatte der Kurzurlaub sowieso endgültig begonnen. Dass meine Nichte und mein Neffe seit Jahren zu neunköpfigen Raupen mutiert sind, stört mich auch dann nicht, wenn eine Miniatur-Wurstplatte 6,50 € und ein Spezi oder eine heiße Schokolade über 3,- € kostet. Es sind ja nicht meine „teuren Kinder“ und zweimal im Jahr können sie mich ruhig schröpfen. So auch im „Deutschen Haus“ wo die Hausmannskost-Teller komplett (mit Ablecken) leergegessen wurden. Zitat der Kellnerin: „Na dann habt ihr ja morgen definitiv fantastisches Wetter“.
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Am Abend fing es nach einer Runde „Räuberrommé“ – romantisch am See sitzend – leider an zu nieseln. Vorher wurde N. noch in den elitären Kreis der „Trompfreligion“ aufgenommen. Da dies eher ein Insider ist, verzichte ich darauf, die Prüfungsfragen zu wiederholen. Es gibt ja zurzeit eh nur sechs Menschen, die der Glaubensgemeinschaft der „Grottenolme“ angehören. Ein Bier und zwei TV-Folgen zu spät, ging es ins Bett. Zitat M.: „Two and a half man ist ja auch richtig geil“.
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Am nächsten Morgen stand nach dem „Olympia-TV Frühstück“ mit vielen Leckerlis und einer ausfahrbaren Gabel (auch ein Präsent) dann die eigentliche Geschenkeinlösung an. Ein richtiger Tauchgang (nicht nur Schnupper-Gedöhns) mit der örtlichen Tauchschule. Schnell stellte sich heraus, dass Harry und Andrea – die erfahrenen Tauchlehrer – auch ein ganz gutes Händchen mit Jugendlichen haben. Humorvoll aber durchaus sachlich wurde der Theorieteil über die Bühne gebracht. Nur mich (und N.) mit den Tauschscheinen, die wir in Malaysia gemacht hatten, wurden in der Annahme, dass wir ja alles können, nicht sonderlich hart getestet. Ein Fehler, da das Zertifikat über 10 Jahre alt ist und wir seither nur zwei verheerende Tauschgänge (extreme Strömung in Indonesien und „mich unter Wasser verloren“ in Brasilien) gemacht hatten. L. & M. waren jedoch aufmerksam und ernsthaft – was ich so gar nicht erwartet hatte – und uns dann bei den ersten Übungen im knietiefen Wasser meilenweit überlegen, wie schon beim In-den-Anzug-zwängen und sonstigen anstrengenden Aufgaben (die mir das Tauchen echt vermiesen).
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Bei den verschiedenen Handzeichen, z.B. für „Okay“ oder „Auftauchen“ wurde von unserer Truppe noch vor dem Tauchgang sogleich ein neues erfunden. Wenn man den kleinen und den Zeigefinger nach oben streckt, bedeutet dies „Rock ‘n’ Roll“ – und zeigt man diese Hand waagerecht, nach vorn und hinten schwenkend, heißt es „Rock ‘n’ Olm“.
Um es kurz zu machen: M. war mit mir und dem lustigen Harry in der Jungs-Gruppe und die Mädels L. und N. verschwanden mit der hingebungsvollen Andrea in den Tiefen des Carwitzer Sees, den wir zuvor angesteuert hatten. Die Sicht war für einen See fantastisch (für Malaysia-Taucher: naja). Es gab jedenfalls Fische in vielerlei Größen und Farben zu entdecken, sogar ein riesiger Karpfen (Jungs) und ein Hecht (Mädchen) wurden gesichtet. Zugleich schwebten wir über tiefgrüne Unterwasserwiesen, durch langstielige Schilfrohre hindurch und auf eine untergegangene Plattform. Und trotz kleinerer Pannen, wie Flosse oder Brille verlieren und versehentlich auf 6,5 Meter Tiefe absinken (hier schreibe ich nicht, in welcher Gruppe das geschah), klappte alles hervorragend. Vor allem die Kids stellten sich extrem routiniert an. Eigentlich war ich zuletzt sogar der Looser, da ich meine Flasche ziemlich schnell leergesaugt hatte und bei Harry angestöpselt werden musste. Zitat: „Na du bist ja vielleicht eine Luft-Sau“.
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Genau als wir alle Tauchutensilien eingepackt hatten, fing es körnig zu regnen an. Gutes Timing und Zeit für eine Monsterportion Gulasch (für Harry & Andrea) und Schrippen, Knacker und Mettenden (wir). Zuvor wurde uns von den Tauchlehrern noch erklärt, dass man beim Tauchen etwa 1.000 Kalorien pro Stunde verbrennt. Fetzt. Urst. Ein.
Nach einem Mittagschlaf bis 17 Uhr ging es auf der Halbinsel „Amtswerder“ zunächst zu einem ziemlich coolen Spielplatz (jedenfalls hätte ich den 1986 zum Besten der Welt erklärt) dann ein Bierchen/Spezi an einer Seeterrasse trinken, wieder auf die Spielwiese und schließlich Essen in eine so überfüllte Fischerstube, dass wir bei einem älteren Paar „Gesichts-Vieren“ am Tisch platziert werden mussten. Die beiden sprachen seitdem kein Wort mehr miteinander (wobei wir nicht wissen, ob sie es zuvor getan hatten) wohingegen wir uns noch immer viel über die Tauchabenteuer zu berichten hatten.
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Ein richtig schöner Familienurlaub mit meiner Nichte und meinem Neffen – diesen Fischplattenfressmaschinen – hatte sich entwickelt. Am Abend war der See vor unserem kleinen Plätzchen (wieder bei Räuber-Rommé mit verschärften Regeln) in krasses Licht getaucht. Die Wolken, Bäume, Boote und die Wasseroberfläche ergaben eine fantastische Szenerie – ein Bild voller Stille, Einsamkeit und Urlaubserholung. Bis einer pupste und alle laut loslachten.
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Am Sonntag zeigte sich die Sonne den ganzen Tag – wahrscheinlich weil die Kids immer alles (also wirklich alles!) aufgegessen hatten. Daher verstehe ich bis heute nicht, warum ich ohne Basecap und vor allem ohne mich mit Sonnencreme einzuschmieren für etwa drei Stunden auf ein Boot gestiegen bin. Selbst Kinder sind da schlauer! Egal, wir erkundeten diesmal über einen Kanal den „Breiten Luzin“ sprangen vom Beetle-Boot oder von einer geenterten Plattform ins erfrischende Nass. Dort fragte uns ein idiotischer Junge, ob wir hier aussteigen würden. „So ein Doof“ – war die berechtigte Antwort meiner Nichte. Mit M. drehte ich auf der Rückfahrt etwas durch und sang dabei mit ihm den „Rocky-Song“. Diesmal traf – trotz des Sonnenstichs – alles zu: Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön. Wie auch die abschließende Speiseeis-Orgie in Boitzenburg.
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Und obwohl die süße Beschenkte L. etliche Dinge aufzählte, die ihr anscheinend gefallen haben, antwortete sie auf die Frage, was sie am allerschönsten fand: „Eigentlich das gemeinsame Frühstück“. Okay, wenn das so ist, weiß ich ja bereits jetzt, was ich meinem Neffen M., der nächstes Jahr an der Jugendweihe-Reihe ist, zu schenken habe. Nur deshalb habe ich das heute mal aufgeschrieben – damit ich es nicht vergesse …
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P.S.: ein paar Bilder von der Tauchschule werden folgen.
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