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Backpackerscheiße – Willkommen in Bolivien

21. Juli 2017 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Aktuelles, Blog

Kurz vor der Grenze pfeffert Jenna den Sack mit den Kokablättern aus dem Busfenster. Wir hatten herausgefunden, dass man die Dinger zunächst kauen und dann, zusammen mit einem Kalkstein, in der Backe parken musste, um die Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Besonders Jenna kaute, parkte und vertrug die Höhe trotzdem nicht. Vielleicht war es ganz gut, ohne das Zeug einzureisen, denn böse drein schauende peruanische Grenzer filzen uns akribisch. Auf der anderen Seite begrüßen uns freundliche bolivianische Wachsoldaten und machen deutlich weniger Stress.
In einem Collectivo fahren wir weiter und stellen bereits auf den ersten Kilometern fest, dass dieses Land wesentlich beschaulicher zu sein scheint. Es sind kaum Autos unterwegs und nur wenige Häuser säumen den Straßenrand. Unser Gefährt tuckert gemächlich durch den nördlichen Rand des fast baumlosen Altiplano entlang des Titicacasees. Mit uns sitzen zwei ältere Frauen im Wagen, die 14 Röcke übereinander zu tragen scheinen. Nach zwanzig Kilometern haben wir die erste Reifenpanne und können zwei Dinge beobachten:
Zum einen raucht der Fahrer bei sengender Hitze erstmal entspannt eine Zigarette, bevor er sich behäbig dem zerschossenen Rad widmet und zum anderen ist das hier ein wunderschönes Plätzchen Erde. Azurblauer Himmel, saphirblaues Wasser und die rotgelbe Erde verschmelzen zu einem wahren Kunstwerk. Zwei einsame Personen laufen wie Marsmenschen durch die karge Landschaft. Der eine ruft aus der Ferne: „Mann, ist das Scheißeheiß hier“, und der andere: „Haben wir eigentlich noch Bier?“ Nach dreißig Minuten geht es weiter.
Wir erreichen Copacabana und staunen ein nächstes Mal. Hier fehlt etwas. Keine Horde von Schleppern begleitet unseren Bus auf seinen letzten Metern. Genau genommen gibt es lediglich eine einzige, auffallend hässliche, Person, die uns eine Unterkunft aufschwatzen will. Der dürre, europäische Typ sieht aus, wie ein Abbild von Tingeltangel Bob aus den Simpsons. Er hat ein schmales Gesicht, eine spitze Nase, wirre Augen und vor allem rötliche Rastahaare, die unmöglich zu allen Seiten abstehen. Als der Kerl den Mund aufmacht und in schrägem Englisch, mit französischem Akzent, fragt, ob wir uns sein Hostel anschauen wollen, läuten bei mir die Alarmglocken.

Ich kann Franzosen nicht leiden. Nein, es liegt nicht daran, dass sie die letzte Fußball-WM und nun auch noch die Euro 2000 gewonnen haben. Doch auch! Es sind vor allem die Menschen, die mir auf den Sender gehen. Bei meiner ersten und zugleich letzten Reise ins Land von Napoleon und Zidane waren es die unverschämtesten, unfreundlichsten und überheblichsten Zeitgenossen gewesen, die mir bis dato über den Weg gelaufen waren. Sie hatten mich nicht verstehen wollen, waren nie bei der Suche nach dem Weg behilflich gewesen und hatten es vor allem rigoros abgelehnt, eine andere Sprache zu sprechen. Arrogante Schnösel ist gar kein Ausdruck. Und auch auf den Reisen durch Südamerika zeichnen sie sich, im Gegensatz zu den meist freundlichen Schweizern, Italienern, Amerikanern, Nordeuropäern und sogar den Engländern oft dadurch aus, dass sie mit keinem anderen Volksstamm sprechen wollen – oder können.

Ich sage zu Göte: „Ich hab echt keinen Bock auf so eine Backpackerscheiße bei dem Franzmann“ und Jenna, der sich gerade nach einem Kokablätter-Verkaufsstand erkundigt, ruft: „Nee, bloß nicht bei dem schwulen Froschfresser.“ Urplötzlich macht sich Tingeltangel Bob gerade. Ich sehe, wie seine Augen mit mörderischer Intensität zu funkeln beginnen. Er kommt auf mich zu, stellt sich vor mir auf und brüllt: „Das iis gaine Bagpagerscheeisse!“
Mist, Bob kann Deutsch! Laut fluchend beginnt er uns in deutsch-französischem Slang zu beschimpfen, was wir ungebildeten Deutschen eigentlich hier im Wallfahrtsort zu suchen hätten. Matze versucht zu vermitteln, doch der Typ ist kaum zu bändigen. Nicht nur wegen der langen Anreise, der Höhe und der prallen Sonneneinstrahlung haben wir alle keine Lust auf Diskussionen.
Wir schnappen unsere Rucksäcke und gehen, ohne auf seine Frechheiten zu reagieren, einfach die Straße hinunter Richtung Ufer. Freundlich lächelnde Bolivianer winken uns in ein liebevoll eingerichtetes Hotel mit Blick auf den See. Im Kühlschrank neben der Rezeption sind die unteren Lagen mit Bier gefüllt. Jenna öffnet das Ding, greift sich eine Flasche und sagt: „Was für ein beschissener Froschfresser.“ Matze, Göte und ich antworten im Chor: „Das iis gaine Bagpagerscheeisse“. Wir lachen in Copacabana zum ersten Mal. Tränen!
Am nächsten Tag schippern wir auf die berühmte Isla del Sol. Dass die legendäre Insel, auf der die Inkas, der Überlieferung nach, erschaffen worden sind, übersetzt Sonneninsel heißt, merke ich bereits an Bord unseres kleinen Schiffes. Trotz Basecap und Schattenplätzchen verglühe ich fast. Auf dem Eiland selbst ist es, ohne eine Brise, unerträglich heiß, sodass wir uns nur etwa fünf Minuten die erdbraunen Schweine und verfallene Ruinen anschauen, bevor wir in der Hafenkneipe bei Bier und Skat auf die Rückfahrt warten. Auf dem Boot treffen wir einen alten Bekannten. Wieder einmal ganz allein kauert der Stuttgarter, den wir schon in Cusco getroffen hatten, auf einer der Holzpritschen. Mit knallrotem Kopf unter den strohblonden Haaren schaut er mürrisch auf den Ozeangroßen See. Eigentlich müsste man ihn fragen, ob er sich zu uns setzen will, doch das geht leider nicht.

Ich kann Stuttgarter nicht leiden. Nein, es liegt nicht daran, dass sie komisch sprechende VfB-Spieler wie Buchwald und Klinsmann hatten. Doch auch! Es sind vor allem die Menschen, die mir auf den Keks gehen. Bei meiner ersten und zugleich letzten Reise in die Hauptstadt Baden-Württembergs waren es die ungehobeltsten und unsympathischsten Zeitgenossen gewesen, die mir bis dahin über den Weg gelaufen waren. Niemand hatte mich verstanden, keiner war bei Fragen behilflich und vor allem hatten sie es stets vermieden, eine andere Sprache außer Schwäbisch zu labern. Und auch auf ihren Fahrten durch diesen Kontinent zeichnen sie sich im Gegensatz, zu den meist freundlichen Bayern, Rheinländern, Thüringern, Norddeutschen und sogar den Sachsen oftmals dadurch aus, dass sie mit niemandem reden wollen – oder können.

Göte schaut mich grinsend von der Seite an und fragt: „Na, willst du deinem Toastbrot nicht ein bisschen Gesellschaft leisten?“ Mit böse funkelnden Augen schaue ich ihn an. „Toastbrot“ wird in meinem kompletten Freundeskreis diese Technofotze mit dem vierkantigen Gesicht aus Stuttgart genannt, der mir vor Jahren Jeannet ausgespannt hatte. „Bist du bescheuert oder was“, fauche ich ihn an.
Das Boot legt pünktlich ab und entspannt genießen wir die Blautöne des Himmels und des Titicacasees, der aufgrund seiner Form, von den scheinbar farbenblinden Aymaras, „grauer Puma“ genannt wurde. Obwohl die Fahrt nicht sonderlich weit ist, bleiben wir auf der Hälfte der Strecke stehen. Wir schauen uns fragend an, denn uns klingt allen noch immer die Story des Bremerhavener Pärchens in den Ohren. Die hatten berichtet, dass auch sie mit einem Motorschaden auf dem riesigen Binnensee liegen geblieben waren. Bei schlechtem Wetter und immer größer werdenden Wellen waren sie mehrere Stunden umher getrieben. Die unter den Passagieren allmählich einsetzende Panik wurde durch die hereinbrechende Dunkelheit und besonders durch den im Führerhaus weinenden Kapitän ins Unermessliche gesteigert. Nach zehn Minuten stehe ich beunruhigt auf und schaue nach, was das Problem ist. „Das Stuttgarter Backpfeifengesicht hat sich eingeschifft und flennt mal wieder“, erzähle ich Göte bei meiner Rückkehr, obwohl das nicht stimmt. „Das iis kaine Bagpagerscheeisse“, antwortet er meckernd mit seinem neuen Lieblingssatz. Unbeschadet erreichen wir das sichere Festland.

Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass es eine coole Kneipe geben soll, die von einem Deutschen geführt wird. Obwohl wir lieber mit Einheimischen herumhängen, klang der Tipp ganz viel versprechend. Als wir die kerzenbeleuchtete Bar betreten, trifft uns fast der Schlag. Der Raum quillt über vor billigem Kitsch. Überall hängen Webarbeiten mit Tiermustern an den Wänden, hölzerne Schamanen und Voodoopuppen, aber auch christliche Figuren stehen in den Regalen. An langen Stangen hängen talismanartige Gebilde. Außerdem riecht es in der dunklen Höhle nach verbranntem Essen, Marihuana und Räucherstäbchen. In der Heimat wäre das nicht unser Laden, aber in der Ferne interessieren wir uns immer besonders für Fremdes und Geheimnisvolles. Wir sind hier um ein Vielfaches offener. Etwas Neues zu erleben, hat höchste Priorität. Da gibt es noch diese unbändige Abenteuerlust, ein Gefühl, das wir im drögen Alltag in Berlin allmählich verlieren.
Der deutsche Besitzer ist genau so freakig wie die Inneneinrichtung und komplett zugedröhnt. Die Haare fallen ihm zottelig ins Gesicht und das schummrige Licht verstärkt seine ungesunde Gesichtsfarbe. Obwohl er uns gleich den, feucht im Mundwinkel hängenden, Joint anbietet, entscheiden wir uns für Bier. Harry schiebt sich einen Stuhl zu uns heran und beginnt zu erzählen. Von seiner angeblich so unglaublichen Auswanderer-Geschichte, von den ihm zu Füßen liegenden Damen, von ausschweifenden Fiestas zur Osterwoche und vor allem von gebratenen Enten, die man mit einem Eimer voller Bier in Cochabamba unbedingt essen müsse.

Am Gähnen der anderen sehe ich, wie sie das Gesülze finden und als der dichte Typ zum fünften Mal mit dieser unsäglichen Geflügelmahlzeit anfängt, sagt Göte: „Kommt, lasst uns abzwitschern und Skat kloppen.“ Doch Old Harry will uns noch nicht gehen lassen und schüttelt seinen letzten Trumpf aus dem Ärmel: „Schaut ihr eigentlich Fußball?“ Wir glotzen ihn mit großen Augen an. „Bei mir nebenan gucken nämlich schon zwei Leute.“ Wir folgen ihm, ohne zu fragen, welches Spiel überhaupt läuft, vor die Tür. Draußen ist es mittlerweile stockdunkel, fürchterlich kalt und geradezu unheimlich still. Doch plötzlich hören wir, zwei Häuser weiter, hinter einer hölzernen Tür, ein markdurchdringendes Gebrüll. Wir brauchen ein paar Sekunden, um es zu deuten. Es ist ein Schrei der Erlösung, der grenzenlosen Erleichterung, ein Orgasmus ohne Sex: es ist ein Torjubelschrei.
Harry öffnet die Tür und wir haben einen Blick auf den überraschend großen Fernsehapparat und die Couch mit den zwei Typen. Mir kommt augenblicklich ein französisches Wort in den Sinn: Déjà-vu. Schon einmal gesehen, oder erlebt!
Es läuft das Video vom Endspiel der letzten EM. In einer Wiederholung zeigen sie gerade, wie Wiltord in der Nachspielzeit zum 1:1 für die Franzosen gegen Italien trifft. Auf dem verschlissenen Sofa sitzen der pausbäckig grinsende Stuttgarter und ein noch immer jubelnder Tingeltangel Bob.

Wir hatten über die beiden geschimpft, gelästert und gehetzt. Wir hatten sie links liegengelassen und waren unseren Vorurteilen gefolgt. Doch in diesem Augenblick, das sehen wir in ihren leuchtenden Augen, haben sie den Sieg über uns davon getragen. Ernüchtert machen wir kehrt. „Das dumme Freibiergesicht schuldet uns noch ein Bier“, faselt Matze, doch er kann uns damit nicht mehr erheitern. „Allez le bleu“, schallt es uns hinterher. Im Video wird Frankreich in wenigen Minuten nochmals Europameister. Mir kommt ein Zitat von Jürgen Klinsmann in den Sinn: „Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.“

Am Busbahnhof lasse ich mir ein letztes Mal die Docs wienern. Göte sitzt auf einem hohen Stuhl nebenan und ein älterer Mann rubbelt, während er Zeitung liest, an seinen Adidas herum. La Paz ist eine Schuhputzerstadt, denn an jeder zweiten Ecke werden wir darauf hingewiesen, dass es mal wieder Zeit für eine Politur wäre. Es ist eher eine freundliche Geste, denn so landen wenigstens ein paar Bolivianos bei denen, die es nötig haben. „Eh Scheppert. 4:1 gegen Spanien“, ruft mir Göte zu. „Zweimal Scholl und zweimal Zickler.“ Es ist das erste deutsche Match unter Rudi Völler und ich bin überrascht, dass europäische Freundschaftsspiele hier in der Zeitung stehen. „Das ist unsere Tante Käthe!“, rufe ich rüber. Göte nickt.
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All die hübschen Frauen – Willkommen in Chile!!!

5. Mai 2015 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Aktuelles, Blog

Schwarz-rot-gold AricaAm Busbahnhof lasse ich mir ein letztes Mal die schwarzen Docs wienern. Göte sitzt auf einem hohen Stuhl nebenan und ein älterer Mann rubbelt, während er Zeitung liest, an seinen Adidas herum. La Paz ist eine Schuhputzerstadt, denn an jeder zweiten Ecke werden wir darauf hingewiesen, dass es mal wieder Zeit für eine Politur wäre. Es ist eher eine freundliche Geste, denn so landen wenigstens ein paar Bolivianos bei denen, die es nötig haben. „Eh Scheppert. 4:1 gegen Spanien“, ruft mir Göte zu. „Zweimal Scholl und zweimal Zickler.“ Es ist das erste deutsche Match unter Rudi Völler und ich bin überrascht, dass europäische Freundschaftsspiele hier in der Zeitung stehen. „Das ist unsere Tante Käthe!“, rufe ich rüber. Göte nickt.
Wir werden La Paz nach nur zwei Tagen wieder verlassen. Obwohl uns die Stadt sehr gut gefällt, haben wir immer noch Probleme mit der Höhe. Besonders Jenna fühlt sich schlecht. Er schläft kaum, raucht nur noch eine Schachtel rote Marlboro am Tag und trinkt in meinen Augen auch eindeutig zu wenig Bier. Mit dem Nachtbus wollen wir auf Meereshöhe nach Chile hinunterfahren.
2000 Bol La paz
An der Grenzstation erwarten uns übellaunige Zöllner, die besonders die Bolivianer peinlich genau kontrollieren. Ich gehe spontan zu einem besonders dreisten Typen und frage, ob ich ein Foto mit ihm vor der chilenischen Fahne machen kann. „Por qué no?“ (Warum nicht?), antwortet er überraschend freundlich. Wir nehmen Aufstellung und ich drücke Matze meine Kamera in die Hand. Ich trage meine Fliegerjacke, enge Bluejeans und die leuchtend polierten Docs – er seine Uniform. Arm in Arm strahlen wir um die Wette in die Linse. Plötzlich geht alles ganz schnell mit den Formalitäten. Der Grenzer verteilt lächelnd die Pässe und begrüßt jeden einzelnen Passagier mit einem herzlichen: „Bienvenido a Chile“ (Willkommen in Chile). Ein guter Start.
Die Fahrt auf der Serpentinenstraße von 4000 Metern Höhe auf Null ist die rasanteste meines Lebens. Der Druck auf unsere Ohren nimmt stetig zu und sogar die Bierdosen dellen sich nach innen. Wenngleich über uns ein sternenklarer Himmel leuchtet, sehen wir am Horizont, über schneebedeckten Bergkämmen ein spektakuläres Gewitter. Grelle Blitze zucken dort alle zwanzig Sekunden herab. Am Straßenrand schauen Vicunjas ängstlich, Lamas neugierig und Schafe dämlich ins Scheinwerferlicht. Ein Fernseher läuft lautstark im Inneren, doch wir drücken uns die Nasen an den Scheiben platt. Was für eine Landschaft, was für ein Naturschauspiel! Müde erreichen wir Arica.
2000 Chile ich Grenzer
Jenna zündet sich bereits seine achte Kippe an und grinst erleichtert. Die Hafenstadt ist keine architektonische Schönheit, doch es gibt eine belebte Fußgängerzone, ein Latin Quater, große Burgerläden, Kneipen, die Fassbier servieren, und vor allem eine salzig schmeckende Luft, die uns tief durchatmen lässt. So schön wie Peru und Bolivien auch gewesen waren, wir hatten immer das beschämende Gefühl gehabt, eine Art „Armutstourismus“ zu betreiben. Hinsehen, betroffen sein und wegschauen. Vielen Menschen ging es dort sichtlich dreckig und wir fuhren erster Klasse durch die Gegend und tranken Unmengen Alkohol. In der hiesigen Kneipe, mit den grünen Stühlen und Schirmen vor der Tür, ist das weniger anstandslos. Nach unserem ersten Schop (Zapfbier) im „Grünen“ beschließen wir: das ist unsere Stadt.
Es gibt hier sogar große Supermärkte, in denen sie uns auf dem Heimweg einen Bierkasten und zwei Pappen Rotwein verkaufen. Im Patio machen wir es uns gemütlich und öffnen die „Cristal“ mit lautem Zischen. „Eh, da ist ja ein Hund auf dem Dach!“, ruft Matze. „Un perro en la dacha?“ (ein Hund in der Datsche), fragt Göte falsch nach, doch Matze klettert bereits über einen Baum auf das Gebäude. „Das ist ja geil, kommt mal hoch!“ Ich folge und gebe ihm Recht. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf die, von der Abendsonne, beleuchteten Gärten. Die dahinter liegende Stadt, scheint im Blau des Pazifiks zu versinken. Der Köter ist weg. Nach und nach ziehen wir Göte, Jenna, vier Stühle und die Kiste Bier hoch. Schweigend genießen wir das Panoramabild.
„18“, brüllt Göte irgendwann, „20“, antwortet Matze. Ich rufe „Zwo“ und auch Jenna muss mal und sagt „23“. Wir verlassen das Dach zum Pinkeln nicht. Wenig später fragt „Hausmeister Krause“, der Besitzer der Residencial, ob er auch ein paar Bilder von uns machen dürfe. Diese könne er in seinen Prospekt aufnehmen und dort als Sonnenterrasse verkaufen.
Icke Arcia Dach
Wir seilen uns mit breitem Grinsen ab und mit Jenna wanke ich zum Spätverkauf. Er ist schon ziemlich blau und braucht Kippen. Als wir zurückkommen, sitzen Göte und Matze vor einem noch mühsam lodernden Feuer. „Wie seht ihr denn aus?“, frage ich höhnisch. „Mann, hier sind Dantas aufgeschlagen!“, flüstert der herausgeputzte Göte aufgeregt. „Und was für welche!“, ergänzt ein stark parfümierter Matze beschwörend. Genau in diesem Moment treten zwei Mädchen aus dem Rassedantas-Katalog durch die Tür ihres Zimmers und fragen schüchtern, ob sie sich dazusetzen können. Hatten wir soeben noch wie Hotten vom Dach gepullert, sehe ich plötzlich nur noch zuvorkommende Gentleman. Göte zerrt zwei Stühle in den Kreis und Matze besorgt Rotweingläser. Das wird interessant! Die beiden muss man sich nicht hübsch saufen. Mimi ist bildschön mit dunklen Augen, langen schwarzen Haaren, feinen Gesichtszügen und einem selbstsicheren Lächeln. Jana das Gegenstück in blond.
Wir kommen gut ins Gespräch und ahnen ohne viele Worte, dass sie sich wohl eher uns schön trinken müssen. Matze reagiert und schenkt aus der Weinpappe nach. Obwohl wir gleich zu Beginn geprahlt hatten, dass wir aus Berlin kommen, erfahren wir zunächst nur, dass sie in Freiburg studieren und vernachlässigen das Thema. Matze stellt geschickt die „Freund-Frage“ und als beide verneinen, sehe ich sein berühmtes Charmeurlächeln. Auch Göte greift jetzt an. Die beiden sind immer noch Singles. Ich halte mich zurück, da ich mich in der Heimat schwer in Sylvie verliebt habe. War sie zunächst nur meine allerbeste Freundin gewesen, hatte es plötzlich Klick gemacht. Sie wäre in jeder Beziehung die Richtige für mich und momentan sieht es fast so aus, als ob ich bei der kleinen Pfälzerin eine realistische Chance habe. Sie will sich während dieser Reise von ihrem Freund trennen. Jenna, der immer betrunkener wird, wohnt verliebt mit seiner süßen Danny zusammen.
2000 Chile Julia und ich
Göte fragt, ob sie Fußball mögen. Mimi und Jana berichten stolz, dass sie VfB-Fans sind, auch, weil sie ja ursprünglich aus Stuttgart kommen. Okay, denke ich beruhigt, für mich hat sich das jetzt eh erledigt. Doch Göte lässt nicht locker. „Kennt ihr einen Typen namens Toastbrot?“, fragt er zynisch. Wenngleich sie natürlich verneinen und ich protestiere, beginnen die anderen lang und breit zu erzählen, dass mir dieses Stuttgarter Arschgesicht vor Jahren meine Freundin ausgespannt hatte. „Na, das hat ja auch was Gutes“, mische ich mich trotzig ein. „Ich habe jetzt immer einen Platz im Bett frei.“ Matzes und Götes Augen funkeln, doch Jana antwortet herzlich „Gerne, ich war sowieso erst einmal mit meinem Ex, dem Idiot, zur Loveparade in Berlin.“ Göte schwärmt nun von Pankow, Matze von Prenzlauer Berg und ich rühme Friedrichshain als idealen Schlafplatz. Jenna ist dicht.
Sie weiß nicht mehr, wo sie damals gewesen war und beschreibt eine gewöhnliche Wohnung – Berliner Hinterhausromantik. Ich stecke mir eine Zigarette an und lausche abwesend den Gesprächen.
Plötzlich habe ich eine Vermutung. Ich beuge mich zu Jana hinüber und frage: „Wie heißt denn dein Ex-Freund eigentlich?“ Mit einem Mal sind alle ganz still. Nur das Klicken von Jennas Feuerzeug und das Knacken der Scheite, ist noch zu hören. Sie schaut mich sehr lange an. Ihre Gesichtszüge verändern sich. „Ach die Jeannet!“, platzt es plötzlich aus ihr heraus. Ich falle samt Stuhl nach hinten ins Gebüsch.
Wir Morro
In Chile, tausende Kilometer entfernt von der Heimat, treffe ich die Ex-Freundin meines Erzfeindes Toastbrot aus Stuttgart. Es stellt sich heraus, dass sie zur Loveparade 1996, während ich allein auf Reisen gewesen war, sogar in meiner Wohnung in Berlin übernachtet hatten. Selbst Jana schien damals nicht bemerkt zu haben, dass es in dieser Zeit zwischen Jeannet und ihrem Freund gefunkt hatte. Als ich nach sieben Wochen aus Chile zurückkam, war schon alles zu spät. Jeannet wollte das Westschwein und umgekehrt. Jana war es ähnlich ergangen, nur, dass Jeannet die Ostschlampe gewesen war. Wir waren für lange Zeit die traurigsten Menschen auf dem Planeten gewesen. Gleichzeitig stehen wir auf und nehmen uns in die Arme. There’s a slow waltz for Chile. Göte und Matze beginnen leise zu applaudieren. Mimi wischt sich ein Tränchen aus den Augenwinkeln und flüstert: „Ach die Jeannet!“
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Anpfiff am Ende der Welt

24. Oktober 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

777 salickMeine allererste Fußball-WM auf deutschem Boden! Es hätte ein großes, bedeutendes Ereignis für mich werden können. Aber nein!
Zum einen fand das Turnier auf der falschen Seite der Mauer statt, zum anderen war ich gerade erst drei Jahre alt. Das Endspiel 1974 verlief in etwa so: Mein Vater und mein Onkel Wolfgang haben sich im von uns so genannten „Scheppert-Eck“ Mollstraße / Ecke Hans-Beimler-Straße beim Frühschoppen so dermaßen einen eingeholfen, dass sie beim Finale BRD gegen Holland schnarchend auf unserem Wohnzimmerteppich lagen und ich mit Mutter das Spiel allein anschaute. Die BRD, der kapitalistische Klassenfeind, wurde Weltmeister im eigenen Land und ich – trotz allem – irgendwann zum Fußballfan.

Meine zweite Fußball-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden! Es sollte ein großes, ein bedeutendes Ereignis für mich werden. Aber nein!
Ich befinde mich im fußballbegeisterten Südamerika, doch am Tag des bedeutenden Eröffnungsspiels gegen Costa Rica, renne ich im Deutschlandtrikot panisch durch die staubigen Straßen eines bolivianischen Hochgebirgskaffs. Das kann doch jetzt alles nicht wahr sein. Tupiza hat 24.000 Einwohner und niemand interessiert sich hier für Fußball? „Seid ihr alle bescheuert, oder was?“, frage ich fast schon weinerlich in den Kneipen auf meinem Weg. In einer Bar schauen vier junge Kerle gelangweilt zu mir auf. Im Fernseher läuft ein asiatischer Actionfilm in voller Lautstärke. Irritiert hetze ich weiter und ahne langsam, warum sich Bolivien nicht für diese WM qualifiziert hatte.
Endlich sehe ich eine Art Kino, wo ein paar Leute gerade eine große Leinwand aufbauen und an einem antiken Beamer herumfummeln. Das muss die örtliche Fußballkneipe sein, denke ich erleichtert. Ich frage – nur zur Sicherheit – einen der Betreiber: „Futbol después aqui?“ (Fußball nachher hier?). Er schaut mich an, als ob ich nicht ganz dicht wäre und deutet auf ein Plakat im Eingangsbereich. Um 12 Uhr, um 16 Uhr und um 20 Uhr läuft heute der Hau-Drauf-Streifen „Showdown in Seoul“. Das ist das Kino! Ich beginne stark zu schwitzen.
Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass sich die berühmten amerikanischen Outlaws Butch Cassidy und Sundance Kid eine beträchtliche Zeit in Tupiza aufgehalten hatten und im Jahr 1908, nach einem Raub im nahe gelegenen San Vicente vom Militär gestellt und bei der Festnahme kaltblütig erschossen wurden. Ich gehe zurück in die erste Kneipe und drohe den bolivianischen „Karatekids“ mit vorgehaltenem Colt, dass ich gleich mit Sylvie zum Fußballschauen vorbeikommen werde.

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Natürlich lege ich nur 50 Bolivianos auf den Tresen und sage mit drei Ausrufezeichen in der Stimme: „Futbol después aqui!!!“ Sie nicken, wenn auch gequält und widmen sich sofort wieder dem herum springenden Freak in der Glotze.
Nun sitzen wir also vor dem Miniaturfernseher mit verrauschtem Bild in der scheinbar einzigen Kneipe, in der das Eröffnungsspiel läuft. Und unsere neuen Freunde sehen aus, als würden sie gerade das Sandmännchen schauen. Für Millionen Deutsche, Europäer, aber eben auch Südamerikaner ist es das Spiel der Spiele, einfach nur deshalb, weil das jahrelange Warten vom Endspiel der letzten Fußball-WM bis zum erlösenden Wiederanpfiff endlich vorbei ist. Der Jubel der Massen im Münchner Stadion, die unter die Haut gehende Stimmung bei den Nationalhymnen, das wunderbare Tor von Phillip Lahm – all das finden die hiesigen bolivianischen Zuschauer ausgesprochen langweilig und am liebsten würden sie sofort in der Halbzeitpause zum Actionfilm auf Kanal 2 zurückschalten. Dabei bestätigen mir nur Tage später sogar einige Engländer, dass das 4:2 gegen Costa Rica fantastisches Entertainment gewesen war. Aber den vier „Chicos“ bedeutet das alles rein gar nichts. So ist meine Fußball-uninteressierte Sylvie, diejenige, die an meiner Seite am zweitlautesten jubelt. Wenige Minuten nach dem stimmungsgeladenen Spiel bereue ich, nicht vor einer Großbildleinwand auf einer ohrenbetäubend lauten Fanmeile in „good old“ Deutschland gestanden zu haben.
In Bolivien wird nur Sekunden nach dem Abpfiff zum Actionkracher zurückgeschaltet. Bedacht zärtlich nehme ich meine Sylvie in die Arme und flehe sie an, schon heute ins fußballverrückte Argentinien zu fahren. Bereits eine halbe Stunde später sitzen wir im Bus an die Grenze. Ich muss zwar fast in meine Wasserflasche pinkeln, so sehr drückt das Siegerbier, aber schon kurz hinter dem Schlagbaum beglückwünscht mich ein argentinischer Grenzer – ich trage noch immer mein Deutschlandtrikot – zu unserem Sieg und erzählt mir, dass die Polen gerade gegen die Ecuadorianer 0-2 verkackt hätten. Ganz Südamerika jubelt nun auch!
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Geschafft! Ich sehe eine Fußball-WM in Argentinien. Im Land von Mario Kempes, Gabriel Batistuta und von Diego Maradona. Das war schon immer ein großer Traum, der nun endlich in Erfüllung geht. Pünktlich zum ersten Spiel der „Gauchos“ landen wir in San Salvador de Jujuy im äußersten Norden des Landes am Ostrand der Anden. Die Menschen sind völlig am Durchdrehen. Es gibt es praktisch kein anderes Thema außer „futbol“. Jede Werbung im Fernsehen – und damit meine ich wirklich jede – dreht sich um das Spiel. Überall hängen Fahnen, Wimpel und Banner aus den Fenstern oder an Laternen und viele Lebensmittel gibt es nun auch in Fußball-Form. Sogar die circa 60-Jährige, offensichtlich halbblinde Friseuse, bei der sich meine Freundin die Haare schneiden lässt, ist so ein riesengroßer Fußballfan, dass sie Sylvie zum Abschied ganz begeistert umarmt und abgeknutscht, nur weil aus „Alemania“ kommt. Schon am Tag vor dem ersten Argentinienspiel laufen tausende Menschen in himmelblau-weißen „Messi“-Trikots durch die Stadt. Den jungen Spieler kenne ich bisher noch gar nicht richtig, weiß nur dass er bei „Barca“ kickt.
Um 15 Uhr, eine Stunde vor Spielbeginn gegen die Elfenbeinküste, sind die Straßen der 230.000 Einwohnerstadt menschenleer. Jujuy hält den Atem an. Kein einziges Auto fährt, es herrscht eine gespenstische Stille und das schmucke Kino hat heute Ruhetag. Nur wir rennen durch die Innenstadt, denn auch in Argentinien scheint Public Viewing ein Fremdwort zu sein. Endlich entdecken wir eine geöffnete Kneipe. Der Pub ist enttäuschend. Es gibt zwar eine Leinwand, doch wir sind umzingelt von zwanzig Familien, die mehr auf ihre schreienden Gören achten, als auf das eigentlich aufregende Spiel zweier guter Mannschaften. Zur richtigen Zeit am falschen Ort. Schon zum zweiten Mal brüllen Sylvie und ich am lautesten herum – von Reporter im TV einmal abgesehen. Sein „Goooool de Argentinaaa!” dehnt er auf gefühlte fünf Minuten. Wahnsinn!
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Die Einheimischen schütteln über das irre Deutsche Pärchen nur die Köpfe und nach dem knappen 2:1 für die „Argies“ gehen alle brav nach Hause. Kein Autokorso, keine wilde Straßenparty – gar nichts in Downtown Jujuy. Die nordargentinischen Spaßbremsen laufen fast nüchtern nach Hause. Lediglich zwei leicht angetrunkene Deutsche taumeln durch die einsamen Straßen und brüllen „Olé, olé“.
Unverhofft finden wir dann doch noch eine vernünftige Bar wo siegestrunkene Jungs eine Runde Bier nach der anderen auf die „Albiceleste“ spendieren. Wenig später fahren sie eine nationale Spezialität auf. Sie bringen uns einen tiefen Teller mit grünen Coca-Blättern und einen kleinen mit feinem weißem Pulver darauf. Der Kellner schaut uns ermunternd an und da wollen wir ja auch nicht unhöflich sein. Also ab in den Mund und abwarten was passiert. Natürlich ist das weiße Zeug nur ein kalkhaltiger Geschmacksverstärker, der vom etwas unangenehmen bitteren Aroma der Blätter ablenken soll. Trotzdem schniefe ich davon eine gehörige Nase mit einem 100 Peso Schein vom Tisch. In falschem Spanisch rufe ich dem Kellner zu: „Una linea para Argentina“ (eine Linie für Argentinien). Die Leute in der Kneipe und meine nun schon stark schwankende Sylvie finden das lustig. Weil ich bescheuert bin!
Zum ersten Mal nehme ich nun auch die Flimmerkiste über dem Tresen wahr. Sie bringen ununterbrochen hintereinander die Wiederholung des Argentinien-Spiels. Augenblicklich denke ich: ‚Spielfilme wird es im Lande Maradonas wohl bis zum Abpfiff der WM nicht mehr im Abendprogramm geben. Keine argentinischen, keine englischen und vor allem keine asiatischen Actionfilme. Solamente futbol.’

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Anstoß am Ende der Welt – bei Spiegel Online

11. Juni 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

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Kein Mitleid! Ich hatte meine WM im eigenen Land bereits. Leider auf der falschen Seite der Mauer und im Alter von drei Jahren. Die Anekdote vom Endspiel 1974 geht etwa so: Mein Vater und mein Onkel haben sich im “Schubert-Eck”, Mollstraße, Ecke Hans-Beimler-Straße beim Frühschoppen so dermaßen einen eingeholfen, dass sie beim Finale BRD geben Holland schnarchend bei uns auf dem Wohnzimmerteppich lagen und ich mit Mutter das Spiel allein anschaute. So wurde ich zum Fußballfan.

Ich ging zu Oberligaspielen meines Team, sammelte Fußballwimpel (ich hatte sogar einen von Wismut Aue) und gehe auch heute noch mindestens zwei Mal im Jahr zu verschiedenen Berliner Mannschaften oder zu Länderspielen.

Natürlich kicke ich auch selbst – ein bisschen und mit wechselndem Erfolg. Das Schlimmste allerdings ist, dass ich völlig unnützes Fußball-Fachwissen besitze, das einem im Leben kein bisschen weiterhilft.

Zur WM 2006 in Deutschland hätte ich mit meinem Fußballwissen wohl anerkennendes Nicken oder ungläubiges Kopfschütteln hervorgerufen – aber ich war gar nicht zu Hause. Ich saß schlauerweise in einem arschkalten Anden-Staat, in dem ausgebuddelte Dinosaurier eine größere Bedeutung haben, als runde Leder, die ins Eckige müssen.

In dem bolivianischen Hochgebirgskaff, wo wir das Eröffnungsspiel sahen, hätte ich die vier bolivianischen Kids, die den WM-Auftakt mit uns anschauten am liebsten mit dem Kopf auf den Tisch schlagen. Die saßen vor dem Fernseher in der einzigen Kneipe, in der Fußball lief und sahen aus als würden sie “Sandmännchen” gucken. Ich meine: Für Millionen Deutsche, Europäer aber auch Südamerikaner war es das Spiel der Spiele, einfach nur deshalb, weil das monate-, nein jahrelange Warten vom Endspiel der letzten WM bis zum Wiederanpfiff endlich vorbei war.

Der Jubel der Massen im Münchner Stadion, die unter die Haut gehende Stimmung bei den Nationalhymnen, das wunderbare Tor von Phillip Lahm – all das war für die hiesigen bolivianischen Zuschauer scheinbar ausgesprochen langweilig und am liebsten hätten sie zu dem japanischen Actionfilm auf Kanal 2 zurückgeschaltet. Dabei bestätigten mir nur Tage später sogar einige Engländer, dass das 4:2 gegen Costa Rica fantastisches Entertainment war. Aber den vier Bolivianern bedeutete das alles gar nichts. So war meine absolut Fußball uninteressierte Freundin Sylvie diejenige, die an meiner Seite am zweitlautesten jubelte.

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Confed Cup 2013 Brasilien

11. Juni 2013 | von | Kategorie: Blog

90 Minuten Südamerika

Rechtzeitig vor dem Confed-Cup 2013 und der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist mein Buch “90 Minuten Südamerika” erschienen. Es ist ein Reise- und Fußballroman und ein Buch über große Freundschaften, Liebe und die Suche nach dem Glück.

Es war gar nicht so einfach gewesen, nach dem „Mauergewinner“ ein zweites Werk zu verfassen, da man plötzlich viel höhere Ansprüche an sich stellt. Irgendwann habe ich jedoch gefühlt, dass ich meinem Stil und vor allem meiner Sprache treu bleiben muss: Schnoddrig, direkt und offen – gewürzt mit Herzblut und Gefühl. Ob mir das gelungen ist?

Hier könnt Ihr das Buch bestellen und ggf. rezensieren:
90 Minuten Südamerika bei Amazon

Klappentext:

“Schon wieder Südamerika? Ich hielt das zunächst für ein typisches Ossi-Ding, bis ich begriff, dass 23-mal hintereinander nach Mallorca zu fliegen durchaus ein gesamtdeutsches Phänomen ist.”

Mark Scheppert nimmt uns mit auf eine einzigartige Reise durch Lateinamerika und lässt uns an einer ganz besonderen Suche teilhaben. Auf seinen abenteuerlichen Trips durch Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Guatemala, Kolumbien, Mexiko, Paraguay, Peru und Venezuela verändert sich in zwanzig Jahren nicht nur die Welt um ihn herum, sondern auch sein Heimatland. Parallel dazu entwickelt sich eine Beziehung zum Fußball, die 1990 ablehnend beginnt, in jugendliche Schwärmerei umschlägt und in euphorischer Begeisterung mündet.

Die facettenreichen, mal lustigen, mal berührenden Anekdoten lassen Erinnerungen an große Lieben, Freundschaften, Enttäuschungen und Sehnsüchte lebendig werden. Mit einer Sprache, die nicht nach Reiseführer und Merian-Heft schmeckt, versucht Scheppert, den Leser mit dem Südamerika-Virus zu infizieren und ihn auf die Fußball-WM 2014 in Brasilien einzustimmen.

„Blond, deutsch und Fußball-Fan: So zieht man in Paraguay schnell die Blicke auf sich. Besonders dann, wenn man beim 1:0 für die Heimat vor Glück einen ganzen Häuserblock zusammenbrüllt – und dem Gastgeber später bei einer WM im Armdrücken doch noch zum Sieg verhilft.“
Spiegel Online

Und hier noch der Trailer zu “90 Minuten Südamerika”:

Rezensionen:

„90 Minuten Südamerika“ ist eine Art nonfiktiver Coming-of-Age-Roman, in dem der Fußball sukzessive stärker in den Fokus rückt. Schepperts Berichte sind keine abgehangenen Weisheiten, sondern großartig geschriebene Momentaufnahmen einer riesigen Weltkarte. —11 Freunde 116, Juli 2011

„90 Minuten Südamerika“ macht Laune und Lust alles Stehen und Liegen zu lassen, um in den nächsten Flieger nach Übersee zu steigen. —Ingo Braun (Autor „Von Haifa bis Havanna“), Juni 2011

Wie das bei Männern so ist, gibt es jede Menge Abenteuer, der Alkohol steht neben dem Fußball ganz vorn, aber auch die Frauen stehen nicht im Abseits, sondern eher im Mittelfeld oder im Sturm. —Literatwo, Juni 2011

Das Werk ist weder ein Fußballbuch noch ein Reiseführer. Vielmehr ist es eine Liebeserklärung an einen Kontinent, in dem 2014 die Weltmeisterschaft stattfinden wird. —Fussball-Kurve, Juni 2011

11freunde Rezi Scanner

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