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Dreamworld – Startklar fürs Leben

13. Januar 2018 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

Keine Ahnung, wie oft wir ihn schon imaginär gesehen haben: in Fotobüchern und Hochglanzmagazinen, auf Postkarten, riesigen Postern oder im Fernsehen. Doch wenn man ihn das erste Mal erblickt, fühlt man sich trotzdem unvorbereitet. Kein einziges Bild wird diesem Anblick gerecht. Nach einer Kurve, hinter einem kaum wahrnehmbaren Hügel, verharren wir in hündischem Staunen. Der magische Berg erscheint karminrot am Horizont. Er ist jetzt das höchstaufragende Ding auf der ganzen Welt! Wir hatten mehrere Ozeane und Kontinente überflogen, um nach Australien zu gelangen, waren tagelang durch eine ungezähmte Einöde ins rote Zentrum des Landes gefahren, nur um diesen einen Augenblick erleben zu dürfen. Wir sind am Ziel unserer Reise. Dass ein Lebenstraum so bewegend in Erfüllung gehen kann, hatten wir nicht erwartet.

Wir steigen aus und knipsen den „kleinen“ Uluru. Die rote „Majestät“ ist hier noch so winzig, dass wir ihn zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen können und aus einer Linse des Glücks betrachten können. Keine Fliege der Welt kann uns nun am Verweilen hindern. Sie versuchen in Ohren, Augen, Nase, in den Hals und selbst in die Po-Ritze zu krabbeln, doch wir grinsen mit schwarz gesprenkelten Kleidern in die Kamera. Auf diesen Fotos sehen wir unfassbar glücklich aus. Bilder wie aus einem Liebesfilm, doch die Wirklichkeit schlägt die Fiktion um Längen. Der Berg ist greifbar und echt geworden.

Seine gewaltigen Ausmaße, der Uluru ist 348 Meter hoch, drei Kilometer lang und hat einen Umfang von etwa neun Kilometern, begreifen wir erst beim Näherkommen. Perplex stellen wir fest, dass er nicht oval wie ein eingebuddelter Football, sondern unförmig und an einigen Stellen fast rund ist. In der Breite misst er eben auch bis zu zwei Kilometern. Mit 30 km/h rollen wir ihm andächtig entgegen, während im CD-Player „Dreamworld“ von Midnight Oil läuft. Überall sind nun auch tiefe Furchen, Einkerbungen und Schluchten zu erkennen.

Am Parkeingang zum Weltkultur-Naturerbe kassieren sie ordentlich ab. Sei es den Aborigines, denen das Heilige Land nun wieder gehört, vergönnt. Es heißt, dass alle Traumzeitreisen dort hinführen oder enden. Wir ahnen, warum – verstehen können wir diese Kultur noch immer nicht, denn es gibt in ihr kein Gestern, Heute oder Morgen. Wir nehmen uns vor, dies auf unserer Weiterreise zu verinnerlichen.

Ein großes Schild weist darauf hin, dass die Anganu-Ureinwohner aus mythischen Gründen nicht wünschen, dass der Felsen bestiegen wird, doch aus der Ferne sehen wir einen nicht enden wollenden Strom sich bewegender Punkte. Dicke, dürre, große, kleine, junge, alte und vor allem dumme Menschen fallen wir eine Ameisenarmee über den Uluru her. Warum? Was wollen sie dort sehen? Leere, unermessliche Weite, das Ende der Welt? Nur auf der Ebene macht einen der Berg klein und vergänglich wie ein Wüstenstaubkorn. All jene, die sich über ihn erheben wollen, geben sich der Lächerlichkeit preis, denn ein Wunder bekommen sie auf dem Gipfel sicherlich nicht geschenkt. Aufgrund von Überschätzung, durch die sengende Hitze oder durch Unachtsamkeit haben zudem bereits über 30 Menschen ihr Leben am Uluru verloren.

Auch heute ist es brütend heiß – ohne ein Wölkchen am lichtblauen Himmel -, sodass wir unser eigentliches Vorhaben, den Berg zu Fuß zu umrunden, aufgeben. Außerdem haben die summenden Fliegen in den Ohrmuscheln jetzt doch ein Wort mitzureden. Wir laufen immer nur kürzere Abschnitte entlang des zerklüfteten Fels, berühren ihn kurz, um dann 200 Meter weiterzufahren.
Dort wird das Ritual wiederholt, bis wir einmal herum sind. Leider werden auch die längst geplünderten „Sacred Places“ von Touristen in schierer Respektlosigkeit abgelichtet, obwohl dies von den Anganu ausdrücklich nicht erwünscht ist.

Wir machen Fotos, die uns mit gebührendem Abstand vor dem roten Ungetüm zeigen. Einige davon zeigen uns lachend auf dem heißen Blechdach des Campers liegend. Es sind Bilder voller Glück und Harmonie, die wir sicher noch in dreißig Jahren wehmütig betrachten werden.
Im Visitor Centre erfahren wir, welche Mythen dem Uluru von den Ureinwohnern zugeschrieben werden. Ganz ehrlich: Mit Teppichschlangen- und Hasenkänguru-Menschen, Tannenzapfen-Echsen und Regenbogen-Schlangen können wir recht wenig anfangen. Für uns geht eine ganz andere Faszination von diesem Giganten aus. Eine Faszination, die uns für immer daran gemahnen wird, dass wir diese Reise gemeinsam unternommen haben und nun angekommen sind.

Etwa 50 Kilometer weiter erreichen wir die „Kata Tjutas“. Die runden Brocken – auch „Olgas“ genannt – erinnern an im Solarium verbrannte Brüste oder rote Glatzköpfe. Die höchste Erhebung der ebenso spektakulären Massive heißt Mount Olga und wurde nach der Königin Olga von Württemberg benannt. Leider wird uns auch die Wanderung im „Valley of the Winds“ durch schwarze Wolken voller Fliegen verleidet, sodass wir bei großer Hitze und ohne spürbaren Windhauch nicht alle Aussichtspunkte erkunden können und wollen. Gegen 17.30 Uhr haben wir das Kapitel „King Uluru“ und „Queen Olga“ demnach abgeschlossen.

Auf einem eingezeichneten, hunderte Parktaschen umfassenden Betonareal stehen schon unzählige Autos und Reisebusse. Unförmige Menschen mit engmaschigen Gittern vorm Gesicht streiten sich um die besten Plätze zum Sonnenuntergang.
Die mit der guten Sicht stellen Tische und Stühle vor ihre Wagen und trinken Champagner. Allen anderen wird der Blick durch Spinifexbüschel und hoch aufgeschossene Büsche verstellt. Sie müssen sich hinten anstellen oder woanders ihr Glück versuchen. Doch wo? Fast überall gibt es durchgezogene gelbe Linien am Straßenrand mit dem Hinweis: „No Stopping Anytime.“

Auf all das haben wir überhaupt keine Lust! Wir wollen die Farborgie alleine genießen und fahren zu der Stelle zurück, an der wir den Zauberberg das erste Mal im Miniaturformat erblickt hatten. Dort finden wir, was wir suchen: einen Ort, der uns das Glück wie eine Faust in den Magen rammt. Der Uluru gehört uns hier ganz allein. Keine Volksfeststimmung – nur wir beide.

Längst haben wir den Champagner – also zwei Dosenbier – aufgezischt und betrachten – auf dem Dach unseres Campers sitzend – das steinerne Chamäleon in Technicolor: orange, orangerot, burgunderrot, feuerrot, karminrot, terracotta, blutfarben, purpurrot, fliederviolett, schiefergrau, schwarz.
Erstmals im Leben konzentrieren wir uns ausschließlich auf das Jetzt. Zeitgleich flüstern wir: „Ich liebe dich.“ Wir haben uns fürs Glück entschieden und sind jetzt startklar zur Weiterreise. Nein, anders: wir sind jetzt startklar fürs Leben.
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Zum Weiterlesen: “Koalaland”
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Bahnfrei Kartoffelbrei – Surf baby, surf! – Byron Bay Australien

11. November 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

img_1849Nina möchte am nächsten Halt ein paar Tage verweilen. Dass wir in Byron Bay landen, ist eigentlich Zufall. Mit Reiseführer hätte sie unter Umständen anders entschieden, denn schon bei der Fahrt durchs Städtchen laufen uns viele ultralässige Backpacker in Markenklamotten über den Weg. Die meisten sind halbnackt und oftmals lässt sich ein Blick in die Poritze nicht vermeiden. Darauf steht sie ja besonders! Mich animieren die vielen Läden und das Ambiente eher dazu, nun endlich einmal surfen zu gegen. Meine wohlhabende Begleitung mietet uns ein Appartement mit Terrasse, offener Küche, Wohncouch, Plasma-TV, zwei Schlafzimmern und einem Gemeinschaftspool im Garten. Eine Traumunterkunft! Ihr scheint jedoch lediglich der W-LAN-Anschluss wichtig zu sein, doch wie abgemacht, zahle ich nur 50 AU$ pro Nacht.
Auf einer Kommode liegen Flyer von Surfschulen. Ich leihe mir ihr Handy und buche einen Tageskurs beim Anbieter „Kool Katz“ für 39 AU$. Nach einer ersten Strandbesichtigung (Wahnsinn, was die Jungs auf ihren Brettern vollführen) kaufen wir im Supermarkt Essen und im Liquor-Store Getränke für die nächsten Tage.
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Ein völlig verplanter Kerl, der ein bisschen wie Gérard Depardieu aussieht, holt mich am nächsten Morgen mit einem Minibus ab. Um Australien, seine Menschen und ihr Lebensgefühl zu begreifen, gebe es nur eine Möglichkeit: „Surf Baby – Surf!“, erklärt er mir schief lächelnd. Unterwegs laden wir noch seinen Kiffer-Kumpel „Wolle Petri“ ein, der sich freut, dass wir heute „nur“ zu zehnt sind und bei „dem“ Wind richtig gute Bedingungen vorfinden werden. Ein bisschen bezweifele ich schon jetzt, dass die billigste Surfschule auch zu den besten der Stadt gehört. Zumindest verstehe ich mich mit dem Typen und den zwei süßen Mädchen aus Halle an der Saale, die später zusteigen, auf Anhieb blendend.
An einer 30 Kilometer entfernten Flussmündung bekommen wir klitschnasse, stinkende Wetsuits von „Gerald“ und „Wolle“ gereicht. Da es trotz feinen Nieselregens warm ist, entscheiden sich alle Jungs, ohne Neoprenanzüge zu surfen. Nur Antje, Bianca und ich (das dritte Mädchen) schlüpfen in die Strampelanzüge. Eine weise Entscheidung, denn nach ein paar Trockenübungen paddeln wir mit den kastenförmigen Styroporteilen los und ein Finne macht gleich zu Beginn Bekanntschaft mit den Tentakeln einer Qualle. Dummerweise nesseln sie ihn genau an seinem besten Stück. Er schreit wie von Sinnen, während sich die Mädchen – mit den Gummifellen am Körper – angrinsen. Von Wolle erfahren wir, dass Hoden in Australien „Knacker“ genannt werden. Aua!
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Die Wellen rollen vom Meer kommend, wie künstlich erzeugt, schnurrgerade hunderte Meter den Fluss „bergauf“ ins Land hinein. Schon beim ersten Versuch – noch mit Anschieben – stehe ich etwa 30 Meter auf der riesigen Bohle. Daniel, der andere Deutsche, staunt nicht schlecht, bis er es selbst probiert und auf Anhieb 40 Meter abreitet. „Dib-Dob“ (wahrscheinlich „Tip-Top“) schreit er mir zu. Wir klatschen uns wie alte Hasen ab und strahlen. Nur 20 Meter wurden uns vorher vom Chef garantiert.
Bereits nach wenigen Minuten machen wir unter Rufen wie „Bahn frei, Kartoffelbrei“ den Anfängern unser Wellenrecht klar. Die Girls aus Sachsen-Anhalt rufen während der Fahrt: „Hupen naus, iss Sommer!“, obwohl ich es erst beim zweiten Mal verstehe und vergeblich darauf warte. Nach drei Stunden surfe ich mit 200 Metern die Welle meines Lebens. Ich fühle mich frei und wild und verlängere sofort um zwei Tage beim „coolen Kätzchen“. Die anderen Deutschen hatten sowieso den 3-Tage-Kurs gebucht.
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Bei einem Nachmittagsbier in der Stadt überbieten wir uns mit Heldengeschichten. Ganz nebenbei stelle ich fest, dass Daniel und Antje im selben Dilemma zu stecken scheinen wie Nina und ich. Sie sind befreundet, mögen sich irgendwie, aber so richtig ist der Funke noch nicht übergesprungen. Bianca zwinkert mir derweil auffällig oft zu und fragt mich, ob ich am Abend mit in ihren Geburtstag reinfeiern möchte.
Im Appartement liegt Nina vor der Glotze, schaut „Friends“ und lackiert sich die Nägel. Sie hatte sich eine komplette DVD-Staffel aus der Heimat mitgebracht. Ohne groß zu fragen, wie es war, erzählt sie mir von ihrem „Arbeitsscheiß“ und den Anweisungen, die sie per E-Mail versandt hat. Interesse heuchelnd, höre ich zu, obwohl ich es nicht mehr hören kann, und gönne mir später ein kurzes Schläfchen. Danach hockt sie schon wieder vor dem Rechner und möchte in Ruhe gelassen werden. Es scheint ihr nichts auszumachen, dass ich in die Stadt düse, um meine neuen Bekannten zu treffen.
Im gut gefüllten „Beach Hotel“ steckt mich die positive Stimmung sofort an. Wie gerne wäre ich mit so einer Truppe unterwegs! Außerdem scheine ich heute eine undefinierbare Ausstrahlung zu haben, denn auf dem Weg zum Klo kneift mir eine Frau frivol in den Hintern, die Kellnerin flirtet mit mir und auch Bianca lässt meinen Kopf beim Geburtstagsküsschen gar nicht mehr los. Sie versucht mir sogar die Zunge in den Hals zu schieben, doch ich erkläre ihr, dass es da eigentlich noch jemanden gibt. „Schau mir ma in de Oochen!“, flüstert sie. Mittlerweile verstehe ich den Dialekt einigermaßen und weiß, dass damit ihre grünen, mandelförmigen Augen gemeint sind. ‚Sie sieht ja schon sehr verführerisch aus und mit Nina läuft ja eh nichts’, denke ich auf dem Heimweg.
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Schon am zweiten Tag haben wir die Surfersprache von Gerald und Wolle verinnerlicht. „Duck“ rufe ich Daniel zu, was in etwa das Gleiche bedeutet wie „Buoy“, also jemand, der in der „Lineup“ sitzt und nie die „Guts“ hat, eine Welle zu nehmen. „Shark Biscuit“ brüllt er zurück. Ich antworte mit „Decoy“, was einem verschärften „Duck“ entspricht. Er schreit mir „Asshole“ entgegen. So werden auch hier draußen krasse Anfänger und Arschlöscher genannt. Wir überlegen, wann wir den ersten „Twenty-Footer“ nehmen werden, rufen „Kamikaze“ und paddeln los. Dann hört man nur noch: „Duck“, „Buoy“, „Decoy“ und „Asshole“. Laut kreischend, reiten wir die Mörderwellen zunächst als „Floater“ auf dem Kamm und rasen dann durch eine glasige „Tube“, bevor wir springen. Oder so ähnlich…
Diesmal ist Nina bei meiner Ankunft ansprechbar. Sie hat nichts dagegen, dass meine Freunde heute zum Abendessen in unsere „Surfervilla“ kommen. Während sie, mit Fotoapparat bewaffnet, zum Strand läuft, kaufe ich im „Coles“ ein. Die Auswahl an frischem Fleisch, Gambas, Krebsen, Fisch und Muscheln ist gigantisch. Ich hätte jedoch nicht mit knurrendem Magen herkommen sollen, denn der Wagen ist schnell randvoll. Im Liquor-Shop packe ich noch zwei 24er-Kisten Stubbys und sechs Flaschen Rotwein ein.
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Pünktlich um 8 Uhr erscheinen Antje, Bianca und Daniel und zu meiner Erleichterung ist auch Nina ganz gut drauf. Wir quatschen, lachen, singen deutsche Lieder und tanzen ausgelassen in allen möglichen Konstellationen. Als sich die Gespräche mal wieder um den Surfkurs und die nächste Mörderwelle drehen, verabschiedet sich Nina wankend ins Bett. Sie hatte ordentlich Gin Tonic und Wein durchlaufen lassen. Die anderen wollen jedoch keineswegs schon gehen. Antje und Daniel liegen eng umschlungen auf der Couch und stehen kurz davor, den entscheidenden Schritt zu wagen. Bianca blinzelt mir zu und fragt, ob sie mir die Fotos auf ihrer Digitalkamera zeigen kann – im anderen Zimmer natürlich. Schon nach zwei Bildern legt sie den Apparat zur Seite und ruft: „Hupen naus, iss Sommer!“ Diesmal lässt sie Taten folgen und zieht sich – wie selbstverständlich – das T-Shirt samt BH über den Kopf.
Lange rote Haare bedecken ihre hoch aufgerichteten dunklen Brustwarzen. Ich giere nach etwas Greifbarem und streiche sie zur Seite. Dann umfasse ich den zierlichen Hals und beginne, sie, mich dabei abwärts begebend, zu küssen. Ganz langsam schlängelt sie ihre langen Beine um meinen Körper bis sie sich – den Kopf weit nach hinten geworfen – auf mich setzt. Die Erektion in der Jeans beginnt zu schmerzen und ich überlege, wo ich um diese Uhrzeit noch Kondome herbekomme. Doch plötzlich sehe ich den ringförmigen Gummi zwischen ihren Fingern. Sie beugt sich vor, schaut mich mit katzenhaften Augen an und flüstert: „Wollen wir?“
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Genau in diesem Moment öffnet sich die Tür und nur Sekunden später steht Nina mit entsetztem Blick im Raum. Unsere Klamotten liegen im ganzen Zimmer verstreut. Mit hochrotem Kopf brüllt sie: „Verpiss dich, du dumme Schlampe“. Bianca ist genauso überrascht wie ich, zieht sich eilig an und rennt kopfschüttelnd hinaus. Ohne Nina eines Blickes zu würdigen, stolpere ich hinterher. Auch Antje und Daniel stehen schon abmarschbereit da. Ich bin stinksauer. Mit 1,8 Promille im Kopf fahre ich die drei mit dem Auto nach Hause und entschuldige mich auf dem Weg etliche Male. Bianca nimmt den Zwischenfall locker. Sie legt mir während der Fahrt die Hand auf den Schoß und haucht mir ins Ohr: „Wollen wir das bei mir nicht fortsetzen?“ ‚Bei ihr’ ist ein Backpacker-Hostel, wo sie zu sechst (mit vier bereits schlafenden Mädchen) in einem muffigen „Dorm“ hausen. Nicht nur deshalb ist mir die Lust längst vergangen. Ich fahre zurück und rufe Nina, die apathisch vor einer Pulle Rotwein hockt, zu: „Wir reden morgen!“, bevor ich ins Bett verschwinde.

Koalaland - Roman

Koalaland – Roman


Am letzten Kurstag bedanken sich die drei Sachsen-Anhalter für den lustigen Abend. Es hört sich ehrlich an und über meine Mitbewohnerin verlieren sie kein Wort. Heute surfen wir erstmals im offenen Meer und mit Daniel stelle ich überrascht fest, dass wir es dort nicht einmal schaffen, bei einem „Two-Footer“ aufs Brett zu springen, geschweige denn, darauf stehen zu bleiben. Wir schlucken etliche Liter Salzwasser, nehmen den Profis, die uns „Duck“ und „Asshole“ zurufen, die Wellen weg und liegen um 11 Uhr völlig geplättet am Strand. Die Mädels aus Halle rufen aus der Ferne „Bahn frei, Kartoffelbrei“ und stürzen mit wogenden Hüften auf uns zu. Ich kann meine Oberarme kaum mehr bewegen, um Bianca von mir runterzuschubsen. Dann ein Abschiedskuss.

Als ich die Wohnung betrete, ist Nina nicht da. Ich mache mir ein Bauernfrühstück mit Schrimps und da es auf unserer Terrasse nach Erbrochenem riecht, schalte ich den Fernseher ein. Es läuft ein Bericht über die größte australische Surfer-Legende Kelly Slater. Ganz allmählich ahne ich, dass ich wohl Jahre in Australien wohnen müsste, um dieses Lebensgefühl zu verinnerlichen. Dafür habe ich in den letzten Tagen etwas anderes begriffen!

Zum Weiterlesen im Buch: Koalaland
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Tierschlagzeile der Woche – Koalaland

23. Oktober 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

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Seine Sicht:
Ruhig können wir es nicht angehen lassen, denn wir befinden uns noch immer rund 800 Kilometer von Sydney entfernt. Ich muss durchgehend fahren, da Nina gestern zu tief in die Weinpappe geschaut hat. Inzwischen bin ich ein brillanter Linksfahrer und kratze mit den Vorderreifen nur noch selten am Mittelstreifen. Das lange Fahren macht mir heute auch nichts aus. Dennoch biege ich an einigen Ecken auf gut Glück von der Hauptstraße ab, um Verschnaufpausen einzulegen. Überall entdecken wir einsame, zauberhafte Strände, aber wir müssen ja weiter – immer weiter.
In Crescent Head haben wir das Tagesziel erreicht. Angeblich soll es die Longboarder-Hochburg Australiens sein, doch ich sehe eher junge Typen mit kurzen Brettern. Sie sind auf Ehrfurcht gebietenden Wellen, die so hoch sind, dass sie dahinter regelrecht verschwinden, unfassbar elegant unterwegs. Meine Euphorie wurde gestern ein wenig gedämpft, sodass ich keine Lust verspüre, hinauszupaddeln, zumal sie am Kiosk keine Anfängerpappen verleihen. Eingehakt wie ein altes Ehepaar, gehen wir am zerklüfteten Strand spazieren. Nina erklärt mir, dass sie in drei Tagen nicht mit zurückkommen wird, doch ich nehme das Gerede mittlerweile nicht mehr ernst. Okay, auch ich würde gerne mehr Zeit an Australiens Küsten verbringen, aber unser Rückflugtermin steht ja fest. Sie sollte langsam mal aufhören, immer so herumzuspinnen.
Auf Ninas Wunsch gehen wir fein essen. Sie lädt mich sogar ein. Allerdings werden die Pizzas im Restaurant auf Papptellern serviert. Wir müssen sie sogar abholen und an den grünen Plastiktisch tragen. Zumindest scheint es meiner Freundin danach besser zu gehen, denn sie grinst endlich mal wieder und sagt mit vollem Mund: „Ich meine es ernst, dass ich noch bleiben werde!“ Ich nicke wissend und denke: ‚Blödsinn, wir fliegen gemeinsam zurück, ziehen in der Heimat zusammen und heiraten irgendwann.’ Bei unseren Nachbarn erklingt in der Nacht lauschige Gitarrenmusik. Jemand singt mit schmachtender Stimme „My girl“ von Nirvana. Neben mir liegt eine leicht röchelnde Nina. Ich spüre sehr intensiv, was ich an ihr habe, und mag ihre unrhythmischen Schlafgeräusche mittlerweile sehr. Vorsichtig decke ich sie zu, da sie sich mal wieder freigestrampelt hat, und kuschele mich an „mein Mädchen“.
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Nina hält mich zwar für bescheuert, aber letztendlich hat sie nichts dagegen, dass ich den „Billabong Koala and Wildlife Park“ in der Nähe von Port Macquarie ansteuere. Ich möchte überprüfen, ob wir alle bedeutenden Viecher Australiens auch wirklich in natura gesehen haben. Haben wir! Doch die Emus, Kängurus und Koalas können wir dort auch anfassen, streicheln und knuddeln. Die Anlage gefällt sogar Nina. Im Terrarienhaus steht sie allerdings kurz vor einem Herzinfarkt, als eine riesige Würgeschlange vor ihren Augen zu Boden kracht. Die dicken Scheiben sind so gründlich geputzt, dass sie denkt, das längliche Monster sei direkt vor ihre kleinen Füße geplumpst. Ich lache, bis mir Tränen über die Wangen laufen.
Da uns die Sonne ins Gesicht scheint, fahren wir nochmals von der Hauptroute ab. Diamond Head wird somit das dritte „Head“ in Folge. Es liegt inmitten eines dichten Waldes in der Nähe eines felsigen Strandes. Das Besondere: Der Stellplatz befindet sich auf einer Lichtung und wird von Känguruherden regelrecht belagert. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Begegnungen mit dieser Art hüpfen sie nicht ängstlich davon, wenn man sich nähert. Sie grasen in aller Seelenruhe vor den Zelten, neben den Autos oder im Wald. Eine fürsorgliche Mutter, bei der das Kleine mit schief gelegtem Kopf und vier Pfoten aus dem Beutel lugt, steht am Strand und schaut andächtig in die Ferne. Ein Anblick, den man mit Worten kaum beschreiben kann.
In der Abenddämmerung wandern wir an der Küste entlang und sammeln Holz. Das Lagerfeuer zündelt direkt neben dem Einweggrill – beobachtet von drei neugierigen Hoppelviechern. Ein unvergessliches „Abendbrot mit Kängurus“ und ein magischer Augenblick unserer Beziehung! Unter einem Abschieds-Sternschnuppen-Himmel entkorken wir eine teure Flasche Rotwein und lassen die abenteuerliche, intensive Tour noch einmal Revue passieren. Fast gleichzeitig stellen wir fest, dass wir als Freunde gestartet sind und als Liebespaar zurückkehren werden.

In der Nacht „vögeln wir uns“ – um mit ihren Worten zu sprechen – „die Seele aus dem Leib“. Auch das Eukalyptuskondom kommt dabei zum Einsatz. Wahrscheinlich stehen deshalb am Morgen noch mehr Kängurus vor unserem Camper. Sie wollen wissen, wer in der Nacht diese tierischen Geräusche von sich gegeben hat und wer so penetrant nach Koala müffelt. Wir lachen, wie in guten alten Zeiten.
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Ihre Sicht:

Die heutige Fahrt ist insofern entspannter, als ich mit meinem Schädel nicht fahren muss. Auf Straßen, die – wie auf dem Reißbrett entworfen – immer stur geradeaus führen, bringt uns Micha näher an Sydney heran. Wir tuckern durch einsame Wälder, gemütliche Orte und halten an verlassenen Strandabschnitten. Crescent Head hat er zum Übernachten auserkoren. Im Reiseführer steht, dass dies der perfekte Ort sei, um ein Buch zu schreiben. Vielleicht komme ich eines Tages zurück und verarbeite meine Eindrücke dieser Reise. Allerdings würde ich als Schriftstellerin nicht unbedingt diesen Zeltplatz wählen, denn ich fühle mich dort eher eingeengt. Der von Felsen umgebene Strand ist jedoch sehr schön. Wir laufen ein paar hundert Meter am Ufer entlang und ich hake mich bei ihm ein, da mir noch immer etwas schummrig ist. Meine Bemerkungen, dass ich noch länger in Australien bleiben werde, tut er als „Quatsch mit Soße“ ab und versucht mir stattdessen seine Zwei-Zimmer-Bude in Deutschland schmackhaft zu machen. ‚Dort wohne ich deutlich luxuriöser und mehr Platz hätte ich auch’, denke ich, aber das Beziehungsthema ist bei mir eh längst durch.
Da es wahrscheinlich unsere letzten gemeinsamen Tage sind, lade ich ihn ins örtliche Lokal ein. Nicht ganz uneigennützig, denn so bekomme ich endlich mal wieder eine Salami-Pizza. Und sie schmeckt vorzüglich. Zurück am Camper, habe ich keinerlei Drang, mir die Reste des Rotweins hereinzuquälen, sondern verabschiede mich frühzeitig. Als ich ihn umarme, spüre ich, dass sich das nicht mehr nach Liebe anfühlt. Er bleibt noch wach und lauscht der sanft dahinperlenden Gitarrenmusik von nebenan. Was für eine romantische Stimmung – schade eigentlich!
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Der Kerl ist irgendwie süß. Wir sind tausende Kilometer durch atemberaubende Landschaften gefahren, haben fast alle bekannten Spezies des Landes live bewundern können und wohin schleppt er mich? Richtig, in einen Zoo! Im „Billabong-Center“ kann ich somit Fotos von Tieren machen, auf denen es so aussieht, als ob wir sie im Busch getroffen und gefüttert hätten.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mich eine klitzekleine Spinnenphobie plagt? Auch diese Fieslinge kann man dort betrachten, innerlich erschaudern und darüber nachdenken, ob ein Rückflug in sichere Gefilde nicht doch vernünftiger wäre. Plötzlich fällt neben mir etwas Großes zu Boden. Da ich mich fürchterlich erschrecke, kapiere ich zunächst nicht, dass die schuppige Schlange, welche nun direkt vor mir liegt, sich noch immer hinter einer Scheibe befindet. Panisch schreie ich los. Micha kommt sofort angehetzt und amüsiert sich köstlich.
Wesentlich sympathischer sind mir demnach all die Viecher, welche im Streichelzoo gehalten werden. Dort habe ich dann auch noch Grund zur Schadenfreude, da ein nervtötendes Kind vom platzierten Schlag eines Kängurus fast k. o. geboxt wird. Zum Glück hat es nicht den scharfkantig behelmten Kasuar geärgert, welchen wir – wie die friedlich brummenden Koalas – nochmals ablichten können.
Micha möchte die Australienreise in Diamond Head ausklingen lassen. Keine schlechte Idee, denn als ich auf den Wiesenparkplatz rolle, raste ich vor ekstatischer Freude fast aus. Überall grasen rotbraune Kängurus, als wären es träge Kühe in Mecklenburg. Sie scheinen sich so an Fahrzeuge gewöhnt zu haben, dass ich aufpassen muss, keines unabsichtlich zu überfahren. Sofort zücke ich die Kamera und halte das ungewöhnlich harmonische Zusammenleben von Mensch und Tier in Bildern fest. Am Strand guckt mich sogar ein „Joey Kangaroo“, wie der Nachwuchs in Australien genannt wird, aus dem Beutel seiner Mutter blinzelnd an. Zuckersüß!
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Beim Essen am Lagerfeuer bin ich dann doch ein wenig traurig, dass wir hier wohl zum letzten Mal ein gemeinsames – von ihm so genanntes – „Abendbrot mit Kängurus“ erleben werden. Als Micha mit leuchtenden Kinderaugen dann auch noch davon anfängt, wie verrückt unsere Reise gewesen ist und die einzelnen Orte und Begebenheiten herunterrasselt, kullert mir sogar ein Tränchen übers Gesicht, das ich mir unauffällig mit dem Ärmel wegwische. Er hat ja Recht: Wir sind als Freunde gestartet und sind zwischendrin ein Liebespaar geworden. Doch wir werden uns wieder freundschaftlich voneinander verabschieden müssen. Nein, ich traue mich nicht, ihm die bittere Wahrheit ins Gesicht zu sagen, denn der heutige Abend ist ein fantastischer Abschluss unserer wilden Zeit in Australien. Er küsst mich mit spröden – nach Rotwein schmeckenden – Lippen. Sachte kraule ich in seinem struppigen Haar und schaue ihn wie einen Geliebten an, den man bald zum allerletzten Mal sieht.

Was für eine Nacht! Er braucht aber nicht zu glauben, dass uns hemmungsloser Sex zusammenhält und ich Geilheit mit Liebe verwechsele. Ich habe ein sauschlechtes Gewissen, als er mich am Morgen treudoof anlächelt. Dennoch muss ich grinsen, da der wilde Hengst noch immer nach angelutschtem Eukalyptusbonbon riecht und sich beim Vögeln einen Nerv eingeklemmt hat. Er humpelt wie ein lahmer Gaul, während die müde Stute auf wackeligen Beinen neben ihm steht. Scheiße, wenn er mich jetzt festhalten und nie wieder loslassen würde, könnte ich für nichts garantieren.
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Zum Weiterlesen: Koalaland – Roman
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Dreamworld Australia – Koalaland

16. November 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

IMG_3478Keine Ahnung, wie oft wir ihn schon imaginär gesehen haben: in Fotobüchern und Hochglanzmagazinen, auf Postkarten, riesigen Postern oder im TV. Doch wenn man ihn das erste Mal erblickt, fühlt man sich trotzdem unvorbereitet. Kein einziges Bild wird diesem Anblick gerecht. Nach einer Kurve, hinter einem kaum wahrnehmbaren Hügel, verharren wir in nahezu hündischem Staunen. Der magische Berg erscheint kaminrot am Horizont. Er ist jetzt das höchstaufragende Ding auf der ganzen Welt! Wir hatten mehrere Ozeane und Kontinente überflogen, um nach Australien zu gelangen, waren tagelang durch eine ungezähmte Einöde ins rote Zentrum des Landes gefahren, nur um diesen einen Augenblick erleben zu dürfen. Wir sind am Ziel unserer Reise. Dass ein Lebenstraum so bewegend in Erfüllung gehen kann, hatten wir nicht erwartet.
Wir steigen aus und knipsen den „kleinen“ Uluru. Die rote „Majestät“ ist hier noch so winzig, dass wir ihn zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen können und aus einer Linse des Glücks betrachten können. Keine Fliege der Welt kann uns nun am Verweilen hindern. Sie versuchen in Ohren, Augen, Nase, in den Hals und selbst in die Po-Ritze zu krabbeln, doch wir grinsen mit schwarz gesprenkelten Kleidern in die Kamera. Auf diesen Fotos sehen wir unfassbar glücklich aus. Bilder wie aus einem Liebesfilm, doch die Wirklichkeit schlägt die Fiktion um Längen. Der Berg ist greifbar und echt geworden.
Seine gewaltigen Ausmaße, der Uluru ist 348 Meter hoch, drei Kilometer lang und hat einen Umfang von etwa neun Kilometern, begreifen wir erst beim Näherkommen. Perplex stellen wir fest, dass er nicht oval wie ein eingebuddelter Football, sondern unförmig und an einigen Stellen fast rund ist. In der Breite misst er eben auch bis zu zwei Kilometern. Mit 30 km/h rollen wir ihm andächtig entgegen, während im CD-Player „Dreamworld“ von Midnight Oil läuft. Überall sind nun auch tiefe Furchen, Einkerbungen und Schluchten zu erkennen.
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Am Parkeingang zum Weltkultur-Naturerbe kassieren sie ordentlich ab. Sei es den Aborigines, denen das heilige Land nun wieder gehört, vergönnt. Es heißt, dass alle Traumzeitreisen dort hinführen oder enden. Wir ahnen, warum – verstehen können wir diese Kultur noch immer nicht, denn es gibt in ihr kein Gestern, Heute oder Morgen. Wir nehmen uns vor, dies auf unserer Weiterreise zu verinnerlichen.
Ein großes Schild weist darauf hin, dass die Anganu-Ureinwohner aus mythischen Gründen nicht wünschen, dass der Felsen bestiegen wird, doch aus der Ferne sehen wir einen nicht enden wollenden Strom sich bewegender Punkte. Dicke, dürre, große, kleine, junge, alte und vor allem dumme Menschen fallen wir eine Ameisenarmee über den Uluru her. Warum? Was wollen sie dort sehen? Leere, unermessliche Weite, das Ende der Welt? Nur auf der Ebene macht einen der Berg klein und vergänglich wie ein Wüstenstaubkorn. All jene, die sich über ihn erheben wollen, geben sich der Lächerlichkeit preis, denn ein Wunder bekommen sie auf dem Gipfel sicherlich nicht geschenkt. Aufgrund von Überschätzung, durch die sengende Hitze oder durch Unachtsamkeit haben zudem bereits über 30 Menschen ihr Leben am Uluru verloren.
Auch heute ist es brütend heiß – ohne ein Wölkchen am lichtblauen Himmel –, sodass wir unser eigentliches Vorhaben, den Berg zu Fuß zu umrunden, aufgeben. Außerdem haben die summenden Fliegen in den Ohrmuscheln jetzt auch ein Wort mitzureden. Wir laufen immer nur kürzere Abschnitte entlang des zerklüfteten Fels, berühren ihn kurz, um dann 200 Meter weiterzufahren. Dort wird das Ritual wiederholt, bis wir ein Mal herum sind. Leider werden auch die längst geplünderten „Sacred Places“ von einigen Touristen in schierer Respektlosigkeit abgelichtet, obwohl dies von den Anganu ausdrücklich nicht erwünscht ist.
Wir machen Fotos, die uns mit gebührendem Abstand vor dem roten Ungetüm zeigen. Einige davon zeigen uns lachend auf dem heißen Blechdach des Campers liegend. Es sind Bilder voller Glück und Harmonie, die wir sicher noch in dreißig Jahren wehmütig betrachten werden.
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Im Visitor Centre erfahren wir, welche Mythen dem Uluru von den Ureinwohnern zugeschrieben werden, doch ganz ehrlich: Mit Teppichschlangen- und Hasenkänguru-Menschen, Tannenzapfen-Echsen und Regenbogen-Schlangen können wir recht wenig anfangen. Für uns geht eine ganz andere Faszination von diesem Giganten aus. Eine Faszination, die uns für immer daran gemahnen wird, dass wir diese Reise gemeinsam unternommen haben und nun angekommen sind. Der N & M-Mythos.
Etwa 50 Kilometer weiter erreichen wir die „Kata Tjutas“. Die runden Brocken – auch „Olgas“ genannt – erinnern an im Solarium verbrannte Brüste oder rote Glatzköpfe. Die höchste Erhebung der ebenso spektakulären Massive heißt Mount Olga und wurde nach der Königin Olga von Württemberg benannt. Leider wird uns auch die Wanderung im „Valley of the Winds“ durch schwarze Wolken voller Fliegen verleidet, sodass wir bei großer Hitze und ohne spürbaren Windhauch nicht alle Aussichtspunkte erkunden können und wollen. Gegen 17.30 Uhr haben wir das Kapitel „King Uluru“ und „Queen Olga“ demnach abgeschlossen.
Auf einem eingezeichneten, hunderte Parktaschen umfassenden Betonareal stehen schon unzählige Autos und Reisebusse. Unförmige Menschen mit engmaschigen Gittern vorm Gesicht streiten sich um die besten Plätze zum Sonnenuntergang. Die mit der guten Sicht stellen Tische und Stühle vor ihre Wagen und trinken Champagner. Allen anderen wird der Blick durch Spinifexbüschel und hoch aufgeschossene Büsche verstellt. Sie müssen sich hinten anstellen oder woanders ihr Glück versuchen.
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Doch wo? Fast überall gibt es durchgezogene gelbe Linien am Straßenrand mit dem Hinweis: „No Stopping Anytime.“ Auf all das haben wir überhaupt keine Lust! Wir wollen die Farborgie alleine genießen und fahren zu der Stelle zurück, an der wir den Zauberberg das erste Mal im Miniaturformat gesehen haben. Dort finden wir, was wir suchen: einen Ort, der uns das Glück wie eine Faust in den Magen rammt. Der Uluru gehört uns hier ganz allein. Keine Volksfeststimmung – nur Nina und Micha.

Längst haben wir den Champagner (also zwei Dosenbier) aufgezischt und betrachten – auf dem Dach unseres Campers sitzend – das steinerne Chamäleon in Technicolor: orange, orangerot, burgunderrot, feuerrot, kaminrot, terracotta, blutfarben, purpurrot, fliederviolett, schiefergrau, schwarz. Erstmals im Leben konzentrieren wir uns ausschließlich auf das Jetzt. Zeitgleich flüstern wir: „Ich liebe dich.“ Wir haben uns fürs Glück entschieden.

Zum Weiterlesen: “Koalaland”- ein Australienroman

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Thailand zur Fußball-WM 2014 in Brasilien?

9. März 2012 | von | Kategorie: Blog

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Heute ist es mal wieder an der Zeit, ein paar kurze Sätze zur WM-Qualifikation 2014 zu schreiben. Dass diese in Südamerika längst läuft, haben ja sicherlich einige Menschen bereits mitbekommen – nicht erst nach der bösen Niederlage von Argentinien in Venezuela. Doch auch in Asien stecken sie schon in der dritten Qualifikationsrunde.
Natürlich hatten große Favoriten, wie Australien und Japan, recht schnell die entscheidende vierte Runde erreicht – es gab aber auch Überraschungen. So findet die WM 2014 in Brasilien schon mal definitiv ohne China und Nordkorea statt, was ich nicht unbedingt als großen Verlust bezeichnen würde.

Etwas unerwartet steht Usbekistan in seiner Gruppe noch vor Japan und auch, dass Thailand mit etwas Glück noch weiterkommen kann, finde ich bemerkenswert. Allerdings müssten sie Oman im letzten Spiel schlagen und die Saudis (die Arabischen) müssten zeitgleich in Australien verlieren. Dennoch, alles war möglich!

2005 hatte ich das große Glück, das Fußball-Endspiel der Sea-Games (so was wie die Olympiade Süd-Ost-Asiens) in einer Bar in der Altstadt von Hanoi anzuschauen. Die komplette Bude war bis zum letzten Platz gefüllt gewesen. Vietnamesen jeden Alters, Opas mit filterlosen Zigaretten und die Jüngsten noch in Windeln, wollten das Match verfolgen.
Zwei alte Röhrenfernseher – die mit Zimmerantennen betrieben wurden – an deren Seite jeweils ein Bediensteter abgestellt war, um ununterbrochen daran herum zu fummeln, waren der absolute Mittelpunkt des Geschehens. Es gelang ihnen sogar, für ein halbwegs klares Bild zu sorgen. Manchmal war auch der Ton in Ordnung.

954 Hanoi Straße

Woher die Begeisterung? Im Endspiel standen sich Vietnam und Thailand gegenüber. Um das Ganze überhaupt verstehen zu können, sollte man wissen, dass die Thailänder zumindest in Südostasien als unschlagbar gelten und die Vietnamesen überhaupt noch nie etwas gewonnen haben. Also war schon das Erreichen des Finals eine echte Sensation! Umso begeisterter und engagierter verfolgten die kleinen Leute dann auch das Spiel. Es wurde geschrieen, gejohlt, auf die Stühle gesprungen und geklatscht. Und das, wohl gemerkt, bei jedem einzelnen Ballkontakt, den die Vietnamesen hatten. Ganz egal wohin der Ball danach ging (meistens ins Aus oder zum Gegner). Wir lachten, bis uns die Tränen über die Wangen liefen.

Hat jemand schon mal die Thailändische Fußball-Nationalmannschaft irgendwo spielen sehen? Nein? Genau! Weil die einfach sauschlecht sind. Mein ständiger Kommentar zu Sylvie war: „Oh Gott, was für ein Gegurke!“. Ich konnte kaum fassen, dass ich mit thailändischem Pass vielleicht in deren Nationalteam kicken würde. Beim Gegner wäre ich Stammspieler (und Kopfballungeheuer). Die Vietnamesen schlugen sich übrigens sehr gut und verloren nur mit 0:3, was alle Anwesenden gebührend und ausgiebig feierten!

Vietnam ist leider längst in der zweiten Runde der WM-Qualifikation 2014 gescheitet. Gegen die Fußballgroßmacht Katar. Schade eigentlich…

Thailand

Erster Nachtrag:

Während meines diesjährigen Thailand-Urlaubs kam es dann zum so genannten “Endspiel” um die Teilnahme an der letzten (entscheidenen) 4. Runde der WM-Qualifikation in Asien zwischen der Fußballgroßmacht Oman und Thailand.

Ich hätte vielleicht zu Beginn des Artikels noch schreiben sollen, wer bei den Thais auf der Bank sitzt: Winnie Schäfer! Dit kann ja nüscht werden…
Das Spiel ging 0:2 verloren, Thailand belegte am Ende aber dennoch einen hervorragenden letzten Platz in seiner Gruppe und die Jungs auf unserer Urlaubsinsel spielten danach am Strand ähnlich gut (oder besser), wie ihre Helden aus der Nationalmannschaft. Nächste Chance: WM 2018 in Russland!

Hier noch der Videobeweis:

Zweiter Nachtrag:

Am 9. März erfuhren nun die verbliebenen 10 Mannschaften, mit welchen Teams sie sich in der entscheidenen letzten Runde der Qualifikation für die Fußball-WM 2014 auseinandersetzen müssen. Die beiden Ersten jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für die WM und die jeweils Dritten bestreiten zunächst eine Playoff-Runde, bevor sie gegen das fünftplatzierte Team der Südamerikazone eine weitere Fahrkarte für die WM 2014 ausspielen.

Hier die Gruppen:

Gruppe A:
– Korea
– Iran
– Usbekistan
– Katar
– Libanon

Gruppe B:
– Australien
– Japan
– Irak
– Jordanien
– Oman

Mein Tipp: Korea, Usbekistan, Australien und Japan, bzw. deren Fans sehen wir an der Copacabana 2014. Alle anderen müssen zu Hause bleiben, da auch die Dritten gegen den Fünften aus Südamerika keine Chanche haben werden. Schauen wir mal, denn besonders auf die verrückten Aussies freue ich mich sehr…

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Autor des Monats

28. Dezember 2010 | von | Kategorie: Blog

915 nase3Da ich mich in den letzten Monaten sehr intensiv mit meinem neuen Buch beschäftigt habe, hatte ich völlig übersehen, dass ich bei Pervan.de zum “Autor des Monats November” gekürt wurde. Ganz ehrlich: das macht mir ein wenig Mut, dass mein neues Werk – welches ja eher eine Art Reiseroman werden soll – nicht vollkommen sinnfrei ist. Pervan.de ist eine Onlineplattform, auf der Privatpersonen ihre Urlaubs- und Reiseberichte einstellen können – insofern passt das schon. Vor einigen Jahren hatte ich dort ein Tagebuch unserer Weltreise eingestellt. Hier geht´s zu meiner Pervan-Seite und das ist mein damaliger Weltreise-Blog.

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