Koalaland

Bahnfrei Kartoffelbrei – Surf baby, surf! – Byron Bay Australien

11. November 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

img_1849Nina möchte am nächsten Halt ein paar Tage verweilen. Dass wir in Byron Bay landen, ist eigentlich Zufall. Mit Reiseführer hätte sie unter Umständen anders entschieden, denn schon bei der Fahrt durchs Städtchen laufen uns viele ultralässige Backpacker in Markenklamotten über den Weg. Die meisten sind halbnackt und oftmals lässt sich ein Blick in die Poritze nicht vermeiden. Darauf steht sie ja besonders! Mich animieren die vielen Läden und das Ambiente eher dazu, nun endlich einmal surfen zu gegen. Meine wohlhabende Begleitung mietet uns ein Appartement mit Terrasse, offener Küche, Wohncouch, Plasma-TV, zwei Schlafzimmern und einem Gemeinschaftspool im Garten. Eine Traumunterkunft! Ihr scheint jedoch lediglich der W-LAN-Anschluss wichtig zu sein, doch wie abgemacht, zahle ich nur 50 AU$ pro Nacht.
Auf einer Kommode liegen Flyer von Surfschulen. Ich leihe mir ihr Handy und buche einen Tageskurs beim Anbieter „Kool Katz“ für 39 AU$. Nach einer ersten Strandbesichtigung (Wahnsinn, was die Jungs auf ihren Brettern vollführen) kaufen wir im Supermarkt Essen und im Liquor-Store Getränke für die nächsten Tage.
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Ein völlig verplanter Kerl, der ein bisschen wie Gérard Depardieu aussieht, holt mich am nächsten Morgen mit einem Minibus ab. Um Australien, seine Menschen und ihr Lebensgefühl zu begreifen, gebe es nur eine Möglichkeit: „Surf Baby – Surf!“, erklärt er mir schief lächelnd. Unterwegs laden wir noch seinen Kiffer-Kumpel „Wolle Petri“ ein, der sich freut, dass wir heute „nur“ zu zehnt sind und bei „dem“ Wind richtig gute Bedingungen vorfinden werden. Ein bisschen bezweifele ich schon jetzt, dass die billigste Surfschule auch zu den besten der Stadt gehört. Zumindest verstehe ich mich mit dem Typen und den zwei süßen Mädchen aus Halle an der Saale, die später zusteigen, auf Anhieb blendend.
An einer 30 Kilometer entfernten Flussmündung bekommen wir klitschnasse, stinkende Wetsuits von „Gerald“ und „Wolle“ gereicht. Da es trotz feinen Nieselregens warm ist, entscheiden sich alle Jungs, ohne Neoprenanzüge zu surfen. Nur Antje, Bianca und ich (das dritte Mädchen) schlüpfen in die Strampelanzüge. Eine weise Entscheidung, denn nach ein paar Trockenübungen paddeln wir mit den kastenförmigen Styroporteilen los und ein Finne macht gleich zu Beginn Bekanntschaft mit den Tentakeln einer Qualle. Dummerweise nesseln sie ihn genau an seinem besten Stück. Er schreit wie von Sinnen, während sich die Mädchen – mit den Gummifellen am Körper – angrinsen. Von Wolle erfahren wir, dass Hoden in Australien „Knacker“ genannt werden. Aua!
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Die Wellen rollen vom Meer kommend, wie künstlich erzeugt, schnurrgerade hunderte Meter den Fluss „bergauf“ ins Land hinein. Schon beim ersten Versuch – noch mit Anschieben – stehe ich etwa 30 Meter auf der riesigen Bohle. Daniel, der andere Deutsche, staunt nicht schlecht, bis er es selbst probiert und auf Anhieb 40 Meter abreitet. „Dib-Dob“ (wahrscheinlich „Tip-Top“) schreit er mir zu. Wir klatschen uns wie alte Hasen ab und strahlen. Nur 20 Meter wurden uns vorher vom Chef garantiert.
Bereits nach wenigen Minuten machen wir unter Rufen wie „Bahn frei, Kartoffelbrei“ den Anfängern unser Wellenrecht klar. Die Girls aus Sachsen-Anhalt rufen während der Fahrt: „Hupen naus, iss Sommer!“, obwohl ich es erst beim zweiten Mal verstehe und vergeblich darauf warte. Nach drei Stunden surfe ich mit 200 Metern die Welle meines Lebens. Ich fühle mich frei und wild und verlängere sofort um zwei Tage beim „coolen Kätzchen“. Die anderen Deutschen hatten sowieso den 3-Tage-Kurs gebucht.
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Bei einem Nachmittagsbier in der Stadt überbieten wir uns mit Heldengeschichten. Ganz nebenbei stelle ich fest, dass Daniel und Antje im selben Dilemma zu stecken scheinen wie Nina und ich. Sie sind befreundet, mögen sich irgendwie, aber so richtig ist der Funke noch nicht übergesprungen. Bianca zwinkert mir derweil auffällig oft zu und fragt mich, ob ich am Abend mit in ihren Geburtstag reinfeiern möchte.
Im Appartement liegt Nina vor der Glotze, schaut „Friends“ und lackiert sich die Nägel. Sie hatte sich eine komplette DVD-Staffel aus der Heimat mitgebracht. Ohne groß zu fragen, wie es war, erzählt sie mir von ihrem „Arbeitsscheiß“ und den Anweisungen, die sie per E-Mail versandt hat. Interesse heuchelnd, höre ich zu, obwohl ich es nicht mehr hören kann, und gönne mir später ein kurzes Schläfchen. Danach hockt sie schon wieder vor dem Rechner und möchte in Ruhe gelassen werden. Es scheint ihr nichts auszumachen, dass ich in die Stadt düse, um meine neuen Bekannten zu treffen.
Im gut gefüllten „Beach Hotel“ steckt mich die positive Stimmung sofort an. Wie gerne wäre ich mit so einer Truppe unterwegs! Außerdem scheine ich heute eine undefinierbare Ausstrahlung zu haben, denn auf dem Weg zum Klo kneift mir eine Frau frivol in den Hintern, die Kellnerin flirtet mit mir und auch Bianca lässt meinen Kopf beim Geburtstagsküsschen gar nicht mehr los. Sie versucht mir sogar die Zunge in den Hals zu schieben, doch ich erkläre ihr, dass es da eigentlich noch jemanden gibt. „Schau mir ma in de Oochen!“, flüstert sie. Mittlerweile verstehe ich den Dialekt einigermaßen und weiß, dass damit ihre grünen, mandelförmigen Augen gemeint sind. ‚Sie sieht ja schon sehr verführerisch aus und mit Nina läuft ja eh nichts’, denke ich auf dem Heimweg.
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Schon am zweiten Tag haben wir die Surfersprache von Gerald und Wolle verinnerlicht. „Duck“ rufe ich Daniel zu, was in etwa das Gleiche bedeutet wie „Buoy“, also jemand, der in der „Lineup“ sitzt und nie die „Guts“ hat, eine Welle zu nehmen. „Shark Biscuit“ brüllt er zurück. Ich antworte mit „Decoy“, was einem verschärften „Duck“ entspricht. Er schreit mir „Asshole“ entgegen. So werden auch hier draußen krasse Anfänger und Arschlöscher genannt. Wir überlegen, wann wir den ersten „Twenty-Footer“ nehmen werden, rufen „Kamikaze“ und paddeln los. Dann hört man nur noch: „Duck“, „Buoy“, „Decoy“ und „Asshole“. Laut kreischend, reiten wir die Mörderwellen zunächst als „Floater“ auf dem Kamm und rasen dann durch eine glasige „Tube“, bevor wir springen. Oder so ähnlich…
Diesmal ist Nina bei meiner Ankunft ansprechbar. Sie hat nichts dagegen, dass meine Freunde heute zum Abendessen in unsere „Surfervilla“ kommen. Während sie, mit Fotoapparat bewaffnet, zum Strand läuft, kaufe ich im „Coles“ ein. Die Auswahl an frischem Fleisch, Gambas, Krebsen, Fisch und Muscheln ist gigantisch. Ich hätte jedoch nicht mit knurrendem Magen herkommen sollen, denn der Wagen ist schnell randvoll. Im Liquor-Shop packe ich noch zwei 24er-Kisten Stubbys und sechs Flaschen Rotwein ein.
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Pünktlich um 8 Uhr erscheinen Antje, Bianca und Daniel und zu meiner Erleichterung ist auch Nina ganz gut drauf. Wir quatschen, lachen, singen deutsche Lieder und tanzen ausgelassen in allen möglichen Konstellationen. Als sich die Gespräche mal wieder um den Surfkurs und die nächste Mörderwelle drehen, verabschiedet sich Nina wankend ins Bett. Sie hatte ordentlich Gin Tonic und Wein durchlaufen lassen. Die anderen wollen jedoch keineswegs schon gehen. Antje und Daniel liegen eng umschlungen auf der Couch und stehen kurz davor, den entscheidenden Schritt zu wagen. Bianca blinzelt mir zu und fragt, ob sie mir die Fotos auf ihrer Digitalkamera zeigen kann – im anderen Zimmer natürlich. Schon nach zwei Bildern legt sie den Apparat zur Seite und ruft: „Hupen naus, iss Sommer!“ Diesmal lässt sie Taten folgen und zieht sich – wie selbstverständlich – das T-Shirt samt BH über den Kopf.
Lange rote Haare bedecken ihre hoch aufgerichteten dunklen Brustwarzen. Ich giere nach etwas Greifbarem und streiche sie zur Seite. Dann umfasse ich den zierlichen Hals und beginne, sie, mich dabei abwärts begebend, zu küssen. Ganz langsam schlängelt sie ihre langen Beine um meinen Körper bis sie sich – den Kopf weit nach hinten geworfen – auf mich setzt. Die Erektion in der Jeans beginnt zu schmerzen und ich überlege, wo ich um diese Uhrzeit noch Kondome herbekomme. Doch plötzlich sehe ich den ringförmigen Gummi zwischen ihren Fingern. Sie beugt sich vor, schaut mich mit katzenhaften Augen an und flüstert: „Wollen wir?“
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Genau in diesem Moment öffnet sich die Tür und nur Sekunden später steht Nina mit entsetztem Blick im Raum. Unsere Klamotten liegen im ganzen Zimmer verstreut. Mit hochrotem Kopf brüllt sie: „Verpiss dich, du dumme Schlampe“. Bianca ist genauso überrascht wie ich, zieht sich eilig an und rennt kopfschüttelnd hinaus. Ohne Nina eines Blickes zu würdigen, stolpere ich hinterher. Auch Antje und Daniel stehen schon abmarschbereit da. Ich bin stinksauer. Mit 1,8 Promille im Kopf fahre ich die drei mit dem Auto nach Hause und entschuldige mich auf dem Weg etliche Male. Bianca nimmt den Zwischenfall locker. Sie legt mir während der Fahrt die Hand auf den Schoß und haucht mir ins Ohr: „Wollen wir das bei mir nicht fortsetzen?“ ‚Bei ihr’ ist ein Backpacker-Hostel, wo sie zu sechst (mit vier bereits schlafenden Mädchen) in einem muffigen „Dorm“ hausen. Nicht nur deshalb ist mir die Lust längst vergangen. Ich fahre zurück und rufe Nina, die apathisch vor einer Pulle Rotwein hockt, zu: „Wir reden morgen!“, bevor ich ins Bett verschwinde.

Koalaland - Roman

Koalaland – Roman


Am letzten Kurstag bedanken sich die drei Sachsen-Anhalter für den lustigen Abend. Es hört sich ehrlich an und über meine Mitbewohnerin verlieren sie kein Wort. Heute surfen wir erstmals im offenen Meer und mit Daniel stelle ich überrascht fest, dass wir es dort nicht einmal schaffen, bei einem „Two-Footer“ aufs Brett zu springen, geschweige denn, darauf stehen zu bleiben. Wir schlucken etliche Liter Salzwasser, nehmen den Profis, die uns „Duck“ und „Asshole“ zurufen, die Wellen weg und liegen um 11 Uhr völlig geplättet am Strand. Die Mädels aus Halle rufen aus der Ferne „Bahn frei, Kartoffelbrei“ und stürzen mit wogenden Hüften auf uns zu. Ich kann meine Oberarme kaum mehr bewegen, um Bianca von mir runterzuschubsen. Dann ein Abschiedskuss.

Als ich die Wohnung betrete, ist Nina nicht da. Ich mache mir ein Bauernfrühstück mit Schrimps und da es auf unserer Terrasse nach Erbrochenem riecht, schalte ich den Fernseher ein. Es läuft ein Bericht über die größte australische Surfer-Legende Kelly Slater. Ganz allmählich ahne ich, dass ich wohl Jahre in Australien wohnen müsste, um dieses Lebensgefühl zu verinnerlichen. Dafür habe ich in den letzten Tagen etwas anderes begriffen!

Zum Weiterlesen im Buch: Koalaland
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Springende Krokodile im Koalaland – Northern Terrytory Australien

16. Juli 2016 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

OLYMPUS DIGITAL CAMERASeine Sicht:
Es ist ein ungewohntes Gefühl, denn am Morgen bin ich seit ewiger Zeit mal wieder richtig sauer auf meine Mitreisende. Während ich mich noch wundere, was im Zimmer so stinkt, stammelt sie verschlafen, dass es ihr sauschlecht gehe und ich etwas vom Frühstück mitbringen soll. Erst, als ich wiederkomme, entdecke ich den verkrusteten Fleck Erbrochenem neben dem Bett. Das scheint ja allmählich zu einer Spezialität zu werden. Natürlich habe ich nicht das Richtige geholt und während sie sich unter die Dusche schleppt, lese ich am Rechner, dass ich auf der „Abschussliste“ unserer Firma stehe. Ulrike hat diese von einem befreundeten Betriebsrat besorgt. Ihr eigener Name ist allerdings auch auf dem Geheimpapier verzeichnet.
Als wir endlich gegen 11 Uhr auschecken, könnte ich so richtig kotzen. Dieser Volldepp Oliver steht vor der Tür. Ganz nebenbei erfahre ich, dass uns der kosmopolitische Globetrotter heute in den Kakadu-Nationalpark begleiten wird. Nein, wir fahren nicht direkt dorthin, sondern halten an einem McDonald’s, bevor wir hinter einem Nest namens „Humpty Doo“ abbiegen, um zu einem – laut Oliver – „absoluten Highlight“ des Top Ends zu gelangen.
Zugegebenermaßen habe ich mich bequatschen lassen, da sich die Sache mit den „Springenden Krokodilen“ interessant anhörte. Nach zwanzig Minuten Fahrt auf unasphaltierten Straßen erreichen wir den Adelaide River und laufen zum Anleger der „Jumping Crocodile Cruises“. Weil das Boot gerade weg ist, dürfen wir uns eine Stunde am schlammgrauen Fluss im schwülheißen Dunstklima die Zeit vertreiben. Nina muss mal und verschwindet hinter einem einfachen Verschlag inmitten der Pampa. Genau in diesem Moment kommt ein blauer Hippie-Camper angefahren. Es steigen zwei hübsche Frauen aus, die ihre braunen Brüste nur unvollständig in dünnen Blusen verstecken. Die drei kennen sich. Sie begrüßen den großen Zampano euphorisch per Küsschen und Umarmung, so als ob sie ihn seit zehn Jahren nicht gesehen hätten. Caro und Anke mustern mich nicht gänzlich uninteressiert, doch ich deute mit dem Daumen zum Klo, wo sich meine geliebte Freundin wahrscheinlich gerade übergibt.
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Ich habe keine Lust auf Konversation, setze mich abseits auf eine Bank und beobachte ein Paar in khakifarbenen Tropenklamotten. Die Frau führt einen braun-weiß gescheckten Hund an der Leine. Während sie auf mich zulaufen, reißt er sich los und rennt samt Halsband die Uferböschung hinab. An einem Ort, der für bis zu sieben Meter lange Leistenkrokodile bekannt ist, muss ich wohl kaum erwähnen, dass dies keine so schlaue Idee gewesen ist und bei der Besitzerin umgehend zu einer Panikattacke führt. Dennoch möchte ich bei der Wahrheit bleiben: Ich weiß nicht, ob der kleine Kläffer von einem dieser Monster zum Lunch verspeist wurde. Allerdings taucht er – bis die Tour beginnt – auch nicht wieder auf. Als wir ablegen, rufen ein Mann mit hochrotem Kopf und eine verheulte Frau am Ufer noch immer verzweifelt nach ihrem „Eric“.
Während der Bootsfahrt bekommen sich die anderen gar nicht mehr vor Lachen ein. Sie knipsen jedes monströse „Saltie“ (Salzwasserkrokodil), das mit gewaltigen Sprüngen nach den an einem Stab befestigten Fleischstücken schnappt, mit dummen Sätzen wie: „Na, hast du den kleinen Eric gefuttert?“, oder „Hast du jetzt gar keinen Hunger mehr nach dem Wauwau?“ Oliver mimt den Obermacker und muss mehrfach erwähnen, dass dies eine fantastische Geschichte für eines seiner „bedeutenden“ Magazine wäre. Der Kapitän versteht die Scherze nicht, freut sich aber, dass Caro, Anke, Oliver und Nina so gut gelaunt sind. Eigentlich mag ich ja Zynismus, doch die hiesige Konstellation ärgert mich – zumal sich das Journalisten-Schwein aufführt, als wäre er mit Nina zusammen. Ich komme mir extrem deplaciert vor. Am liebsten würde ich den Kerl über Bord schubsen und ihm – wenn er sich Hilfe suchend am Kahn festkrallt – mit einer Machete die Schreiberling-Hände abhacken. Oberarschloch!
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Die Krokodile mit den messerscharfen Bissleisten, die wir geschützt von Metallzäunen wie im Zirkus aus allernächster Nähe betrachten können, sind jedoch beeindruckend. Zunächst kräuselt sich das Wasser im Magrovenschlamm, bevor ihre panzerartigen Schuppen und der bleich aufblitzende Bauch an der Wasseroberfläche erscheinen. Respektvolle Bewunderung vermischt sich mit einem gewissen Gruselfaktor.
Als wir den Anleger erreichen, muss Nina erneut zum schachtelförmigen Wellblechklo. Oliver ruft mir zu, dass er mit „den Weibern“ ein paar Meter fahren will, weil es unweit eine Aussichtsplattform gibt. Wir sollen kurz warten. Da er seinen Rucksack dabei hat, treffe ich spontan eine Entscheidung. „Ich soll dir einen Gruß von Oli ausrichten. Er fährt jetzt mit Caro und Anke weiter. Gerade sind sie abgedüst“, erzähle ich Nina bei ihrer Rückkehr. Sie schaut mich skeptisch an und runzelt die schweißbeperlte Stirn, doch geschwächt von Übelkeit besteigt sie mit enttäuschtem Gesichtsausdruck den Toyota. lch gebe Gas und lege ihr besitzergreifend die Hand auf die bis an die Brust gezogenen Knie. Nina gehört nur mir allein!
Natürlich kapiere ich auf der Weiterfahrt, dass dies ziemlich gemein war, aber das erleichternde Gefühl, diesen Idioten, der auf alles eine Antwort hatte, endlich los zu sein, überwiegt. Und nun? Es ist schon nach 15 Uhr, als wir den nördlichen Parkeingang zum „Kakadu“ erreichen, und sie verlangen 16 AU$ Eintritt. Ich beschließe das bedeutendste Naturwunder des Northern Terrytorys einfach wegzulassen und kehre um. „Manchmal muss man sich eben auch Dinge für spätere Reisen aufheben“, erkläre ich meiner Freundin mit bedeutungsschwangerer Miene.
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Auf der Rückfahrt geschieht etwas extrem Peinliches: Der Camper von Caro und Anke kommt uns entgegen. Während Nina winkt und mich anschreit, dass ich anhalten soll, damit sie sich wenigstens verabschieden kann, zeigt mir Oliver, der auf der Vorderbank sitzt, den Mittelfinger. Mit Bleifuß und schamesrotem Kopf rase ich weiter in Richtung Darwin und stoppe nicht einmal am Humpty Doo Hotel, dessen Kneipe man – laut dem Alleswisser – unbedingt von innen gesehen haben sollte. „Jetzt habe ich nicht mal seine E-Mail-Adresse“, meckert Nina mit einem Mund, der so dünn wie eine Messerklinge ist, und boxt mich mit hasserfüllten Augen in die Seite. ‚Und das ist auch gut so’, denke ich und komme mir dennoch ein bisschen schäbig vor.
Am „Fogg Dam Conversation Reserve“ fahre ich ab. Letztendlich erhaschen wir an diesem Staudamm dann doch noch einen einzigartigen Blick auf die bedeutende Sumpf- und Schwemmlandschaft und beobachten etliche Stelzvögel aus der Ferne. Zwei Rosakakadus sitzen direkt neben uns in einem Baum. Wahrscheinlich ist das zwar nur die „Light-Version“ des Nationalparks, aber es zählt der olympische Gedanke.
Da wir morgen früh fliegen, suche ich nach einem Hotel in Flughafennähe. Insofern ist es mir egal, dass sie im Vier-Sterne-„Darwin Airport Resort“ 200 Aussie Dollar für die Nacht verlangen. Ich kann unseren Wagen noch heute bei „Thrifty“ abgeben und werde sogar mit einem Shuttlebus zurückgefahren. An der beeindruckenden Poollandschaft gönne ich mir – nach dem beschissenen Tag – zwei Caipis aus Halblitergläsern. Nina hingegen sitzt versteinert auf der Terrasse unserer Hütte. Sie trinkt Wasser, kaut an „Tim-Tam-Keksen“ und starrt auf das tropische Grün hinter dem Drahtzaun. Auf dem Hotelbett haben sie weinrote Handtücher zu einem Herz geformt, die sie achtlos auf den Boden schmeißt und dann schlafen geht. Ich mache die Glotze an und erfahre im Regional-TV, dass am Abend ein Camper frontal gegen einen Truck gedonnert ist. Alle drei Insassen seien verbrannt. Ich liege noch lange wach und wundere mich darüber, wie boshaft meine Gedanken manchmal sein können. Nina erzähle ich nichts davon. Ich bin heilfroh, sie ab morgen wieder ganz allein für mich zu haben. Hoffentlich gibt es in „Alice“ gute Nachrichten. Die Reise darf auf keinen Fall so düster weitergehen!

Ihre Sicht:
‚Mannomann, geht’s mir dreckig. Wie kann man sich denn bloß so abschießen?’, denke ich beschämt. Ich hab in der Nacht sogar neben das Bett gekotzt. Mein Freund ist rührend und bringt mir ein paar Snacks vom Frühstück, doch ich bekomme nichts runter. Lediglich den Tee, welchen er im Zimmer zubereitet, trinke ich in vorsichtigen Schlucken. Auch nach der kalten Dusche geht es mir nicht viel besser. Ich stopfe meine Klamotten in den Koffer, aus dem schmutzige Wäsche hervorquillt, setze mich drauf, damit er zugeht und folge ihm mit wackligen Beinen zum Ausgang. Ausgerechnet heute will er eine neue Unterkunft in Flughafennähe suchen, anstatt hier um eine Nacht zu verlängern. Allerdings müffelt unser Zimmer auch unangenehm, sodass eine vorzeitige Abreise vielleicht gar nicht so schlecht ist.
Vor der Tür steht ein ebenso zugerichteter Oliver, der mich mit charmantem Lächeln begrüßt. Langsam kehrt die Erinnerung zurück. Wir hatten gestern mit „Bunda“ Brüderschaft getrunken und danach vereinbart, dass er uns heute aus „Kostengründen“ auf dem Tagestrip begleitet. Micha scheint darüber nicht gerade hocherfreut zu sein.
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Die erste feste Nahrung des Tages wird ein halber Cheeseburger bei „Mc Doof“, den ich gerade so im Magen behalte. Ich ahne, dass ein katastrophaler Tag vor mir liegt. Im Gegensatz zu Micha, der ununterbrochen über seine bevorstehende Arbeitslosigkeit jammert, versucht mich Oliver aufzumuntern. Das hilft und ein bisschen aus Trotz bestehe ich darauf, dass wir zu diesen „Jumping Crocodiles“ fahren. An einem breiten Fluss, der weiter nördlich ins offene Meer mündet, soll man riesige Salzwasserkrokodile in freier Wildbahn beobachten können. Die Fahrt auf einem sanft dahin fließenden Gewässer kommt mir gelegen, da ich mich dabei nicht bewegen muss. Allerdings ist der Kutter gerade weg, sodass wir am Anleger auf die nächste Tour warten müssen. Nach kurzer Zeit kehrt die Übelkeit zurück. Eine richtige Toilette gibt es nicht, lediglich ein offenes Hüttchen aus Wellblechwänden mit einem Loch in der Mitte. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, nur so viel: Von Würgekrämpfen geschüttelt, kommt es oben und unten gleichzeitig heraus. Doch als ich fertig bin und eine Durchfall-Tablette geschluckt habe, geht es mir besser.
Vor dem Bootshaus ist mittlerweile Einiges los und ich benötige ein paar Minuten, um die Zusammenhänge zu begreifen. Oliver hat zwei Backpackerinnen getroffen, die er von irgendwoher kannte. Die drei bepissen sich gerade vor Lachen, während ein nobel gekleidetes Paar durch die Gegend rennt und aufgeregt „Eric, where are you?“, brüllt. Micha sitzt abseits auf einer Bank und schüttelt fassungslos den Kopf.
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Was ist geschehen? Anscheinend haben die beiden besorgten Touristen ihren Jack Russel frei herumlaufen lassen, obwohl wir Schilder gesehen haben, die besagten: „Do not enter the water. Keep children and dogs away from the water’s edge“. Doch der neugierige Hund ist wohl zum Ufer geflitzt und seitdem nicht wieder aufgetaucht. Ich teile zwar nicht den Humor von Caro, Anke und Oliver, kann aber mit der gespielten Besorgnis von Micha noch viel weniger anfangen. Als wir mit dem Fährboot, welches ringsherum mit großen Absperrgittern versehen ist, endlich starten, habe ich mich auf die Seite der Spaßtruppe geschlagen. Ihre sarkastischen Sprüche bezüglich des „armen Eric“ lenken mich wenigstens von meinen Magenschmerzen ab.
Natürlich wurde die kleine Fellnase soeben mit Haut und Haaren verspeist. Da gibt es gar keinen Zweifel. Am Uferrand liegen grau gepanzerte, tonnenschwere Riesenechsen im Wasser, mit Schnauzen so groß, dass auch ich dort locker hineinpassen würde. Bei der Fütterung der Krokodile – unser Bootsführer hängt Fleischstücke an eine Art Angel – können wir aus unmittelbarer Nähe beobachten, wie sie blitzschnell aus dem Wasser schießen und sich um die eigene Achse drehen, um die Brocken zu packen. Einen Arm sollte man definitiv nicht über den Zaun halten. Der könnte durchaus in einem lang gezogenen Kiefer mit spitzen Zähnen verschwinden. Respektvoll ziehe ich mich auf die Mitte des Kahns zurück und lache über die ironischen Sätze Olivers. Auf jedem zweiten Digitalfoto will er einen Hundefuß oder -kopf entdeckt haben. Er befindet, dass dies eine großartige Story sei, über die er in einem Reisejournal berichten kann.
Nach der spektakulären Tour, auf der wir von etlichen Greifvögeln begleitet wurden, gehe ich noch einmal auf das Behelfsklo. Als ich wiederkomme, sind die Mädchen und Oliver verschwunden. Micha richtet mir aus, dass sie losgefahren seien, da sich „der feine Herr Journalist“ entschieden habe, mit „den Weibern“ im Kakadu zu übernachten, um sie dort mal „ordentlich durchzubumsen“. Ich kann fast nicht glauben, dass sich Oli gar nicht von mir verabschieden wollte und bin regelrecht gekränkt. So kann man sich also irren. Anscheinend ist er ja doch ein penisgesteuerter Egoist.
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Meine Laune bessert sich nicht, als mein Mitreisender am Parkeingang entscheidet, zurück nach Darwin zu fahren. Eigentlich war er es doch, der unbedingt an einen Ort wollte, wo Kakadus im Vorbeifahren den Himmel verdunkeln, und nun kehren wir kurz vor dem Ziel um? Das ergibt ja überhaupt keinen Sinn. Auch nicht, dass uns der Backpackercamper auf einmal entgegenkommt. „Halt an!“, brülle ich, doch Micha rast einfach weiter. Zum ersten Mal seit langer Zeit bin ich stinksauer, da ich ahne, dass er mich vorhin belogen hat. ‚Liebe macht blind – so ein blödes Arschloch’, denke ich. Ein unbehagliches Gefühl stellt sich ein, doch weil ich mich körperlich noch immer nicht fit fühle, verzichte ich auf eine Aussprache. Ich will nur noch ins Bett und schlafen.
Leider muss ich mir vorher noch einen Sumpf an einem ollen Tümpel anschauen, der mit dem eigentlichen Weltnaturerbe rein gar nichts zu tun hat, obwohl mir Herr Schmidt das zu vermitteln versucht. Ich könne ja von den Seelilien und Reihern ein paar Fotos machen und zu Hause erzählen, dass diese aus dem bekannten Nationalpark seien. ‚Litchfield-do, Kaka-don’t’, flüstert mir eine innere Stimme zu. Das Hotelzimmer sucht er in Eigenregie. Der Sparfuchs kutschiert uns in ein weitläufiges Ressort und bezahlt, ohne mit der Wimper zu zucken, knapp 200 Dollar für einen Bungalow. Er verschwindet sofort an den Pool und lässt mich frustriert zurück. Ich kann diesen Idioten heute eh nicht mehr sehen, fühle mich leer und verlassen.
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Nach zwei Stunden habe ich mich beruhigt und lausche dem Musizieren der Zikaden im Mangrovenwald. Eigentlich war es ja meine Schuld, dass der Tag so spät begonnen hat, und gleichzeitig ist es doch eigentlich niedlich, wie er reagiert, wenn ein halbwegs attraktiver Typ in meiner Nähe auftaucht. Zudem verstehe ich, dass ihm die Unklarheit in seiner Firma und die Grampians-Geschichte ein bisschen an die Nieren gehen. Noch immer fühlt er sich von Nolan verfolgt, da sein Bruderherz Jimmy „bestimmt“ gerade in einer Grube verrottet. Es wird Zeit, zurück nach Alice Springs zu kommen, damit wir mit „Good News“ die Tour entspannt in unserem geliebten Camper in Richtung Ostküste fortsetzten können!
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Tierschlagzeile der Woche – Koalaland

23. Oktober 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Blog, Koalaland

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Seine Sicht:
Ruhig können wir es nicht angehen lassen, denn wir befinden uns noch immer rund 800 Kilometer von Sydney entfernt. Ich muss durchgehend fahren, da Nina gestern zu tief in die Weinpappe geschaut hat. Inzwischen bin ich ein brillanter Linksfahrer und kratze mit den Vorderreifen nur noch selten am Mittelstreifen. Das lange Fahren macht mir heute auch nichts aus. Dennoch biege ich an einigen Ecken auf gut Glück von der Hauptstraße ab, um Verschnaufpausen einzulegen. Überall entdecken wir einsame, zauberhafte Strände, aber wir müssen ja weiter – immer weiter.
In Crescent Head haben wir das Tagesziel erreicht. Angeblich soll es die Longboarder-Hochburg Australiens sein, doch ich sehe eher junge Typen mit kurzen Brettern. Sie sind auf Ehrfurcht gebietenden Wellen, die so hoch sind, dass sie dahinter regelrecht verschwinden, unfassbar elegant unterwegs. Meine Euphorie wurde gestern ein wenig gedämpft, sodass ich keine Lust verspüre, hinauszupaddeln, zumal sie am Kiosk keine Anfängerpappen verleihen. Eingehakt wie ein altes Ehepaar, gehen wir am zerklüfteten Strand spazieren. Nina erklärt mir, dass sie in drei Tagen nicht mit zurückkommen wird, doch ich nehme das Gerede mittlerweile nicht mehr ernst. Okay, auch ich würde gerne mehr Zeit an Australiens Küsten verbringen, aber unser Rückflugtermin steht ja fest. Sie sollte langsam mal aufhören, immer so herumzuspinnen.
Auf Ninas Wunsch gehen wir fein essen. Sie lädt mich sogar ein. Allerdings werden die Pizzas im Restaurant auf Papptellern serviert. Wir müssen sie sogar abholen und an den grünen Plastiktisch tragen. Zumindest scheint es meiner Freundin danach besser zu gehen, denn sie grinst endlich mal wieder und sagt mit vollem Mund: „Ich meine es ernst, dass ich noch bleiben werde!“ Ich nicke wissend und denke: ‚Blödsinn, wir fliegen gemeinsam zurück, ziehen in der Heimat zusammen und heiraten irgendwann.’ Bei unseren Nachbarn erklingt in der Nacht lauschige Gitarrenmusik. Jemand singt mit schmachtender Stimme „My girl“ von Nirvana. Neben mir liegt eine leicht röchelnde Nina. Ich spüre sehr intensiv, was ich an ihr habe, und mag ihre unrhythmischen Schlafgeräusche mittlerweile sehr. Vorsichtig decke ich sie zu, da sie sich mal wieder freigestrampelt hat, und kuschele mich an „mein Mädchen“.
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Nina hält mich zwar für bescheuert, aber letztendlich hat sie nichts dagegen, dass ich den „Billabong Koala and Wildlife Park“ in der Nähe von Port Macquarie ansteuere. Ich möchte überprüfen, ob wir alle bedeutenden Viecher Australiens auch wirklich in natura gesehen haben. Haben wir! Doch die Emus, Kängurus und Koalas können wir dort auch anfassen, streicheln und knuddeln. Die Anlage gefällt sogar Nina. Im Terrarienhaus steht sie allerdings kurz vor einem Herzinfarkt, als eine riesige Würgeschlange vor ihren Augen zu Boden kracht. Die dicken Scheiben sind so gründlich geputzt, dass sie denkt, das längliche Monster sei direkt vor ihre kleinen Füße geplumpst. Ich lache, bis mir Tränen über die Wangen laufen.
Da uns die Sonne ins Gesicht scheint, fahren wir nochmals von der Hauptroute ab. Diamond Head wird somit das dritte „Head“ in Folge. Es liegt inmitten eines dichten Waldes in der Nähe eines felsigen Strandes. Das Besondere: Der Stellplatz befindet sich auf einer Lichtung und wird von Känguruherden regelrecht belagert. Aber im Gegensatz zu den vorherigen Begegnungen mit dieser Art hüpfen sie nicht ängstlich davon, wenn man sich nähert. Sie grasen in aller Seelenruhe vor den Zelten, neben den Autos oder im Wald. Eine fürsorgliche Mutter, bei der das Kleine mit schief gelegtem Kopf und vier Pfoten aus dem Beutel lugt, steht am Strand und schaut andächtig in die Ferne. Ein Anblick, den man mit Worten kaum beschreiben kann.
In der Abenddämmerung wandern wir an der Küste entlang und sammeln Holz. Das Lagerfeuer zündelt direkt neben dem Einweggrill – beobachtet von drei neugierigen Hoppelviechern. Ein unvergessliches „Abendbrot mit Kängurus“ und ein magischer Augenblick unserer Beziehung! Unter einem Abschieds-Sternschnuppen-Himmel entkorken wir eine teure Flasche Rotwein und lassen die abenteuerliche, intensive Tour noch einmal Revue passieren. Fast gleichzeitig stellen wir fest, dass wir als Freunde gestartet sind und als Liebespaar zurückkehren werden.

In der Nacht „vögeln wir uns“ – um mit ihren Worten zu sprechen – „die Seele aus dem Leib“. Auch das Eukalyptuskondom kommt dabei zum Einsatz. Wahrscheinlich stehen deshalb am Morgen noch mehr Kängurus vor unserem Camper. Sie wollen wissen, wer in der Nacht diese tierischen Geräusche von sich gegeben hat und wer so penetrant nach Koala müffelt. Wir lachen, wie in guten alten Zeiten.
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Ihre Sicht:

Die heutige Fahrt ist insofern entspannter, als ich mit meinem Schädel nicht fahren muss. Auf Straßen, die – wie auf dem Reißbrett entworfen – immer stur geradeaus führen, bringt uns Micha näher an Sydney heran. Wir tuckern durch einsame Wälder, gemütliche Orte und halten an verlassenen Strandabschnitten. Crescent Head hat er zum Übernachten auserkoren. Im Reiseführer steht, dass dies der perfekte Ort sei, um ein Buch zu schreiben. Vielleicht komme ich eines Tages zurück und verarbeite meine Eindrücke dieser Reise. Allerdings würde ich als Schriftstellerin nicht unbedingt diesen Zeltplatz wählen, denn ich fühle mich dort eher eingeengt. Der von Felsen umgebene Strand ist jedoch sehr schön. Wir laufen ein paar hundert Meter am Ufer entlang und ich hake mich bei ihm ein, da mir noch immer etwas schummrig ist. Meine Bemerkungen, dass ich noch länger in Australien bleiben werde, tut er als „Quatsch mit Soße“ ab und versucht mir stattdessen seine Zwei-Zimmer-Bude in Deutschland schmackhaft zu machen. ‚Dort wohne ich deutlich luxuriöser und mehr Platz hätte ich auch’, denke ich, aber das Beziehungsthema ist bei mir eh längst durch.
Da es wahrscheinlich unsere letzten gemeinsamen Tage sind, lade ich ihn ins örtliche Lokal ein. Nicht ganz uneigennützig, denn so bekomme ich endlich mal wieder eine Salami-Pizza. Und sie schmeckt vorzüglich. Zurück am Camper, habe ich keinerlei Drang, mir die Reste des Rotweins hereinzuquälen, sondern verabschiede mich frühzeitig. Als ich ihn umarme, spüre ich, dass sich das nicht mehr nach Liebe anfühlt. Er bleibt noch wach und lauscht der sanft dahinperlenden Gitarrenmusik von nebenan. Was für eine romantische Stimmung – schade eigentlich!
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Der Kerl ist irgendwie süß. Wir sind tausende Kilometer durch atemberaubende Landschaften gefahren, haben fast alle bekannten Spezies des Landes live bewundern können und wohin schleppt er mich? Richtig, in einen Zoo! Im „Billabong-Center“ kann ich somit Fotos von Tieren machen, auf denen es so aussieht, als ob wir sie im Busch getroffen und gefüttert hätten.
Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass mich eine klitzekleine Spinnenphobie plagt? Auch diese Fieslinge kann man dort betrachten, innerlich erschaudern und darüber nachdenken, ob ein Rückflug in sichere Gefilde nicht doch vernünftiger wäre. Plötzlich fällt neben mir etwas Großes zu Boden. Da ich mich fürchterlich erschrecke, kapiere ich zunächst nicht, dass die schuppige Schlange, welche nun direkt vor mir liegt, sich noch immer hinter einer Scheibe befindet. Panisch schreie ich los. Micha kommt sofort angehetzt und amüsiert sich köstlich.
Wesentlich sympathischer sind mir demnach all die Viecher, welche im Streichelzoo gehalten werden. Dort habe ich dann auch noch Grund zur Schadenfreude, da ein nervtötendes Kind vom platzierten Schlag eines Kängurus fast k. o. geboxt wird. Zum Glück hat es nicht den scharfkantig behelmten Kasuar geärgert, welchen wir – wie die friedlich brummenden Koalas – nochmals ablichten können.
Micha möchte die Australienreise in Diamond Head ausklingen lassen. Keine schlechte Idee, denn als ich auf den Wiesenparkplatz rolle, raste ich vor ekstatischer Freude fast aus. Überall grasen rotbraune Kängurus, als wären es träge Kühe in Mecklenburg. Sie scheinen sich so an Fahrzeuge gewöhnt zu haben, dass ich aufpassen muss, keines unabsichtlich zu überfahren. Sofort zücke ich die Kamera und halte das ungewöhnlich harmonische Zusammenleben von Mensch und Tier in Bildern fest. Am Strand guckt mich sogar ein „Joey Kangaroo“, wie der Nachwuchs in Australien genannt wird, aus dem Beutel seiner Mutter blinzelnd an. Zuckersüß!
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Beim Essen am Lagerfeuer bin ich dann doch ein wenig traurig, dass wir hier wohl zum letzten Mal ein gemeinsames – von ihm so genanntes – „Abendbrot mit Kängurus“ erleben werden. Als Micha mit leuchtenden Kinderaugen dann auch noch davon anfängt, wie verrückt unsere Reise gewesen ist und die einzelnen Orte und Begebenheiten herunterrasselt, kullert mir sogar ein Tränchen übers Gesicht, das ich mir unauffällig mit dem Ärmel wegwische. Er hat ja Recht: Wir sind als Freunde gestartet und sind zwischendrin ein Liebespaar geworden. Doch wir werden uns wieder freundschaftlich voneinander verabschieden müssen. Nein, ich traue mich nicht, ihm die bittere Wahrheit ins Gesicht zu sagen, denn der heutige Abend ist ein fantastischer Abschluss unserer wilden Zeit in Australien. Er küsst mich mit spröden – nach Rotwein schmeckenden – Lippen. Sachte kraule ich in seinem struppigen Haar und schaue ihn wie einen Geliebten an, den man bald zum allerletzten Mal sieht.

Was für eine Nacht! Er braucht aber nicht zu glauben, dass uns hemmungsloser Sex zusammenhält und ich Geilheit mit Liebe verwechsele. Ich habe ein sauschlechtes Gewissen, als er mich am Morgen treudoof anlächelt. Dennoch muss ich grinsen, da der wilde Hengst noch immer nach angelutschtem Eukalyptusbonbon riecht und sich beim Vögeln einen Nerv eingeklemmt hat. Er humpelt wie ein lahmer Gaul, während die müde Stute auf wackeligen Beinen neben ihm steht. Scheiße, wenn er mich jetzt festhalten und nie wieder loslassen würde, könnte ich für nichts garantieren.
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Zum Weiterlesen: Koalaland – Roman
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Murmeln des Teufels – Outback Australien

22. Februar 2015 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

IMG_3553Seine Sicht:
Die Stimmung im Bus könnte besser nicht sein. Bei lauter Musik tuckern zwei glückliche Menschen gen Norden und stoppen nach 300 Kilometern in Wauchope. Der Campingplatz des Zwölf-Seelen-Kaffs mit angeschlossenem Pub ist gemütlich und wir amüsieren uns köstlich über den Papagei, der in einem Hof mit rosa blühenden Oleanderbüschen auf einer Stange sitzt. Dort fragt der Barbesitzer, ob wir schon am unweit gelegenen Naturwunder gewesen sind und überzeugt uns dann, dies sofort nachzuholen.
Im warmen Licht der späten Nachmittagssonne erreichen wir die „Murmeln des Teufels“. Riesige, bis zu drei Meter hohe, orangefarbene Steine liegen wie hingeworfen inmitten in der platten Landschaft. Einige von ihnen sind fast kreisrund, andere etwas abgeflacht und ein ovaler Monsterball steht senkrecht auf seiner schmalen Seite. Natürlich sind auch die „Karlu Karlu“ heilige Stätten der Aborigines. Während sie die Weißen als Teufelswerk („Devils Marbles“) bezeichnen, sind die Granitkugeln für die Ureinwohner Eier der Regenbogenschlange aus der Traumzeit. Am Abend stoßen wir darauf an, dem Teufel in „Alice“ ein Schnippchen geschlagen zu haben und in der Nacht kommt es mir vor, als läge ich unter einem Teufelsweib.

Recht früh sind wir wieder auf der Straße, denn heute wird es noch einmal ungemütlich. 180 Kilometer sind es bis nach „Three Ways“, wo wir rechts abbiegen. Danach folgt eine Strecke, auf der es über 260 Kilometer weder einen Ort noch eine Tankstelle gibt. Sicherheitshalber befüllen wir nun einen 5-Liter-Kanister mit Benzin, um auf Straßen voller trügerischer Luftspiegelungen die nächste Zapfsäule zu erreichen. Durch die beißenden Dämpfe, oder weil ich die Sache mit Nolan und Jimmy noch immer nicht richtig verdaut habe, wird mir auf einmal ganz schwindelig. Am Rastplatz kippe ich fast um. Doch nach einer eiskalten Cola geht es mir besser, sodass wir die nächsten, „läppischen“ 380 Kilometer in Angriff nehmen können. Obwohl ich immer dachte, dass es auf dem Stuart Highway schon unfassbar einsam ist, begegnen wir nun eine Stunde lang keinem einzigen Wagen mehr. Das Gefühl der Erleichterung klingt allmählich ab und macht einer gewissen Beunruhigung Platz. Doch unser „Blow-me-Camper“ gibt heute keinerlei komische Geräusche von sich, sondern rollt und rollt. Endlich erreichen wir den Staat Queensland und irgendwann auch unser Ziel Mount Isa.
Durch den Kurztrip nach Darwin ist die Freude nicht ganz so groß, denn wären wir ohne Unterbrechung durchs verdörrte Nichts gefahren, würden wir nun den ersten Ort mit durchgängigen Flächen Grün, Moos, Weiden, gelb blühenden Akazien und einem „echten“ Fluss erblicken. Von Glücksgefühlen übermannt, hätten wir dann sicherlich den Rasen geküsst. „Out of the Outback“, ruft Nina dennoch freudestrahlend. Kein roter, von Erosion zerfurchter und ausgedörrter Boden mit stachligen Bodenflechten mehr.
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Bevor wir uns auf einem Stellplatz in Wassernähe niederlassen, fahren wir in den Ort. Die Bergbaustadt ist eigentlich noch nicht ganz „draußen“, da auch sie von felsigen Hügeln umgeben ist, in denen Zink, Silber, Blei und Eisenerz schlummern. Wir kaufen ein und trennen uns: Nina möchte einen „Latte“ trinken und ich muss ins Internet. Leider lese ich dort, dass mir Karsten rät, so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zu kommen. Unter Umständen könnte die Kündigung noch abgewendet werden. Ich soll mal eine Arbeitsplatzbeschreibung vorbereiten. Während ich darüber nachdenke, ob ich meinen Rückflug umbuchen soll, öffne ich eine E-Mail von Nicole. Sie sendet mir einen Gutschein für Nina, auf dem zig Leute unterschrieben haben. Den Tauchtrip ins Riff soll ich erstmal vorstrecken. Außerdem haben sie ein Zimmer in Cairns für zwei Tage gebucht. ‚Mist! Die Stadt liegt nicht gerade auf dem Heimweg’, denke ich genervt.
Meiner Freundin erzähle ich nichts davon, als sie mich am Abend zärtlich umarmt und fragt: „Wollen wir die Reise noch verlängern?“ Wollen wir nicht! In der Nacht liege ich möglichst weit von ihr entfernt und grübele darüber nach, was ich nun machen soll.
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Ihre Sicht: Am Abend entdecken wir im Licht der mit Rotfilter untergehenden Sonne noch ein Weltwunder. Inmitten der flachen Ebene liegen gigantische Granitbrocken herum. Die „Devils Marbles“ sehen tatsächlich so aus, als hätten hier Riesen vor Urzeiten Boule gespielt und ihre gewaltigen Kugeln achtlos zurückgelassen. Die Ureinwohner denken gar, dass unter den ovalen „Schlangen-Eiern“ Wesen aus der Traumzeit in Höhlen wohnen. Ich wundere mich, warum ich noch nie etwas von diesen Monstermurmeln gehört habe, denn sie könnten – wie der Uluru – ein nationales Symbol sein.
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Der Tag endet demnach grandios, zumal auch der Campground prima ist. Kurzzeitig erhöhen wir die Einwohnerzahl in Wauchope von 12 auf 14, erklärt uns der Barmann im Biergarten. Plötzlich flucht jemand hinter mir mit krächzender Stimme „Fuck“ und „Shit“. Michas Kulleraugen leuchten, da er den Vogel mit dem ungewöhnlichen Sprachschatz zuerst entdeckt. Am Abend zetert der Papagei sogar „Micha fuck“ und „Nina shit“.
In der Nacht ist es angenehm warm. Auf der Tour durch Südaustralien und das Outback hab ich abends fast immer gefroren. Das scheint nun vorbei zu sein. Ich ziehe mein T-Shirt über den Kopf und frage Micha: „Was hältst du eigentlich von meinen Murmeln?“

Wir starten vor 9 Uhr, sozusagen im Morgengrauen, und nach zwei Stunden erreichen wir eine Kreuzung bei Tennant Creek. Ich bin saufroh, dass wir jetzt nicht noch ewig weiter nach Darwin eiern müssen, sondern rechts in Richtung Ostküste einbiegen. Ich möchte der Einöde endlich entfliehen und wieder in einer Zivilisation landen, wo Menschen in Badesachen mit einem anständigen „Coffee to go“ in der Hand herumspazieren und weiße Segelboote hinter dem Horizont verschwinden.
Das heutige Stück bestätigt mich in diesem Wunsch, denn es ist lang und eintönig. Lediglich ein Highlight gibt es unterwegs zu bestaunen, da wir erstmals wilde Kamele sehen, die schon öfter einmal auf Roadsigns angekündigt waren. Bei der Besiedlung wurden sie als Arbeitstiere genutzt und dann einfach freigelassen. Niemand konnte damals ahnen, dass sie sich in diesem harschen Klima so zahlreich vermehren würden. Heute sollen in der Wüste über eine Million Dromedare ihr Unwesen treiben.
Eigentlich haben sich alle nach Australien importierten Lebewesen, seien es Schafe, Katzen, Kaninchen, Apfelbäume, Weinreben oder weiße Menschen, millionenfach vermehrt. Lediglich die Population der Aborigines wurde stark dezimiert.
Nach und nach wird die Vegetation üppiger, doch auch an den steppenartigen Ebenen hat man sich irgendwann sattgesehen. Lange kommt uns kein einziges Auto entgegen, obwohl es jetzt wieder eingezäunte Ranches gibt. Michi hat zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen, denn an einer Tankstelle taumelt er mir beinahe ohnmächtig in die Arme. „Du musst mehr trinken, mein Junge!“, rufe ich und kaufe ihm eine süße Pepsi. Danach können wir den Endlostrip fortsetzen.
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Mount Isa ähnelt Alice insofern, da es auch hier plötzlich wieder Ampeln, Straßenkreuzungen, Supermärkte und Shoppingcenter gibt. Doch im Gegensatz zum Wüstenkaff liegt sie an einem Wunder, das man sogar riechen kann. Der „Leichardt River“ ist ein richtiger Fluss mit fließendem Wasser, umgeben von saftigen Wiesen. Ein heilsames Gefühl, zwischen den Zehen plötzlich wieder taufeuchten Rasen zu spüren. Die Temperaturen sind erträglich und keine widerlichen Fliegen umschwirren unsere Köpfe. Unsere Outback-Durchquerung scheinen wir geschafft zu haben, zumal wir mit dem Camper, obwohl es bis zum Meer noch ein Stück ist, nun wieder versichert sind. Das muss so sein, denn im Zentrum lese ich auf einem Schild, dass wir uns in der flächenmäßig drittgrößten Stadt der Welt befinden.
Zur Feier des Tages kaufe ich Lammkoteletts und eine eisgekühlte Flasche Sparkling Wine. „Das war die aufregendste Fahrt meines Lebens“, rufe ich beim Entkorken, doch mein Freund ist nicht in Partylaune. Auf die Frage, ob wir die Reise noch verlängern wollen, reagiert er nicht einmal. Was ist denn jetzt schon wieder mit dieser Mimose los?
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Zum Weiterlesen: “Koalaland” bei amazon.de
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Neue Rezi “Koalaland” bei Bücherwesen

6. Januar 2015 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

koalalandSeit Anfang Januar 2015 gibt es eine neue Rezension von “Koalaland” beim lesenden Bücherwesen. Drei von fünf Sternen gab es von Sabrina.
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Nina und Micha fliegen gemeinsam nach Australien. Während er sich den Lebenstraum von der Durchquerung des Outbacks erfüllen möchte, kann sie sich mit diesem Gedanken – ihrem Reisepartner und dem wunderlichen Land – zunächst überhaupt nicht anfreunden.

Doch unerwartete Ereignisse werfen die Urlaubspläne der beiden schnell über den Haufen. Sie müssen Kompromisse eingehen und kommen sich dabei allmählich näher. Dies ist der Startschuss zu einer atemberaubenden Reise in das rote Herz des Kontinents.

Eine berührende Liebesgeschichte nimmt ihren überraschenden Lauf, spannend wie ein Krimi und rasant wir ein Roadmovie. Werden Nina und Micha in Down Under finden, wonach sie suchen?

Tja hmm was hab ich für eine Meinung?

Fangen wir mal beim Cover an. Durch seine Farbe sticht es schon ins Auge, sonst wirkt es allerdings recht eintönig.
Aber ich muss dazu sagen der Hintergrund und der Camper sind großer Bestandteil des Romans es passt also perfekt, hätte mir eben z.B. den Camper etwas heller gewünscht als Akzent.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschrieben, ihrer und seiner. Dadurch wiederholt sich die geschehene Szene immer, was mich aber nur an einer etwas langweiligeren Stelle gestört hat, sonst fand ich es ok da es durch die wirklich SEHR unterschiedlichen Charaktere interessant war zu sehen wie sich die Reise jeweils anfühlt.

Von Nina war ich anfangs so genervt. Es liegt denke ich nicht am Schreibstil, eher an der Protagonistin.
Wie schon erwähnt sind sie sehr unterschiedlich. Micha genießt das Abenteuer und spielt den Entdecker während Nina als Businessfrau mit Ansprüchen daher kommt.
Dass die Realität oft so ist dass ein Ausflug für zwei Menschen jeweils eine andere Bedeutung hat ist mir bewusst aber Micha hat ja NIE was richtig gemacht. Ich war erst bei Seite 15 und schon gestresst.
Ich gab dem Buch trotzdem eine Chance.

Hatte ich anfangs allerdings gehofft es würde mir das Land so nahe bringen dass ich quasi mit dabei bin wurde ich schnell überzeugt dass dem nicht so ist. Man lernt natürlich ein wenig des Landes kennen und auch die Einwohner aber hauptsächlich empfand ich es als Reisetagebuch in dem es aber eher darum ging wer sich wegen was gezofft oder betrunken hat.

Ab dem 2/3 des Buches wurde es besser. irgendwann taute auch Nina auf und ich konnte einen entspannten Urlaub genießen 😉 Fast! Denn wir geraten ja in ein “Missgeschick” und was danach kam fand ich sehr unrealistisch, die ganzen Reaktionen ließen mich nur den Kopf schütteln und die Freude war wieder dahin.

Aufgrund der Kurzbeschreibung habe ich wirklich Spannung erwartet neben einer leichten Liebesgeschichte die sich erst entwickeln muss, aber ich las das Buch einfach so durch. Ich hätte mir wirklich mehr erwartet. Mehr Land, mehr Leute, mehr Spannung, mehr Liebe.

Ein kurzweiliges Buch das mich nicht fesseln konnte, aber als Zwischensnack durchaus ok ist. Leider für mich aber eben nicht mehr als das.
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Hier kann man u.a. Koalaland kaufen
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Dreamworld Australia – Koalaland

16. November 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

IMG_3478Keine Ahnung, wie oft wir ihn schon imaginär gesehen haben: in Fotobüchern und Hochglanzmagazinen, auf Postkarten, riesigen Postern oder im TV. Doch wenn man ihn das erste Mal erblickt, fühlt man sich trotzdem unvorbereitet. Kein einziges Bild wird diesem Anblick gerecht. Nach einer Kurve, hinter einem kaum wahrnehmbaren Hügel, verharren wir in nahezu hündischem Staunen. Der magische Berg erscheint kaminrot am Horizont. Er ist jetzt das höchstaufragende Ding auf der ganzen Welt! Wir hatten mehrere Ozeane und Kontinente überflogen, um nach Australien zu gelangen, waren tagelang durch eine ungezähmte Einöde ins rote Zentrum des Landes gefahren, nur um diesen einen Augenblick erleben zu dürfen. Wir sind am Ziel unserer Reise. Dass ein Lebenstraum so bewegend in Erfüllung gehen kann, hatten wir nicht erwartet.
Wir steigen aus und knipsen den „kleinen“ Uluru. Die rote „Majestät“ ist hier noch so winzig, dass wir ihn zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen können und aus einer Linse des Glücks betrachten können. Keine Fliege der Welt kann uns nun am Verweilen hindern. Sie versuchen in Ohren, Augen, Nase, in den Hals und selbst in die Po-Ritze zu krabbeln, doch wir grinsen mit schwarz gesprenkelten Kleidern in die Kamera. Auf diesen Fotos sehen wir unfassbar glücklich aus. Bilder wie aus einem Liebesfilm, doch die Wirklichkeit schlägt die Fiktion um Längen. Der Berg ist greifbar und echt geworden.
Seine gewaltigen Ausmaße, der Uluru ist 348 Meter hoch, drei Kilometer lang und hat einen Umfang von etwa neun Kilometern, begreifen wir erst beim Näherkommen. Perplex stellen wir fest, dass er nicht oval wie ein eingebuddelter Football, sondern unförmig und an einigen Stellen fast rund ist. In der Breite misst er eben auch bis zu zwei Kilometern. Mit 30 km/h rollen wir ihm andächtig entgegen, während im CD-Player „Dreamworld“ von Midnight Oil läuft. Überall sind nun auch tiefe Furchen, Einkerbungen und Schluchten zu erkennen.
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Am Parkeingang zum Weltkultur-Naturerbe kassieren sie ordentlich ab. Sei es den Aborigines, denen das heilige Land nun wieder gehört, vergönnt. Es heißt, dass alle Traumzeitreisen dort hinführen oder enden. Wir ahnen, warum – verstehen können wir diese Kultur noch immer nicht, denn es gibt in ihr kein Gestern, Heute oder Morgen. Wir nehmen uns vor, dies auf unserer Weiterreise zu verinnerlichen.
Ein großes Schild weist darauf hin, dass die Anganu-Ureinwohner aus mythischen Gründen nicht wünschen, dass der Felsen bestiegen wird, doch aus der Ferne sehen wir einen nicht enden wollenden Strom sich bewegender Punkte. Dicke, dürre, große, kleine, junge, alte und vor allem dumme Menschen fallen wir eine Ameisenarmee über den Uluru her. Warum? Was wollen sie dort sehen? Leere, unermessliche Weite, das Ende der Welt? Nur auf der Ebene macht einen der Berg klein und vergänglich wie ein Wüstenstaubkorn. All jene, die sich über ihn erheben wollen, geben sich der Lächerlichkeit preis, denn ein Wunder bekommen sie auf dem Gipfel sicherlich nicht geschenkt. Aufgrund von Überschätzung, durch die sengende Hitze oder durch Unachtsamkeit haben zudem bereits über 30 Menschen ihr Leben am Uluru verloren.
Auch heute ist es brütend heiß – ohne ein Wölkchen am lichtblauen Himmel –, sodass wir unser eigentliches Vorhaben, den Berg zu Fuß zu umrunden, aufgeben. Außerdem haben die summenden Fliegen in den Ohrmuscheln jetzt auch ein Wort mitzureden. Wir laufen immer nur kürzere Abschnitte entlang des zerklüfteten Fels, berühren ihn kurz, um dann 200 Meter weiterzufahren. Dort wird das Ritual wiederholt, bis wir ein Mal herum sind. Leider werden auch die längst geplünderten „Sacred Places“ von einigen Touristen in schierer Respektlosigkeit abgelichtet, obwohl dies von den Anganu ausdrücklich nicht erwünscht ist.
Wir machen Fotos, die uns mit gebührendem Abstand vor dem roten Ungetüm zeigen. Einige davon zeigen uns lachend auf dem heißen Blechdach des Campers liegend. Es sind Bilder voller Glück und Harmonie, die wir sicher noch in dreißig Jahren wehmütig betrachten werden.
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Im Visitor Centre erfahren wir, welche Mythen dem Uluru von den Ureinwohnern zugeschrieben werden, doch ganz ehrlich: Mit Teppichschlangen- und Hasenkänguru-Menschen, Tannenzapfen-Echsen und Regenbogen-Schlangen können wir recht wenig anfangen. Für uns geht eine ganz andere Faszination von diesem Giganten aus. Eine Faszination, die uns für immer daran gemahnen wird, dass wir diese Reise gemeinsam unternommen haben und nun angekommen sind. Der N & M-Mythos.
Etwa 50 Kilometer weiter erreichen wir die „Kata Tjutas“. Die runden Brocken – auch „Olgas“ genannt – erinnern an im Solarium verbrannte Brüste oder rote Glatzköpfe. Die höchste Erhebung der ebenso spektakulären Massive heißt Mount Olga und wurde nach der Königin Olga von Württemberg benannt. Leider wird uns auch die Wanderung im „Valley of the Winds“ durch schwarze Wolken voller Fliegen verleidet, sodass wir bei großer Hitze und ohne spürbaren Windhauch nicht alle Aussichtspunkte erkunden können und wollen. Gegen 17.30 Uhr haben wir das Kapitel „King Uluru“ und „Queen Olga“ demnach abgeschlossen.
Auf einem eingezeichneten, hunderte Parktaschen umfassenden Betonareal stehen schon unzählige Autos und Reisebusse. Unförmige Menschen mit engmaschigen Gittern vorm Gesicht streiten sich um die besten Plätze zum Sonnenuntergang. Die mit der guten Sicht stellen Tische und Stühle vor ihre Wagen und trinken Champagner. Allen anderen wird der Blick durch Spinifexbüschel und hoch aufgeschossene Büsche verstellt. Sie müssen sich hinten anstellen oder woanders ihr Glück versuchen.
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Doch wo? Fast überall gibt es durchgezogene gelbe Linien am Straßenrand mit dem Hinweis: „No Stopping Anytime.“ Auf all das haben wir überhaupt keine Lust! Wir wollen die Farborgie alleine genießen und fahren zu der Stelle zurück, an der wir den Zauberberg das erste Mal im Miniaturformat gesehen haben. Dort finden wir, was wir suchen: einen Ort, der uns das Glück wie eine Faust in den Magen rammt. Der Uluru gehört uns hier ganz allein. Keine Volksfeststimmung – nur Nina und Micha.

Längst haben wir den Champagner (also zwei Dosenbier) aufgezischt und betrachten – auf dem Dach unseres Campers sitzend – das steinerne Chamäleon in Technicolor: orange, orangerot, burgunderrot, feuerrot, kaminrot, terracotta, blutfarben, purpurrot, fliederviolett, schiefergrau, schwarz. Erstmals im Leben konzentrieren wir uns ausschließlich auf das Jetzt. Zeitgleich flüstern wir: „Ich liebe dich.“ Wir haben uns fürs Glück entschieden.

Zum Weiterlesen: “Koalaland”- ein Australienroman

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Neue Rezi von Koalaland

24. Oktober 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

koalaland“Nina und Micha, die sich zu Beginn der Reise sogar noch siezen, fliegen nach Australien, um dort gemeinsam ihren Urlaub zu verbringen. Sein Traum von Australien ist die Durchquerung des Outbacks. Sie kann sich zuerst überhaupt nicht auf das Land einlassen, denn sie hängt ununterbrochen am Telefon und am PC, da die Firma zuhause ohne sie unterzugehen droht, zumindest glaubt sie das. Auch ist der Reisepartner so gar nicht nach ihrem Geschmack, er benimmt sich in ihren Augen einfach nur peinlich. Allmählich bringt Australien die beiden aber näher und sein Traum vom Outback scheint doch noch in Erfüllung zu gehen, oder?

Ich habe nach einem Buch gesucht, welches in der Gegenwart in Australien spielt, also kein Gründerzeiten Roman (die hängen mir langsam zum Halse heraus) und das mich während unserer 4-wöchigen Australienreise gut unterhält. Das ist mir mit diesem Buch gelungen. Anfangs habe ich mich öfter gefragt, wie sich die beiden, doch so unterschiedlichen Menschen überhaupt zu so einer Reise gefunden haben. Denn für mich ist es unvorstellbar, dass ich mich mit einem Menschen, den ich nicht mal richtig kenne, zu einer Reise zusammentue, auf der man wochenlang auf engstem Raum zusammenlebt. Ist es Naivität? Mir bleibt das ein Rätsel. Jedenfalls hat mich diese Reise auf meiner Reise durch Down Under sehr gut unterhalten.”

Zum Nachlesen bei >Sanseira – dem Treffpunkt aller Australienfans
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Schön Rezi zu “Koalaland” bei “Wortszenerie”

21. April 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

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Seit ein paar Tagen gibt es eine wunderbare Rezension zu meinem Buch “Koalaland” von Lyrica auf der Seite von “Wortszenerie”. Hier ihr Fazit:

“Ein Australienbuch, wie man es sich wünscht. Beschreibungen der Ortschaften, Menschen, vor allem aber der einzigartigen Mentalität und das mit einer Detailtreue und Genauigkeit, als wäre man selbst dort gewesen. Ohne Kitsch und historische Auswandererpläne kann das Buch vor der Kulisse Australiens bestehen. Die Protagonisten werden nicht jedermanns Sache sein, sie sind aber absolut authentisch, realistisch und lebensah, wodurch es mir doch gelang, einen Zugang zu ihnen zu finden und mit ihnen mitzufiebern. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, verleiht dem Buch dann aber doch das gewisse Etwas. Absolute Leseempfehlung!”
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Hier gehts zur vollständigen Rezension

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Tolle Rezi zu “Koalaland”

8. Januar 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

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Seit ein paar Tagen gibt es eine äußerst lesenswerte Rezension auf der Australien-Seite von Aussiemania:
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“Mark Scheppert. Ich sage Danke für dieses tolle Buch!
Als Australienfan habe ich ja schon viel gelesen, aber noch nichts Vergleichbares. Schon beim 1. Kapitel habe ich mir gewünscht, dass es so weitergeht wie es angefangen hat. Das Buch lässt sich schön flüssig lesen, ist witzig und spannend geschrieben.
Ein Reisetagebuch mit so ganz nebenbei eingeflochtenen Infos zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und schönen oder nicht so schönen Ecken in Australien, geschrieben in einer ganz besonderen Art und Weise: Aus zwei Sichten: Seine Sicht – Ihre Sicht. Genau das hat für mich den Reiz ausgemacht … Die Reise durch Australien wird einmal aus Michas Sicht und einmal aus Ninas Sicht erzählt. Die teilweise/häufig gegensätzlichen Ansichten machen das Buch echt spannend und auf jeden Fall Lust zum weiter lesen. Schon beim Lesen von Michas Sicht habe ich mich gefragt wie Nina wohl den einen oder anderen Reisetag fand. Einfach toll!!!”
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…und hier kann man das nochmals vollständig nachlesen..
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Ich sage Danke für diese tolle Rezension!

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Rezi zu “Koalaland” in “360-Grad Australien”

22. November 2013 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

360 Grad AustralienNun also endlich die erste Rezension zu “Koalaland” und diese dann gleich in “360-Grad Australien”, dem (!) Magazin für Down Under schlechthin. Not bad…
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“…ich sage Danke für dieses tolle Buch. Als Australienfan habe ich ja schon viel gelesen, aber noch nichts Vergleichbares. Schon beim 1. Kapitel habe ich mir gewünscht, dass es so weitergeht wie es angefangen hat. Das Buch lässt sich schön flüssig lesen, ist witzig und spannend geschrieben. Ein Reisetagebuch mit so ganz nebenbei eingeflochtenen Infos zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten und schönen – oder nicht so schönen – Ecken in Australien, geschrieben in einer ganz besonderen Art und Weise: Aus zwei Sichten: Seine Sicht – Ihre Sicht. Genau das hat für mich den Reiz ausgemacht … Die Reise durch Australien wird einmal aus Michas Sicht und einmal aus Ninas Sicht erzählt. Die teilweise/häufig gegensätzlichen Ansichten machen das Buch echt spannend und auf jeden Fall Lust zum weiter lesen. Schon beim Lesen von Michas Sicht habe ich mich gefragt wie Nina wohl den einen oder anderen Reisetag fand. Einfach toll!!!”

Und hier gehts zur vollständigen Rezension in “360-Grad Australien”

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