Archive for Januar 2015

Amerikanische Kriegsgefangenschaft

30. Januar 2015 | von | Kategorie: Alles ganz simpel Leseproben, Blog, Leseproben

Opa Portrait
Früh morgens krabbelten Heinz und ich aus dem Stroh. Mein Schädel brummte, was „natürlich nicht“ am billigen Fusel vom Vorabend lag. Wie viele andere hatten wir uns Klamotten von Einheimischen zusammen geschnorrt. Wir verbuddelten unsere Uniform und sahen mit den neuen Sachen endlich wieder wie normale Menschen aus. Als einziges Erinnerungsstück an unsere Soldatenzeit behielten wir ausgerechnet unsere Soldbücher. Vielleicht könnten die uns ja später noch einmal nützlich sein. Die Amis waren durch. Alles, was hinter uns lag, war bereits von ihnen „besetzt“. Wir wollten in Richtung Osten und ließen es, um nicht noch einmal an die Front zu geraten, gemächlich angehen. Als Zivilisten getarnt, gestatteten wir den amerikanischen Truppen immer ein paar Kilometer Vorsprung, bis wir in Seelenruhe hinterher wanderten.
Eile war also nicht geboten und es störte uns auch nicht, dass der Vormarsch nur schleppend vorankam. Wir hatten diesen Krieg nur aus der Perspektive von Infanteristen kennen gelernt und staunten nun über die Vorgehensweise des Gegners. Sie schickten immer erst Panzer vor, zur Not gab es noch einen kurzen Artillerieeinsatz, und erst wenn ganz sicher war, dass in dem zu erobernden Geländestück kein militärischer Widerstand mehr zu erwarten war, kam das US-amerikanische Fußvolk, wobei dieses keineswegs „zu Fuß“ kam. Selbst die Infanteristen liefen hier kaum einen Meter auf eigenen Beinen, sondern saßen Lucky Strike rauchend auf LKWs und vollzogen die Besetzung eines Ortes, indem sie auf dem Marktplatz behäbig vom LKW kletterten.
Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die hier herumirrten. Viele fröhlich pfeifende Burschen – meistens zu zweit – bevölkerten die Landstraßen und hilfsbereite Einheimische machten uns rechtzeitig auf Militärkontrollen aufmerksam, die wir dann umgehen konnten. Irgendwann kam uns die Idee, eine Zwischenstation einzulegen.
Bermaringen schien uns dafür besonders geeignet zu sein, da wir dort durch unsere Kompaniefest-Sammlungen eine Menge Leute kannten. Auch die beiden Töchter des Bauern freuten sich sehr, als wir wieder auftauchten.
Nach nur zwei erquicklichen Nächten im Stroh schmissen wir unsere Pläne wieder um, da uns der Bürgermeister ein Angebot machte, dass wir nicht ablehnen konnten. Er schrieb uns eine Bescheinigung in deutscher und englischer Sprache, die uns als ehemalige kriegsdienstverpflichtete Schlosser bei den Magirus-Werken in Ulm auswies. Mit Amtssiegel! Ganz ehrlich: Leckereien, Obstler und Dorfschönheiten hin oder her – es zog uns magisch in die Heimat. Mit diesen Papieren, so glaubten wir, könnten wir nun einen Zahn zulegen.
Klaus Essen

Wir passierten unzählige Sperren mit unseren „Dokumenten“ und niemand hielt uns auf. Schnell erreichten wir den Thüringer Wald, als uns ein älterer Mann auf der Landstraße zwischen Weimar in Richtung Eckartsberga vor einer erneuten Militärkontrolle warnte. Wir grinsten als er mit seinen Pferdchen weiter zog. Mit unseren Papieren würden wir doch keinen Meter Umweg laufen. Doch als wir diesmal vor den sechs bewaffneten Amerikanern standen, verschwand das Lächeln recht schnell aus unseren Gesichtern.
„Bürgermeister guter Deutscher!“, brummte deren Kommandant, als wir unsere beglaubigten Dokumente vorzeigten. „Aber auch guter Nazi!“ In diesem Moment waren wir Kriegsgefangene der US-Army. Ganz undramatisch. Ohne durchgeladene MP oder Hände-Hoch-Gebrülle. Im Verlauf der nächsten Stunden sammelten sie weitere Leute von der Straße ein und verfrachteten sie auf den LKW. Die Fahrt dauerte nicht lange. Unser Gefährt hielt in Kölleda vor der Sparkasse, die augenscheinlich die einzige Behausung im Städtchen war, welche Gitter vor den Fenstern hatte. Man erklärte uns, dass hier bis zum kommenden Tag Station gemacht werde. Viele Einwohner hatten den Rummel mitbekommen und versammelten sich vor unserem ebenerdigen Kerker. Es waren vor allem junge Mädchen, die uns mit allerlei Leckereien durch die Stäbe versorgten. Verhungern würden wir in dieser Nacht definitiv nicht.
Es wurde streng reguliert, wer wie lange am Gitterfenster stehen durfte und als ich mal wieder an der Reihe war, traf mich fast der Schlag. „Mensch Horst, bist du das wirklich?“, kreischte jemand. Ich war’s, und die es rief, war ein wunderschönes dunkelhaariges Mädchen. Mein euphorisch gebrülltes: „Regina“, erschreckte den vor dem Eingang postierten Ami so sehr, dass er mit seinem an die Häuserwand angekippten Stuhl, nach vorne auf vier Beine fiel. Mit Regina hatte ich in Breslau meine Lehre absolviert. Wir hatten uns seit ich eingezogen wurde, nicht mehr gesehen. Obwohl die Wiedersehensfreude durch die uns trennenden Gitterstäbe getrübt wurde, verspürten wir ohne viele Worte ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Wir hatten beide die mörderischen Kriegsjahre überlebt!

Das Hauptthema war die Frage, in welches Gefangenenlager sie uns wohl am nächsten Tag bringen würden. Ein Mitgefangener erzählte von Gerüchten, dass in einigen Lagern die Haare geschoren werden, in Naumburg dagegen – dem angeblich besten Lager – nicht. Schon komisch, dass dies unsere größte Sorge war. Wie eitel und ahnungslos wir nur waren.
Am nächsten Tag gab es das große Aufatmen, als wir am Ortseingangsschild von Naumburg vorbei fuhren. Es war ein riesiges eingezäuntes Gelände in dem zigtausende Menschen apathisch auf ebener Erde oder in flachen Gruben hockten. Keine Zelte, keine Baracken, wie man das heute in Filmen immer darstellt.
Wir fuhren durch eine Öffnung im Zaun und mussten absteigen. Nun waren wir also Insassen eines US-amerikanischen Kriegsgefangenenlagers. „Wo muss man sich hier denn registrieren?“, fragte ich einen Herumliegenden. Erstmals erlebte ich, was mit dem Ausdruck „müdes Lächeln“ gemeint ist. Es gäbe keine Registrierung, erklärte er und es interessiere die Amis auch gar nicht, wer und wie viele Menschen in ihrem Camp hausten. Frustriert suchten Heinz und ich ein freies Plätzchen, was gar nicht so einfach war. Fast jeder Insasse hatte nur knapp zwei Quadratmeter zur Verfügung und wer Pech hatte musste direkt neben dem Latrinengraben liegen. Auch der verbale Kontakt mit den Alteingesessenen erwies sich als schwierig, da die in der Regel recht maulfaul waren. Selbst auf die simple Frage nach der Verpflegung gab es wieder nur dieses „müde Lächeln“ und hinsichtlich unseres Durstes eine „lahme Handbewegung“. Irgendwo solle es einen intakten Wasserhahn geben.
Opa erzählt
Unser Gemütszustand sank auf den Nullpunkt, denn auf unseren Wanderungen durch halb Deutschland waren wir zuvor von den jeweiligen Gastgebern geradezu verwöhnt worden. Die meisten hatten ihre Söhne oder Männer noch immer im Krieg und hofften, dass diese in der Fremde genauso gut behandelt würden. Außerdem hatten wir uns fast immer Familien mit Töchtern in unserem Alter gesucht. Es sollte ja nicht langweilig werden. Wenn ich daran denke, dass wir wie Huckleberry Finn und Tom Sawyer mit einem Floß laut lachend auf dem Main in Richtung Würzburg geschippert sind, kommt es mir manchmal sogar so vor, als wäre dies die unbeschwerteste Zeit meines Lebens gewesen.

In Naumburg gab es nur einmal pro Tag Verpflegung. Einen Tag eine Dose Schmalzfleisch, am nächsten eine mit Schmelzkäse, die man mit acht Gefangenen millimetergenau stückeln musste. Auch das Brot gab es aus der Konserve und musste mit Vieren geteilt werden. Die leeren Dosen musste man übrigens aufbewahren, da dort die unfassbar dünne Suppe hinein gegossen wurde, die wir manchmal als Tagesration bekamen. Wer dann kein Gefäß besaß, musste hungern.
Es passierte, dass man an einem Tag, nachts um 1.30 Uhr diese Ration bekam und die nächste erst am darauf folgenden um kurz vor Mitternacht. Das hieß, dass wir manchmal fast zwei Tage gar nichts zu Essen hatten. So geschah es, dass täglich, mitten im besetzten Deutschland, zig Männer verhungerten. Andere starben direkt neben uns an Krankheiten und Erschöpfung. In der Nacht war es nämlich empfindlich kühl und starke Regengüsse prasselten auf uns herab. Lediglich Gefangene, welche sich mit Glück, Geschick und vor allem Brutalität einen Pappkarton besorgt hatten, mit dem sie sich behelfsmäßig bedecken konnten, blieben ein wenig trockener.
Was wurde nicht alles über die Kameradschaft der deutschen Soldaten in guten wie in schlechten Zeiten geschrieben. Hier in Naumburg war davon nichts zu spüren. Jeder war sich selbst der nächste – wichtig war nur das nackte Überleben.
Opa und icke
Tatsächlich hatten auch Heinz und ich nicht vor zu verrecken. Auf dem Gelände entdeckten wir irgendwann die ehemaligen Getreidesilos. Sie waren mit kranken und verletzten Gefangenen belegt und wurden von den Amis mit einem Posten bewacht. Die „Silobewohner“ hatten primitive Zettelchen, die ihnen das Betreten der Anlage gestattete. Nachdem Heinz zwei ähnlich aussehende Papierfetzen besorgt hatte, sprachen wir einen Kriegsverwundeten an. Ich prägte mir das auf dem Zettel Geschriebene ein und fälschte uns zwei solcher „Eintrittskarten“. Als Technischer Zeichner war das ein Leichtes. Endlich hatten wir also ein Dach über dem Kopf, was schon die halbe Miete für ein längeres Überleben bedeutete. Außerdem lagen auf den kahlen Böden überall noch Getreidekörner. Wir sammelten sie eifrig ein, pusteten den Staub heraus und klopften mit einem Stein wichtige Zusatznahrung aus den Hafer-Rispen. Vielleicht rührt daher meine spätere Abneigung gegen Haferflocken, die ich heute nur noch beim Angeln zum Anfüttern benutze.
Eines Tages verbreitete sich das Gerücht, dass die Amis die ersten Leute entlassen würden – zunächst allerdings nur einfache Soldaten. Ich muss mich noch heute wundern, wie viele Soldbücher plötzlich wieder auftauchten. Auch wir hatten unser Beweismittel – den „Pass in die Freiheit“ – ja glücklicherweise aufgehoben. Schon am Folgetag ging es los und man begann sogar mit dem Silo. Wir mussten in Viererreihen antreten, die Amis zählten 25 Leute ab und dann trottete ein so gebildeter Hunderterblock mit unbekanntem Ziel durchs Lager. Ich hatte mit Heinz ausgemacht, dass wir uns – falls wir uns verlieren würden – in Kölleda bei Regina treffen würden, um von dort aus nach Berlin bzw. Breslau weiterzugehen. Und tatsächlich verlor ich meinen Freund bei der Drängelei zum Antreten aus den Augen. Kurz darauf erfuhr ich, dass es drei verschiedene Gruppen Gefangener geben würde, die über Ent- oder Nichtentlassung entscheiden würden.
1. Angehörige der Waffen-SS und aktive Mitglieder der NSDAP
2. Soldaten, deren Heimatorte in russisch besetzten Gebieten lägen
3. Soldaten, die im besetzten Teil der westlichen Alliierten zu Hause wären
Was mit den drei Gruppen geschehen würde, konnte keiner sagen. Da ich keine Tätowierung der Blutgruppe unter der Achselhöhle hatte, war klar, dass ich nicht bei der Waffen-SS gewesen sein konnte und auch in die NSDAP war ich nie eingetreten. Ich, die Breslauer Lerge, schrieb deshalb in den Fragebogen: „Wohnort: Kölleda, Hauptstraße 17.“ Eine Hauptstraße, vermutete ich, würde es in jedem größeren Ort Deutschlands geben. Und siehe da: ich wurde Gruppe 3 zugeordnet. Am nächsten Tag drückte man mir den offiziellen Entlassungsschein aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft in die Hand. Ein LKW brachte die Leute aus der näheren Umgebung sogar in ihre Heimatorte. Als ich in Kölleda vor der Sparkasse von der Ladefläche stieg, war ich ein freier Mann. So simpel war das wieder einmal für mich.
Lesen
Ich kann bis heute kein gutes Wort über diese Wochen verlieren. Mein späterer Kollege Willy Conrad erzählte mir einmal, wie es ihm bei den Russen ergangen war. Dort hatten sie nach knüppelharter Arbeit einmal pro Tag eine heiße Suppe bekommen und 400 Gramm klitschiges Brot. Laut Willy war das jedoch noch mehr als das, was die russische Bevölkerung zu jener Zeit bekam. Und eben mehr, als wir bei den Amis. Doch die Zeit machte den Unterschied. In Russland saßen die deutschen Soldaten oftmals schier endlos erscheinende Jahre fest und viele kamen nie wieder. Als einer von Wenigen überlebte Willy dort und spielte später sogar noch jahrelang bei Chemie Leipzig Fußball.

Mein bester Freund Heinz hatte immer voller Optimismus gesagt: „Sie werden in Berlin alles zerbomben – außer die Prinzenstraße 13.“ Er hatte Recht behalten. Als ich Ende 1945 nach ihm suchte, stand das Haus noch und eine Frau öffnete mir sogar die Tür. Sofort begann die ältere Dame zu jammern, dass sie noch immer nichts von ihrem Sohn gehört habe. Ich beruhigte sie, da ja zumindest klar war, dass er den Krieg überstanden hatte. Nur in Kölleda war er leider nie aufgetaucht.
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Vor ca. acht Jahren blätterte ich aus purer Langeweile im Berliner Telefonbuch. Ich entdeckte einen Heinz Böder im Westteil Berlins und rief einfach mal an. Eine Frau meldete sich und nachdem ich ihr erklärt hatte, wer ich bin, begann sie sofort zu weinen. Ihr Mann Heinz war gerade vor vier Wochen verstorben. Er hatte oft von mir und unseren abenteuerlichen Erlebnissen vor und während der Zeit im „besten Lager“ berichtet. Als sie das sagte, heulte auch ich schon längst Rotz und Wasser. Wir hatten ein halbes Leben lang in ein und derselben Stadt gewohnt und uns trotzdem nie wieder gesehen. Ich hätte ihn sogar zu DDR-Zeiten anrufen können – ja müssen!
Deshalb eine Mahnung an nachfolgende Generationen und dies ist wahrlich kein Gerücht: Ein Krieg lässt einen bis ans Lebensende nicht mehr los.
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Zun Weiterlesen: Alles ganz simpel
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Jemand der Reinsch heißt

25. Januar 2015 | von | Kategorie: 90 Minuten Leseproben, Blog

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Um 7 Uhr war die Nacht vorbei, da wir schon eine halbe Stunde später zur Dschungeltour abgeholt werden sollten. Um 9 Uhr kam dann endlich ein verpeilter Typ, der mit uns durch die halbe Stadt düste, um im Hotel Premier, einen verschlafenen Portugiesen abzuholen, der ebenfalls zu unserer Truppe gehörte. Nur vier Stunden nach dem Aufstehen, also um kurz nach 11 Uhr, waren wir endlich auf dem Schiff, welches fußläufig zu unserem Hotel am „Porto Flutuante“ – einem schwimmendem Pier – gemütlich vor Anker lag. Das nenne ich mal Effektivität. Ganz großer brasilianischer Sport!

Unser Kahn, der versteckt hinter zahlreichen großen Booten und Containern mit der Aufschrift „Hamburg Süd“ lag, hätte sicher 30 Leuten Platz geboten, doch lediglich wir, Portugiesen-Pablo, eine Familie Reinsch aus Österreich (die Stunden auf uns gewartet hatte), zwei Besatzungsmitglieder und der Kapitän befanden sich an Bord. Natürlich brachte ich sogleich den alten Bart-Simpson-Spruch: „Ist hier eigentlich jemand der reinscheißt?“ und zur großen Freude antwortete Laila Reinsch ganz unbedarft: „Ja wir!“ Die dunkelhäutige Frau von Wolfgang war gebürtig in Ghana und ihr Sohn, der 16jährige Andreas sah ein bisschen wie mein Freund Pascal in der Heimat aus. Er freute sich offenbar, dass ich mich freue und klärte seine Mutter nicht auf, sodass ich den Witz während der Fahrt etliche Male wiederholen konnte. Sylvie erzählte den anderen daher irgendwann von meiner Kackaktion ins Meer in Sao Luis. Peinlich, doch wir lachten gemeinsam – Tränen.
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Nach „Feuchtgebiete“ kann man so etwas ja durchaus mal erwähnen: Mein Hämorriden-Problem hatte sich deutlich verschlimmert. Mittlerweile konnte ich kaum noch sitzen, so sehr schmerzten diese Gefäßpolster und nach jedem Stuhlgang war das Toilettenpapier blutdurchtränkt. Dass eine Fahrt durch das schwülwarme Amazonasgebiet auf einem Dampfer, dessen Sitzmöglichkeiten ausschließlich aus Holzplanken bestanden, nicht gerade sehr förderlich war, muss ich nicht erwähnen. Beim ersten gemeinsamen Bier fragte ich Wolfgang daher im Flüsterton, was ich dagegen tun könne. Er grinste, öffnete seinen Rucksack und zog mit großem Gehabe – sodass es alle sahen – eine Hämorriden-Salbe hervor. „Die hat man ab 40 doch immer dabei“, rief er, während ich dachte: ‚Herr Scheppert, du wirst alt!‘
Wir tuckerten gemächlich auf dem breiten Strom hinab und erfuhren erst jetzt, dass sich Manaus gar nicht am Amazonas, sondern an den Ufern des Rio Negros, eines der drei großen Zuflüsse des zweitlängsten Flusses der Erde befand. Doch unser Kutter fuhr uns direkt zum dicken Wasserriesen, der mit all seinen Brüder- und Schwesterflüssen 17 % des gesamten Süßwassers der Erde enthalten soll.
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Der „Encontro das Aquas“ (Zusammenfluss der Gewässer) soll angeblich weltberühmt sein, da man hier eine zentimeterscharfe Linie zwischen den schlammbraunen Wassern des Amazonas und den schwarzen Fluten des Rio Negros sehen soll. Kilometerlang fließen die beiden Ströme nebeneinander her und vermischen sich – wegen der unterschiedlicher Dichte, Geschwindigkeit und Temperatur – nicht. Dieses Phänomen konnten wir leider nicht beobachten, wurden aber später auf unseren Fotos Lügen gestraft, da man diese Linie dort sehrwohl erkannte. Dennoch kein Grund, das reale Leben und Gesehene zu verfluchen.

In der Mitte des Flusses, der jetzt nur noch Amazonas hieß, konnten wir erahnen, wie groß Manaus ist, weil wir schon über eine Stunde gefahren waren und noch immer Bretterbuden, die zur Millionenmetropole gehörten, das Ufer säumten. Dennoch entspannten wir uns nach kürzester Zeit und wie zur Belohnung sahen wir die ersten Amazonas-Delfine. Die größten aller Süßwasserdelfine, auch Botas genannt, waren zartrosa gefärbt und schwammen direkt am Bug vorbei. Angeblich sind es die einzigen ihrer Art, die sich auch rückwärts paddelnd fortbewegen können. Nach dieser Begegnung bogen wir in einen schmaleren Fluss ein und schipperten immer tiefer hinein in die grünste Lunge der Erde mit seinen weit verzweigten Wasseradern. Wir sahen zwei rote-grün-blaue Papageien, einen Tucan mit knallbuntem Schnabel, langbeinige Ibisse und etliche andere Vögel in Bäumen oder am Ufer sitzen. Überall raschelte, kreischte und trällerte es. Allerdings staunten wir darüber, bisher noch keine einzige Mücke zu Gesicht bekommen zu haben. Erfreulich war ebenfalls, dass ich mir mit Wolle Reinsch bereits das zweite Fahrtbier aufgemacht hatte und dämlich labern konnte.
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Nach 70 Kilometern hatten wir unser Ziel erreicht. Noch immer befanden wir uns auf einem kanalartigen Fluss umgeben vom dichten Regenwald. Doch allmählich verbreiterte sich der Wasserweg und mündete letztendlich in einen See, an dessen gegenüberliegenden Ende wir ein winziges Haus erkennen konnten. Beim Näherkommen wurde das Gebäude, welches auf schwimmenden, hölzernen Pontons stand, dann doch etwas größer. Wir befanden uns nun – im Nirgendwo. Um 15 Uhr, viel später als versprochen, checkten wir in einem rustikalen Zimmer direkt über der Wasserkante ein. Der Raum war zwar spartanisch eingerichtet, verfügte aber immerhin über ein eigenes Klo und so etwas ähnliches wie eine Dusche.

Sofort gab es Mittagessen und da alle anderen Gruppen schon wesentlich länger vor Ort waren, reihten wir uns brav hinten ein. Hier waren keine armen Schlucker am Start, wenn sie es von Europa oder aus den USA bis tief in den brasilianischen Regenwald geschafft hatten. Doch wie im Pauschalurlaub stürmten vor allem die Franzosen das Buffet regelrecht und so blieben für uns nur welke Salatblätter, einige Körner Reis und der kümmerliche Rest des grätenreichen Fisches übrig. Es gab also auch im Paradies ein Hauen und Stechen ums Fressen. Wolfgang warf mir eine Dose Bier zu. Alles war gut. Skol!
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Unsere Tagestour startete in einem kleinen Boot mit Außenborder. Ein Amerikaner namens Edward komplettierte die Truppe. Angelangt an einem ruhenden Gewässer, umgeben von dickstämigen Bäumen und dichtem Grün, drückte uns der Führer Ronny einen Holzstab, Sehne, Haken und rohes Fleisch in die Hand. Während wir noch dabei waren, die Angel zu rekonstruieren, hatte der Einheimische schon den ersten Piranha gefangen. Beeindruckt betasteten wir die messerscharfen Zähne des Ungeheuers. Österreich, Portugal, Ghana und die USA waren jetzt heiß, die Deutschen im Wettkampf zu schlagen. Brasilien lief hier außer Konkurrenz.

Andreas nahm nicht teil. Er töte keine Tiere, nuschelte er mit Wiener Dialekt. Vater Reinsch rief jedoch ununterbrochen „I werd narrisch“, da bei ihm rein gar nichts beißen wollte, während wir wenigstens feierten, dass unser Fleisch vom Haken gerissen wurden. Dann der erste Fang – beide gleichzeitig. Während Sylvie ihren Piranha gekonnt an Land zog und abfummelte, bekam ich den Fisch mit den messerscharfen Beißern ewig nicht ab und verletze mich zudem am Finger.
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Als Ronny „time is over“ rief, hingen dennoch zwei Zahnfische an meinem Sammel-Stöckchen. Doch Sylvie hatte, wie Laila (Ghana), ebenso zwei aufgefädelt. Wenigstens den US-Amerikaner Edward mit nur einem Killerfisch schlugen wir und Pablo (für Portugal) hatte gar keinen gefangen. Falls es jemals eine Fußball-WM mit diesen Teams geben sollte, könnte das bedeuten: Deutschland-Portugal 2:0 (oder 4:0, wenn ich Sylvie mitrechne); Deutschland-USA 2:1 und Deutschland-Ghana 2-2. Das machte ja alles sogar halbwegs Sinn. Österreich vernachlässigen wir hier einmal. Sylvie wedelte noch lange ganz aufgeregt mit ihren beiden Fischen herum und alle hofften, dass wir soeben nicht unser Abendbrot gefangen hatten, denn das würde Hungern bedeuten.
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Auf der Rückfahrt steuerten wir einem blutroten Sonnenuntergang über dem sattgrünen Urwalddickicht entgegen. Nun staunte ich über meine sonst eher ängstliche Freundin. Wir hatten soeben mehrere fleischfressende Piranhas geangelt und in die Glubschaugen gefräßiger Kaimane auf der Wasseroberfläche geschaut, doch sie sprang urplötzlich – gleich hinter Ronny – in die todbringenden Fluten. Nein, ich hechtete nicht hinterher, denn meine vor sich hin blutenden Hämorriden vermittelten mir das Gefühl, dass mir innerhalb von zehn Sekunden die Beine weggefressen werden würden – vom Arsch an abwärts. Der Fluss war hier zwar so breit wie ein riesiger See und in fließenden Gewässern sollen sich Piranhas eher ungern aufhalten, aber wer weiß das schon so genau? Sylvie kam vollständig wieder an Bord. Das endgültige Abtauchen der Sonne hinter der Dschungelmatte war unfassbar spektakulär. Solch einen Himmel, der sich 1:1 im Wasser spiegelte, hatte ich noch nie zuvor gesehen.
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Zurück auf dem Mutterschiff ging es sofort zum Abendessen. Das war hier ziemlich straff durchorganisiert bei nunmehr zirpender Urwaldfinsternis und basslastigen Froschkonzerten. Neben „Piracuru“ (Fisch), Bohnen und Reis gab es extrem teures Bier, welches wir dennoch in größeren Chargen orderten. Besonders Wolle hatte Durst nach der erfolglosen Angeltour. Mitten in der Nacht entriss uns Ronny den Gestensaft und schubste uns in das kleine Boot. Den Alligatoren-Nachtausflug hatten wir fast vergessen und bei der fröhlichen Stimmung auch gerne weggelassen. Die Fahrt war ätzend. Nach einer halben Stunde auf schmalen Holzbrettern schmerzten der Rücken und vor allem der Hintern mordsmäßig. Ein Mann (der Reinsch heißt), drückte Sylvie, Pablo, Edward und mir eine heimlich geschmuggelte Skol-Dose in die Hand – danach ging`es wieder. Als wir in die modrige, tiefschwarze Lagunenwelt hineinfuhren, wunderten wir uns, dass wir sogar dort von Moskitos verschont blieben.
Ronny suchte mit einer Taschenlampe im Moor und Unterholz nach leuchtenden Alligatorenaugen. Zwar blinkten sie einige Male im Schilf hell auf – er bekam jedoch keines der Viecher zu fassen. Nachdem wir schon fast wieder umkehren wollten, griff er ein letztes Mal in die sumpfige Brühe und holte tatsächlich einen kleinen Kaiman an Bord. Ich hatte noch nie einen Alligator in den Händen gehalten und wollte ihn natürlich, genau wie Sylvie und Andi, berühren und streicheln. Schnell einigten wir uns auf einen Namen für den schuppigen Kerl. Wir nannten ihn – warum auch immer – Poldi. Der Kleine wurde ganz schön herumgereicht, bevor Ronny ihn auf Nimmerwiedersehen in den wasserreichsten Strom der Erde entließ.
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Auf dem Rückweg beschloss unser Führer unplanmäßig an Land zu gehen. Mitten im Urwald standen wir plötzlich vor einer schummrigen Bar. Ronny wollte hier augenscheinlich ein wenig Dope käuflich zu erwerben. Uns verkauften sie derweil eiskalte Biere zum fairen Preis und die Frauen genehmigten sich eine Frucht-Batida. Wir quatschten, spielten Billard und lernten uns bei ausgelassener Stimmung in dieser abgefahrenen Umgebung noch besser kennen. Plötzlich fiel mir etwas auf den Kopf. Als ich sah, was es war, musste ich schmunzeln, da ich daran dachte, wie Sylvie wohl reagiert hatte, wenn ihr dieser kantige Käfer auf den Schädel geklatscht wäre. Wir fotografierten ihn auf dem Boden liegend neben meiner Zigarettenschachtel. Das schwarze Insekt war größer! Weit nach 1 Uhr erreichten wir das Hausboot und tranken ein letztes Brahma. Wir hatten beschlossen, den Sonnenaufgangs-Trip ausfallen zu lassen, der in vier Stunden starten sollte.

Nach einem Dschungelfrühstück mit viel frischen Obst – der Ossi freut sich auch nach so einer langen Reise noch immer besonders über Bananen – ging es wieder los. Die Fahrt war erneut lang und das Klima schwül, sodass wir uns freuten, im unterwartet kühlen Regenwald unter schattigen Bäumen abtauchen zu konnten. Eine botanische Führung stand auf dem Programm. Ronny, der heute sehr lustig war, hetzte uns nicht durchs fetteste Grün dieser Erde, sondern nahm Rücksicht auf die Temperaturen und unsere lahmen Füße. Auch wenn ich schon öfter durch einen Urwald gestiefelt war, steckte dieser Dschungel voller spannender Geheimnisse. Über drei Stunden befassten wir uns intensiv mit der faszinierenden Welt Amazoniens und wurden überrascht, welch ungewöhnliche Pflanzen (rund 60.000 verschiedene soll es geben), Vögel, Säugetiere und Insekten es auf unserem Planeten gibt. Hier waren sie vor allem eines: groß!
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Der Regenwald spendet den einheimischen Bewohnern nicht nur reichlich Nahrung. In einigen Hölzern versteckten sich literweise Trinkwasser, aus der nächsten Pflanze wurde ein tödliches Pfeilgift gewonnen, eine andere war Heilmittel und die nächste Kosmetik für die Luxuswelt in unseren Gefilden. Kautschuk, Öle und Harze flossen von Bäumen wie Honig und einige Stoffe ließen sich äußerst leicht entzünden. Etliche Schlingpflanzen dienten uns als Hollywoodschaukel oder Hängematte. Der Wald war zudem von einem köstlichen, zarten Duft erfüllt. Was für ein sagenhaftes Biotop!

Ehrlich gesagt, fand ich es hier erstmals etwas unpassend, dass uns die Einheimischen in ihrer „originalen“ Holzhütte im Indianerdorf kaltes Bier anboten. Manches Mal bemerkt man eben erst sehr spät, wie weit die Zivilisation – und damit auch wir mit unseren weißen Ärschen – in die letzten unberührten Lebensräume dieser Erde vorgedrungen sind. Wolfgang pfiff als erster auf das schlechte Gewissen und öffnete die Dose mit lautem Zischen. Sylvie und Laila freuten sich, als ihnen von einem Indio ein mit Wasser gefüllter Baumstamm aufschlagen wurde an dem sie sich laben konnten.
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Um 15 Uhr verabschiedeten wir uns von Pablo, Edward, Ronny und unseren Reinschs – von neuen Freunden namens Andreas, Laila und Wolfgang. Wir waren neidisch auf die Österreicher, da sie noch einen Tag länger auf dem Hausboot verweilten durften. Der große Fluss und das ganze Flair drum herum waren so intensiv und inspirierend gewesen, dass wir gerne noch geblieben wären. Auf einem ziemlich großen Kahn schipperten wir – nur zu zweit an Bord – zurück nach Manaus, stiegen im „Colonial“ ab und gingen um die Ecke in ein Restaurant. Der blasse Kellner sagte uns gegen 20 Uhr, dass sie jetzt schließen würden, da diese Gegend nun viel zu gefährlich sei. Willkommen in der Zivilisation! Recht früh gingen auch im Hotel die Lichter aus, denn morgen würde es weiter in Richtung Norden gehen.
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Zum Abschluss unseres Brasilientrips hatten wir ein letztes Mal Inlandsflüge gebucht. Nach mehreren, oft tagelangen, Busfahrten genossen wir diesen Komfort. Am Flughafen sahen wir noch einmal die Schildkröten und ohne Verspätung hob die Maschine in Richtung Boa Vista ab. Für schmales Geld fuhren wir per Taxi zum Busbahnhof, entschieden aber dort, erst morgen nach Venezuela weiterzureisen. Wir beide wollten – wie zwei vom Glück Verfolgte – noch einen Tag länger im bisher schönsten Land unserer Weltreise verweilen. Wir wussten längst, dass es dem Satz von Jorge Amado nichts hinzuzufügen gibt: “Wer Brasilen bereist, wird mehr Lebensfreude, Herzenswärme und Intensität erleben, als in seinem ganzen Dasein!”
Wir kommen wieder!

Zum Weiterlesen: “90 Minuten Update” bei Amazon.de
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“90 Minuten Update” – bis zum 25.01.2015 kostenlos

20. Januar 2015 | von | Kategorie: Aktuelles

90 Update
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Rechtzeitig vor der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist mein E-Book “90 Minuten Update” als Nachtrag zu meinem Reise- und Fußballroman “90 Minuten Südamerika” erschienen. Bis zum 25.01.2015 kann man es kostenlos herunterladen.
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Ganz neu mit dabei: Eine spannende Reportage über den Nordosten Brasiliens. Lernen Sie mit Salvador da Bahia, Fortaleza und Recife die Austragungsorte der Gruppenspiele der Deutschen Fußballnationalmannschaft kennen und entdecken Sie die vielleicht schönste Region des Landes.
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Begleitet mich also auf hoffentlich ebenso spannenden Reisen nach England, Spanien, Vietnam, Thailand, Paraguay, Argentinien, Brasilien und Deutschland.
Allerdings sollte man das Buch eigentlich erst nach dem Hauptwerk (Hier ein paar Infos) lesen.

  • “90 Minuten Südamerika” bei Amazon.de
  • “90 Minuten Update” bei Amazon.de

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  • Berlin Leninplatz – bis zum 18.01.2015 gratis

    14. Januar 2015 | von | Kategorie: Aktuelles, Berlin Leninplatz

    leninplatz
    Vom 14.01.2015 bis zum 18.01.2015 kann man mein EBook “Berlin – Leninplatz” gratis bei Amazon beziehen.

    Klappentext:
    Pünktlich zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gibt es ein paar neue Geschichten vom Mauergewinner. Erfahren Sie diesmal unter anderem, warum man in der DDR Pappchinesen sammelte, wie es in einem „Lager für Arbeit und Erholung“ zuging, wo sich Udo Lindenberg und der Autor das erste Mal trafen, wann die „Wende“ in der DDR wirklich begann, warum Brüderchen Benny auf einem unsichtbaren Pferd ritt, wie eine sozialistische Lesebühne Geschichte schrieb, weshalb die Gruppenratswahl in der 7. Klasse urst einfetzte und wie eine sozialistische Lesebühne Geschichte schrieb.
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    „Freiheit ist immer auch die Freiheit des A.” Mit einem leicht verstümmelten Luxemburg-Zitat auf einer Schulmauer begann für den Ost-Berliner M. S. bereits im Dezember 1987 die „Wende“. Den Sprayer lernte er nie kennen. Bis heute fragt er sich: Wer war das?
    SPIEGEL ONLINE, 2014
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    Und hier kann man das E-Book “Berlin Leninplatz” kostenlos erwerben
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    Neue Rezi “Koalaland” bei Bücherwesen

    6. Januar 2015 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

    koalalandSeit Anfang Januar 2015 gibt es eine neue Rezension von “Koalaland” beim lesenden Bücherwesen. Drei von fünf Sternen gab es von Sabrina.
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    Nina und Micha fliegen gemeinsam nach Australien. Während er sich den Lebenstraum von der Durchquerung des Outbacks erfüllen möchte, kann sie sich mit diesem Gedanken – ihrem Reisepartner und dem wunderlichen Land – zunächst überhaupt nicht anfreunden.

    Doch unerwartete Ereignisse werfen die Urlaubspläne der beiden schnell über den Haufen. Sie müssen Kompromisse eingehen und kommen sich dabei allmählich näher. Dies ist der Startschuss zu einer atemberaubenden Reise in das rote Herz des Kontinents.

    Eine berührende Liebesgeschichte nimmt ihren überraschenden Lauf, spannend wie ein Krimi und rasant wir ein Roadmovie. Werden Nina und Micha in Down Under finden, wonach sie suchen?

    Tja hmm was hab ich für eine Meinung?

    Fangen wir mal beim Cover an. Durch seine Farbe sticht es schon ins Auge, sonst wirkt es allerdings recht eintönig.
    Aber ich muss dazu sagen der Hintergrund und der Camper sind großer Bestandteil des Romans es passt also perfekt, hätte mir eben z.B. den Camper etwas heller gewünscht als Akzent.

    Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven geschrieben, ihrer und seiner. Dadurch wiederholt sich die geschehene Szene immer, was mich aber nur an einer etwas langweiligeren Stelle gestört hat, sonst fand ich es ok da es durch die wirklich SEHR unterschiedlichen Charaktere interessant war zu sehen wie sich die Reise jeweils anfühlt.

    Von Nina war ich anfangs so genervt. Es liegt denke ich nicht am Schreibstil, eher an der Protagonistin.
    Wie schon erwähnt sind sie sehr unterschiedlich. Micha genießt das Abenteuer und spielt den Entdecker während Nina als Businessfrau mit Ansprüchen daher kommt.
    Dass die Realität oft so ist dass ein Ausflug für zwei Menschen jeweils eine andere Bedeutung hat ist mir bewusst aber Micha hat ja NIE was richtig gemacht. Ich war erst bei Seite 15 und schon gestresst.
    Ich gab dem Buch trotzdem eine Chance.

    Hatte ich anfangs allerdings gehofft es würde mir das Land so nahe bringen dass ich quasi mit dabei bin wurde ich schnell überzeugt dass dem nicht so ist. Man lernt natürlich ein wenig des Landes kennen und auch die Einwohner aber hauptsächlich empfand ich es als Reisetagebuch in dem es aber eher darum ging wer sich wegen was gezofft oder betrunken hat.

    Ab dem 2/3 des Buches wurde es besser. irgendwann taute auch Nina auf und ich konnte einen entspannten Urlaub genießen 😉 Fast! Denn wir geraten ja in ein “Missgeschick” und was danach kam fand ich sehr unrealistisch, die ganzen Reaktionen ließen mich nur den Kopf schütteln und die Freude war wieder dahin.

    Aufgrund der Kurzbeschreibung habe ich wirklich Spannung erwartet neben einer leichten Liebesgeschichte die sich erst entwickeln muss, aber ich las das Buch einfach so durch. Ich hätte mir wirklich mehr erwartet. Mehr Land, mehr Leute, mehr Spannung, mehr Liebe.

    Ein kurzweiliges Buch das mich nicht fesseln konnte, aber als Zwischensnack durchaus ok ist. Leider für mich aber eben nicht mehr als das.
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    Hier kann man u.a. Koalaland kaufen
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