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Annikas Brüste – FKK-Kindheit in der DDR

22. August 2014 | von | Kategorie: Blog, Mauergewinner Leseproben

Ostsee2
Wie soll ich meine Familie realistisch beschreiben? Unsere Lieblingsschallplatte in der Kindheit, die “Geschichtenlieder” von Reinhard Lakomy mit ihren wunderlichen Figuren unter dem “Traumzauberbaum”, bildete uns perfekt ab. Mein Vater wog, solange ich denken kann, über 100 Kilo bei einer Größe von nur 1.69 Metern – wir nannten ihn selten „Vati“, sondern „Kürbis Kugelbauch“ oder einfach nur „Kugel“. Die Mutter hatte proportional gesehen die gleichen Maße – nur eben 20 Kilo und 12 Zentimeter weniger. Sie wurde im Kinderzimmer der Mollstraße „Teresa Rundlich“ genannt. Wollten wir wirklich etwas von ihr, dann natürlich auch „Mutti“.
Neben der Fettleibigkeit einiger Familienmitglieder waren wir auch eine sehr prüde Sippe. Das Bad wurde immer von innen verschlossen; Familie Scheppert zeigte sich nicht gerne nackt. Seit ich meine Eltern trotzdem einmal zusammen in der Badewanne erwischt hatte, begrüßte ich dies auch. Viel Wasser hatten die beiden für ein randgefülltes Wannenbad nicht gebraucht. Ich stand unter Schock und es war für lange Zeit das letzte Mal, dass ich eine Frau oben ohne sah. Es gab in meiner Jugend keine Pornofilme, keine Sexshops und Rotlichtviertel, keine sexuell aufgeladenen Schimpfwörter. Aufgeklärt wurde ich zumindest in meinem Kinderzimmer nicht.

Benny_ich_Sand
Brüderchen Benny hatte einen Hang in Richtung Hängebauchschwein. Zeit meines Lebens möchte ich im Tierpark Berlin eine Patenschaft für eines dieser Tiere übernehmen und es Benny nennen. Als kleinste und jüngste Sau der Familie wurde er „Paule Platsch“, der Regentropfen, gerufen. Mich, den aus der Art geschlagenen, langen Lulatsch, der für meine Eltern und Benny geradezu ausgezehrt wirken musste, rief vor allem Benny ganz aufgeregt bald nur noch „Springginkel“ – so hieß die dürre, mürrische Fadennudel in den Geschichtenliedern. Ich konnte damit leben.

In einem FDGB-Urlaub mit meinen Eltern und Benny, ich war gerade zwölf, traf ich die zwei Jahre ältere Annika. Mit ihren langen, schlanken Beinen war sie ein bisschen größer als ich, hatte schulterlange braune Haare und kastanienfarbene, leuchtende Augen. Nicht nur wenn sie lächelte, war sie das hübscheste Mädchen, das mir bisher begegnet war. Wir spielten zusammen Tischtennis, Karten, rannten um die Wette und saßen am Abend auf der Wiese des Sportplatzes und redeten.
An einem der Urlaubstage meldeten wir uns beide freiwillig zur Kirschernte im Ort, während unsere Eltern gemeinsam auf einen Ausflug fuhren. Obwohl es Geld dafür gab, aßen wir lieber die saftigen Früchte und bewarfen uns lachend damit, während wir auf den Bäumen saßen. Als wir am Nachmittag völlig verschwitzt und rot verklebt in unserer Ferienanlage ankamen, fragte mich Annika, ob wir zusammen duschen wollten. Einfach so platzte sie damit heraus. Ich bekam einen Kopf, so rot wie die Kirschflecken auf meinem T-Shirt und suchte eilig das Weite.
Im Zimmer sank ich auf mein Bett. Ich war furchtbar von mir enttäuscht. Natürlich hätte ich dieses wunderschöne Mädchen gerne nackt gesehen. Von nun an schaute ich ständig neugierig auf ihre gewölbte Bluse und träumte von ihrem sonnengebräunten Körper. Doch in ihrer Nähe war ich nervös, schämte mich und wusste nicht wofür. Annika neckte mich nun ununterbrochen. Sie blinzelte mich übermütig an und flüsterte mir nach jedem gemeinsamen Abendbrot in der Hotelhalle ins Ohr, wie erfrischend doch die Dusche in ihrem geheimnisvollen Zimmer wäre. Doch die Tage vergingen, ohne dass ich es auch nur einmal wagte, auf Annikas unmoralisches Angebot einzugehen.
Im Meer

Freie Körper Kultur (FKK) in der DDR ist seit jeher ein Mysterium für mich. Ich kann nicht vernünftig erklären, warum meine Landsleute darauf so sehr abfuhren und sich kein bisschen für ihre Blöße schämten. Meinen Mitmenschen im Westen geht das genauso, denn dort herrscht einerseits ein riesiges Interesse an dem Thema, gleichzeitig wird verständnislos mit dem Kopf geschüttelt, wenn wieder einmal ein Bericht über die ausgelassenen Ossis ohne Badesachen im Fernsehen läuft.

Am vorletzten Tag unseres Urlaubs kamen Annikas und meine Familie auf die Idee, dass wir auch einmal gemeinsam an die nicht weit entfernte Ostsee fahren könnten. Was mir allerdings nicht klar war: mit getrennten Autos und an verschiedene Strände. Wir fuhren tatsächlich in einer Kolonne bis zu einem Parkplatz im Wald, stiegen aus und verabschiedeten uns in unterschiedliche Richtungen. Annika rief mir hinterher, dass ich gerne einmal auf ihre Seite kommen könnte. Sie würde sich freuen.
Annikas Eltern bevorzugten den FKK-Bereich, während wir natürlich mit extrem breiten Badehosen im Textilsektor lagen. Dennoch, ich war aufgewühlt und neugierig. Ich wollte unbedingt wissen, wie ein junges Mädchen ohne Bikini aussah. Unsere Strände waren nur 300 Meter voneinander entfernt.
Mutig beschloss ich, auf der Luftmatratze liegend in Richtung FKK-Strand zu paddeln.
Vom Wasser aus erkannte ich nach einiger Zeit die großen Schilder, die auf das Ende des Textilbereiches hinwiesen. Ich rollte mich von der Luftmatratze ins tiefe Wasser und zog mir umständlich die blaue Badehose herunter. Die Matratze vor mir herschiebend, schwamm ich zum ersten Mal vollkommen nackt an ein Ostseeufer. Unsicher richtete ich mich auf, die Matratze unter dem Arm und in der anderen Hand die geknüllte Badehose. Beides gab mir ein bisschen Schutz vor den Blicken der anderen Badegäste.
Ostsee 1
Doch niemand interessierte sich für mich, und schon ein bisschen selbstbewusster suchte ich den Liegeplatz von Annikas Familie. Schon von Weitem sah ich, dass Annika, als sie mich kommen sah, zu lachen begann. Unsicher grinsend legte ich mich bäuchlings neben sie in den Sand und blinzelte sie an. Auch ihre Eltern schmunzelten. Dann gingen sie ins Wasser. Annika lag auf dem Rücken, den Kopf auf ihren Arm gestützt und redete nun ganz cool mit mir. Bei jedem ihrer Atemzüge bewegten sich die braun gebrannten Brüste ein wenig auf und ab. Mir wurde ganz schummrig und so starrte ich abwärts zwischen ihre Beine auf die volle, dunkelblonde Schambehaarung. Ich konnte mich schon lange nicht mehr umdrehen. Ich hatte eine Erektion, die sich anfühlte, als hätte sie sich tief in den heißen Ostseesand gebohrt.
Noch Monate später beulte sich meine Hose bei dem geringsten Gedanken an diesen Strandbesuch aus. Mit dem Maßband aus Mutters Nähkasten überprüfte ich nun ständig meinen Entwicklungsstand. Eines Nachts träumte ich von einer engen dampfenden Dusche in einem sommerlichen FDGB-Heim. Ein neckisch blinzelndes Mädchen mit wunderschönen Brüsten drückte sich eng an mich und griff mir behutsam zwischen die Beine. Ich hatte meinen ersten Orgasmus.

Einer der schönsten Ostseestrände der DDR lag in Prerow. Ich wusste das nicht, bis Otmar mich in der 11. Klasse fragte, ob ich nicht mal dorthin mitkommen wollte. Seine Familie besaß dort einen Dauercampingplatz. Prerow liegt am äußersten Rand der Darßer Halbinsel, und der Zeltplatz befindet sich an einem kilometerlangen weißen Sandstrand direkt in den Dünen, Meeresrauschen und Lagerfeuer am Abend inklusive.
Neben Otmars Familie campten ringsherum allerlei Bekannte und Freunde, sodass sich dort über Jahre eine richtige Kommune gebildet hatte. Sämtliche Sommerwochenenden von Mai bis September und der komplette Urlaub wurden in Prerow verbracht – bei den Reisemöglichkeiten in der DDR und der dort herrschenden ausgelassenen Stimmung konnte ich das später sogar gut nachvollziehen. Seit Neuestem sprach man hier oben besonders offen und kritisch über die Verhältnisse in unserer Republik.

Zu meinem Einstand musste ich allein mit dem Zug anreisen. Um meine Freunde zu überraschen, bestand der Inhalt meines Rucksacks zu 85 Prozent aus Berliner Pilsner; das “Rostocker” hier oben war ja nicht genießbar, hatte man mir vorher erzählt. Bereits im Zug lernte ich ein lustiges Pärchen kennen und mit Hilfe ihrer und meiner Getränke wurde bei brütender Hitze schnell eine angenehme Ferienstimmung erreicht. In Barth setzte ich mich völlig geplättet in einen vollbesetzten Bus nach Prerow. Bei nunmehr 35 Grad im Schatten begann ich meine Suche nach Block H.
Ostsee heute
Ich musste eine Pause einlegen, setzte mich abseits des Weges in den Schatten der Kiefern und machte mir aus Mangel an Alternativen ein lauwarmes Bier auf. Ich dachte an Annika. Sie müsste jetzt 19 sein und war sicherlich eine wahre Strandschönheit mit hunderten Verehrern zu ihren Füßen, die ihre braungebrannten Brüste anstarrten. Seit unserer damaligen Begegnung hatte ich sie nicht mehr gesehen und war nie wieder an einem FKK-Strand gewesen.
Jemand riss mich aus meinen Gedanken und warf mich von hinten um. Mit riesigem Gelächter fielen Otmar und David über mich her. Natürlich fanden sie es lustig, dass sie mich hier, mit knallrotem Kopf, allein beim Biertrinken trafen. Ich hob entschuldigend die Arme und gab den Jungs ein “Berliner” aus dem Rucksack. Wir saßen glücklich im heißen Sand und genossen das tosende Meer. Bei hohem Seegang folgte ich den beiden zum Zelt, verlor zwischendurch das Gleichgewicht und fiel, ohne mich abzustützen, genau aufs Gesicht. Ich hatte einen Sonnenstich und meine Bewegungsabläufe nicht mehr im Griff.
Als ich die Augen wieder öffnete, glotzten mich jede Menge nackte Menschen an – junge wie alte, fette und dürre. Schlagartig wurde mir klar: Mist, FKK! Doch meine Scham hatte sich offenbar im Alkoholrausch verflüchtigt. Ich strampelte meine Klamotten aus und rannte laut brüllend in die kühlenden Ostseewellen.
Splitternackt schlief ich genau in der Mitte des Strandes ein und wachte gegen 19 Uhr völlig steif gefroren wieder auf. Obwohl ich am ganzen Körper zitterte, spürte ich gleichzeitig ein fürchterliches Brennen auf meiner Haut. Ich hatte mich von oben bis unten, aber besonders am einst weißen Hintern verbrannt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht befühlte ich die rohen Stellen und ertastete auch die große blutverkrustete Schramme meiner Wange. Ich wollte nur noch ins Zelt und niemanden sehen.
Am nächsten Tag sah ich zwar immer noch aus wie ein kriegsbemalter Ostindianer aus einem DEFA-Film, aber es ging mir schon besser. Otmar erzählte, dass fast alle befreundeten Dauerzelter rings herum gefragt hätten, was das denn für ein komischer Kauz wäre, den er da angeschleppt hatte. Ich konnte kaum sitzen, so sehr brannte mein Gesäß, und dachte genervt: FKK und ich, das passt irgendwie nicht zusammen.
Nackt icke
Vor einigen Jahren wollte ich Sylvie unbedingt einmal auf den Zeltplatz nach Prerow entführen.
Obwohl wir recht früh dort ankamen, waren bereits fast alle Plätze belegt, die Rezeption war voller Urlauber, und wir zogen auch noch eine hohe Wartenummer. Um die Zeit zu überbrücken, tranken wir ein frisch gezapftes, köstliches Rostocker Pils und als wir endlich unseren Standplatz genannt bekamen, musste ich lächeln. Ich hatte bereits geahnt, dass der Textilbereich ausgebucht sein würde. Diese Wessis!
Lächelnd blinzelte ich meine FKK-unerprobte Freundin aus Westdeutschland an und sagte: “Glück gehabt. Wir sind im wunderschönen Block H, direkt in den Dünen.“ Meine Sylvie tat mir ein bisschen leid, so mitten drin in der großen Gemeinschaft der Nackedeis. Am dritten Tag aber schaute sie zum ersten Mal überrascht auf ihre durchgehend gebräunten Brüste und meinen knackigen, streifenfreien Hintern. Völlig losgelöst sprangen wir nackt in die tosenden Wellen.
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Hier geht es zum Mauergewinner-Buch inklusive dieser Geschichte & anbei noch ein Erinnerungsbild aus Prerow aus dem Jahr 2014.
Prerow 2014
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Onkel Wolfgang geht – Kindheit in der DDR

10. August 2014 | von | Kategorie: Blog, Mauergewinner Leseproben

HalleSeit heute gibt es eine neue (gekürzte) Story aus meinem Buch “Mauergewinner” bei Spiegel Online. Was in der Geschichte nicht gesagt wird: der Mauerfall hat uns alle wieder zusammengebracht. Nicht nur deshalb bleibt es nach wie vor der wichtigste Tag meines Lebens…
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…”Schon mit 14 mussten wir uns in der DDR auf einen Beruf festlegen. Mir war klar, dass diese Entscheidung mein gesamtes späteres Dasein bestimmen würde. Denn die Eltern lebten es vor: Schule – Beruf – Datsche – Rente – Gruft. In meiner Klasse sah ich nur ratlose Gesichter. Was konnten und wollten wir in diesem Land werden? Keine Ahnung. Die meisten nahmen mangels Alternativen die Stellenangebote des Staates an. Manche arbeiteten dann ihr ganzes Leben lang für die Nationale Volksarmee oder ein Ministerium.

Ich wollte jedoch selbst entscheiden, wohin die Reise ging. Der Traum, als Kosmonaut ins Weltall zu fliegen, zerschlug sich rasch, da ich bei jeder längeren Fahrt in unseren Trabi kotzte. Meine Lehrerin Frau Wagenbach gab mir den Rat, mich doch mal im Kreise der Familie nach Vorbildern umzuschauen.

Die Frauen kamen dabei nicht in Frage. Die sah ich immer nur schuften und den Haushalt schmeißen – das war ja kein Leben. Ich grenzte also unsere Familienmitglieder auf meinen Vater, Onkel Wolfgang und Opa Hans ein. Einem dieser drei wollte ich nacheifern…”

Zum Weiterlesen bei Spiegel Online
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Und hier geht es zum Mauergewinner-Buch
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