Archive for April 2014

Bennys großer Tag – Kindheit in der DDR

30. April 2014 | von | Kategorie: Blog

8 VP FriedrichshainIrgendwie war es nicht so recht zu begreifen. Unsere arg verhasste Nachbar-Oberschule, die “Rosa-Luxemburg”, holte bei sämtlichen sportlichen Veranstaltungen im Stadtbezirk fast immer erste Plätze, Jahrgang für Jahrgang, und unsere Schule nichts, gar nichts, null nüscht! Als ob sie uns schon in den Kindergärten zugeteilt hätten: Du Sportskanone in die “Rosa” und du kleine ungelenke Flasche in die “Käthe”. Unser Sportlehrer, Herr Pinka, hatte neben den miserablen Ergebnissen noch ein zweites Handicap: Es wollte bald niemand mehr bei den Stadtbezirksmeisterschaften antreten und 74. werden. Um uns die prestigeträchtige 3.000-Meter-Cross-Strecke schmackhaft zu machen, gab er allen Schülern, die dort mitliefen, automatisch eine Eins in dieser Disziplin ins Klassenbuch – ohne Zeitvorgabe.

So kam es, dass er für diese lange Strecke, anders als beim BZA-Lauf, immer eine grandiose Zahl Schüler in allen Altersklassen an den Start schicken konnte und sein Soll deutlich übererfüllte. Der berühmte Lauf fand am kleinen Ententeich im Volkspark Friedrichshain statt und es kamen jedes Jahr zahlreiche Zuschauer zu diesem Großereignis. Neben Eltern und Lehrern der Schulen, versammelten sich lästernde, konkurrierende Cliquen an der Laufstrecke.

3 VP Friedrichshain
Da ich nun in der coolen 10. Klasse war, trabte ich nur langsam um den Teich – hielt hinter Büschen und Bäumen, rauchte einen Zug oder trank einen Schluck vom gereichten Bier – extrem lässig musste man sein. Ohne einen vergossenen Schweißtropfen brachten wir unseren Lauf in einer halben Stunde hinter uns und warteten gespannt auf die jüngeren Klassen.
Als die Achtklässer an uns vorbeirauschten, lachten wir uns kaputt; die nahmen das noch entschieden ernster. Als Letzter von vielleicht 80 Kindern kam Benny um die Ecke gekrochen. Er lief, um Eindruck zu schinden, ähnlich wie sein großer Bruder besonders locker und aufreizend langsam. Ich lächelte stolz und wir überzeugten ihn, erst einmal ein kleines Päuschen einzulegen. Als der Führende seines Laufes ein zweites Mal vorbeikam, schickten wir ihn wieder auf die Reise. Allerdings hatten wir nicht bemerkt, dass das komplette Starterfeld ihn bereits zweimal überrundet hatte. Um ihm die Schmach zu ersparen, einsame Runden allein zu laufen, feuerten wir ihn mit markigen Sprüchen an. Benny verstand den kleinen Scherz und legte einen ordentlichen Zwischenspurt ein.

10 VP Friedrichshain
Es konnte doch wirklich niemand ahnen, dass er den gestählten und vollkommen überraschten Athleten aus der “Rosa” im Höllentempo überholte. Unser Jubel und die dramatisch hetzenden Jungs schienen die Kampfrichter so zu beeindrucken, dass sie meinen Bruder für den Gesamtführenden hielten und ihn in Richtung Ziel einwiesen. Mit letzter Kraft stolperte er in das rote Zielband. Alle waren außer sich vor Freude und stürmten schreiend den Auslaufbereich. Euphorisch warfen wir unseren schelmisch grinsenden Sieger in die Lüfte. Unsere Schule hatte ihren großen Champion, wir waren endlich wieder wer in Friedrichshain! Mein kleiner Benny bekam als einziges Kind meiner gesamten Schulzeit ein öffentliches Lob „mit Auszeichnung“ auf dem nächsten Fahnenappell ausgesprochen. In unserer Sporthalle zierte eine riesige Urkunde mit seinen Errungenschaften die Wandzeitung.
Herr Pinka konnte sein Glück kaum fassen. Benny Scheppert war der Held unseres Sportlehrers, des Direktors, ja der ganzen Schule. Auch für mich war, ist und bleibt er das. Ein Leben lang!

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Magisches Dreieck bei “Fritten, Fussball & Bier” – Jugend in der DDR

24. April 2014 | von | Kategorie: Blog, Fußball-WM 2014

Triangel“Meine erste Fußball-WM auf deutschem Boden! Es hätte ein großes, ein bedeutendes Ereignis für mich werden können. Aber nein!

Zum einen fand dieses Turnier auf der falschen Seite der Mauer statt, zum anderen war ich gerade erst drei Jahre alt. Das Endspiel 1974 verlief für mich in etwa so: Mein Vater und mein Onkel Wolfgang haben sich im von uns so genannten “Scheppert-Eck” Mollstraße / Ecke Hans-Beimler-Straße beim Frühschoppen so dermaßen einen eingeholfen, dass sie beim Finale BRD gegen Holland schnarchend auf unserem Wohnzimmerteppich lagen und ich mit Mutter das Spiel allein anschaute. Die BRD wurde Weltmeister und ich – trotz allem – zum Fußballfan.

Mein Berlin hatte zwei Mannschaften zu dieser Zeit: Union Berlin und den BFC Dynamo. Wir wohnten in Friedrichshain, und da war es zu Union nach Köpenick in Kinderaugen genauso weit wie nach Magdeburg oder Halle. Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg hingegen war gleich um die Ecke – also wurde ich weinrot-weiß Dynamo.

Ich war noch sehr klein und wusste nicht, welchen zweifelhaften Ruf meine Mannschaft in unserer Republik besaß. Wahrscheinlich haben mich Sprüche der Gästefans wie: „Ihr bekackten Mielke-Stasi-Arschlöscher-Bonzen!“ in diesem Alter nur verwirrt. Es war eine Frage der sozialistischen Ideologie: BFC-Fan hieß, man war dafür, Unioner waren dagegen. Egal – ich hatte ein Team, das ständig gewann!”
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Hier gehts zum Weiterlesen bei: Fritten, Fussball & Bier

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Schön Rezi zu “Koalaland” bei “Wortszenerie”

21. April 2014 | von | Kategorie: Blog, Koalaland

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Seit ein paar Tagen gibt es eine wunderbare Rezension zu meinem Buch “Koalaland” von Lyrica auf der Seite von “Wortszenerie”. Hier ihr Fazit:

“Ein Australienbuch, wie man es sich wünscht. Beschreibungen der Ortschaften, Menschen, vor allem aber der einzigartigen Mentalität und das mit einer Detailtreue und Genauigkeit, als wäre man selbst dort gewesen. Ohne Kitsch und historische Auswandererpläne kann das Buch vor der Kulisse Australiens bestehen. Die Protagonisten werden nicht jedermanns Sache sein, sie sind aber absolut authentisch, realistisch und lebensah, wodurch es mir doch gelang, einen Zugang zu ihnen zu finden und mit ihnen mitzufiebern. Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, verleiht dem Buch dann aber doch das gewisse Etwas. Absolute Leseempfehlung!”
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Hier gehts zur vollständigen Rezension

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“Mauergewinner” in der BoD-Bestsellerliste & mit eigener Facebook-Seite

20. April 2014 | von | Kategorie: Blog

BestsellerNachdem mein Buch “Mauergewinner” kurz nach Erscheinen im Jahr 2009 recht schnell und völlig überraschend auf Platz 1 der BoD-Bestsellerliste stand und in dieser Kategorie immer mal unter den zehn bestverkauften Titeln aufgetaucht war, ist es nunmehr – fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung – wieder auf Platz 3 gelandet.
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Immerhin sind mittlerweile über 18 Millionen gedruckte Bücher von insgesamt 25.000 Autoren bei diesem Verlag erschienen. Da ist eine Bestseller-Notierung auch nicht sooo schlecht.

Mein “Mauergewinner” hat nun sogar eine eigene Facebook-Seite
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Berlin Leninplatz. Neues vom Mauergewinner

11. April 2014 | von | Kategorie: Blog

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Pünktlich zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gibt es brandneue Geschichten vom Mauergewinner. Diesmal erfährst Du unter anderem, warum man in der DDR Pappchinesen sammelte, wie es in einem „Lager für Arbeit und Erholung“ zuging, wo sich Udo Lindenberg und der Autor das erste Mal trafen, wann die „Wende“ in der DDR wirklich begann, warum Brüderchen Benny auf einem unsichtbaren Pferd ritt und wie eine sozialistische Lesebühne Geschichte schrieb.

Lesen, bzw. kaufen könnt Ihr “Berlin Leninplatz” hier

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DDR-Jugendweihe – Jugend in der DDR

10. April 2014 | von | Kategorie: Blog

Jugendweihe FamilieEs gibt ein Foto von mir und meinem Vater, der stolz auf mich herabschaut, während ich aus einem Halbliterglas genüsslich Bier trinke. Auf dem Bild bin ich drei Jahre alt. Meine Mutter, die in dem Moment nicht anwesend war, hätte das wohl nicht besonders witzig gefunden. Doch bereits einige Jahre später ließ sie uns zu jeder größeren Feier und am Silvesterabend “mal” am Eierlikör nippen. Ich erlebte eine typische DDR-Kindheit und kam sehr früh mit Alkohol in Berührung, auch wenn er mir lange Zeit überhaupt nicht schmeckte.

Als Didi im Herbst 1985 plötzlich mit einem riesigen West-Doppelkassettenrekorder erschien, avancierte er zum neuen Helden unserer Clique. Um diese Stellung noch zu untermauern, kaufte er tags darauf im Intershop 60 Dosen DAB – Westbier! Erstens gab es bei uns nur Flaschen und zweitens hatte noch keiner von uns jemals echtes Bier von “drüben” getrunken. Didi baute die Dosen auf unserer Tischtennisplatte geschickt zu einer riesigen Pyramide auf. So stellten wir uns den Westen vor. Sagenhafte Bierpyramiden, coole Typen und laute Musik aus monströsen Ghettoblastern.

An diesem Abend trank ich, nur weil es Westbier war, fünf Dosen DAB und reiherte die halbe Nacht aus meinem Kinderzimmerfenster im neunten Stock. Didi übergab sich wohl noch etwas länger, denn als seine Eltern bemerkten, dass er ihr heiliges Westgeld geklaut hatte, prügelten sie ihm nicht nur die Dosen und den Rekorder aus dem Leib.

Hier gehts zum Weiterlesen auf: Spiegel Online
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“Chaos und Theorie”: Unsere Lesung am 10.04. im Café Tasso in Berlin

2. April 2014 | von | Kategorie: Blog, Termine

24. Sinnlos-Zwerg 3 “Grau, lieber Freund, ist alle Theorie…”

So sprach Goethes Faust und “Die Unerhörten” treten an, dem Dichterfürsten posthum zu beweisen, dass die Theorie munter und bunt und zuweilen auch sehr chaotisch sein kann.

Daher unser Thema, das wir wie immer zwischen supereng und extrabreit auslegen und die frisch verzapften Geschichten im Tasso ausschenken werden.

Als besonderen Gast des Abends freuen wir uns auf den Lyriker und Lesebühnenkollegen Werner Lutz Kunze!

Das Cafe und Antiquariat Tasso ist wie immer in der Frankfurter Allee 11 in Berlin Friedrichshain zu finden, Eintritt ist frei und um 20 Uhr geht es am 10. April los. Spenden erbeten!

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